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29.4.2005 PHI Info von:  www.phi.lt
Die Zeichen stehen auf Sturm
Die Morde an Alfred Herrhausen und Detlef Rohwedder aus neuer Sicht .

Der Dollar fällt und fällt, die Kapitalströme, die nötig wären, um den Kollaps angesichts der US-Defizite aufzuhalten, sind einfach nicht mehr da; der Ölpreis liegt mit rund 50 Dollar wieder doppelt so hoch, als für die Wirtschaft preisneutral wäre, was weltweite Inflation zur Folge hat. Der Goldpreis hat die 450-Dollar-Marke durchbrochen, Rohstoffe sind Lieblingsgegenstand der Megaspekulanten; Rußland hat schon damit angefangen, sein Portfolio umzurüsten und seine erheblichen Dollarreserven zu liquidieren, andere asiatische Länder werden folgen. - Man muß sich nur die Gleichzeitigkeit all dieser Entwicklungen vergegenwärtigen, um zu verstehen: Alles ist ausgereizt. Und alle, die es wissen müssen, sind von der Angst getrieben: Es braucht nur noch eine Kleinigkeit dazuzukommen, und das ganze System wird detonieren. John Perkins unterstreicht in seinem neuen Buch Confessions of an Economic Hitman, diese Politik der EHM habe letztlich zu den Anschlägen des 11. September geführt (Anm.PHI: Den Text eines Interviews mit John Perkin bringen wir in den nächsten PHI). Er sagt, daß diese Anschläge nur mit aktiver Mitarbeit von Teilen des amerikanischen Sicherheitsapparats möglich gewesen sein könnten. Die derzeitige Systemkrise ist ebenso das Resultat der Politik, ein Land der "Dritten Welt" nach dem anderen durch die EHM zum Ausbeutungsobjekt zu machen und die Regierungen zu zwingen, sich zugunsten des Aufbaus eines angloamerikanischen Empires in der Tradition Venedigs und des anglo-holländischen Systems und der Finanzinteressen von Firmen wie Bechtel und Halliburton zu überschulden und damit dem Diktat der IWF-Auflagen zu unterwerfen. Perkins' Buch ist deshalb so brisant, weil es von einem hochrangigen Insider geschrieben ist, der sich durch seine Enthüllungen letztlich selbst belastet. (...) Perkins führt als Beispiel an: Indira Gandhi wurde einmal von einem amerikanischen Repräsentanten besucht, der ihr mitteilte, es seien gerade 70 (!) amerikanische Geschäftsleute in Neu-Delhi angekommen, die Aufträge für 30 Mrd. Dollar zu vergeben hätten, falls sie sich innerhalb weniger Stunden bereit erklärte, einen IWF-Kredit von 30 Mrd. Dollar anzunehmen. Indira Gandhi empfing den Vertreter am nächsten Morgen in ihrem Büro im Parlament und lehnte das Angebot mit dem Argument ab, sie habe gerade mit Mühe einen Kredit von 2 Mrd. zurückgezahlt und sehe keine Möglichkeit, sich auf dieses "Geschäft" einzulassen. Ein indischer Zeitzeuge kommentierte: "Sie hat diese Haltung mit dem Leben bezahlt." Aber wer meint, Coups und Morde an Führern der sog. Dritten Welt seien "nichts besonderes", der sollte schleunigst aufwachen. Denn dieselbe Politik, die Perkins zufolge für die Überschuldung des Entwicklungssektors und die Morde an Omar Torrijos in Panama und Jaime Roldos in Ekuador verantwortlich ist auch Schuld an der wirtschaftlichen Katastrophe in Deutschland und Europa, und an dem Umstand, daß unsere Jugend ebenso wie die amerikanische eine "No-future-Generation" ist, wenn die Finanzoligarchie nicht besiegt wird. Mit anderen Worten, die Politik der "Wirtschaftsattentäter" betrifft uns genauso. Die beiden wirtschaftspolitisch motivierten Morde, die mehr als alles andere die Weichen für die Katastrophe stellten, in welche die deutsche Wirtschaft in Ost und West seit 15 Jahren gestürzt ist, waren die an Alfred Herrhausen am 30. November 1989 und an