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Alle wollen mit dem Handy
telefonieren - aber die Sendemasten mag niemand haben. Strahlend schön
sind sie nämlich nicht gerade, und als ungesund umstritten. Deshalb werden
sie verkleidet: als Baum, Kamin oder Kruzifix.
Wer sein Grundstück für
einen Mobilfunk-Mast zur Verfügung stellt, kriegt gutes Geld - und
Ärger mit den Nachbarn. Ob wegen des Aussehens oder aus Sorge um die
eigene Gesundheit: Die Antennen sind extrem unbeliebt. Darum haben clevere
Mast-Macher die Camouflage für sich entdeckt und verkleiden die Sender als
Baum oder Bootsmast.
Bitte nicht fällen,
ich bin eine Antenne...
"Es kommt immer wieder vor, dass
diverse Ämter bitten, ob man die Masten nicht angenehmer gestalten kann",
sagt Josef Skuk, Geschäftsführer der Industrieanlagenbau GmbH im
österreichischen St. Stefan. Sein Unternehmen baut Masten, die wie
Bäume aussehen, "Nadel- und Laubbäume, wir haben beides im Programm".
Für "um die 25.000 Euro" kommt dann kein hässlich-grauer
Sende-Spargel in die Landschaft, sondern ein durchschnittlich 30 Meter hohes
Baum-Imitat. Tauchfeuerverzinkt.
Auch die Mastenfabrik Kaal im
niederländischen Oss und die britische Firma "Francis & Lewis" (FLI)
in Waterwells sind Baumschulen der besonderen Art. Kaal bietet schnellwachsende
Masten ("Aufstellung innerhalb eines Tages") und die Briten versprechen: "Der
FLI Cypress Tree gleicht einem echten Baum von der Borke bis hin zu den
begrünten Ästen."
Friedhofshalle als
Sendestation
Macht sich sicher gut, aber nicht
auf dem Dach. Auch ein Bootsmast ist zu Lande eher ungeeignet. Deshalb stellt
Skuk mit seiner Industrie-Anlagenbau auch Kamin-Attrappen her -und sogar Kreuze
für Kirchen.
Da ist dann für manche
Gläubige allerdings das Ende der Fahnenstange erreicht. Im bayrischen
Schwabhausen steckt ein Sender in einem Kruzifix, das an der Aussegnungshalle
des Friedhofs hängt. Laut Bürgermeister Josef Mederer soll das aber
so nicht bleiben. In Neuburg an der Donau macht eine Antenne auf der
evangelischen Apostelkirche weltliche Telefonate möglich - sie ist in ein
Kreuz integriert. Die Christen hier störe das aber wenig, erklärt
Pfarrer Johannes de Fallois: "Jetzt ist die Kirche als solche zu erkennen."
Himmlische Hilfe fürs Handy -
da sind die Netzbetreiber aber ohnehin vorsichtig. "Das mögen die Kirchen
eigentlich nicht so gerne", erklärt Susanne Satzer-Spree, Sprecherin von
Vodafone. Und Norbert Minwegen von T-Mobile West vermutet: "Dagegen würde
sich doch jeder Christ wehren."
Wehren tun sich jedenfalls die
Mobilfunk-Unternehmen. Denn dass die Masten Tarnung tragen, diene allein der
besseren Optik oder dem Denkmalschutz. Und nicht dem Versteckspiel, sonst
sägten die Netzbetreiber am Mast, auf dem sie selber sitzen. "Wir bauen ja
nicht klammheimlich, sondern in Abstimmung mit den Kommunen", betont
Satzer-Spree. Und Minwegen erklärt, die phantasievolle Gestaltung entstehe
deshalb, "weil die Städte Verordnungen haben, die zum Beispiel für
die Kölner Altstadt vorschreiben: Die Antenne muss wie ein Schweizer Kamin
sein."
Kleine Antennen - kein
Problem
Dagegen sagt Hans
Ulrich-Raithel vom privaten Münchener Umweltinstitut: "Das Verstecken von
Mobilfunkmasten in Kaminen geschieht häufig wegen Anwohnerprotesten." Skuk
meint zu den Bäumen: "Durch die Vielzahl der Antennen ist man vielleicht
beunruhigt - und wenn man so besser damit lebt..." Der Design-Mast werde
aber "immer nur als letzte Option verwendet".
Kleinantennen an Fassaden oder auf
Litfasssäulen seien gang und gäbe, sagen die Mobilfunk-Sprecher. Eine
Handy-Eiche oder D-Netz-Buche hätten allerdings weder T-Mobile noch
Vodafone in Betrieb. Diese Tarnung wäre sowieso noch nicht vollkommen: Der
Mast wirft im Herbst nicht die Blätter ab. |