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Zionismus: Moderne Interpretation eines alten Motivs

Ursprung des Wortes "Zionismus"” ist das biblische Wort "Zion"”, das oft als Synonym für Jerusalem und das Land Israel (Eretz Yisrael) gebraucht wird. Der Zionismus ist eine Ideologie, die die Sehnsucht von Juden aus aller Welt nach ihrer historischen Heimat zum Ausdruck bringt - die Sehnsucht nach Zion, dem Land Israel.

Das Verlangen nach Rückkehr in die Heimat ergriff zum ersten Mal Juden, die vor 2500 Jahren ins Exil nach Babylon verschleppt worden waren - eine Hoffnung, die schließlich Realität wurde. ("An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten", Psalm 137, 1.) Demnach hat der sich erstmals im 19. Jahrhundert artikulierende, politische Zionismus weder das Konzept an sich noch die Praxis der Rückkehr nach Zion erfunden. Vielmehr übernahm er eine alte Idee und eine durch die Jahrhunderte kontinuierlich verlaufende aktive Bewegung auf und paßte sie den Bedürfnissen und dem Geist seiner Zeit an.

Die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel (14. Mai 1948) formuliert die Quintessenz der zionistischen Idee mit den Worten:

"Im Lande Israel entstand das jüdische Volk. Hier prägte sich sein geistiges, religiöses und politisches Wesen. Hier lebte es in einem freien und unabhängigen Staat. Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt das Ewige Buch der Bücher."

Durch Gewalt vertrieben, blieb das jüdische Volk auch in der Zerstreuung seiner Heimat in Treue verbunden. Nie wich seine Hoffnung, nie verstummte sein Gebet um Heimkehr und Wiedererrichtung seiner politischen Freiheit im Lande.”

Die historische Verbindung zwischen jüdischem Volk und seinem Land

Die Idee des Zionismus basiert auf der langen Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und seinem Land, einer Verbindung, die vor mehr als 4 000 Jahren begann, als Abraham im Lande Kanaan siedelte, das später als das Land Israel bekannt wurde. Ungefähr im Jahre 1000 v.d.Z. machte König David Jerusalem zur Hauptstadt des Landes. Zirka vierzig Jahre später errichtete sein Sohn, König Salomo, hier den Tempel für den Einen Gott und machte so Jerusalem zum geistigen und politischen Zentrum der Nation. Mehr als 400 Jahre staatlicher Unabhängigkeit unter der Dynastie der Davididen endeten 586 v.d.Z., als das Land von den Babyloniern erobert wurde, die den Tempel zerstörten und große Teile des Volkes ins Exil führten. Doch noch vor Ende des Jahrhunderts, kehrten Juden aus dem Exil zurück, erbauten den Tempel aufs neue und stellten des jüdische Leben im Lande wieder her. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr das jüdische Volk unterschiedliche Grade politischer Selbständigkeit unter persischer (538-333 v.d.Z.) und hellenistischer (332-142 v.d.Z.) Vorherrschaft, erneute Unabhängigkeit unter der Dynastie der Hasmonäer (142-63 v.d.Z.) und seit 63 v.d.Z. schließlich eine zunehmend drückende Herrschaft der Römer. Als Juden an der Ausführung ihres traditionellen religiösen Lebensstils gehindert wurden, kam es zu einer Reihe von Revolten gegen die römische Besatzungsherrschaft, die in dem Aufstand des Jahres 66 n.d.Z. ihren Höhepunkt fand.

Nach vierjährigem Kampf wurde der jüdische Aufstand von den Römern niedergeschlagen. Der Tempel brannte bis auf die Grundmauern nieder. Viele Tausend Juden wurden ermordet, in die Sklaverei verkauft und über alle Länder in Nah und Fern zerstreut. Einziger Überrest des gesamten Tempelgeländes ist die westliche Umfassungsmauer des Tempelberges, die Westmauer, die zu einer Pilger- und Gebetsstätte für Juden wurde und dies bis in die Gegenwart hinein geblieben ist.

Im Jahre 132 n.d.Z. kostete die grausame Unterdrückung eines weiteren jüdischen Aufstandes, der die politische Souveränität im Lande für drei Jahre wiederherstellte, unzähligen Menschen das Leben. Um die jüdische Verbindung mit dem Land Israel auszutilgen, nannten die Römer das Land fortan offiziell Palästina.

