Die US-Botschaft in Venezuela
gab sich zu Wochenbeginn erschüttert. »Ohne weitere
Erklärungen« habe die bolivarische Regierung Venezuelas die
»freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Armeen beider Staaten
beendet«. Präsident Chávez hatte am Wochenende vier
US-Militärausbilder des Landes verwiesen und etwa 90 eigene Soldaten von
US-Militärakademien zurückgerufen. Die Erklärung der
US-Botschaft wurde in Venezuela wie sollte es anders sein
ausschließlich in den oppositionellen Privatmedien verbreitet, die schon
in den vergangenen Jahren durch ihre extrem einseitige und politisch motivierte
Berichterstattung gegen die linke Regierung auf sich aufmerksam gemacht hatten.
Natürlich hatte die Regierung den Schritt
begründet. Und er kam auch nicht »überraschend«, wie von
der US-Botschaft in Caracas behauptet wurde. Schon vor zwei Jahren war eine
US-Militärvertretung im Armeestützpunkt Fuerte Tiuna nahe der
Hauptstadt Caracas aufgelöst worden. Die dort stationierten
US-Militärs standen in der Kritik, in die Planung von
regierungsfeindlichen Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Weder die
Regierung noch die Armeeführung der USA konnten oder wollten die
Vorwürfe damals entkräften. Sie zogen den stillen Rückzug vor.
Das nun endgültige Ende der fast vier Jahrzehnte
währenden Militärkooperation zwischen beiden Staaten hatte
ähnliche Gründe. Die US-Militärs, so Chávez in seiner
sonntäglichen Fernsehsendung »Aló Presidente«,
hätten innerhalb der venezolanischen Truppen eine regelrechte
Schmutzkampagne gegen Regierung und Armee des Gastlandes gestartet. Eine solche
offene Opposition hätte kein Land geduldet. Zumal sich die US-Führung
mit Drohgebärden gegen Hugo Chávez´ Regierung in der
jüngsten Vergangenheit alles andere als zurückgehalten hat. In dieser
Situation war der Abbruch der militärischen Kooperation von
venezolanischer Seite längst überfällig.
Er dient auch der eigenen Sicherheit. Der geringste
Anlaß könnte von Washington genutzt werden, um weitere vor
allem militärische Schritte gegen die unliebsame Regierung
Chávez einzuleiten. Ein fingierter Übergriff gegen einen
US-Ausbilder innerhalb der venezolanischen Armee käme den Washingtoner
Falken daher wohl mehr als gelegen, um »zum Schutz von Freiheit und
Demokratie« zu intervenieren. Wer Befürchtungen dieser Art für
konstruiert hält, muß in der lateinamerikanischen Geschichte nicht
weit zurückblicken, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Eben ein
solcher Auslöser und die entsprechende Begründung hatten zur
US-Intervention 1989 in Panama geführt. |