Meine Familie entschloß sich einen
Ausflug zu machen und diesmal, obwohl es sonst eher meinem Wesen entspricht
Ausflüge nach Innen zu machen oder die Natur in meinem Garten zu
genießen, entschloß ich mich mitzukommen.
Der Ausflug ging in ein Naturschutzgebiet
namens Jehudija in den Golanhöhen von dessen abenteuerlichen
Charakter keiner so recht Bescheid wußte. Schon bei den ersten Schritten
des steilen Abstiegs hinab in die felszerklüftete Schlucht, begann sich in
mir ein altbekanntes mulmiges Gefühl der Beklemmung und Höhenangst
auszubreiten, bzw. einer unbestimmten Angst vor dem Fall in die Tiefe (wurzelt
in einem physischen Absturz aus großer Höhe mit Todesfolge in einem
früheren Leben, sowie unerträglichen Abstürzen meines
Bewußtseins im Laufe vieler Inkarnationen). Mein gesamter Körper
begann auf diesen Abstieg in den Canyon zu reagieren und ich überlegte
schon ob ich nicht besser umkehren sollte, habe mich aber dann doch intuitiv
entschlossen das Abenteuer zu wagen. Immer schwieriger und steiler wurde die
Tour und als wir letztendlich beim großen Wasserfall angelangt waren, wo
man entweder die Wahl hat hinunterzuspringen oder auf einer Leiter
hinunterzuklettern gings mir immer schlechter und meine Beine waren nur noch
Puddingmasse. Ich spürte weder die starke Hitze der Mittagszeit (über
35 Grad) noch Hunger oder Durst, sondern war nur noch beherrscht von der Angst
zu stolpern oder gar zu fallen. Die erste Leiter schaffte ich mit Bravour und
war sehr stolz auf mich als ich mich endlich ins kalte Wasser fallen lassen
konnte, mutig und entschlossen durchschwamm ich den kleinen See dann
gings quer durch die Schlucht weiter bis zur nächsten Leiter.
Dieses Mal waren nur zwei Stahlgriffe der Leiter sichtbar, die anderen waren
unter dem Felsvorsprung angebracht und für mich nicht sichtbar. Ich beugte
mich vor um danach zu suchen und sah nichts als den leeren Abgrund und tief
unter mir das Wasser was bliebt mir übrig als den Abstieg trotzdem
zu wagen hängend zwischen Himmel und Erde fand ich die unteren
Steigeisen nicht, weil ich völlig verkrampft und zittrig war
irgendwie führt meine Haltung zu einem Riesenspagat und meine Hose
riß von einem Ende zum anderen auf und nach längerer Anstrengung
plumpste ich halbnackt ins Wasser, so mußte ich den gesamten Weg
weiterwandern, was mir zu Anfang sehr peinlich, aber irgendwann komplett egal
war.
Nun dachte ich das Schlimmste hinter mir zu
haben, denkste! Jetzt fing es erst richtig an, auf glitschigen Steinen die im
Fluß hervorragten mußten wir aufs andere Ufer hüpfen, alles
eine Frage der Balance. Das erste Mal ging ganz gut, aber beim zweiten Mal
führte nur ein kurzes zögerliches Zweifeln, wie es wäre wenn ich
auf so einem Stein ausgleiten würde zu genau dem befürchteten Moment
plumps - ich schon lag ich im Wasser und prallte mit dem Knie genau auf
einen Felsenbrocken. Ich verlor fast die Besinnung vor Schmerz, trotzdem
mußten wir weiter und ich hatte nicht einmal etwas um das Knie zu
verbinden, daß mittlerweile schon höllisch weh tat und mich bei
jeder Bewegung aufschreien ließ. Warum passiert mir das alles, was ist
nur los mit mir? Der weitere Weg führte entlang des Flüßchens
durchs tiefe Gehölz, aber leider immer von einer Seite auf die andere was
nur über-die-Steine-hüpfen möglich war. Intuitiv wurde mir immer
klarer was ich hier zu lernen ausgewählt hatte VERTRAUEN IN MICH
