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Chemtrails - Gefährliche
Experimente mit der Atmosphäre oder Fiktion?
Seitdem in der Zeitschrift
Raum & Zeit 127/2004 der Artikel Die Zerstörung des
Himmels erschienen ist, hat das Umweltbundesamt (UBA) eine Vielzahl von
Anfragen besorgter Bürgerinnen und Bürger zum Thema der so genannten
Chemtrails angeblich durch Flugzeuge in der Atmosphäre
versprühte Chemikalien erhalten. In dem Artikel wird unter anderem
behauptet, dass im Rahmen geheimer Projekte der USA militärische und
zivile Flugzeuge Aluminium- und Bariumverbindungen in die Atmosphäre
ausstoßen, aus denen sich diese Chemtrails, ähnlich der Bildung von
Kondensstreifen, entwickeln würden. Damit soll der durch den anthropogenen
Treibhauseffekt hervorgerufenen Erwärmung entgegengewirkt werden.
Dazu nimmt das UBA wie folgt
Stellung:
Für das in dem genannten
Artikel erwähnte Einbringen von Aluminiumverbindungen in die
Atmosphäre und die Bildung so genannter Chemtrails gibt es keinerlei
wissenschaftliche Belege.
Auch im Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind die beschriebenen Phänomene nicht
bekannt. Im Institut für Physik der Atmosphäre des DLR werden seit
vielen Jahren Untersuchungen zur Wirkung der Emissionen des Luftverkehrs auf
die Atmosphäre einschließlich der Messung gas- und
partikelförmiger Emissionen von Verkehrsflugzeugen in einer Vielzahl von
Fällen durchgeführt. Falls es die so genannten Chemtrails
gäbe, müssten beim DLR darüber Informationen vorliegen; die
Messungen enthalten jedoch keinerlei Hinweise darauf.
Die Deutsche Flugsicherung
GmbH hat bestätigt, dass im Rahmen der Luftraumüberwachung keine
auffälligen Flugbewegungen beobachtet wurden, die etwas mit dem
beschriebenen Sachverhalt zu tun haben könnten. Darüber hinaus hat
der Deutsche Wetterdienst mitgeteilt, dass in den Beobachtungsdaten keine
Besonderheiten auffindbar sind, die auf abweichende Formen von Kondensstreifen
hindeuten könnten. Auch das Bundesministerium der Verteidigung hat keine
weitergehenden Erkenntnisse. Das Hauptquartier der US-Luftwaffe Europa hat
mitgeteilt, dass es die beschriebenen Projekte bei der US-Luftwaffe weder gibt
noch gegeben hat.
Das UBA ist auch der in
Zuschriften vorgetragenen Behauptung nachgegangen, wonach die
Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) angeblich eine
Risikoanalyse über mögliche Folgen der Chemtrails unternommen
hätte. Auf Nachfrage des UBA versicherte die WHO, weder über so
genannte Chemtrails Kenntnis, noch eine Studie zum Thema unternommen zu haben.
In der Tat gab und gibt es im
wissenschaftlichen Bereich verschiedene theoretische Vorstellungen, zum Schutz
des Klimas unterschiedliche Stoffe (zum Beispiel Aluminiumoxid, Aluminium,
Ruß, Eisenverbindungen) in die Atmosphäre einzubringen. Jedoch
konnten sich diese Ansätze aus dem Bereich des Geo-engineering das
sind großmaßstäbliche Eingriffe in natürliche
Vorgänge nicht durchsetzen (auch nicht im experimentellen
Maßstab). Denn: Abgesehen von der Frage der Wirksamkeit gibt es
große Bedenken und Unsicherheiten, welche unvorhergesehenen weiteren
Wirkungen mit solchen Eingriffen verbunden sein könnten. Darüber
hinaus wären die Kosten für derartige Maßnahmen erheblich, denn
das Einbringen der Verbindungen in die Atmosphäre müsste, um eine
globale Wirkung zu gewährleisten, fortlaufend und in globalem Umfang
vorgenommen werden.
Über das Internet wird
eine Fülle von Material zum Stichwort Chemtrails verbreitet. Dabei wirkt
aber keine Quelle wirklich glaubhaft, da keine überzeugenden Belege
angeführt werden. Vielmehr sind Quellen mit Namen wie
spirithelp, conspiracyplanet, aliendave und
ufoseek zu finden. Die in diesen Quellen zum Teil gezeigten Photos
von etwaigen Chemtrails geben keinen Anlass, dahinter etwas anderes als
gewöhnliche Kondensstreifen oder Wolken (zumeist die unterschiedlichen
Formen von Zirruswolken, die aus Eiskristallen bestehen) zu vermuten. Auch auf
den verschiedenen Fotos, die Bürgerinnen und Bürger dem UBA gesandt
haben, sind nach unserer Erkenntnis langlebige Kondensstreifen und Zirruswolken
zu sehen. Offenbar werden meist als Kondensstreifen nur jene wahrgenommen, die
sich kurzzeitig bilden und die sich wegen zu geringer relativer Feuchte
rasch wieder auflösen.
