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Ursprung des Wortes "Zionismus" ist
das biblische Wort "Zion", das oft als Synonym für Jerusalem und das
Land Israel (Eretz Yisrael) gebraucht wird. Der Zionismus ist eine Ideologie,
die die Sehnsucht von Juden aus aller Welt nach ihrer historischen Heimat zum
Ausdruck bringt - die Sehnsucht nach Zion, dem Land Israel.
Das Verlangen nach Rückkehr in die
Heimat ergriff zum ersten Mal Juden, die vor 2500 Jahren ins Exil nach Babylon
verschleppt worden waren - eine Hoffnung, die schließlich Realität
wurde. ("An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion
dachten", Psalm 137, 1.) Demnach hat der sich erstmals im 19. Jahrhundert
artikulierende, politische Zionismus weder das Konzept an sich noch die Praxis
der Rückkehr nach Zion erfunden. Vielmehr übernahm er eine alte Idee
und eine durch die Jahrhunderte kontinuierlich verlaufende aktive Bewegung auf
und paßte sie den Bedürfnissen und dem Geist seiner Zeit an.
Die Unabhängigkeitserklärung des
Staates Israel (14. Mai 1948) formuliert die Quintessenz der zionistischen Idee
mit den Worten:
"Im Lande Israel entstand das
jüdische Volk. Hier prägte sich sein geistiges, religiöses und
politisches Wesen. Hier lebte es in einem freien und unabhängigen Staat.
Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt das
Ewige Buch der Bücher."
Durch Gewalt vertrieben, blieb das
jüdische Volk auch in der Zerstreuung seiner Heimat in Treue verbunden.
Nie wich seine Hoffnung, nie verstummte sein Gebet um Heimkehr und
Wiedererrichtung seiner politischen Freiheit im Lande.
Die historische Verbindung zwischen
jüdischem Volk und seinem Land
Die Idee des Zionismus basiert auf der
langen Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und seinem Land, einer
Verbindung, die vor mehr als 4 000 Jahren begann, als Abraham im Lande Kanaan
siedelte, das später als das Land Israel bekannt wurde. Ungefähr im
Jahre 1000 v.d.Z. machte König David Jerusalem zur Hauptstadt des Landes.
Zirka vierzig Jahre später errichtete sein Sohn, König Salomo, hier
den Tempel für den Einen Gott und machte so Jerusalem zum geistigen und
politischen Zentrum der Nation. Mehr als 400 Jahre staatlicher
Unabhängigkeit unter der Dynastie der Davididen endeten 586 v.d.Z., als
das Land von den Babyloniern erobert wurde, die den Tempel zerstörten und
große Teile des Volkes ins Exil führten. Doch noch vor Ende des
Jahrhunderts, kehrten Juden aus dem Exil zurück, erbauten den Tempel aufs
neue und stellten des jüdische Leben im Lande wieder her. In den folgenden
Jahrhunderten erfuhr das jüdische Volk unterschiedliche Grade politischer
Selbständigkeit unter persischer (538-333 v.d.Z.) und hellenistischer
(332-142 v.d.Z.) Vorherrschaft, erneute Unabhängigkeit unter der Dynastie
der Hasmonäer (142-63 v.d.Z.) und seit 63 v.d.Z. schließlich eine
zunehmend drückende Herrschaft der Römer. Als Juden an der
Ausführung ihres traditionellen religiösen Lebensstils gehindert
wurden, kam es zu einer Reihe von Revolten gegen die römische
Besatzungsherrschaft, die in dem Aufstand des Jahres 66 n.d.Z. ihren
Höhepunkt fand.
Nach vierjährigem Kampf wurde der
jüdische Aufstand von den Römern niedergeschlagen. Der Tempel brannte
bis auf die Grundmauern nieder. Viele Tausend Juden wurden ermordet, in die
Sklaverei verkauft und über alle Länder in Nah und Fern zerstreut.
Einziger Überrest des gesamten Tempelgeländes ist die westliche
Umfassungsmauer des Tempelberges, die Westmauer, die zu einer Pilger- und
Gebetsstätte für Juden wurde und dies bis in die Gegenwart hinein
geblieben ist.
Im Jahre 132 n.d.Z. kostete die grausame
Unterdrückung eines weiteren jüdischen Aufstandes, der die politische
Souveränität im Lande für drei Jahre wiederherstellte,
unzähligen Menschen das Leben. Um die jüdische Verbindung mit dem
Land Israel auszutilgen, nannten die Römer das Land fortan offiziell
Palästina.
