Die israelischen Behörden bestätigten am
Sonntag indirekt die Bedrohung, die von den beiden veralteten Kernreaktoren im
Süden der Negev-Wüste ausgehen. Wie ein Armeesprecher erklärte,
hätten Soldaten mit der Verteilung von Jodtabletten gegen radioaktive
Strahlung an Tausende Anwohner des Atomkraftwerkes Dimona und des
Forschungsreaktors Sorek begonnen eine Maßnahme, die von einer
seit längerem anhaltenden erhöhten Strahlenbelastung in der Region
zeugt und die offensichtlich auf die Bewohner der Städte Jeroham, Dimona,
Aruar sowie kleinerer Wüstendörfer beruhigend wirken soll. Denn die
Angst geht um, und bereits am Freitag war es auch aus Anlaß des
59. Jahrestages des Atombombenabwurfes auf Hiroshima 1945 unter dem
Motto »Stop der Angst« zu Protesten in Tel Aviv gegen das AKW
Dimona und die Atombewaffnung gekommen (Foto). Expertenmeinungen zufolge
wären Jodtabletten im Falle eine Atomunfalls völlig wirkungslos.
Derweil betonte die israelische Regierung, es bestände »kein Grund
zur Beunruhigung«.
Im Juni hatte die Regierung angekündigt,
sie werde das Medikament austeilen. Die Tabletten waren 20 Jahre lang
eingelagert gewesen. Israelische Wissenschaftler und Politiker hatten in den
vergangenen Monaten vor dem etwa 40 Jahre alten Atommeiler am Stadtrand von
Dimona gewarnt und seine Schließung gefordert. Ausländische Experten
schätzen, daß in Dimona zwischen 100 und 200 atomare
Sprengköpfe produziert wurden. Die Regierung bestätigte dies bisher
nicht öffentlich. Allerdings hatte Ministerpräsident Ariel Scharon am
29. Juli erstmals quasi eingeräumt, daß Israel Atomwaffen besitzt,
und dies auch mit dem Einverständnis der USA. |