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Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
09.10.2004 Harald Neuber Info von: Junge Welt
FBI schaltet Indymedia weltweit ab
Mehr als zwanzig lokale Seiten des alternativen Nachrichtenportals von Polizeiaktion betroffen

Wer am Freitag im Internet auf aktuelle Informationen des alternativen Nachrichtenportals Indymedia zugreifen wollte, hatte mitunter einen schwarzen Bildschirm vor sich. In den frühen Morgenstunden hatten Beamte der US-Bundespolizei FBI den US-Internet-Anbieter Rackspace aufgefordert, seine Server mit Indymedia-Daten auszuhändigen. Auch in der britischen Zentrale des Unternehmens in London mußten die Indymedia-Server daraufhin abgeschaltet werden. Gut zwei Dutzend Seiten des alternativen Nachrichtenportals waren damit nicht mehr einsehbar. Betroffen waren Ableger in Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kamerun, Polen, Portugal, Serbien, Spanien, Tschechien, Uruguay und den USA.

Indymedia oder »Independent Media Center« (Unabhängiges Medien-zentrum) wurde Ende 1999 als globales Netzwerk von unabhängigen Medienaktivisten gegründet. Die Indymedia-Seiten werden heute vor allem von linken Aktivisten und Globalisierungskritikern genutzt. Anfang des Jahres bestanden weltweit bereits über 130 lokale Ableger. Doch hat nicht nur der Einfluß zugenommen, auch die Probleme mit staatlichen Kontrollbehörden haben sich in den letzten Monaten und Jahren vermehrt. So forderten FBI-Beamte den Internetanbieter von Indymedia in den USA bereits Anfang des Monats auf, einzelne Seiten aus dem Netz zu nehmen. Auch vor dem Parteitag der Republikanischen Partei in New York hatten US-Behörden unter Strafandrohung versucht, an die Zugriffsdaten von Indymedia zu gelangen. Mit der FBI-Aktion am Freitag sind aber erstmals Internetseiten weltweit betroffen.

Der Zugriff der US-Bundespolizei, von der vor allem die britische Internetpräsenz des Nachrichtenportals betroffen ist, fand eine Woche vor Beginn des Europäischen Sozialforums in London statt. Am Rande des dreitägigen Treffens von Globalisierungskritikern soll auch eine Konferenz zu »Kommunikationsrechten und taktischer Medienproduktion« stattfinden. In der Einladung weisen die Organisatoren auf die Bemühungen von »Regierungen und Wirtschaft« hin, »ihre Macht in immer stärkerem Maße durch die Kontrolle über Information abzusichern«.

Am Freitag abend konnte ein Teil der betroffenen Seiten über Ersatzserver in anderen Staaten wieder in Betrieb genommen werden. Eine Begründung für den massiven Eingriff in die Pressefreiheit lag zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht vor.



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