Die kleine jüdische Gemeinschaft, die
im Lande verblieb, erholte sich allmählich von den Folgen der Kämpfe.
Institutionelles und kulturelles Leben wurden in Anpassung an die
veränderte Situation ohne das einigende Band von Staat und Tempel
erneuert. Die Priester wurden durch Rabbiner ersetzt, und in Abwesenheit eines
zentralen Heiligtums wurde die Synagoge zum Kern der verstreuten Gemeinden.
Zwischen 636 und 1096 verringerte sich die
jüdische Gemeinschaft im Land erheblich und verlor allmählich infolge
der zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Diskriminierung unter arabischer
Herrschaft ihre organisatorische und religiöse Bindungskraft. Doch in
kleiner Zahl waren Juden während aller Jahrhunderte im Lande präsent.
Sie erhielten von Zeit zu Zeit Verstärkung durch die Rückkehr von
Juden aus der Diaspora, den Ländern ihrer Zerstreuung, nach Zion.
So kam es in den Jahren 1191 bis 1198 zu
einer Aliya (jüdische Einwanderung ins Land Israel) aus Nordafrika. Ein
schwacher Strom jüdischer Flüchtlinge, die sich der spanischen
Inquisition entzogen hatten, fand dann im ausgehenden 15. Jahrhundert den Weg
ins Land. Andere, die vor Pogromen in der Ukraine flohen, kamen Mitte des 17.
Jahrhunderts. Noch im gleichen Jahrhundert erhob sich die messianische Bewegung
unter Shabbtai Zwi aus Izmir, die einige seiner Anhänger ins Land Israel
führte. Ihnen folgten im Jahre 1700 Hunderte chassidischer Juden aus
Osteuropa. Die Einwanderungswellen im 18. und der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts waren ausreichend groß, um die jüdische Gemeinde in
Jerusalem bis zum Jahre 1844 zur größten religiösen
Gemeinschaft in der Stadt werden zu lassen. So gingen den großen
zionistischen Einwanderungsströmen, die im Jahre 1882 einsetzten und noch
im 20. Jahrhundert andauern, im Laufe der Jahre viele kleine, sporadische
Einwanderungen von Juden ins Land Israel voran.
Grundkonzepte des Zionismus
Im Mittelpunkt zionistischen Denkens steht
die Auffassung vom Lande Israel als der historischen Geburtsstätte des
jüdischen Volkes und der Glaube, daß jüdisches Leben anderswo
ein Leben im Exil ist. Moses Hess brachte diesen Gedanken in seinem Buch Rom
und Jerusalem (1844) mit den Worten zum Ausdruck:
"Zwei Perioden formten die jüdische
Zivilisation: Die erste fand nach der Befreiung aus Ägypten statt, die
zweite nach der Rückkehr aus Babylon, die dritte wird nach der
Erlösung vom Exil stattfinden."
Während der Jahrhunderte in der
Diaspora hielten Juden eine feste und einzigartige Verbindung mit ihrer
historischen Heimat aufrecht und bekundeten ihre Sehnsucht nach Zion in
religiösen Zeremonien und in der Literatur. Juden sind angehalten, sich
während des Gebets nach Osten - gen Eretz Israel - zu wenden. Im
Morgengottesdienst heißt es "Bringe uns in Frieden heim von den vier
Enden der Erde und führe uns aufrecht in unser Land." Die Betenden
wiederholen mehrmals "Gelobt seist du, Ewiger, der Du Jerusalem erbaust
und "Gesegnet seist Du, Ewiger, der seine Majestät nach Zion
zurückbringt." Zum Segen nach den Mahlzeiten gehört ein Segensspruch,
der mit einem Gebet für den Wiederaufbau "Jerusalems, der Heiligen Stadt,
rasch und in unseren Tagen" endet. Während der Hochzeitszeremonie erhebt
der Bräutigam "Jerusalem zu unserer höchsten Freude. Bei einer
Beschneidung werden die Worte "Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine
Rechte" gesprochen. Am Passahfest wünscht man sich allgemein
"Nächstes Jahr in Jerusalem." In Trauerzeiten werden die Leidtragenden
durch die Erwähnung des Landes Israel getröstet: "Gelobt seist du,
Ewiger, Tröster Zions und Erbauer Jerusalems." Die Sehnsucht des
jüdischen Volkes nach der Rückkehr in sein Land kam auch in Prosa und
Poesie in Hebräisch und in den anderen jüdischen Sprachen zum
Ausdruck, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hatten - Jiddisch in
Osteuropa und Ladino in Spanien.