Detlef Rohwedder am 21. April 1991. In ähnlicher Weise wie es jetzt John Perkins sagt, sagte in den 90er Jahren der ehemalige Pentagon-Mitarbeiter Oberst Fletcher Prouty in einem Interview mit der italienischen Zeitung Unita, die Morde an Herrhausen, John F. Kennedy, Aldo Moro, Enrico Mattei und Olof Palme seien alle die Folge davon gewesen, daß sie sich nicht der bestehenden Weltordnung einer von einer kleinen Machtelite beherrschten pax universalis unterwerfen wollten. In einer anderen Erklärung verglich Prouty die Bedeutung der Ermordung Herrhausens mit der J.F. Kennedys: "Sein Tod zu diesem Zeitpunkt ..., die erstaunlichen Umstände seines Todes ... gleichen der Ermordung Präsident Kennedys 1963 ... Wenn man die große Bedeutung der Ereignisse in der Sowjetunion, in Osteuropa und vor allem in Deutschland bedenkt, dann ist die Ermordung von Herrhausen von ungeheurer Bedeutung. Wir dürfen nicht zulassen, daß dies unter den Teppich gekehrt wird ... Wirkliche Terroristen ermorden den Präsidenten einer Bank nicht ohne einen besonderen Grund. Die meisten Terroristen sind bezahlte Agenten und Instrumente großer Machtzentren. Ein solches Machtzentrum wollte aus einem bestimmten Grund den Vorstandssprecher der Deutschen Bank an diesem Tag und auf diese Weise loswerden, um anderen eine Lektion zu erteilen. Also, es gibt eine Botschaft in der Art und Weise, wie er umgebracht wurde." Prouty sagte, der Schlüssel zur Erklärung liege in elf Seiten einer Rede, die Herrhausen eine Woche später am 4. Dezember 1989 in New York vor dem American Council on Germany hätte halten sollen und die nun ungehalten blieb. In dieser Rede wollte Herrhausen seine Vision der Neugestaltung des Ost-West-Verhältnisses darlegen, die den Lauf der Geschichte nach 1989 dramatisch in eine andere Richtung gelenkt hätte. Erinnern wir uns an die dramatischen Ereignisse vom Herbst 1989: Am 9. November fiel die Mauer in Berlin; in einer später veröffentlichten Dokumentation gab die Bundesregierung zu, sie habe nicht die geringsten Pläne für die unvorhergesehene Eventualität der deutschen Wiedervereinigung gehabt. Am 28. November machte Helmut Kohl den einzigen souveränen Schritt seiner gesamten Amtszeit. Er legte das Zehn-Punkte-Programm für die Bildung einer Konföderation der beiden deutschen Staaten vor, und zwar ohne Absprache mit den Alliierten oder dem Koalitionspartner FDP. Zwei Tage später, am 30. November, wurde Alfred Herrhausen von der sog. Dritten Generation der RAF ermordet, deren Existenz in einer ARD-Sendung als "Phantom" bezeichnet wurde. Dieses "Phantom" trat dann noch einmal bei der Ermordung Rohwedders in Erscheinung und hat sich seitdem in Luft aufgelöst. Der Mord an Alfred Herrhausen als dem einzigen Vertreter des Establishments, der eine Vision für die historische Situation zu äußern wagte, war in der Tat die Botschaft an Regierung und Industrie, von der Oberst Prouty sprach. Keiner wagte mehr, den Kopf vorzustrecken. Nach den Mördern traten jetzt wieder die Wirtschaftsattentäter auf den Plan, z.B. in der Person von Jeffrey Sachs und anderen "Reformern", die den wirtschaftlichen Kahlschlag des Ostens zugunsten der Spekulanten der Finanzoligarchie propagierten. Noch im Dezember 1989 erlebte Helmut Kohl die "schwärzesten Stunden seines Lebens" beim EU-Gipfel in Straßburg, wo er meinte, sich dem Diktat der Finanzoligarchie in der Form der vorgezogenen europäischen Währungsunion unterwerfen zu müssen. Maastrichter Vertrag, Stabilitätspakt, Euro statt D-Mark und wirtschaftlicher Kahlschlag für die neuen Bundesländer waren die Folge.