Die kleine jüdische Gemeinschaft, die im Lande verblieb, erholte sich allmählich von den Folgen der Kämpfe. Institutionelles und kulturelles Leben wurden in Anpassung an die veränderte Situation ohne das einigende Band von Staat und Tempel erneuert. Die Priester wurden durch Rabbiner ersetzt, und in Abwesenheit eines zentralen Heiligtums wurde die Synagoge zum Kern der verstreuten Gemeinden.

Zwischen 636 und 1096 verringerte sich die jüdische Gemeinschaft im Land erheblich und verlor allmählich infolge der zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Diskriminierung unter arabischer Herrschaft ihre organisatorische und religiöse Bindungskraft. Doch in kleiner Zahl waren Juden während aller Jahrhunderte im Lande präsent. Sie erhielten von Zeit zu Zeit Verstärkung durch die Rückkehr von Juden aus der Diaspora, den Ländern ihrer Zerstreuung, nach Zion.

So kam es in den Jahren 1191 bis 1198 zu einer Aliya (jüdische Einwanderung ins Land Israel) aus Nordafrika. Ein schwacher Strom jüdischer Flüchtlinge, die sich der spanischen Inquisition entzogen hatten, fand dann im ausgehenden 15. Jahrhundert den Weg ins Land. Andere, die vor Pogromen in der Ukraine flohen, kamen Mitte des 17. Jahrhunderts. Noch im gleichen Jahrhundert erhob sich die messianische Bewegung unter Shabbtai Zwi aus Izmir, die einige seiner Anhänger ins Land Israel führte. Ihnen folgten im Jahre 1700 Hunderte chassidischer Juden aus Osteuropa. Die Einwanderungswellen im 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren ausreichend groß, um die jüdische Gemeinde in Jerusalem bis zum Jahre 1844 zur größten religiösen Gemeinschaft in der Stadt werden zu lassen. So gingen den großen zionistischen Einwanderungsströmen, die im Jahre 1882 einsetzten und noch im 20. Jahrhundert andauern, im Laufe der Jahre viele kleine, sporadische Einwanderungen von Juden ins Land Israel voran.

Grundkonzepte des Zionismus

Im Mittelpunkt zionistischen Denkens steht die Auffassung vom Lande Israel als der historischen Geburtsstätte des jüdischen Volkes und der Glaube, daß jüdisches Leben anderswo ein Leben im Exil ist. Moses Hess brachte diesen Gedanken in seinem Buch Rom und Jerusalem (1844) mit den Worten zum Ausdruck: 

"Zwei Perioden formten die jüdische Zivilisation: Die erste fand nach der Befreiung aus Ägypten statt, die zweite nach der Rückkehr aus Babylon, die dritte wird nach der Erlösung vom Exil stattfinden."

Während der Jahrhunderte in der Diaspora hielten Juden eine feste und einzigartige Verbindung mit ihrer historischen Heimat aufrecht und bekundeten ihre Sehnsucht nach Zion in religiösen Zeremonien und in der Literatur. Juden sind angehalten, sich während des Gebets nach Osten - gen Eretz Israel - zu wenden. Im Morgengottesdienst heißt es "Bringe uns in Frieden heim von den vier Enden der Erde und führe uns aufrecht in unser Land." Die Betenden wiederholen mehrmals "Gelobt seist du, Ewiger, der Du Jerusalem erbaust” und "Gesegnet seist Du, Ewiger, der seine Majestät nach Zion zurückbringt." Zum Segen nach den Mahlzeiten gehört ein Segensspruch, der mit einem Gebet für den Wiederaufbau "Jerusalems, der Heiligen Stadt, rasch und in unseren Tagen" endet. Während der Hochzeitszeremonie erhebt der Bräutigam "Jerusalem zu unserer höchsten Freude.” Bei einer Beschneidung werden die Worte "Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte" gesprochen. Am Passahfest wünscht man sich allgemein "Nächstes Jahr in Jerusalem." In Trauerzeiten werden die Leidtragenden durch die Erwähnung des Landes Israel getröstet: "Gelobt seist du, Ewiger, Tröster Zions und Erbauer Jerusalems." Die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach der Rückkehr in sein Land kam auch in Prosa und Poesie in Hebräisch und in den anderen jüdischen Sprachen zum Ausdruck, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hatten - Jiddisch in Osteuropa und Ladino in Spanien.

