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Von
Menschen, Identitäten und digitalisierten Merkmalen
Wie sicher
sind biometrische Daten? - Gedanken über eine Technologie, die immer mehr
an Bedeutung gewinnt
von
Gerhard Charles Rump
Berlin -
Ein kleines Horrorszenario gefällig? Sie müssen irgendwo bei einer
Kontrolle - zum Beispiel an einer Grenze - Ihren Fingerabdruck hinterlassen.
Der wird digitalisiert in einer Datenbank abgespeichert. Ein Hacker verschafft
sich später irgendwie Zugang dazu, lädt Ihre biometrischen Daten
herunter, läßt den Fingerabdruck per Laser in einen Latexhandschuh
brennen und hinterläßt ihn an einem Mord-Tatort. Oha. Da stehen
Schwierigkeiten ins Haus, und so weit weg von der Realität ist dieses
Szenario nicht, denn Biometrie, also die (digitalisierte) Erfassung von
Körpermerkmalen wie Fingerabdruck, Irismuster oder Gesichtsarchitektur zur
Identifikation von Personen, ist das neue Goldene Kalb, um das die
Sicherheitsexperten dieser Welt tanzen. Viele Länder wollen
Fingerabdrücke und andere Körperdaten im Personalausweis oder
Reisepaß ihrer Bürger abspeichern. Trotz aller vorgetragenen
Bedenken von Datenschützern.
Ein
Sprecher des Bundeskriminalamtes bestätigte der WELT: "Die
Übertragung eines digitalisierten Fingerabdrucks auf einen Latex-Handschuh
halten wir technisch für machbar. Trugspuren kann man grundsätzlich
immer legen. Aber eine Spur am Tatort reicht als Ermittlungsergebnis ja
nicht aus. Da muß schon ein fehlendes Alibi und die nachgewiesene
Anwesenheit am Tatort hinzukommen. Die ordentlich durchgeführte Ermittlung
schränkt das Gefahrenpotential stark ein." Ob die "ordentlich
durchgeführte Ermittlung" der Standard ist, kann der in die
Mühlen der Polizei Geratene aber kaum beurteilen. ...
Probleme
gibt es ohnehin zuhauf. Denn wenn biometrische Daten eine Person eindeutig
identifizieren, was machen dann die, die von Berufs wegen mehrere
Identitäten brauchen, also die Damen und Herren Geheimagenten? Ein
Sprecher des Verfassungsschutzes sagte der WELT: "Das ist eine interessante
Frage. Aber es gibt da durchaus Möglichkeiten. Welche, das kann ich Ihnen
verständlicherweise nicht sagen." Im Umkehrschluß bedeutet das
dann wohl aber auch: Wenn die Geheimdienste in der Lage sind, trotz des
ganzen Biometriezaubers mehrere Identitäten zu generieren - dann kann das
das organisierte Verbrechen vermutlich auch.
Bedenklich erscheint auch die Möglichkeit, daß durch
Softwarefehler oder menschliche Irrtümer beim Führen der Datenbank
falsche Zuordnungen in die Welt gesetzt werden. In den USA hat man das
schon erlebt: Wiederholt wurde ein demokratischer Senator vom Computer als
Ganove klassifiziert und eine Offizierin der Streitkräfte ebenfalls.
Andererseits war zum Beispiel der Terrorpilot Atta vom 11. September 2001
durchaus längst erfaßt - nur eben nicht als Terrorist.
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