Antisemitismus als Faktor bei der
Entstehung des Zionismus
Obwohl der Zionismus die historische
Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel zum Ausdruck
bringt, wäre der moderne Zionismus als eine aktive Nationalbewegung im 19.
Jahrhundert wohl kaum ohne den in der Kontinuität einer jahrhundertelangen
Verfolgungsgeschichte stehenden, zeitgenössischen Antisemitismus
entstanden.
Immer wieder wurden die europäischen
Juden verfolgt und ermordet, bisweilen aus religiösen, manchmal aus
wirtschaftlichen Gründen, bisweilen unter sozialen Vorwänden und
manchmal aus nationalen und rassistischen Motivationen. Juden wurden von den
Kreuzfahrern ermordet, die auf ihrem Weg ins Heilige Land (11.-12. Jahrhundert)
Europa durchzogen, und während der Pest unter der Beschuldigung der
Brunnenvergiftung mörderisch verfolgt (14. Jahrhundert), unter der
spanischen Inquisition verbrannt (15. Jahrhundert) und von Chmelnickis Kossaken
in der Ukraine hingeschlachtet (17. Jahrhundert). Hundertausende von Juden
wurden von den Armeen Danikins und Petlura im russischen Bürgerkrieg nach
dem Ersten Weltkrieg getötet. Die wohl grausamste Verfolgung jedoch, der
Holocaust unter den Nationalsozialisten, bei dem sechs Millionen Juden
systematisch aus "rassischen" Gründen ermordet wurden, wurde von Deutschen
geplant und vorangetrieben, in deren Land Juden die intensivsten
Bemühungen um soziale Assimilation unternommen hatten.
Im Laufe der Jahrhunderte waren Juden aus
nahezu allen europäischen Ländern vertrieben worden - Deutschland und
Frankreich, Portugal und Spanien, England und Wales - eine kumulative Erfahrung
von profunder Wirkung, insbesondere im 19. Jahrhundert, als Juden alle Hoffnung
auf eine grundlegende Änderung ihres Lebens verloren hatten. Aus diesem
Milieu erwuchsen führende jüdische Persönlichkeiten, die sich
infolge des virulenten Antisemitismus in den Gesellschaften ihrer Umwelt dem
Zionismus zuwandten. So wurde Moses Hess, erschüttert durch die
Ritualmordbeschuldigungen von Damaskus (1844), zum Gründervater des
zionistischen Sozialismus; Leon Pinsker, aufgerüttelt durch die Pogrome
nach der Ermordung Zar Alexanders II. (1881-1882), übernahm die
Führung der Chibbat-Zion-Bewegung; und Theodor Herzl, der als Journalist
in Paris die giftige antisemitische Kampagne in der Dreyfus-Affäre zu
spüren bekam (1896), machte den Zionismus zu einer politischen Bewegung.
Die zionistische Bewegung zielte auf eine
Lösung der "Judenfrage", also des Problems einer fortwährenden
Minderheitensituation, eines fortwährenden Pogromen und Verfolgungen
ausgesetzten Volkes, einer heimatlosen Gemeinschaft, deren Fremdheit stets
durch Diskriminierung hervorgehoben wurde, wo immer Juden siedelten. Der
Zionismus versuchte, diese Situation durch die Rückkehr in die historische
jüdische Heimat - in das Land Israel - zu ändern.
Die Einwanderungswellen nach Eretz Israel
in der Neuzeit waren tatsächlich in der Regel eine direkte Reaktion auf
Mordtaten und Diskriminierungen gegen Juden. Die Erste Aliya setzte nach den
Pogromen in Rußland in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Die
Zweite Aliya wurde durch den Pogrom in Kischinev und eine Reihe von Massakern
in der Ukraine und in Weißrußland um die Jahrhundertwende
ausgelöst. Die Dritte Aliya setzte nach der Ermordung von Juden im
russischen Bürgerkrieg ein, während die Vierte Aliya ihren Ursprung
in Polen in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte, nachdem die
wirtschaftliche Aktivität von Juden durch die Gesetzgebung Grawskis
beeinträchtigt worden war. Die Fünfte Aliya setzte sich aus deutschen
und österreichischen Juden zusammen, die vor dem Nationalsozialismus
flohen.