Das Institut für Physik
der Atmosphäre des DLR gibt folgende detaillierte Auskunft über die
Bildung von Kondensstreifen: Kondensstreifen entstehen in hinreichend kalter
Atmosphäre als Folge der Wasserdampfemissionen aus Flugzeugtriebwerken.
Bei niedriger Feuchte lösen sich Kondensstreifen rasch wieder auf. Ist die
Atmosphäre jedoch hinreichend feucht, können Kondensstreifen
länger existieren und weiter wachsen. Unter geeigneten Bedingungen
können sie sich zu großflächigen Zirruswolken (die im Falle
einer solchen Entstehungsgeschichte Contrail-Cirrus genannt werden) entwickeln.
Letztere sind dann nicht mehr von natürlichen Zirren unterscheidbar,
sofern nicht ihre gesamte Entstehungsgeschichte beobachtet wurde. Nehmen
Zirruswolken, die optisch sehr dünn sein können, eine große
Fläche ein, erscheint dem Beobachter der Himmel milchig weiß.
Im Mittel sind rund 0,06
Prozent der Erde mit (linienförmigen) Kondensstreifen bedeckt. In Gegenden
mit hohem Flugverkehrsaufkommen werden deutlich höhere Bedeckungsgrade
erreicht; so lag Mitte der neunziger Jahre der Wert für Europa bei 0,5
Prozent. Den Bedeckungsgrad durch Contrail-Cirrus kennt man noch nicht. Erste
Schätzungen liefern Werte, die etwa zehnmal so groß sind wie der
Bedeckungsgrad mit linienförmigen Kondensstreifen.
Altern Kondensstreifen,
bleiben sie nicht glatt, sondern bilden Formen, wie das auf vielen Fotos zu
sehen ist. Dieser Vorgang ist ein lange bekanntes Phänomen und eine Folge
der Turbulenz, die in der Atmosphäre allgegenwärtig ist. Diese Formen
können auch durch numerische Simulationen reproduziert werden.
Mehrere Kondensstreifen
nebeneinander entstehen zum Beispiel dadurch, dass Flugzeuge festen Routen
folgen und die Windrichtung in der Höhe von der Flugroute abweicht. Dann
werden die Kondensstreifen seitlich verschoben. An Knotenpunkten der Flugrouten
können sich Kondensstreifen unterschiedlicher Orientierung bilden. Als
Folge der Verschiebung der Kondensstreifen entstehen dann die auf Fotos
festgehaltenen rautenförmigen Muster. Da Windrichtung und -geschwindigkeit
praktisch nie gleich sind, entstehen aus vormals geraden Mustern gekrümmte
Formen. Außerdem fliegen Flugzeuge nicht immer nur geradeaus, sondern
auch Kurven, insbesondere während Warteschleifen in Flughafennähe.
Das sieht man dann auch den Kondensstreifen an.
Bisher hat die
Chemtrail-Thematik in den Medien hauptsächlich über die Zeitschrift
Raum & Zeit Verbreitung gefunden. Schaut man die Inhaltsverzeichnisse der
letzten Jahre genauer an, finden sich in dieser Zeitschrift fortlaufend
Beiträge, die vom gegenwärtigen naturwissenschaftlichen und
medizinischen Kenntnisstand abweichen (zum Beispiel Gegenthesen zu
Relativitätstheorie, den Ursachen von AIDS und BSE). Auch mehrere Artikel,
die den anthropogenen Treibhauseffekt und die damit verbundene
Klimaänderung bestreiten, sind enthalten. Dies erscheint besonders
widersprüchlich, angesichts der Behauptung an gleicher Stelle, Chemtrails
seien der Versuch, die Wirkungen des menschengemachten Klimawandels zu mildern.
Abschließend ist
festzuhalten, dass die Bildung von Zirrusbewölkung aus Kondensstreifen
nach neueren Erkenntnissen in besonderem Maße zur Klimawirksamkeit des
Flugverkehrs beiträgt. Kondensstreifen und Zirren erwärmen das Klima.
Es wäre also kontraproduktiv, mit Hilfe zusätzlicher Zirren oder
zirrenähnlicher Wolken der Klimaerwärmung aufgrund der anthropogenen
Emissionen von Treibhausgasen entgegenwirken zu wollen.
Auf der Basis unseres
gegenwärtigen Kenntnisstandes und der Zusammenschau aller oben
erläuterten Aspekte schlussfolgern wir, dass die im Artikel Die
Zerstörung des Himmels aufgestellten Behauptungen nicht
glaubwürdig sind." |