Es gab noch einen anderen führenden Industrievertreter, der weitreichende Visionen für die Entwicklung Deutschlands hatte; Detlef Rohwedder. Als Chef der Treuhand war er mit der Transformation der Volkseigenen Betriebe betraut. 1990/91 gelangte er zu der Erkenntnis, daß eine rücksichtslose Privatisierung der realwirtschaftlich durchaus noch nützlichen Industriebetriebe unannehmbare soziale Folgen hätte. Also beschloß er in den ersten Monaten des Jahres 1991, das Konzept der Treuhand in "Erst Sanierung, dann Privatisierung" zu ändern - immer unter Hinblick auf die sozialen Auswirkungen. Dies war der Moment, als die Phantom-RAF wieder zuschlug. Seine Nachfolgerin bei der Treuhand, Birgit Breuel, Bankierstochter aus Hamburg, hatte keine solche Skrupel wie er: Unter ihrer Leitung nahm die rigorose Privatisierung ihren freien Lauf. Warum mußten diese beiden Männer sterben? Waren sie die Symbolfiguren der "faschistischen Kapitalstruktur", von der die "RAF" in ihrem Bekennerschreiben zur Herrhausen-Ermordung spricht? Im Gegenteil: Beide begingen gegenüber dem System der Finanzoligarchie die Todsünde, moralische Bedenken wegen der Folgen dieser Politik zu äußern. So beschreibt Dieter Balkhausen in seinem Buch Alfred Herrhausen, Macht, Politik und Moral, wie Herrhausen bereits 1987 bei der Trauerfeier für seinen Vorstandskollegen Werner Blessing zum Ausdruck brachte, die Schuldenkrise der Dritten Welt vertrage kein Schweigen mehr. Ein Gespräch mit Präsident Miguel de la Madrid in Mexiko über die Schuldenkrise der Entwicklungsländer hatte ihn zutiefst betroffen gemacht, und er begann über einen teilweisen Schuldenerlaß nachzudenken. Balkhausen berichtet weiter, auf den evangelischen Kirchentagen habe man damals darüber diskutiert, warum die internationalen Banken bis 1987 den halb- oder unterentwickelten Staaten die gigantische Summe von 1200 Mrd. Dollar an Krediten zur Verfügung gestellt hatten, während sie sonst "knallhart" Kreditlinien sperrten und die Häuser kleiner Leute versteigern ließen. Perkins' Enthüllung, daß die EHMs die Aufgabe hatten, die Entwicklungsländer in die Schuldenfalle zu locken, um sie dann um so gnadenloser ausbeuten zu können, gibt die Antwort auf diesen scheinbaren Widerspruch. In einer Fernsehsendung in Arte am 18. November 2002 kam ein mit Herrhausen befreundeter katholischer Priester zu Wort, der berichtet, Herrhausen sei zu dem Schluß gekommen, daß ein System, bei dem einige wenige einen sehr hohen Profit aus der Wirtschaft ziehen, während viele andere unter die Räder kommen, keinen Bestand haben könne. Herrhausen habe sich mit der Frage herumgeschlagen, daß er vielleicht etwas decke, was er nicht decken könne, nicht decken wolle und nicht decken dürfe. Damit beging Herrhausen in den Augen der Finanzoligarchie den Fehler, der ihn das Leben kosten sollte: Er kam auf die Idee, daß Wirtschaft etwas mit Moral und dem Menschenbild zu tun hat. Als Herrhausen am 28. November 1989 dem Vorstand seiner Bank einen tiefgehenden Strukturwandel vorschlug, der seine Bedenken zur Schuldenkrise der Entwicklungsländer reflektierte, stieß er auf heftigen Widerstand, wie der damalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, berichtete. Frau Herrhausen erklärte, ihr Mann sei "arg niedergeschlagen" aus der Sitzung der Bank zurückgekommen, die sich dann als seine letzte erweisen sollte. Und am Morgen vor dem Attentat sagte Herrhausen zu seiner Frau: "Ich weiß nicht, ob ich das überlebe." Es gibt neben dem Buch von John Perkins noch einen sehr triftigen Grund, die Umstände um den Mord an Alfred Herrhausen neu aufzurollen. Wir sind heute mit dem rapide zusammenbrechenden Weltfinanzsystem konfrontiert. Und Herrhausen hätte in dieser Lage sicher Maßnahmen vorgeschlagen und ergriffen, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden und das Gemeinwohl zu verteidigen. Seit seinem Tod und dem Rohwedders gibt es in Deutschland sehr wenige oder gar keine Bankiers mehr, die bereit wären, so zu handeln - und das war ja wohl auch die beabsichtigte Botschaft der Auftraggeber der Mörder. Aber was ist die Folge? Unser Land droht zugrunde zu gehen. Und nicht nur unser Land. Die sich schnell verschärfende strategische Krise (die, wie Perkins richtig erkennt, mit dem 11. September zu tun hat) und der Einsturz des Finanzsystems, zu dem die Globalisierung und der Versuch, eine pax universalis nach venezianischem Modell aufzubauen, führen, erfordert eine dramatische Kursänderung. Eine neue Untersuchung der Morde an Herrhausen und Rohwedder wird erweisen, wie die Weichen falsch gestellt wurden und in welche Richtung sie neu gestellt werden müssen. [Quelle: Internetseite der Partei „BUESO“]



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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.