Industrie- und Handwerkskammer sieht
Mißbrauch bei Billigarbeitskräften Die Ein-Euro-Jobs
erweisen sich nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin als
»Rohrkrepierer«. Mit ihnen entstünden keine neuen
Arbeitsplätze, kritisierte am Montag IHK-Hauptgeschäftsführer
Jan Eder. Vielmehr wachse durch Billigstarbeitskräfte die Gefahr,
»daß reguläre Beschäftigungsverhältnisse abgebaut
werden«.
Die zahlreichen Beispiele angeblich gemeinnütziger und
zusätzlicher Beschäftigung an Berliner Schulen seien »nur die
Spitze des Eisbergs«. Dort seien unter anderem Hausmeistergehilfen,
Bibliothekare und Computerhelfer im Einsatz, zumeist ohne die für
Ein-Euro-Kräfte vorgesehenen Qualifizierungsmaßnahmen. »Wir
beobachten mit wachsender Unruhe, wie solche Tätigkeiten die gewerbliche
Wirtschaft in Schwierigkeiten bringen«, betonte Eder. Bei der IHK
stapelten sich inzwischen Anträge von Trägern, um »für
zweifelsfrei nicht zusätzliche und gemeinnützige Jobs« eine
Unbedenklichkeitsbescheinigung zu erhalten. Dazu gehörten zum Beispiel die
Aufarbeitung und der Verkauf gebrauchten Hausrats, Catering, Fahrdienste, die
Gestaltung von Broschüren und Internetseiten oder technische
Dienstleistungen für Veranstaltungen.
Aber auch für klassische Aufgaben des öffentlichen
Dienstes wie Schreibarbeiten in Ämtern oder die Sicherung von Baustellen
in kommunalen Gebäuden sollten schon Ein-Euro-Jobber eingesetzt werden. Um
Fehlentwicklungen zu vermeiden, werde gemeinsam mit
Politik,Wohlfahrtsverbänden und Arbeitsagenturen bis Mitte des Jahres eine
Positivliste erarbeitet, kündigte Eder an. Darin sollen Tätigkeiten
aufgelistet werden, die für Ein-Euro-Jobber geeignet sind. »Sollten
aber alle Kontrollen den Mißbrauch nicht verhindern können, kann ich
mir auch ein Ende der Ein-Euro-Praxis vorstellen«, sagte Eder. Die
Wirtschaft fordere ohnehin einen Niedriglohnsektor, mit dem sich auch Stellen
auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen ließen.
(ddp/jW) |