Aktuelles aus dem
ECOLOG-Institut
Pressemitteilungen
Mobilfunk und Gesundheit
Studie im Auftrag der T-Mobil weist auf gesundheitliche
Risiken hin
Das ECOLOG-Institut, Hannover, hat im Auftrag der T-Mobil
den derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu möglichen Auswirkungen
der Felder des Mobilfunks auf die Gesundheit ausgewertet und unter dem
Gesichtspunkt des vorsorgenden Gesundheitsschutzes bewertet. Die Ergebnisse und
Empfehlungen der umfassenden Studie, an der Physiker, Mediziner und Biologen
mitgearbeitet haben, liegen jetzt vor.
Ergebnisse
Es gibt mittlerweile eine Reihe sehr ernst zu nehmender
Befunde aus Untersuchungen an stärker belasteten Bevölkerungsgruppen
und aus Tierexperimenten, die auf eine krebsfördernde Wirkung
hochfrequenter elektromagnetischer Felder, wie sie beim Mobilfunk benutzt
werden, hindeuten. Experimente an Zellenkulturen ergaben zudem deutliche
Hinweise auf eine direkte gentoxische Wirkung dieser Felder, wie
DNS-Brüche und Schäden an den Chromosomen, so dass auch eine
krebsauslösende Wirkung nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Auf ein
kanzerogenes Potential der Mobilfunkfelder deuten auch die Befunde zur
Beeinflussung der Zelltransformation, der Zellvermehrung und der
Zellkommunikation. Nachgewiesen wurden ferner Störungen weiterer
zellulärer Prozesse, z.B der Protein-Synthese und der Steuerung durch
Enzyme.
In zahlreichen Versuchen an Menschen wie an Tieren wurden
Beeinflussungen des Zentralen Nervensystems nachgewiesen, die von
neurochemischen Effekten bis zu Veränderungen der Hirnpotentiale und
Beeinträchtigungen bestimmter Gehirnfunktionen reichen. Letztere zeigen
sich im Tierexperiment u.a. an Defiziten im Lernvermögen. Bei
Versuchspersonen, die den Feldern von Mobiltelefonen ausgesetzt waren, wurden
Beeinflussungen bestimmter kognitiver Funktionen nachgewiesen. Mögliche
Risiken für das Gehirn ergeben sich auch durch die Erhöhung der
Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Fremd- und potentielle
Schadstoffe, die in mehreren Experimenten bei Tieren nachgewiesen wurden, die
Mobilfunkfeldern ausgesetzt waren.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am
ECOLOG-Institut fanden bei ihrer Recherche auch zahlreiche Hinweise auf
Wirkungen der Felder des Mobilfunks auf das Hormon- und das Immunsystem. So
lösten diese Felder bei Versuchstieren eindeutige Stressreaktionen aus,
die sich z.B. an einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen
zeigten. Im Tierexperiment konnte auch eine deutliche Verminderung der
Konzentration des Hormons Melatonin im Blut exponierter Tiere festgestellt
werden. Diese Befunde sind deshalb bedeutsam, weil Melatonin eine zentrale
Steuerfunktion für das Hormonsystem und die biologischen Tagesrhythmen hat
und es die Entwicklung bestimmter Tumoren hemmt.
