Ralf Geisendörfer www.multirapid.de
Wenn dich
einmal die Muse küsst, bist du noch lang kein Dichter, erst
streift sie deine Lippen sanft- dann schneidet sie Gesichter.
Ideen
überfall´n uns wie Mücken, doch eh´ man geformet das
Wort, bevor man sie greift zu erdrücken - im selben Moment sind
sie fort.
Es stört sie kein Zaun, kein Riegel, kein Schloss,
nichts ist so frei wie Gedanken. Und nie wird es dein, das fliegende
Ross, nichts hält es in seine Schranken.
Doch bei deiner Jagd
über Wiese und Flur, beim Flug über Meer und Hügel, da
bleibt eine leuchtende, glänzende Spur am Boden, von seinem
Zügel.
Verfolge dies glitzernde, funkelnde Vlies und trage sie
alle zusammen, poliere sie gut bis zum letzten Kristall, der Muse
zartküssende Flammen.
Nun ordne sie ein, in harmonischer Weise,
entferne die blinden und blassen, verdichte nur frisch das
erles´ne Gemisch, dann kannst du die Zügel erfassen.
Dann zieht dich Pegasus hinauf - vertrau dem treuen Schimmel,
den Sinn des Lebens zeigt er auf und seinen Dichterhimmel.
Und
kommst du in die heil´gen Reih´n der Dichter, Denker,
Philosophen, dann möcht ich so gern bei dir sein
(in diesem
Wahn schrieb ich die Strophen)
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