Venezuela: Das Imperium des Gustavo Cisneros
Besonders deutlich wird die Verquickung von Pressemacht und
politischen Ambitionen in Venezuela am Beispiel des Medienmoguls Gustavo
Cisneros. Der 58jährige Milliardär das US-Wirtschaftsmagazin
Forbes schätzt sein Vermögen auf fünf Milliarden US-Dollar
macht aus seiner militanten Ablehnung von Präsident Hugo
Chávez keinen Hehl. Zugleich kontrolliert er mit Venevisión den
größten privaten Fernsehsender des Landes. Diese Kombination blieb
im politischen Konflikt der vergangenen Jahre nicht ohne Folgen.
Venevisión, diese Meinung vertritt die
Chávez-Regierung bis heute, war eine wichtige Oppositionsbasis
während des versuchten Umsturzes Mitte April 2002. Zwar wird die These von
den einstigen Putschisten als Hirngespinst abgetan, doch die Verbindungen
zwischen den Umstürzlern, ihren US-amerikanischen Hintermännern und
dem Milliardär Cisneros (offizielle Wohnsitze: New York und Caracas)
wurden international selbst von konservativen Medien wie der spanischen
Tageszeitung El Mundo bestätigt. Diese erinnerte bereits in der Woche nach
dem Umsturzversuch vor drei Jahren an die enge Freundschaft Cisneros mit dem
Vater des amtierenden US-Präsidenten George Bush senior.
»Während des Putschversuches stand Cisneros auch mit dem Leiter der
Südamerika-Abteilung des US-Außenministeriums, Otto Reich, in
Verbindung«, hieß es in dem Bericht. Der Exilkubaner Reich war
früher US-Botschafter in Venezuela. Als der Umsturz nach nur zwei Tagen
niedergeschlagen werden konnte, wurde zudem bekannt, daß sich
»Übergangspräsident« Pedro Carmona und weitere
Gesinnungsgenossen kurz nach der Entführung Chávez am 11.
April 2002 im Hauptstadtstudio von Venevisión zur Strategieberatung
getroffen hatten. Angesicht dieser Enthüllungen kam selbst das
US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek zu dem Schluß, daß der
Kurzzeitdiktator Carmona nur eine »Marionette« gewesen sei. Die
Fäden habe Cisneros gezogen. |