Kommentar
Dr. Peter Neitzke, Koordinator der Arbeitsgruppe am
ECOLOG-Institut:
"Im Mittelpunkt unserer Untersuchungen standen Wirkungen der
elektromagnetischen Felder des Mobilfunks auf Mensch und Tier, die bei so
geringen Intensitäten auftreten, dass ein thermischer Effekt
ausgeschlossen werden kann. Wir haben die entsprechenden Studien einer strengen
Prüfung hinsichtlich der angewandten Methodik, der Vollständigkeit
der Dokumentation und der Aussagekraft der Ergebnisse unterzogen. Dabei zeigte
es sich, dass rund 80 Prozent der in wissenschaftlichen Fachzeitschriften
veröffentlichten Untersuchungsergebnisse für die Beurteilung
möglicher gesundheitlicher Risiken durch den Mobilfunk wenig hergeben. Der
Rest, auf den sich unsere Bewertung stützt, ist jedoch so gut gemacht und
in sich konsistent, dass wir die deutlichen Hinweise auf Gesundheitsrisiken
ernst nehmen müssen. Um den Schutz der Bevölkerung vor den
Auswirkungen der Felder des Mobilfunks zu verbessern, brauchen wir in
Deutschland deutlich niedrigere Vorsorgegrenzwerte, wie sie bereits in einigen
europäischen Nachbarländern gelten. Die Erfahrungen dort zeigen, dass
die Nutzung der Mobilfunktechnologie und ein vorsorgender Gesundheitsschutz
vereinbar sind."
Empfehlungen
Die derzeit in Deutschland geltenden Sicherheitsgrenzwerte
liegen für die beim Mobilfunk genutzten Frequenzen zwischen 2 und 9 W/m2.
Diese Grenzwerte sind lediglich darauf ausgerichtet, Erwärmungen des
Orgnismus aufgrund der thermischen Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer
Felder auf ein verträgliches Maß zu begrenzen. Sie sind aus Sicht
der Autoren nicht geeignet, um die in ihrer Studie aufgezeigtn
Gesundheitsrisiken auszuschliessen und daher mit der Zielsetzung eines
vorsorgenden Gesundheitsschutzes nicht vereinbar. Das ECOLOG-Institut
empfiehlt, beim Bau von Mobilfunkanlagen in der Nähe von Wohnungen,
Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und ähnlich empfindlichen
Nutzungen einen Vorsorgegrenzwert von 0,01 W/m2 nicht zu überschreiten.
Den Mobilfunkbetreibern wird nahe gelegt, diesen Vorsorgegrenzwert von sich aus
ab sofort einzuhalten und nicht auf die Verabschiedung der Neufassung der
entsprechenden Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz zu warten.
Der für die Umgebung von Mobilfunksendeanlagen
empfohlene Grenzwert ist bei der Benutzung von Mobiltelefonen auf dem jetzigen
und dem in absehbarer Zeit erreichbaren Stand der Technik nicht möglich.
Eine Absenkung auf maximal 0,5 W/m2 sollte nach Auffassung der Wissenschaftler
am ECOLOG-Institut aber dringend angestrebt werden. Ein besonderes Problem
sehen sie bei Nutzung von Mobiltelefonen durch Kinder und Jugendliche, da sich
deren Organismus zum einen noch in der Entwicklung befinde und deshalb
besonders empfindlich sei, zum anderen weil mittlerweile viele Heranwachsende
zu den regelmäßigen Nutzern von Mobiltelefonen gehören. Diese
Bevölkerungsgruppe sollte deshalb zumindest nicht direkt beworben werden.
Außerdem sollten besondere Anstrengungen unternommen werden, um die
Belastungen beim Telefonieren durch technische Änderungen an den Handys zu
verringern. Auch durch die Benutzung von Head-Sets oder Abschirmtaschen kann
die Belastung des Kopfes vermindert werden.
Hier erhalten Sie eine ausführliche Zusammenfassung der
Studie:
Hennies K., Neitzke H.-P. & Voigt H. 2000: Mobilfunk und
Gesundheit - Bewertung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes unter dem
Gesichtspunkt des vorsorgenden Gesundheitsschutzes. Im Auftrag der T-Mobil.
Hannover, April 2000.
Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:
Dr. H.-Peter Neitzke ECOLOG-Institut für
sozial-ökologische Forschung und Bildung Nieschlagstr. 26 30449
Hannover
Tel/Fax 0511-92456-46/-48 E-Mail
mailbox@ecolog-institut.de Homepage: www.ecolog-institut.de
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Hier erhalten
Sie eine eine ausführliche Zusammenfassung der Studie:
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