Nach der Gründung des Staates Israel
(1948) waren die Massenimmigrationen weiterhin die Folge von Diskriminierung
und Unterdrückung - Überlebende des Holocaust aus Europa,
Flüchtlinge aus arabischen Ländern, die vor den dort nach der
Staatsgründung Israels einsetzenden Verfolgungen flohen, die letzten
Vertreter des polnischen Judentums, die das Land verließen, als der
Antisemitismus unter dem Regime von Gomulka und Muzcar wieder auflebte, und
schließlich Juden aus Rußland und anderen ehemaligen
Sowjetrepubliken, die eine neue antisemitische Welle infolge der Auflösung
der Sowjetunion befürchteten. Die Geschichte der Einwanderungswellen nach
Eretz Israel ist ein starker Beleg für die Richtigkeit der zionistischen
Argumentation, daß ein jüdischer Staat im Land Israel, mit einer
jüdischen Mehrheit, die einzige Lösung der "Judenfrage" ist.
Aufstieg des politischen Zionismus
Der politische Zionismus als die nationale
Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes entstand im 19. Jahrhundert im
Kontext des liberalen Nationalismus, der sich zu jener Zeit in Europa
ausbreitete. Die historische Epoche des liberalen Nationalismus, die mit einer
Bewegung in Griechenland zur Befreiung vom Joch der osmanischen Besatzung
einsetzte und zu der nationale Befreiungsbewegungen in Irland, Norwegen, Polen,
der Tschechoslowakei, Deutschland, Italien und, im weiteren Verlauf des
Jahrhunderts, in der Türkei und Indien zu zählen sind, inspirierte
auch die zionistischen Denker, wie aus zahlreichen Hinweisen auf die nationalen
Freiheitskämpfe anderer Völker in den Schriften der Gründer des
Zionismus deutlich wird. Der liberale Nationalismus strebte in der Regel zwei
prinzipielle Ziele an: Befreiung von einer Fremdherrschaft (wie in den
Fällen von Polen, Griechenland und Irland) und nationale Einheit in
Ländern, die in zahlreiche politische Einheiten aufgeteilt waren (Italien
und Deutschland). Das Motto des liberalen Nationalismus lautete: "Ein Staat
für jede Nation, und die gesamte Nation in einem Staat".
Im Zionismus kamen beide Ziele, Befreiung
und Einheit, zu einer Synthese, indem man danach strebte, Juden von
feindlich-bedrückender Fremdherrschaft zu befreien und die jüdische
Einheit durch die Sammlung der im Exil lebenden Juden aus allen Ländern
der Welt in der jüdischen Heimat wieder herzustellen.
Der Aufstieg des Zionismus als einer
politischen Bewegung war auch eine Antwort auf das Scheitern der Haskala, der
jüdischen Aufklärung, bei der Lösung der "Judenfrage".
Nach der zionistischen Doktrin lag der Grund für dieses Scheitern in dem
Umstand, daß individuelle Emanzipation und Gleichstellung ohne nationale
Emanzipation und Gleichstellung nicht zu erreichen sind, da nationale Probleme
auch nationale Lösungen erforderten. Die nationale Lösung der
Zionisten war die Gründung eines jüdischen Nationalstaates mit einer
jüdischen Mehrheit im historischen Vaterland, wodurch das Recht des
jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung verwirklicht werden sollte. Der
Zionismus ging davon aus, daß eine "Normalisierung" der jüdischen
Lebenssituation nicht im Gegensatz zu universalen Zielen und Werten stand. Er
befürwortete des Recht eines jeden Volkes der Welt auf seine eigene Heimat
und begründete dies damit, daß nur ein souveränes und autonomes
Volk ein gleichwertiges Mitglied der Völkerfamilie sein könne.
Zionismus: eine pluralistische Bewegung
Obwohl der Zionismus grundsätzlich
eine politische Bewegung war, die eine Rückkehr in die jüdische
Heimat in Freiheit, Unabhängigkeit, Staatlichkeit und Sicherheit für
das jüdische Volk anstrebte, förderte er auch eine Renaissance
jüdischer Kultur. Ein wichtiges Element in diesem kulturellen Erwachen war
die Wiederbelebung der hebräischen Sprache, die lange auf Liturgie und
Literatur beschränkt geblieben war, als einer lebenden Nationalsprache zum
Gebrauch in Regierung und Militär, Erziehung und Wissenschaft, im Handel
und Alltag.