Antisemitismus als Faktor bei der Entstehung des Zionismus

Obwohl der Zionismus die historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel zum Ausdruck bringt, wäre der moderne Zionismus als eine aktive Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wohl kaum ohne den in der Kontinuität einer jahrhundertelangen Verfolgungsgeschichte stehenden, zeitgenössischen Antisemitismus entstanden.

Immer wieder wurden die europäischen Juden verfolgt und ermordet, bisweilen aus religiösen, manchmal aus wirtschaftlichen Gründen, bisweilen unter sozialen Vorwänden und manchmal aus nationalen und rassistischen Motivationen. Juden wurden von den Kreuzfahrern ermordet, die auf ihrem Weg ins Heilige Land (11.-12. Jahrhundert) Europa durchzogen, und während der Pest unter der Beschuldigung der Brunnenvergiftung mörderisch verfolgt (14. Jahrhundert), unter der spanischen Inquisition verbrannt (15. Jahrhundert) und von Chmelnickis Kossaken in der Ukraine hingeschlachtet (17. Jahrhundert). Hundertausende von Juden wurden von den Armeen Danikins und Petlura im russischen Bürgerkrieg nach dem Ersten Weltkrieg getötet. Die wohl grausamste Verfolgung jedoch, der Holocaust unter den Nationalsozialisten, bei dem sechs Millionen Juden systematisch aus "rassischen" Gründen ermordet wurden, wurde von Deutschen geplant und vorangetrieben, in deren Land Juden die intensivsten Bemühungen um soziale Assimilation unternommen hatten.

Im Laufe der Jahrhunderte waren Juden aus nahezu allen europäischen Ländern vertrieben worden - Deutschland und Frankreich, Portugal und Spanien, England und Wales - eine kumulative Erfahrung von profunder Wirkung, insbesondere im 19. Jahrhundert, als Juden alle Hoffnung auf eine grundlegende Änderung ihres Lebens verloren hatten. Aus diesem Milieu erwuchsen führende jüdische Persönlichkeiten, die sich infolge des virulenten Antisemitismus in den Gesellschaften ihrer Umwelt dem Zionismus zuwandten. So wurde Moses Hess, erschüttert durch die Ritualmordbeschuldigungen von Damaskus (1844), zum Gründervater des zionistischen Sozialismus; Leon Pinsker, aufgerüttelt durch die Pogrome nach der Ermordung Zar Alexanders II. (1881-1882), übernahm die Führung der Chibbat-Zion-Bewegung; und Theodor Herzl, der als Journalist in Paris die giftige antisemitische Kampagne in der Dreyfus-Affäre zu spüren bekam (1896), machte den Zionismus zu einer politischen Bewegung.

Die zionistische Bewegung zielte auf eine Lösung der "Judenfrage", also des Problems einer fortwährenden Minderheitensituation, eines fortwährenden Pogromen und Verfolgungen ausgesetzten Volkes, einer heimatlosen Gemeinschaft, deren Fremdheit stets durch Diskriminierung hervorgehoben wurde, wo immer Juden siedelten. Der Zionismus versuchte, diese Situation durch die Rückkehr in die historische jüdische Heimat - in das Land Israel - zu ändern.

Die Einwanderungswellen nach Eretz Israel in der Neuzeit waren tatsächlich in der Regel eine direkte Reaktion auf Mordtaten und Diskriminierungen gegen Juden. Die Erste Aliya setzte nach den Pogromen in Rußland in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Die Zweite Aliya wurde durch den Pogrom in Kischinev und eine Reihe von Massakern in der Ukraine und in Weißrußland um die Jahrhundertwende ausgelöst. Die Dritte Aliya setzte nach der Ermordung von Juden im russischen Bürgerkrieg ein, während die Vierte Aliya ihren Ursprung in Polen in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte, nachdem die wirtschaftliche Aktivität von Juden durch die Gesetzgebung Grawskis beeinträchtigt worden war. Die Fünfte Aliya setzte sich aus deutschen und österreichischen Juden zusammen, die vor dem Nationalsozialismus flohen.

