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31.03.2005 Ulla Jelpke Info von:  junge Welt
Neueste Schnüffelobjekte
SPD-Innenpolitiker will Geheimdiensten direkten Zugriff auf Daten von Reisebüros und Kundenverträge der Mietautofirmen gewähren

Die Schlapphüte von Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und Militärischem Abschirmdienst bekommen offenbar von dieser Bundesregierung alle Wünsche erfüllt. Neueste Ausspähobjekte: Reisebüros und Autovermietungen. Jedenfalls wenn es nach den Vorstelllungen des innenpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, geht, müssen die deutschen Geheimdienste noch größere Ermittlungsspielräume erhalten. Wiefelspütz redet zwar viel und gern und wird deshalb in Politikerkreisen nicht immer ernst genommen. Andererseits gilt er als His Master’s Voice, als »Stimme seines Herrn«, nämlich als getreuester Gefolgsmann von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Man darf also unterstellen, daß dieser neueste Vorstoß auch den Intentionen des Bundesinnenministeriums entspricht.


Eingriffe wie nie zuvor

Damit kommt auf die Koalition eine neue Belastungsprobe zu. Die Grünen waren einmal mit dem Programm angetreten, die Geheimdienste abzuschaffen. In ihrer Regierungszeit seit 1998 haben aber BND, Verfassungsschutz und MAD so viele Eingriffsbefugnisse bekommen wie nie zuvor. In den sogenannten Terrorismusbekämpfungsgesetzen Schily I und II (»Otto-Katalog«) nach dem 11. September 2001 kam zu den traditionellen Methoden des Telefonabhörens und Mitlesens von Briefen die Genehmigung neuer Methoden hinzu. Seither dürfen die Geheimdienste Bankkonten einsehen, die Telekommunikationsdaten auswerten (also die Aufzeichnungen, wer mit wem wann telefoniert hat) und die Passagierlisten von den Fluggesellschaften anfordern.

Letzteres ist dem SPD- Politiker Wiefelspütz zu wenig und zu umständlich. Er möchte, daß die Geheimdienste schon einen Schritt vorher ansetzen dürfen und will ihnen direkten Zugriff auf die Buchungen in den Reisebüros und auf die Kundenverträge der Mietautofirmen gewähren. Noch vor kurzem hatten SPD und Grüne gelobt, vor weiteren Diskussionen erst einmal die Evaluierung von Schily I und II vorzulegen. Die Erfahrungen mit diesen »Sicherheitspaketen« sollten Ende 2004 längst ausgewertet worden sein.

Nachdem die Regierung gerade mit Mühe und Not eine einstweilige Anordnung des Bundesverfassungsgerichts gegen die automatisierte Bankkontenabfrage abwehren konnte, wird jetzt schon wieder eine Debatte über staatliche Schnüffelei in Gang gesetzt. Gerade vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen müssen die Grünen versuchen, ihr arg ramponiertes Image als »Bürgerrechtspartei« wieder etwas aufzupolieren. »Ein erweiterter Zugriff der Geheimdienste auf Kundendaten privater Unternehmen ist weder erforderlich noch verhältnismäßig«, erklärte daher sofort die bundesgrüne Innenpolitikerin Silke Stokar. In konkreten Verdachtsfällen könne die Polizei bereits jetzt ermitteln.


Rechte spielen keine Rolle

Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Max Stadler bezeichnete die Einsicht in Reisedaten als unverhältnismäßigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Die CDU nutzte die Gelegenheit, um erneut noch weitergehende Forderungen zu stellen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach verlangte insbesondere die Wiedereinführung der vor sechs Jahren abgeschafften Kronzeugenregelung. Ferner wünscht die CDU/CSU eine Verlängerung der Speicherdauer von Telefon-Verbindungsdaten, wie sie der Bundesinnenminister angeregt hatte. Gerade das sei eine »sinnvolle Maßnahme«, weil sich auf diese Weise leicht feststellen lasse, wer wann mit wem in Kontakt getreten sei, betonte Bosbach. Bei dieser Frage der Vorratsdatenspeicherung hat Wiefelspütz allerdings Widerstand der SPD-Fraktion gegen Schily angekündigt. Es fragt sich nur, wie lange.



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