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10.09.2004 Pablo Long/Roberto Roa, Montevideo Info von:   junge Welt
Kein Zugriff für internationale Konzerne
Uruguay: Referendum soll Verbot der Privatisierung von Wasser in der Verfassung festschreiben
Am 31. Oktober wird in dem kleinen südamerikanischen Uruguay nicht nur ein neuer Präsident – und mit großer Wahrscheinlichkeit erstmals ein Kandidat des Mitte-Links-Bündnisses Frente Amplio – gewählt. Zeitgleich werden die Uruguayer über die Zukunft des Wassers in ihrem Land abstimmen: Es geht um die auch international höchst brisante Frage, ob die staatliche Verfügungsgewalt über dieses lebenswichtige Gut in der Verfassung festgeschrieben werden soll. Damit wäre eine Privatisierung des Wassers generell untersagt.

Die Initiative zum Referendum geht auf die Nationale Kommission zur Verteidigung des Wassers und des Lebens (CONADAV) zurück, einen Zusammenschluß von Gewerkschaften, öffentlichen Wasserbetrieben, Bürgerinitiativen, der Frente Amplio und weiteren Aktivisten. Der Textvorlage zufolge wird darüber befunden, ob die Wasserversorgung ausschließlich staatlichen Trägern vorbehalten bleibt. Sollte die Initiative mehr als 50 Prozent der Stimmen erreichen, wäre der Privatisierungsprozeß, den der konservative Präsident Jorge Batlle im Jahr 2001 begonnen hatte, auf einen Schlag beendet.

»Auf der ganzen Welt ist die Situation der Wasserversorgung problematisch, und es gibt kein einziges Beispiel einer Privatisierung, die die Lebensqualität verbessert hat. Im Gegenteil, mehr Menschen wurden marginalisiert oder hatten unter Preiserhöhungen und Umweltschäden zu leiden«, argumentiert Carlos Sosa, Generalsekretär der Vereinigung der staatlichen Wasserversorger (FFOSE). »Wo es kein Wasser gibt, gibt es kein Leben; deswegen muß Wasser als ein soziales Gut angesehen werden, das dorthin gelangen soll, wo Investitionen rentabel sind, aber auch dorthin, wo es nicht rentabel ist«, ergänzt FFOSE-Vizepräsidentin Adriana Marquisio.

Das Verfassungsprojekt sieht zudem vor, daß die Verstaatlichung der Wasserversorgung keine Entschädigung für eventuelle Gewinnausfälle der spanischen Unternehmen, die bereits im Land aktiv sind, zur Folge haben wird. Die Regierung hatte den Investoren eine großzügige Konzession von 30 Jahren eingeräumt. »Wir stehen vor einem wirklich revolutionären Schritt, denn Uruguay wäre das erste Land, das mitten in der globalen Wasserkrise die staatliche Verfügungsgewalt über dieses essentielle Gut festschreiben würde«, befindet der Senator und Vizepräsidentschaftskandidat der Frente Amplio, Rodolfo Nin Novoa.


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