SELBST wenn ich nochmals mit der Angst auszurutschen über die
Steine stolpere, dann falle ich garantiert ein weiteres mal hin, also
entschloß ich mich einfach darüber hinwegzulaufen so schnell
wie möglich, ohne zu zögern, zu zagen oder gar zu denken und es
klappte hervorragend, wenn nur der furchtbare Schmerz im Knie nicht gewesen
wäre. Nach einigen Stunden gings an den Aufstieg und das war dann wirklich
die Hölle, denn ich konnte das Knie ja nicht mehr abbiegen. Schritt
für Schritt mußte ich mich durch die Felsen den steilen Abhang
hinaufquälen, ich weiß nicht mehr wie ich das geschafft habe, ich
weiß nur noch das ich die Zähne zusammengebissen habe und mir die
Tränen die Wangen hinunterliefen und ich hatte schreckliche Angst, doch
noch zu fallen. Der Aufstieg war extrem schmal und jeder Fehlschritt ein Fall
in die Tiefe. Trotz unzähliger Pausen konnte ich irgendwann einfach nicht
mehr weiter und legte mich auf einen breiten einladenden wie einen Stuhl
geformten Felsblock und ließ mich darauf nieder oh welch
himmlische Wohltat. Ich saß auf dem Felsblock und spürte wie alles
Schmerzhafte und Schwere hinein in den Stein strömte er nahm alles
auf und irgendwann begann ich tief in mir alle meine Zellen zu spüren, sie
begannen zu erwachen und zu vibrieren, alle gemeinsam ließen sie los was
sich seit langer Zeit darin gespeichert hatte ich lag nur still da und
lauschte in mich hinein, es war so wunderbar, ich wollte nur noch hier
liegendbleiben bis ans Ende der Tage. Als ich die Augen wieder öffnete,
sah ich über meinem Kopf einen Adler kreisen, er war so wunderschön
und sehr groß, er spannte seine Flügel aus und kreiste über
meinem Kopf und ich dachte, ach wenn ich doch nur auch so fliegen könnte
wie er, wie viel leichter wäre mir dann. Irgendwie spürte ich,
daß er eine Botschaft für mich hatte und fühlte sie bald in
meinem Kopf: Du kannst fliegen, sobald Du glaubst es zu können,
immer wenn Du daran zweifelst, scheiterst Du, weil Du glaubst ein kleines,
schwaches Menschenwesen zu sein. Doch wenn Du Dich erinnerst, daß Du ein
Engel bist und Flügel hast, kannst auch Du Dich in den Himmel erheben und
brauchst keine Angst mehr vor dem Fallen zu haben. Ich konnte wieder
aufstehen und weitergehen, ich spürte Kraft und neue Energie - Sicherheit
und Vertrauen in diese Kraft in mir. Ich blickte hinunter in den Abgrund und
verspürte keine Angst mehr ich wußte jetzt, daß ich
einfach nur Vertrauen in meine Fähigkeiten haben muß um sicher und
heil oben anzukommen und selbst wenn ich fallen sollte, wäre es auch nicht
das Ende. Als ich endlich oben ankam, zitterte mein ganzer Körper von der
übermenschlichen Anstrengung und ich mußte mich langsam bis zu
unserem Auto schleppen (tagelang konnte ich mich kaum bewegung durch die
Verkrampfung meiner Muskeln).
Wir fuhren dann zum See Genezareth um unser
Picknick zu essen und auszuruhen. Trotz unzähliger Touristen und Urlauber
fanden wir einen ruhigen Platz direkt beim See und ich setzte mich auf einen
Steinwall am Strand. Mein Körper begann sich langsam zu beruhigen und als
ich auf den grauen vom Wind aufgewühlten See hinausblickte fühlte ich
tief in mir göttlichen Frieden und die Erkenntnis, daß ein
glitschiger Stolperstein im Fluß für mich zu einem weiteren
Meilenstein meiner spirituellen Entwicklung geworden war und daß ich
dankbar bin für diesen schwierigen Tag in meinem Leben.