Nach der Gründung des Staates Israel (1948) waren die Massenimmigrationen weiterhin die Folge von Diskriminierung und Unterdrückung - Überlebende des Holocaust aus Europa, Flüchtlinge aus arabischen Ländern, die vor den dort nach der Staatsgründung Israels einsetzenden Verfolgungen flohen, die letzten Vertreter des polnischen Judentums, die das Land verließen, als der Antisemitismus unter dem Regime von Gomulka und Muzcar wieder auflebte, und schließlich Juden aus Rußland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, die eine neue antisemitische Welle infolge der Auflösung der Sowjetunion befürchteten. Die Geschichte der Einwanderungswellen nach Eretz Israel ist ein starker Beleg für die Richtigkeit der zionistischen Argumentation, daß ein jüdischer Staat im Land Israel, mit einer jüdischen Mehrheit, die einzige Lösung der "Judenfrage" ist.

Aufstieg des politischen Zionismus

Der politische Zionismus als die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes entstand im 19. Jahrhundert im Kontext des liberalen Nationalismus, der sich zu jener Zeit in Europa ausbreitete. Die historische Epoche des liberalen Nationalismus, die mit einer Bewegung in Griechenland zur Befreiung vom Joch der osmanischen Besatzung einsetzte und zu der nationale Befreiungsbewegungen in Irland, Norwegen, Polen, der Tschechoslowakei, Deutschland, Italien und, im weiteren Verlauf des Jahrhunderts, in der Türkei und Indien zu zählen sind, inspirierte auch die zionistischen Denker, wie aus zahlreichen Hinweisen auf die nationalen Freiheitskämpfe anderer Völker in den Schriften der Gründer des Zionismus deutlich wird. Der liberale Nationalismus strebte in der Regel zwei prinzipielle Ziele an: Befreiung von einer Fremdherrschaft (wie in den Fällen von Polen, Griechenland und Irland) und nationale Einheit in Ländern, die in zahlreiche politische Einheiten aufgeteilt waren (Italien und Deutschland). Das Motto des liberalen Nationalismus lautete: "Ein Staat für jede Nation, und die gesamte Nation in einem Staat".

Im Zionismus kamen beide Ziele, Befreiung und Einheit, zu einer Synthese, indem man danach strebte, Juden von feindlich-bedrückender Fremdherrschaft zu befreien und die jüdische Einheit durch die Sammlung der im Exil lebenden Juden aus allen Ländern der Welt in der jüdischen Heimat wieder herzustellen.

Der Aufstieg des Zionismus als einer politischen Bewegung war auch eine Antwort auf das Scheitern der Haskala, der jüdischen Aufklärung, bei der Lösung der "Judenfrage"”. Nach der zionistischen Doktrin lag der Grund für dieses Scheitern in dem Umstand, daß individuelle Emanzipation und Gleichstellung ohne nationale Emanzipation und Gleichstellung nicht zu erreichen sind, da nationale Probleme auch nationale Lösungen erforderten. Die nationale Lösung der Zionisten war die Gründung eines jüdischen Nationalstaates mit einer jüdischen Mehrheit im historischen Vaterland, wodurch das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung verwirklicht werden sollte. Der Zionismus ging davon aus, daß eine "Normalisierung" der jüdischen Lebenssituation nicht im Gegensatz zu universalen Zielen und Werten stand. Er befürwortete des Recht eines jeden Volkes der Welt auf seine eigene Heimat und begründete dies damit, daß nur ein souveränes und autonomes Volk ein gleichwertiges Mitglied der Völkerfamilie sein könne.

Zionismus: eine pluralistische Bewegung

Obwohl der Zionismus grundsätzlich eine politische Bewegung war, die eine Rückkehr in die jüdische Heimat in Freiheit, Unabhängigkeit, Staatlichkeit und Sicherheit für das jüdische Volk anstrebte, förderte er auch eine Renaissance jüdischer Kultur. Ein wichtiges Element in diesem kulturellen Erwachen war die Wiederbelebung der hebräischen Sprache, die lange auf Liturgie und Literatur beschränkt geblieben war, als einer lebenden Nationalsprache zum Gebrauch in Regierung und Militär, Erziehung und Wissenschaft, im Handel und Alltag.

