| EU-Kommissar Busquin will
Gentechnik-Forschung an Pflanzen massiv forcieren
Experten und Politiker sollen noch
bis Jahresende im Rahmen eines Technologieforums zur Pflanzentechnologie einen
Strategieplan über die Forschungsziele bis 2025 vorlegen. Das sagte der
für Forschung zuständige Kommissar Philippe Busquin am Donnerstag in
Brüssel. Eine "Vision" für die "Pflanzen der Zukunft" wurde bereits
vorgestellt. Für die Umsetzung sollen innerhalb der nächsten zehn
Jahre 45 Milliarden Euro von privater und öffentlicher Seite aufgebracht
werden.
| In den Pflanzenwissenschaften
und der Biotechnologie hat Europa in den letzten Jahren seine führende
Rolle eingebüßt, da die Auswirkungen dieser Technologien in der
Öffentlichkeit Bedenken auslösten, die Vorteile dieser Technologien
der Öffentlichkeit nicht angemessen vermittelt werden konnten und
strategische Forschungsprogramme fehlten. Dies ist angesichts der
Herausforderung, vor denen Europa steht, alarmierend: die nachhaltige
Versorgung einer anwachsenden Weltbevölkerungen mit gesünderen
Lebensmitteln und der Ersatz von Materialien fossilen Ursprungs durch neue,
umweltfreundliche Biomaterialien aus erneuerbaren
Pflanzenressourcen. |
Eine "Vision" wurde bereits von Vertretern aus der
Forschung, der Lebensmittel- und Biotech-Industrie und der Landwirtschaft
entwickelt und ebenfalls am Donnerstag unter dem Titel
Pflanzen für die Zukunft in Brüssel vorgelegt.
Unter den zwanzig Unterzeichnern des 23-Seiten starken Papiers finden sich u.a.
Eggert Voscherau, Vize-Chairman von BASF, Jochen Wulff ehemals CEO von Bayer
CropScience und der Vorstandschef der europäischen
Biotechnologie-Vereinigung
EuropaBio. Die deutsche Wissenschaft war durch Peter Gruss,
dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, vertreten ebenso wie von der
Biologin und Nobelpreisträgerin
Christiane Nüsslein-Volhard , die das
Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen leitet.
Die insbesondere bei Fragen der Koexistenz kritischen
deutschen Bauernvertreter scheinen übrigens ebenso wenig in die
Gespräche eingebunden gewesen zu sein wie kritische
Konsumentenschutzverbände oder NGOs. Und das obwohl das Papier die
Wichtigkeit der Einbeziehung aller "Stakeholder" betont.
Als Prioritäten beziehungsweise Zielsetzungen der
künftigen Biotechnologieforschung wurden drei Punkte genannt:
| Erzeugung erschwinglicher,
gesunder und qualitativ hochwertiger Lebensmittel, Förderung von
Umweltverträglichkeit und nachhaltiger Landwirtschaft sowie Stärkung
der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft, Industrie
und Forstwirtschaft.:RZ:TEXT> |
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Das federführende Personenkomitee beklagt den
Rückstand der Union gegenüber den USA. Während Biotech-Firmen in
den USA Millionen 650 Millionen Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung
investieren würden, geben ihre europäischen Pendants nur 400
Millionen Euro aus. "Letztes Jahr hat die amerikanische Regierung eine
nationale Pflanzengenom-Initiative auf den Weg gebracht, die für die Jahre
2003-2008 mit einem Gesamtbudget von 1,1 Milliarden Euro ausgestattet ist. In
der EU-15 wurden schätzungsweise etwa 80 Millionen jährlich
hierfür zur Verfügung gestellt", so Busquin. Die Expertengruppe
veranschlagt einen Finanzbedarf von 45 Milliarden EUR in den nächsten zehn
Jahren, um die formulierten strategischen Ziele in der Biotechnologie zu
erreichen:
| Developing and implementing a
pertinent long-term research agenda based on the identification of the
priorities of the sector and of European citizens. We estimate that public and
private funding - at EU, national and regional level - will have to exceed
45 billion over the next ten years if Europe is to remain
competitive.:RZ:TEXT> |
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Begründet wird die Notwendigkeit von Biotechnologie
respektive GVOs mit üblichen Argumenten wie etwa Absicherung der
Lebensmittelversorgung für die anwachsende Weltbevölkerung.
Interessant ist, dass auch die Klimaveränderung beziehungsweise die
Klimaerwärmung als Begründung herangezogen wird. Dazu soll
insbesondere die Forschung zur Entwicklung stressresistenter Pflanzen
intensiviert werden:
| Neue stressunempfindliche
Pflanzen werden die landwirtschaftliche Produktivität trotz saisonaler
Schwankungen und Klimaveränderungen erhöhen und dabei noch weniger
Dünger, Pestizide und Wasser benötigen.:RZ:TEXT> |
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Mögliche Risiken für Gesundheit und Umwelt werden
in dem Papier nur kurz angesprochen. Demgegenüber wird aber immer das
riesige Potenzial, das die Biotechnologie für das Wohlergehen der
Menschheit eröffnen würde, hervorgestrichen. Immerhin ist man sich
zumindest des Koexistenz-Problems bewusst und sieht eine Lösung u.a. in
der Entwicklung von Sterilisationsmechanismen, die eine unerwünschte
Ausbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen unterbinden könnte.
| To ensure consumer and farmer
choice, GM, conventional and organic crops will need to exist side by side.
This can be achieved in a number of ways, such as applying appropriate
agricultural practices and cultivating GM plants containing biological
characteristics that reduce gene flow. These include engineering cleistogamy
(which prevents plants from pollinating) or cytoplasmic male sterility into
'specialty' crops so that they retain the purity of their special features
without running the risk of mixing with other plants. |
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Überwiegend liest sich der EU-Bericht wie eine
Werbebroschüre der Biotech-Industrie und so ist es kaum verwunderlich,
dass sich die europäische Biotechnologie-Vereinigung EuropaBio postwendend
zu Wort meldete und die Entscheidung der Kommission als "wichtiges Signal"
begrüßte. "Der Einsatz der Biotechnologie zur Herstellung von
Biomasse, Bioenergie, Bio-Kunststoffen und Bio-Textilien aus pflanzlichen
Produkten kann die Landwirtschaft revolutionieren. Nicht nur Lebens- und
Futtermittel werden die Bauern herstellen. Pflanzen werden die Quelle für
Brennstoffe, organisch verderblichen Kunststoffen, umweltfreundliche
Reinigungsmitteln und Arzneimittel sein",
erklärte Feike Sijbesma, Vorstandschef von EuropaBio
und Mitglied in dem Personenkomitee, welches diese EU-Vision entwickelte.
Dass bei der überwiegend kritischen Haltung in der
europäischen Bevölkerung noch einiges an Überzeugungsarbeit
zugunsten der EU-Biotech-Visionen geleistet werden muss, scheint auch dem
EU-Kommissar klar zu sein. Immerhin lautet ein wesentlicher Punkt auf der
Agenda: "Förderung des gesellschaftlichen Konsens durch gegenseitiges
Verständnis und Kommunikation. |