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Ein Ökodorf als Prototyp des globalen Dorfes der
Zukunft braucht eine umweltfreundliche, dezentrale Energieversorgung, die von
regionalen Handwerksbetrieben, unabhängig von der Großindustrie
hergestellt werden kann. Dieses Ziel verfolgt der Solartechnologe Jürgen
Kleinwächter mit seiner Firma Bomin Solar aus Lörrach bereits seit
Jahrzehnten. Er entwickelte die solare Energieversorgung für ein
afrikanisches Modelldorf mit 50 Einwohnern, das "Solar Power Village". Ohne
Photovoltaik erzeugt es Energie zum Kochen, Wasserpumpen, Korn mahlen und
Elektrizität. Um innerhalb von Europa ein erstes 1:1-Anschauungsmodell
für das Dorf zu bauen, arbeitet er mit dem Heilungsbiotop 1 Tamera in
Portugal zusammen, denn, wie er sagt: "Nur eine Gemeinschaft kann die soziale
und kooperative Lebensweise gewähren, die für eine energieautare
Lebensweise gebraucht wird."
Wie entstand das Solar Power Village? Bei einer
Feldstudie in Dörfern Westafrikas beobachte Jürgen Kleinwächter
die Bedürfnisse der Menschen. "Im Sahel laufen die Frauen im Durchschnitt
40 km pro Tag, um Holz zu sammeln. Dann stampfen sie 1-2 Stunden lang Korn. Am
Brunnen, der immer tiefer wird, müssen sie mit Muskelkraft das Wasser mit
Hebelbewegungen hochpumpen. Kinder erkranken aufgrund der schlechten
Wasserqualität. Die Gemüsegärten leiden in ariden Gebieten unter
starken Winde und Hitze." Für all diese Probleme, die - wenn sie nicht
gelöst werden - zur Landflucht führen, entwickelte er eine
Alternative: Das solare Dorf. Er sagt: "Durch solares Kochen werden Entwaldung,
Versteppung und Erosion vermindert. Die einfache Technologie erlaubt eine
lokale Produktion, d.h. dezentrale Arbeitsstellen." Das Neue an dem System ist
die verwendete Solartechnik, die unabhängig von industrieller Produktion
in handwerklicher regionaler Arbeit hergestellt werden kann. Das Solar Power
Village ist eine Kombination verschiedener Module zur Erzeugung, Speicherung
und Nutzung von Solarenergie. Die Module werden im Folgenden ausgiebig
beschrieben.
1. Modul: Ein Foliengewächshaus Unter dem Dach
eines etwa 30-40 qm großen Folientreibhauses - für europäische
Verhältnisse braucht man entsprechend mehr - wird eine Reihe von
Fresnell-Linsen angebracht, die das Sonnenlicht auf eine Brennlinie fokussieren
und im Tagesverlauf dem Sonnenlicht folgen. Genau in der Brennlinie
fließt in einem geschwärzten Kupferrohr, welches von einem
transparenten Glasrohr umgeben ist, Pflanzenöl. Kleinwächter:
"Pflanzenöle sind überall in der Dritten Welt vorhanden. Sie dienen
als Wärmeträger. Wenn sie durch die konzentrierte Energiezone
strömen, erhitzen sie sich mit Leichtigkeit auf 220°C." Das
Gewächshaus ist mit einer Spezialfolie bespannt. Diese lässt einen
größeren Teil des Sonnenlichtspektrum (v.a. UV-Licht) durch als
übliche Folien - dies unterstützt das Gemüsewachstum und gibt
der Folie eine längere Haltbarkeit. "Das Gemüse ist übrigens von
hervorragender Qualität - gar nicht zu vergleichen mit normaler
Gewächshausware", berichtet Kleinwächter. "Die Temperatur im
Gewächshaus ist angenehm wie ein Frühlingstag und ermöglicht den
Anbau von Salat auch im Sommer." Die Spezialfolie gehört zu den wenigen
Bestandteilen des Solar Villages, die nicht in regionaler Arbeit hergestellt
werden kann. Vom Gewächshaus fließt das Öl in einen
Wärmespeicher.
