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24.05.2005 Milo Urban Info von:   Friedens-Oase
Falschmeldungen von Focus/Ausgabe vom 23. Mai S.13

Uns erreicht ein Leserbrief mit dem Hinweis auf eine eindeutige Irreführung. Interessant daran ist auch, wie sich eine solche Falschmeldung in unserer un-kritischen Medienwelt fortsetzt.


Liebe Nachdenkseiten,

ich habe heute an Focus einen Leserbrief zu einem Artikel in der neuesten Ausgabe geschrieben. Die Überschrift des Artikels war "Vermögen Rekordflucht ins Ausland.
In der Online-Ausgabe des Focus gibt es diesen Artikel - sprachlich abgewandelt -inhaltlich identisch hier.


Zur "Quelle"


Hier mein Leserbrief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in ihrem Artikel behaupten Sie, dass die Kapitalflucht ins Ausland im ersten Quartal 2005 den Rekordwert von 150 Milliarden Euro erreicht hat. Der jüngste Monatsbericht der Deutschen Bundesbank weist für diesen Zeitraum einen Saldo aller statistisch erfassten Kapitalbewegungen von 19,3 Milliarden Euro aus. Für das Gesamtjahr 2004 lag dieser Saldo bei 100 Mrd. Euro. Ein Anstieg ist also nicht erkennbar. Die Kapitalbilanz ist der Gegenposten zur Leistungsbilanz. Somit folgt aus den hohen Exportüberschüssen Deutschlands im Warenverkehr zwingend ein negativer Saldo der Kapitalbilanz. Kapitalexport generell als "Flucht ins Ausland" zu bezeichnen zeugt von einem geringen Verständnis internationaler Wirtschaftsbeziehungen.

Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Sedlaczek

Nachbemerkung:


Ich lese Focus normalerweise nicht. Aber die Bayrische Rundfunk hat am 21.5. in seinen laufenden Nachrichten ständig von dieser angeblich rasch ansteigenden Kapitalflucht unter Berufung auf Focus berichtet. Ich habe dann am gleichen Tag nach der Quelle für die Zahlen gegoogelt. Ohne Ergebnis. Der Monatsbericht der deutschen Bundesbank brachte die oben zitierten Zahlen. Zwei Tage später liefert Google eine Menge einschlägiger Treffer. ARD-Text, Berliner Morgenpost und Tagesanzeiger usw. haben die Focus-Meldung unbesehen übernommen. Niemand macht sich offensichtlich die Mühe diese Zeitungsente irgendwie zu überprüfen. Es paßt in die Ideologie, also wird es verbreitet.
Ich habe auch die Deutsche Bundesbank darauf hingewiesen, welchen Unsinn Focus unter Berufung aus sie verbreitet. Ob es was nützt?
Viele Grüße
Ulrich Sedlaczek

Nachtrag Redaktion NachDenkSeiten:
Die Fortsetzung der Falschmeldungen – Belege für eine selbst gewählte Gleichschaltung:

Zur "TAZ"


Kapitalflucht nimmt zu

MÜNCHEN ap Die Kapitalflucht aus Deutschland nimmt offenbar dramatisch zu. Im ersten Quartal dieses Jahres sind Mittel im Rekordwert von 150,4 Milliarden Euro ins Ausland geflossen, wie das Magazin Focus unter Berufung auf die Deutsche Bundesbank berichtet. Damit haben sich die Netto-Kapitalexporte im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2004 fast verdoppelt. Ähnlich hohe Abflüsse habe die Bundesbank zuletzt während der kurzen Amtszeit von Oskar Lafontaine (SPD) als Bundesfinanzminister registriert. Das Großherzogtum Luxemburg in unmittelbarer Nachbarschaft von Saarland und Rheinland-Pfalz will laut Focus mit großzügigen Rabatten reiche Privatpersonen zum Umzug bewegen. 2006 tritt eine Steuerreform in Kraft, die Gebietsansässigen massive Vorteile bringt: Die Vermögensteuer auf Erträge aus Immobilien oder Wertpapieren von derzeit bis zu 38 Prozent entfällt. Zudem verzichtet Luxemburg bei Erben in direkter Linie auf Erbschaftsteuer. Kursgewinne bei Wertpapieren bleiben nach sechs Monaten und einem Tag steuerfrei. Als Ausgleich müssen im Land Ansässige eine Quellensteuer auf Kapitalerträge von lediglich 10 Prozent zahlen.

taz Nr. 7670 vom 23.5.2005, Seite 8, 40 Zeilen (Agentur)

Zum "STERN"

Immer mehr Kapital wandert aus Deutschland ab

Aus Deutschland wird immer mehr Kapital abgezogen. Die Deutsche Bundesbank veröffentlichte, dass insgesamt Gelder in Höhe von 150,4 Milliarden Euro allein im ersten Quartal 2005 ins Ausland geschafft worden seien.

Die Kapitalflucht hat damit einen neuen Rekordstand erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal 2004 hat sich der Kapitalexport innerhalb eines Jahres praktisch verdoppelt.

FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke äußerte diesbezüglich, es sei ein Anzeichen dafür, dass das Vertrauen in den Standort Deutschland gesunken sei. Luxemburg will bis 2006 anscheinend noch mehr reiche Privatleute ansiedeln und großzügige Steuervorteile gewähren.
Quelle: morgenpost.berlin1.de


Zu "B5aktuell"

TOP-THEMEN DER NÄCHSTEN STUNDE
Inland
Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen führt die CDU in letzten Umfragen mit 43 Prozent vor der SPD mit 37 Prozent

Inland
Die Bundesregierung bezeichnet einen Zeitungsbericht über ein 15-Milliarden-Euro-Haushaltsloch als reine Spekulation

Wirtschaft
Die Kapitalflucht aus Deutschland hat laut Focus mit 150 Milliarden Euro im ersten Quartal einen Rekordwert erreicht

Nachtrag vom 2.6.:
... obwohl Focus nun selbst einen richtigstellenden Leserbrief der Bundesbank zur angeblichen Kapitalflucht von 150 Mrd. Euro veröffentlicht hat, wird die Legende im Hause Burda weiter verbreitet.

Focus-Ableger "Focus-Money" nutzt die falsche Behauptung erneut, um in seine aktuelle Titelgeschichte "Null Steuern" (Heft 23, S. 29ff) einzusteigen. So fängt sie an:
"Rund 150 Milliarden Euro, so ermittelte die Deutsche Bundesbank, flossen im ersten Quartal 2005 ins Ausland. Unermüdlich suchen selbst heimatverbundenen Anleger nach Wegen, Dividenden- und Zinszahlungen an der Steuer vorbeizuschleusen....."


http://www.nachdenkseiten.de/cms/front_content.php?client=1)=1&idcat=9&idart=649



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