Wie jeder Nationalismus stand auch der
Zionismus mit anderen Ideologien in Verbindung, weshalb sich verschiedene
Strömungen und Unterströmungen innerhalb des Zionismus bilden
konnten. Die Verbindung von Nationalismus und Liberalismus führte zur
Entstehung eines liberalen Zionismus; die Integration des Sozialismus
ließ den sozialistischen Zionismus entstehen; die Verbindung des
Zionismus mit tiefen religiösen Glaubensinhalten führte zum
religiösen Zionismus; und der Einfluß des europäischen
Nationalismus inspirierte eine rechts-nationalistische Partei. In dieser
Hinsicht zeigte der Zionismus keinen Unterschied zu anderen Nationalbewegungen,
die verschiedene liberale, traditionelle, sozialistische (linke) und
konservative (rechte) Tendenzen annahmen.
Zionismus und das "arabische Problem"
Die meisten Gründerväter
des Zionismus wußten, daß Palästina (das Land Israel) eine
arabische Bevölkerung hatte (einige sprachen jedoch naiv von "einem Land
ohne Volk für ein Volk ohne Land"). Doch nur wenige hielten die arabische
Präsens für ein wirkliches Hindernis bei der Verwirklichung des
Zionismus. Zu jener Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es keine Form
eines arabischen Nationalismus, und die arabische Bevölkerung in
Palästina war gering an Zahl und im wesentlichen unpolitisch. Viele
zionistische Führer glaubten, daß Spannungen zwischen der relativ
kleinen lokalen Gemeinschaft und den heimkehrenden Juden vermieden werden
könnten; sie waren ebenso davon überzeugt, daß beide
Völker von der im Zuge des Zionismus einsetzenden Entwicklung des Landes
profitieren könnten und hofften auf arabische Unterstützung und
Kooperation. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt.
Im Gegensatz zu den erklärten
Positionen und Erwartungen der zionistischen Ideologen, die versuchten, ihre
Ziele mit friedlichen Mitteln und durch Kooperation zu erreichen, traf die neue
jüdische Präsenz im Lande auf militante arabische Opposition. Einige
Zeit lang hatten Zionisten kaum Verständnis für die Tiefe und
Intensität des Konflikts, der tatsächlich zu einer Konfrontation
zweier Völker wurde, die beide das Land als ihr eigenes betrachteten -
Juden aufgrund ihrer historischen und geistigen Verbindung, und Araber aufgrund
ihrer jahrhundertelangen Präsenz im Land.
Die Notwendigkeit, sich mit der arabischen
Gewalttätigkeit gegen die jüdische Gemeinschaft auseinanderzusetzen
und eine geeignete Antwort auf den zunehmenden Konflikt zu finden, führte
innerhalb der zionistischen Bewegung zu drei Hauptpositionen gegenüber dem
"arabischen Problem": Minimalismus, Maximalismus und Realismus.
Die Minimalisten vertraten die Ansicht,
daß Land gehöre beiden Völkern; daher könne der Zionismus
ohne vorangehende Zustimmung der anderen Nation nicht verwirklicht werden. Man
suchte nach einem Dialog mit den einheimischen Arabern und wies die Position
des zionistischen Establishments zurück, die auf Verhandlungen mit
ausländischen Mächten und den Führern der arabischen Staaten
basierte. Um eine jüdisch-arabische Übereinkunft zu sichern, waren
die Minimalisten bereit, auf die Gründung eines jüdischen Staates zu
verzichten und an seiner Stelle einen binationalen, auf der politischen
Parität von Juden und Arabern basierenden Staat zu akzeptieren.
Das andere Extrem wurde von den
Maximalisten vertreten, die glaubten, der nationale Kampf zwischen den beiden
Völkern müßte gewaltsam ausgefochten werden. Sie lehnten die
Gewährung arabischer nationaler Rechte im Lande Israel mit dem Argument
ab, Araber hätten niemals einen Staat in Palästina besessen. Sie
sahen keinen Grund zu Verhandlungen mit einheimischen Arabern, und hofften, sie
könnten das gesamte Land entweder durch diplomatische Kontakte mit
ausländischen Mächten oder durch bewaffnete Truppen gewinnen.
