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30.01.2002 Interview: Alexander Reich Junge Welt
Information von unten: Demnächst live aus Argentinien?
jW sprach mit Bärbel Schönafinger, Mitarbeiterin von kanalB, einem linken Videomagazin und Internetsender, der »herkömmliches Fernsehen« durch direkte Berichterstattung aus der Perspektive der Protestierenden »ersetzen« will
 
F: Sie werden demnächst mit kanalB exklusiv aus Argentinien berichten. Warum?

Am 19. bis20. Dezember waren zeitweise bis zu 90 Prozent der Bewohner von Buenos Aires auf den Straßen. Das war ein riesiger Aufstand. Der wurde in den hiesigen Medien heruntergespielt. Auch seine Ursachen: Wo stand denn, daß der IWF die ersten Kredite an die Militärdiktatur von 1976 vergeben hat? Wie lange mußt du recherchieren, um herauszufinden, daß Argentinien im Schnitt 13 Prozent Zinsen auf seine Schulden zahlt? Inzwischen ist alles wieder in Ordnung, heißt es. Man redet noch ein wenig über Armutsbekämpfung und damit hat sich das. Niemand erzählt die ganze Geschichte. Daß die Leute seit Monaten ihre Löhne nicht ausbezahlt bekommen, daß alles, was dem Land gehörte, im Zuge der vom IWF geforderten Privatisierung billig verschleudert wurde, daß jahrelang alles nur exportiert wurde, um die Schulden bedienen zu können, zum Vergnügen der Gläubiger, daß den Leuten jetzt auch noch ihre Ersparnisse abgenommen werden, und daß Argentinien letzlich ein Musterbeispiel für das tragische Scheitern der neoliberalen ökonomischen Strategien ist, die der IWF und die Weltbank vertreten und in Zusammenarbeit mit fragwürdigen Regierungen durchsetzen. Dieses Scheitern ist aber natürlich nicht für die Eliten tragisch, die es zu verantworten haben, sondern für die Armen und die Mittelschicht. Und zwar so tragisch, daß sie auf die Straße gehen und sich durch die Polizei nicht einschüchtern lassen, obwohl es bereits 30 Tote gegeben hat. Und genau dieses Scheitern ist es, das in den Medien nicht eingestanden werden kann. Argentinien ist so ein spannendes Thema. Weil die herrschende Ideologie und die Wirklichkeit auf der Straße so weit auseinanderklaffen.

F: Bedienen Sie sich der Techniken des Boulevardjournalismus? Würden Sie zum Beispiel ein kleines Mädchen filmen, das auf dem Bett liegt und stirbt, weil es keine Medikamente bekommt? Das könnte auch bei Explosiv laufen.

Könnte es nicht. Da geht es im großen und ganzen um die Vergrößerung von Brüsten. Und Arme kommen im Boulevard nur vor, wenn es ins ideologische Konzept paßt. Mir ist das zu ästhetisch gedacht. Uns geht es einfach um die Vermittlung von Fakten, die nicht im Fokus sind.

F: Trotzdem kann eine Vor-Ort-Recherche nicht die Suche nach verläßlichen Textquellen ersetzen.

Soll sie auch nicht. Man kann vor Ort aber schon besser verstehen, welche Erklärungen Sinn machen und welche nicht – die richtige Perspektive zu finden ist einfacher. Zum anderen werden wir Menschen treffen, die dort leben und sich seit Jahrzehnten mit diesen Problemen befassen.

F: Welche Kontakte haben Sie?

Wir werden politische Aktivisten aus unserem Bekanntenkreis treffen und eng mit diversen Videogruppen und indymedia Argentinien zusammenarbeiten.

F: Sprechen Sie Spanisch?

Ich mache seit einer Woche einen Intensivkurs, aber eine andere Frau aus unserer Gruppe spricht fließend Spanisch.

F: Wie soll die Aktion finanziert werden?

Über ein Abo-System. Jeder kann Abonnent unserer speziellen Internetseite werden. AbonnentInnen können sich auf dieser Seite vier Wochen lang jeden Tag zwei neue Videobeiträge aus Argentinien anschauen, auf spanisch und mit deutscher Übersetzung. Außerdem schreiben wir einen Newsletter für die AbonnentInnen mit den wichtigsten Neuigkeiten, und es gibt auf der Spezialseite auch ein Messageboard, über das sich die AbonnentInnen in die Recherchen einklinken können. Jeder Abonnent sagt, wieviel er maximal für das Abo zu zahlen bereit ist. Sobald sich genügend Interessenten gefunden haben, legen wir den endgültigen Preis fest. Zur Zeit liegt er bei fünf Euro monatlich.

* http://kanalB.de

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Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.