Begegnung zwischen lateinamerikanischen und
arabischen Staaten. Besatzung Palästinas und Iraks als Diskussionsthema
An dem ersten lateinamerikanisch-arabischen Gipfeltreffen, das am
heutigen Dienstag in Brasilia beginnt, werden Vertreter von zwölf
südamerikanischen und 22 arabischen Ländern teilnehmen. Auch der neue
US-Statthalter im Irak, Dschalal Talabani, und Palästinenserpräsident
Mahmoud Abbas werden erwartet. Die Initiative zu dem zweitägigen
Gipfeltreffen hatte der brasilianische Präsident Luiz Inacio
»Lula« da Silva während einer Reise durch fünf
Länder des Mittlern Ostens im Dezember 2003 ergriffen. »Es ist Zeit,
die Handelsgeographie der Welt zu ändern. Allein hat keiner von uns gegen
die reichen Nationen eine Chance«, hatte damals »Lula« bei
seinem Aufenthalt im Libanon gesagt. »Wege zu neuen Welten zu
öffnen sei dabei für die Araber besonders wichtig, so die
ägyptische Zeitung Al-Hayat, denn »die Kommunikationslinien zu den
afrikanischen Nachbarn der Araber funktionieren derzeit überhaupt nicht,
die zu den Asiaten werden behindert und die zu den Europäern sind einfach
aufgekündigt worden«.
Der Zweck des Treffens ist es, das gesamte Spektrum der
ökonomischen, kulturellen und politischen Beziehungen zwischen den beiden
Regionen zu verbessern. Aber deshalb hebt Washington bereits mißbilligend
die Augenbrauen, so die Washington Times am Montag. Denn die USA wollen ihre
eigenen Pläne für eine »allamerikanische« Freihandelszone
für alle Länder Nord-, Mittel- und Südamerikas, mit Ausnahme von
Kuba, wiederbeleben.
Washington und Jerusalem sind außerdem besorgt,
daß beim Gipfel kritische Töne angeschlagen werden. Besonders
verärgert sind sie darüber, daß in der Gipfelerklärung,
deren Entwurf bereits in der brasilianischen Presse veröffentlichten wurde
und die am Mittwoch verabschiedet werden soll, die gewaltsame Besetzung von
Palästina und Irak durch Israel und die USA verurteilt und zugleich das
Recht der Völker auf Widerstand unterstrichen werden könnte.
Außerdem enthält der Entwurf Passagen, welche von Israel und den USA
als stillschweigende Unterstützung von Widerstandsgruppen, wie z. B.
Hisbollah im Libanon, interpretiert werden.
Inzwischen hat Israel bereits bei den am Gipfel
teilnehmenden lateinamerikanischen Ländern protestiert, und auch das
US-Außenministerium hat schon gewarnt, »nichts zu tun, was dem
gemeinsamen Ziel der Welt, nämlich Frieden im Mittleren Osten zu schaffen,
schaden könnte«.
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