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29.03.2005   Info von:  PHI
Ein geheimer Fahrplan der deutschen Politik seit 1990


Mit der Wiedervereinigung bekam Deutschland die volle Souveränität über seine inneren und äußeren ^Angelegenheiten zurück. Das jedenfalls ist die völkerrechtliche Theorie. Warum aber macht die Politik der Bundesregierung immer wieder einen auf undurchschaubare Weise außengesteuerten Eindruck, zuletzt in der Türkeifrage? Das Mysterium wird etwas weniger mysteriös, wenn wir im nachhinein einen Beitrag lesen, den Hans Arnold vor über 14 Jahren, nämlich am 18. Mai 1990, im Hamburger Wochenblatt „Die Zeit“ veröffentlichte. Titel: „Deutschland muß sich selbst entmachten“. Es kommt selten vor, daß ein Insider den Schleier lüftet. Arnold hat dies dankenswerterweise getan. Er durchlief eine illustre Diplomatenkarriere: Deutscher Botschafter in Den Haag und Rom, deutscher Vertreter bei internationalen Organisationen und zeitweise Inspekteur des Auswärtigen Dienstes, wo er für die Ausbildung künftiger Diplomaten verantwortlich war. Die Kernaussagen seines Artikels in der Zeit:

(1)
„Das künftige Deutschland wird, als ein europäisches' Deutschland, in Europa wirtschaftlich integriert, politisch domestiziert und militärisch entmachtet sein müssen."
(2)
„Die Möglichkeit, wirtschaftliche Macht für politische Zwecke auszuspielen, wird es in diesem Europa für Deutschland nicht geben“.
(3)
„Für das künftige Deutschland sollte es daher nicht länger nur darum gehen, daß kein Krieg mehr von deutschem Boden ausgehen darf. Vielmehr sollte von diesem jetzt die Entnationalisierung der europäischen Nationalstaaten ausgehen."
(4)
„Im eigenen Interesse und dem Europas wird Deutschland unter gesamteuropäischer Kontrolle und Garantie zur militärischen Bedeutungslosigkeit schrumpfen müssen.“'
(5)
„Die Initiative für eine solche dreifache Einordnung Deutschlands in das künftige Europa sollte von Deutschland selbst ausgehen. Einmal, weil dies jetzt die historische Aufgabe für die deutsche Politik ist. Aber auch, um vorzubeugen, daß bei einer Lösung, die nur von außen käme, einem eventuellen nationalistischen , Versailles-Komplex' der Boden bereitet würde.“ Soweit Arnold, der sich .eine solche Offenheit wohl nur deswegen leisten konnte, weil er zuvor in Pension gegangen war. Unklar bleibt, ob sein Leitfaden geheime Zusagen der Regierung Kohl gegenüber den Alliierten reflektierte. Aber überprüfen wir doch einmal, ob sich die deutsche Politik seit 1990 wenigstens teilweise mit dem Arnold-PIan deckt:
(1)
Die Bundesrepublik wurde tatsächlich wirtschaftlich in einem Maße integriert, daß sie die Vorteile eines großen, eigenen Binnenmarktes verlor - mit den bekannten Folgen für Arbeitsplätze etc.
(2)
Mit dem Euro wurde die europäische Leitwährung D-Mark abgeschafft, die Bundesbank als mächtigste Notenbank nach der amerikanischen Federal Reserve wurde entmachtet. Damit verlor das Land sein wichtigstes Souveränitätsmerkmal. Deutschland verlor in der Tat die Möglichkeit, wirtschaftliche und vor allem monetäre Macht für politische Zwecke auszuspielen.
(3)
Es stimmt auch, daß die Entnationalisierung Europas von Bonn, später von Berlin ausging. Sie wurde inzwischen auch den osteuropäischen Beitrittsländern aufgezwungen - mit Hilfe von deren postkommunistischen Eliten, die in der EU einen logischen Ersatz für das ebenso bürokratische und zentralistische Comecon sehen mußten. (Der Kampf gegen die Nation als Hort der Selbstbestimmung ist bekanntlich eine marxistische und kommunistische Erfindung.) Großbritannien und Frankreich allerdings folgten nicht oder nur zögernd der von Deutschland betriebenen Entnationalisierung.
(4)
Die „militärische Bedeutungslosigkeit" wurde längst erreicht. Von den über 2000 Leopard-II-Panzern werden nur 350 übrigbleiben, das Land ist nicht mehr verteidigungsfähig, dank der Struck-Reformen ist die Bundeswehr nur noch einsetzbar für Auslandsoperationen, die fremden Interessen dienen (es sei denn, man glaubt an das Märchen, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt).
(5)
Hochinteressant der Hinweis, daß die Einordnung bzw. Unterordnung von Deutschland selbst ausgehen müßte, um den Eindruck zu vermeiden, die Lösung der deutschen Frage komme von außen. Ob diese Taktik so befolgt wurde, möge der Leser selbst beurteilen. Wenn ja, dann wurde das Volk von den Regierenden planmäßig getäuscht. Ob die Strategen einer derartigen Politik diesem Europa mit der kalt kalkulierten Entmachtung seiner Mitte einen Gefallen getan haben, darf bezweifelt werden. Wahr ist auch, daß Schröders Außenpolitik von der Kohl-Linie der neunziger Jahre ansatzweise abweicht. Aber das ist ein anderes Thema. (Quelle: Deutschland-Brief vom Dezember 2004, zitiert in Pressespiegel 2/3-2005 82303 Starnberg)



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