Mehr als zwanzig lokale Seiten des alternativen
Nachrichtenportals von Polizeiaktion betroffen Wer am Freitag im
Internet auf aktuelle Informationen des alternativen Nachrichtenportals
Indymedia zugreifen wollte, hatte mitunter einen schwarzen Bildschirm vor sich.
In den frühen Morgenstunden hatten Beamte der US-Bundespolizei FBI den
US-Internet-Anbieter Rackspace aufgefordert, seine Server mit Indymedia-Daten
auszuhändigen. Auch in der britischen Zentrale des Unternehmens in London
mußten die Indymedia-Server daraufhin abgeschaltet werden. Gut zwei
Dutzend Seiten des alternativen Nachrichtenportals waren damit nicht mehr
einsehbar. Betroffen waren Ableger in Belgien, Brasilien, Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien, Kamerun, Polen, Portugal, Serbien,
Spanien, Tschechien, Uruguay und den USA.
Indymedia oder »Independent Media Center«
(Unabhängiges Medien-zentrum) wurde Ende 1999 als globales Netzwerk von
unabhängigen Medienaktivisten gegründet. Die Indymedia-Seiten werden
heute vor allem von linken Aktivisten und Globalisierungskritikern genutzt.
Anfang des Jahres bestanden weltweit bereits über 130 lokale Ableger. Doch
hat nicht nur der Einfluß zugenommen, auch die Probleme mit staatlichen
Kontrollbehörden haben sich in den letzten Monaten und Jahren vermehrt. So
forderten FBI-Beamte den Internetanbieter von Indymedia in den USA bereits
Anfang des Monats auf, einzelne Seiten aus dem Netz zu nehmen. Auch vor dem
Parteitag der Republikanischen Partei in New York hatten US-Behörden unter
Strafandrohung versucht, an die Zugriffsdaten von Indymedia zu gelangen. Mit
der FBI-Aktion am Freitag sind aber erstmals Internetseiten weltweit
betroffen.
Der Zugriff der US-Bundespolizei, von der vor allem die
britische Internetpräsenz des Nachrichtenportals betroffen ist, fand eine
Woche vor Beginn des Europäischen Sozialforums in London statt. Am Rande
des dreitägigen Treffens von Globalisierungskritikern soll auch eine
Konferenz zu »Kommunikationsrechten und taktischer
Medienproduktion« stattfinden. In der Einladung weisen die Organisatoren
auf die Bemühungen von »Regierungen und Wirtschaft« hin,
»ihre Macht in immer stärkerem Maße durch die Kontrolle
über Information abzusichern«.
Am Freitag abend konnte ein Teil der betroffenen Seiten
über Ersatzserver in anderen Staaten wieder in Betrieb genommen werden.
Eine Begründung für den massiven Eingriff in die Pressefreiheit lag
zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht vor. |