Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 06.07.2006330

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
2
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
23.12.2004 Ulla Jelpke Info von:  junge Welt
Zwänge zur Versorgerehe

»Hartz IV« verschärft Armut von Frauen. Wegen Erwerbstätigkeit ihrer Ehemänner oder Lebenspartner werden voraussichtlich 460000 ihre Ansprüche verlieren

Mit der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II (ALG II), dem Kernstück der sogenannten Reform »Hartz IV«, wird die Armut vieler Frauen wachsen. 700000 Frauen beziehen derzeit Arbeitslosenhilfe. Davon bekommen 85 Prozent weniger als 600 Euro im Monat. Bei solchen Ausgangsdaten ist klar, daß jede weitere Kürzung einen schweren Eingriff in die Existenz darstellt.

Besonders die Anrechnung von Partnereinkommen trifft die Empfängerinnen von Arbeitslosenhilfe hart. Wegen Erwerbstätigkeit ihrer Ehemänner oder Lebenspartner werden voraussichtlich 460000 Frauen ihre Ansprüche verlieren. Sie sind somit auf die »Versorgerehe« angewiesen. Da diese Frauen keine Ansprüche mehr auf Arbeitsförderungsleistungen haben, werden sie in Schwarzarbeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse hineingetrieben. Wenn Frauen beispielsweise nach einer familiär bedingten längeren Pause wieder in die volle Berufstätigkeit einsteigen wollen, werden sie meist nur befristete Arbeitsverträge bekommen – mit geringer Aussicht auf Verlängerung.

»Dienstbotengesellschaft«

Nicht nur laufendes Partnereinkommen wird angerechnet, sondern auch eigenes Vermögen. Bis zum Alter von 55 Jahren ist pro Lebensjahr nur ein Betrag von 200 Euro »unschädlich«, ab 55 ein Betrag von 520 Euro. Das bedeutet, daß Frauen, die »Vermögen« als eigene Altersvorsorge angespart haben, dafür auch noch durch Leistungsentzug bestraft werden.

Die Verschärfung der Regeln über die Zumutbarkeit einer Arbeit treffen wiederum Frauen in besonderem Maße. Der »Arbeitsmarkt« verlangt mobile, kinderlose Singles, die ohne soziale Bindungen immer und überall einsetzbar sind. Gerade alleinerziehende oder überhaupt Frauen mit Kindern fallen aus diesem Raster heraus. Folge: weitere Leistungskürzungen!

»Hartz IV« führt zur massenhaften Umwandlung normaler Arbeitsverhältnisse in Minijobs, Leiharbeit oder Ich-AG. Gerade Frauen werden schon jetzt oft auf befristete Arbeitsverträge verwiesen. Die neuen Personal-Service-Agenturen (PSA) drängen weibliche Erwerbssuchende verstärkt in die Leiharbeit. Von sechs Millionen geringfügig Beschäftigten sind vier Millionen Frauen. Von den 400-Euro- Jobs, die für »Arbeitnehmerinnen« steuer- und versicherungsfrei sind, kann jedoch niemand leben. Zugleich wurde die Arbeitszeit auf 15 Wochenstunden begrenzt, was wiederum zur Absenkung von Stundenlöhnen und unbezahlter Mehrarbeit führt. Saisonarbeitskräfte dürfen bis zu zehn Wochen ohne Sozialversicherungsbeiträge beschäftigt werden. Diese Frauen bauen also in dieser Zeit keine Rentenansprüche auf.

Erklärtes Ziel der SPD-Grünen-Bundesregierung ist die Schaffung von »haushaltsnahen« Beschäftigungen wie Kochen, Putzen, Gartenpflege, Kinder- und Altenbetreuung. Für diese Bereiche wird es künftig fast ausschließlich Minijobs geben, so daß Tausende jener Hauswirtschafterinnen, Altenpflegerinnen und Erzieherinnen ohne soziale Absicherung arbeiten müssen. Mit dieser beträchtlichen Ausweitung des Niedriglohnsektors wird die »Dienstbotengesellschaft« des 19. Jahrhunderts unter dem Vorwand einer Arbeitsmarktreform neu installiert. Aus jener Epoche stammt auch das Leitbild, das offenkundig Pate gestanden hat: Der Mann als Hauptverdiener und die Frau als mithelfende, schlecht bezahlte und sozial unabgesicherte Zusatzarbeitskraft in den Zwängen einer Versorgerehe.

Armutsrisiko

Der Weg in die Scheinselbständigkeit der Ich-AG ist auch kein Ausweg. Von den Beträgen, die die Frauen in den ersten drei Jahren vom Job-Center bekommen, wird ein großer Teil für die Sozialversicherung aufgewendet werden müssen. Die Erfahrung zeigt, daß 20 Prozent der seit Januar 2003 entstandenen Ich-AG schon wieder pleite sind. Profiteure sind nur die Unternehmer, die eine Ich-AG engagieren: Sie brauchen bei Urlaub und Krankheit nichts zu bezahlen und keinen Kündigungsschutz einhalten.

Gewinner von »Hartz IV« werden auch die Sozialverbände sein, wenn sie Pflege- und Betreuungskräfte aus dem Job-Center anfordern. Sie ergänzen das ALG II um Ein-Euro-Jobs. Auf diese Weise rechnet der Paritätische Wohlfahrtsverband mit 3000 neuen Stellen, ähnlich ist es bei Caritas und Arbeiterwohlfahrt. Es liegt auf der Hand, daß zugleich reguläre Arbeitsplätze abgebaut werden – vor allem Arbeitsplätze von Frauen!

Besondere Probleme ergeben sich durch »Hartz IV« für Alleinerziehende. Sie zählen zwar zum Kreis der ALG-II-Berechtigten, wenn sie regelmäßig länger als drei Stunden am Tag arbeiten können. Ist aber ein Kind älter als drei Jahre und ein Kindergarten- oder Hortplatz verfügbar oder die Betreuung anderweitig (etwa durch Großeltern) sichergestellt, ist für diese Frauen eine Erwerbstätigkeit in jeder Form zumutbar. Mütter, die ALG II beziehen, erhalten keine einmaligen Beihilfen mehr etwa für Lernmittel oder eintägige Klassenfahrten. Die Auslagen dafür sollen aus der Regelleistung angespart werden. Wer dies nicht kann, erhält für »unabweisbare« Anschaffungen Darlehen, die in Raten von bis zu zehn Prozent der Regelleistungen abgezahlt werden müssen. Es bleibt also dabei und wird weiter zementiert: Kinder sind in der BRD ein hohes Armutsrisiko!



Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...



Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info

Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht

Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.