Wie jeder Nationalismus stand auch der Zionismus mit anderen Ideologien in Verbindung, weshalb sich verschiedene Strömungen und Unterströmungen innerhalb des Zionismus bilden konnten. Die Verbindung von Nationalismus und Liberalismus führte zur Entstehung eines liberalen Zionismus; die Integration des Sozialismus ließ den sozialistischen Zionismus entstehen; die Verbindung des Zionismus mit tiefen religiösen Glaubensinhalten führte zum religiösen Zionismus; und der Einfluß des europäischen Nationalismus inspirierte eine rechts-nationalistische Partei. In dieser Hinsicht zeigte der Zionismus keinen Unterschied zu anderen Nationalbewegungen, die verschiedene liberale, traditionelle, sozialistische (linke) und konservative (rechte) Tendenzen annahmen.

Zionismus und das "arabische Problem"

” Die meisten Gründerväter des Zionismus wußten, daß Palästina (das Land Israel) eine arabische Bevölkerung hatte (einige sprachen jedoch naiv von "einem Land ohne Volk für ein Volk ohne Land"). Doch nur wenige hielten die arabische Präsens für ein wirkliches Hindernis bei der Verwirklichung des Zionismus. Zu jener Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es keine Form eines arabischen Nationalismus, und die arabische Bevölkerung in Palästina war gering an Zahl und im wesentlichen unpolitisch. Viele zionistische Führer glaubten, daß Spannungen zwischen der relativ kleinen lokalen Gemeinschaft und den heimkehrenden Juden vermieden werden könnten; sie waren ebenso davon überzeugt, daß beide Völker von der im Zuge des Zionismus einsetzenden Entwicklung des Landes profitieren könnten und hofften auf arabische Unterstützung und Kooperation. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt.

Im Gegensatz zu den erklärten Positionen und Erwartungen der zionistischen Ideologen, die versuchten, ihre Ziele mit friedlichen Mitteln und durch Kooperation zu erreichen, traf die neue jüdische Präsenz im Lande auf militante arabische Opposition. Einige Zeit lang hatten Zionisten kaum Verständnis für die Tiefe und Intensität des Konflikts, der tatsächlich zu einer Konfrontation zweier Völker wurde, die beide das Land als ihr eigenes betrachteten - Juden aufgrund ihrer historischen und geistigen Verbindung, und Araber aufgrund ihrer jahrhundertelangen Präsenz im Land.

Die Notwendigkeit, sich mit der arabischen Gewalttätigkeit gegen die jüdische Gemeinschaft auseinanderzusetzen und eine geeignete Antwort auf den zunehmenden Konflikt zu finden, führte innerhalb der zionistischen Bewegung zu drei Hauptpositionen gegenüber dem "arabischen Problem": Minimalismus, Maximalismus und Realismus.

Die Minimalisten vertraten die Ansicht, daß Land gehöre beiden Völkern; daher könne der Zionismus ohne vorangehende Zustimmung der anderen Nation nicht verwirklicht werden. Man suchte nach einem Dialog mit den einheimischen Arabern und wies die Position des zionistischen Establishments zurück, die auf Verhandlungen mit ausländischen Mächten und den Führern der arabischen Staaten basierte. Um eine jüdisch-arabische Übereinkunft zu sichern, waren die Minimalisten bereit, auf die Gründung eines jüdischen Staates zu verzichten und an seiner Stelle einen binationalen, auf der politischen Parität von Juden und Arabern basierenden Staat zu akzeptieren.

Das andere Extrem wurde von den Maximalisten vertreten, die glaubten, der nationale Kampf zwischen den beiden Völkern müßte gewaltsam ausgefochten werden. Sie lehnten die Gewährung arabischer nationaler Rechte im Lande Israel mit dem Argument ab, Araber hätten niemals einen Staat in Palästina besessen. Sie sahen keinen Grund zu Verhandlungen mit einheimischen Arabern, und hofften, sie könnten das gesamte Land entweder durch diplomatische Kontakte mit ausländischen Mächten oder durch bewaffnete Truppen gewinnen.

