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12.08.2004 Till Meyer Info von:   junge Welt
»Hartz IV« den Marsch blasen
In der Hauptstadt hat sich ein Aktionsbündnis konstituiert. Montagsdemo beschlossen
Auch in Berlin wird es am 16. August zu einer ersten Montagsdemonstration gegen die »Hartz-IV«-Gesetze« kommen. Am Dienstag abend schlossen sich an die hundert Vertreter verschiedener sozialer Gruppierungen, darunter Arbeitsloseninitiativen, das Berliner Sozialbündnis, Gewerkschafter und ATTAC zu einem Aktionsbündnis unter dem Motto: »Weg mit Hartz IV« zusammen. Mittlerweile wird bereits in 36 Städten in Deutschland zu Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV aufgerufen. Was in Magdeburg begann, hat sich inzwischen auf die ganze Bundesrepublik ausgeweitet.

Auf einer Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch im Haus der Demokratie begründeten Vertreter des Bündnisses ihren Aufruf zu den Montagsdemonstrationen. Für den DGB Berlin-Brandenburg saß Sekretär Kai Lindemann auf dem Podium. Zwar hätten sich alle DGB-Landesbezirke schon lange und eindeutig gegen »Hatz IV« ausgesprochen, aber eine einheitliche Position zu den Montagsdemos gebe es vom DGB noch nicht, erklärte Lindemann. »Wir können nicht zu diesen Demonstrationen aufrufen, da es dazu keine Beschlußlage gibt.« Den regionalen Gliederungen sei das jedoch freigestellt, erklärte der gewerkschaftsfunktionär. Auch plane der DGB für den Herbst erneut Massenproteste in ganz Deutschland.

Für den Vorsitzenden des Berliner Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, ist »Hartz IV« keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sondern der größte Schlag gegen den Sozialstaat seit 1945. Thöne weiter: »Die Wut der Menschen ist groß, und sie muß jetzt auf die Straße getragen werden.« Ziel des Protestes sei es, die Politiker dazu zu zwingen, »Hartz IV« zurückzunehmen. Auch der Vertreter von ATTAC Deutschland, Pedram Shahyar, griff das neue Gesetz scharf an: »Hartz IV ist der übelste Auswuchs der Agenda 2010. Dieses Gesetz treibt Hunderttausende in die Armut, raubt Kindern ihre Zukunftschancen und Älteren Menschen ihre Ersparnisse.« ATTAC habe alle seine Regionalverbände dazu aufgerufen, gegen die Regierungspolitik des sozialen Kahlschlags einen heißen Herbst zu organisieren. »Wir werden«, so Shahyar »uns nicht auf Demonstrationen und Protest beschränken, sondern auch zum zivilen Ungehorsam aufrufen.«

Die Demonstration beginnt am Montag, den 16. August um 18 Uhr auf dem Alexanderplatz und wird von dort zur SPD-Parteizentrale im Willy-Brandt-Haus führen.


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