2. Modul: Speicherung Das Öl wird in einem
großen, gut isolierten Zylinder zwischengespeichert - auch dieser ist vor
Ort herstellbar. Der Heißölspeicher ermöglicht die Nutzung rund
um die Uhr und vermeidet den Einsatz teurer und umweltschädlicher
Batterien. Er gewährt eine Energieautarkie von mehreren Tagen. Als weitere
Speicherung entwickelte Kleinwächter eine chemische, aber ebenfalls
umweltfreundliche Speicherung, den a Magnesium-Hydrat-Alanat- Speicher, der
hier nicht näher beschrieben werden kann.
3. Modul: Die Kochstelle Gekocht wird im Solar Power
Village mit einer eigens entwickelten Kochstelle. Es sind Doppelplatten, durch
die das heiße Öl fließt und die wie Kochtöpfe geformt
sind. Mit der Temperatur des Öles von 220°C kann hier gebraten,
gekocht und gebacken werden - und zwar rund um die Uhr. "Womit der erste Traum
der afrikanischen Frauen erfüllt wäre", freut sich Kleinwächter.
"Ich kann die Temperatur regulieren und habe denselben Komfort wie auf einer
elektrischen Herdplatte." Auch die Kochstellen sind auch lokal herstellbar und
fördern die regionale Wirtschaft.
4. Modul: Der Stirlingmotor Ein anderer Teil des
Öls fließt in den Niedertemperatur-Stirlingmotor. Diese Maschine
nutzt die Temperaturunterschiede zwischen heißem Öl und kaltem
Wasser aus, um ein Schwungrad anzutreiben und damit entweder eine
Getreidemühle oder Wasserpumpe in Gang zu setzen oder aber Strom zu
erzeugen. (Das anfallende warme Wasser wird zur Berieselung im Gewächshaus
eingesetzt.) Alle drei Anwendungsmöglichkeiten wurden im Labor von Bomin
Solar gebaut und getestet; die Wasser-Pumpe "Sunpulse" hat es bereits zur
Serienreife geschafft.
In Lörrach wurde in diesem Jahr von der Firma
Bomin Solar und Tamera-Technologen eine erste Modellanlage des Solar Power
Village aufgebaut. Kleinwächter: "Technisch ist die Anlage
funktionsfähig. Was fehlt, ist eine Gruppe von Menschen, die ein
1:1-Modell für etwa 50 Bewohner aufbaut, real bewohnt und anwendet - als
Forschungs- und Anschauungsmodell, das von Menschen aus der sogenannten Dritten
Welt besichtigt werden kann." In Tamera, so ist er sich sicher, hat er diese
Gruppe von Menschen gefunden. "Hier gibt es große Erfahrung in
kooperativem Zusammenleben; und das ist auch nötig, denn Single- und
Kleinfamilienhaushalte sind zu große Energieschlucker. Eine
energieautarke Lebensweise im Sinne einer organischen, dezentralen Technologie
braucht eine gemeinschaftliche Lebensweise." In Tamera sieht man den Aufbau des
Dorfes als ein interdisziplinäres Forschungsprojekt. Die Technologen,
Architekten, Ökologen, Handwerkern und Menschen, die sich mit sozialer
Gestaltung befassen, möchten ein komplexes, autarkes und sozial
nachhaltiges Dorfmodell entwickeln, in das die neuartige Solartechnik von
Jürgen Kleinwächter integriert werden kann. Wer den Aufbau des
ersten 1:1-Modells in Tamera gerne finanziell unterstützen möchte,
möge sich bitte wenden an Barbara Kovats in Tamera: b.kovats@tamera.org
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IGF - Institut für Globale Friedensarbeit Sitz: Tamera, Monte do
Cerro, P-7630 Colos, Portugal Tel.:00351-283-6353-06 Fax.:00351-283-6353-74
Email: igf@tamera.org Web: http://www.tamera.org/
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