Die Realisten, die die größte
zionistische Gruppe darstellten, waren wiederum in liberale und sozialistische
Untergruppen gespalten. Die Realisten hielten es nicht für möglich,
einen Konflikt mit den Arabern gänzlich abzuwenden, waren jedoch der
Meinung, diesen Konflikt durch die Einnahme gemäßigter Positionen
mindern zu können. Wie die Minimalisten bevorzugten sie Verhandlungen mit
einheimischen Arabern und förderten die Entwicklung des Landes zum Wohle
aller seiner Einwohner. Demgegenüber waren sie nicht zu Kompromissen im
Hinblick auf die zionistischen Ziele bereit - eine jüdische Mehrheit im
Lande Israel durch uneingeschränkte Aliya und die Gründung eines
jüdischen Staates. Im Gegensatz zu den Maximalisten suchten die Realisten
jedoch den Dialog mit Arabern in und außerhalb Palästinas und waren
bereit, Kompromisse in Erwägung zu ziehen.
Die sozialistischen Realisten (in erster
Linie repräsentiert von David Ben-Gurion, dem ersten
Ministerpräsidenten Israels) gründeten ihre Agenda auf dem Glauben,
daß eine jüdische Wirtschaft sich nicht ohne jüdische
Landwirtschaft und Industrie entwickeln könne, und daß es ohne eine
autonome Ökonomie weder eine Gesellschaft noch einen Staat geben werde.
Vertreter dieser Gruppe befürworteten und respektierten arabische Rechte
und glaubten viele Jahre lang, daß jüdisches und arabisches
Proletariat ein gemeinsames Klasseninteresse gegen die jüdische
Bourgeoisie und den arabischen Feudalismus teilten. Letztlich jedoch kamen die
meisten zu dem Schluß, daß es sich um einen Kampf von
Nationalitäten, nicht um einen Klassenkampf handelte.
Während der Jahre 1936 bis 1947 wurde
der Kampf um das Land Israel immer intensiver. Die arabische Opposition geriet
mit zunehmendem Wachstum und Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft immer
stärker ins Extrem. Gleichzeitig spürte die zionistische Bewegung die
Notwendigkeit, die Immigration zu fördern und die ökonomische
Infrastruktur des Landes zu entwickeln, um dadurch möglichst viele Juden
aus dem nationalsozialistischen Inferno in Europa zu retten.
Der unvermeidbare Zusammenstoß
zwischen Juden und Arabern brachte die Vereinten Nationen am 29. November 1947
dazu, die Gründung zweier Staten in dem Gebiet westlich des Jordans zu
empfehlen - einen jüdischen und einen arabischen. Die Juden nahmen die
Resolution an; die Araber lehnten sie ab.
Am 14. Mai 1948 wurde in
Übereinstimmung mit der UNO-Resolution vom November 1947 der Staat Israel
gegründet.
Zionismus an der Schwelle zum 21.
Jahrhundert
Die Gründung des Staates Israel war
die Realisierung des zionistischen Ziels, eine international anerkannte, legal
gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in seinem
historischen Heimatland zu schaffen, wo Juden frei von Verfolgung leben, ihr
Leben selbst bestimmen und ihre eigene Identität entwickeln können.
Seit 1948 hat der Zionismus seine Aufgabe
darin gesehen, die "Sammlung aus dem Exil" weiterhin zu unterstützen, eine
Aufgabe, die manchmal außergewöhnliche (physische und psychische)
Anstrengungen zur Rettung bedrohter jüdischer Gemeinden erforderte. Der
Zionismus erstrebt die Erhaltung der Einheit und Kontinuität des
jüdischen Volkes ebenso wie die Zentralität Israels im jüdischen
Leben überall.
Im Laufe der Jahrhunderte war der Wunsch
nach der Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel das Band,
das das jüdische Volk einigte. Überall akzeptieren Juden den
Zionismus als einen fundamentalen Grundsatz des Judentums, unterstützen
den Staat Israel als die grundlegende Realisierung des Zionismus und finden
kulturelle, soziale und geistige Bereicherung durch die Existenz Israels -
eines Mitglieds der Völkerfamilie und eine kraftvolle, kreative
Erfüllung jüdischen Geistes.
Über den Verbleib der heiligen Bundeslade von Zion |