Die Realisten, die die größte zionistische Gruppe darstellten, waren wiederum in liberale und sozialistische Untergruppen gespalten. Die Realisten hielten es nicht für möglich, einen Konflikt mit den Arabern gänzlich abzuwenden, waren jedoch der Meinung, diesen Konflikt durch die Einnahme gemäßigter Positionen mindern zu können. Wie die Minimalisten bevorzugten sie Verhandlungen mit einheimischen Arabern und förderten die Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Einwohner. Demgegenüber waren sie nicht zu Kompromissen im Hinblick auf die zionistischen Ziele bereit - eine jüdische Mehrheit im Lande Israel durch uneingeschränkte Aliya und die Gründung eines jüdischen Staates. Im Gegensatz zu den Maximalisten suchten die Realisten jedoch den Dialog mit Arabern in und außerhalb Palästinas und waren bereit, Kompromisse in Erwägung zu ziehen.

Die sozialistischen Realisten (in erster Linie repräsentiert von David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels) gründeten ihre Agenda auf dem Glauben, daß eine jüdische Wirtschaft sich nicht ohne jüdische Landwirtschaft und Industrie entwickeln könne, und daß es ohne eine autonome Ökonomie weder eine Gesellschaft noch einen Staat geben werde. Vertreter dieser Gruppe befürworteten und respektierten arabische Rechte und glaubten viele Jahre lang, daß jüdisches und arabisches Proletariat ein gemeinsames Klasseninteresse gegen die jüdische Bourgeoisie und den arabischen Feudalismus teilten. Letztlich jedoch kamen die meisten zu dem Schluß, daß es sich um einen Kampf von Nationalitäten, nicht um einen Klassenkampf handelte.

Während der Jahre 1936 bis 1947 wurde der Kampf um das Land Israel immer intensiver. Die arabische Opposition geriet mit zunehmendem Wachstum und Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft immer stärker ins Extrem. Gleichzeitig spürte die zionistische Bewegung die Notwendigkeit, die Immigration zu fördern und die ökonomische Infrastruktur des Landes zu entwickeln, um dadurch möglichst viele Juden aus dem nationalsozialistischen Inferno in Europa zu retten.

Der unvermeidbare Zusammenstoß zwischen Juden und Arabern brachte die Vereinten Nationen am 29. November 1947 dazu, die Gründung zweier Staten in dem Gebiet westlich des Jordans zu empfehlen - einen jüdischen und einen arabischen. Die Juden nahmen die Resolution an; die Araber lehnten sie ab.

Am 14. Mai 1948 wurde in Übereinstimmung mit der UNO-Resolution vom November 1947 der Staat Israel gegründet.

Zionismus an der Schwelle zum 21. Jahrhundert

Die Gründung des Staates Israel war die Realisierung des zionistischen Ziels, eine international anerkannte, legal gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in seinem historischen Heimatland zu schaffen, wo Juden frei von Verfolgung leben, ihr Leben selbst bestimmen und ihre eigene Identität entwickeln können.

Seit 1948 hat der Zionismus seine Aufgabe darin gesehen, die "Sammlung aus dem Exil" weiterhin zu unterstützen, eine Aufgabe, die manchmal außergewöhnliche (physische und psychische) Anstrengungen zur Rettung bedrohter jüdischer Gemeinden erforderte. Der Zionismus erstrebt die Erhaltung der Einheit und Kontinuität des jüdischen Volkes ebenso wie die Zentralität Israels im jüdischen Leben überall.

Im Laufe der Jahrhunderte war der Wunsch nach der Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel das Band, das das jüdische Volk einigte. Überall akzeptieren Juden den Zionismus als einen fundamentalen Grundsatz des Judentums, unterstützen den Staat Israel als die grundlegende Realisierung des Zionismus und finden kulturelle, soziale und geistige Bereicherung durch die Existenz Israels - eines Mitglieds der Völkerfamilie und eine kraftvolle, kreative Erfüllung jüdischen Geistes.



Über den Verbleib der heiligen Bundeslade von Zion


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