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26.04.2005 Harald Neuber Info von:  junge Welt
Venezuela weist US-Militärs aus

Die US-Botschaft in Venezuela gab sich zu Wochenbeginn erschüttert. »Ohne weitere Erklärungen« habe die bolivarische Regierung Venezuelas die »freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Armeen beider Staaten beendet«. Präsident Chávez hatte am Wochenende vier US-Militärausbilder des Landes verwiesen und etwa 90 eigene Soldaten von US-Militärakademien zurückgerufen. Die Erklärung der US-Botschaft wurde in Venezuela – wie sollte es anders sein – ausschließlich in den oppositionellen Privatmedien verbreitet, die schon in den vergangenen Jahren durch ihre extrem einseitige und politisch motivierte Berichterstattung gegen die linke Regierung auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Natürlich hatte die Regierung den Schritt begründet. Und er kam auch nicht »überraschend«, wie von der US-Botschaft in Caracas behauptet wurde. Schon vor zwei Jahren war eine US-Militärvertretung im Armeestützpunkt Fuerte Tiuna nahe der Hauptstadt Caracas aufgelöst worden. Die dort stationierten US-Militärs standen in der Kritik, in die Planung von regierungsfeindlichen Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Weder die Regierung noch die Armeeführung der USA konnten oder wollten die Vorwürfe damals entkräften. Sie zogen den stillen Rückzug vor.

Das nun endgültige Ende der fast vier Jahrzehnte währenden Militärkooperation zwischen beiden Staaten hatte ähnliche Gründe. Die US-Militärs, so Chávez in seiner sonntäglichen Fernsehsendung »Aló Presidente«, hätten innerhalb der venezolanischen Truppen eine regelrechte Schmutzkampagne gegen Regierung und Armee des Gastlandes gestartet. Eine solche offene Opposition hätte kein Land geduldet. Zumal sich die US-Führung mit Drohgebärden gegen Hugo Chávez´ Regierung in der jüngsten Vergangenheit alles andere als zurückgehalten hat. In dieser Situation war der Abbruch der militärischen Kooperation von venezolanischer Seite längst überfällig.

Er dient auch der eigenen Sicherheit. Der geringste Anlaß könnte von Washington genutzt werden, um weitere – vor allem militärische – Schritte gegen die unliebsame Regierung Chávez einzuleiten. Ein fingierter Übergriff gegen einen US-Ausbilder innerhalb der venezolanischen Armee käme den Washingtoner Falken daher wohl mehr als gelegen, um »zum Schutz von Freiheit und Demokratie« zu intervenieren. Wer Befürchtungen dieser Art für konstruiert hält, muß in der lateinamerikanischen Geschichte nicht weit zurückblicken, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Eben ein solcher Auslöser und die entsprechende Begründung hatten zur US-Intervention 1989 in Panama geführt.



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