Eine internationale Gegenbewegung zu Folter und Repression
in den Gefängnissen formiert sich Der Verfasser gehört zu
den über zwei Millionen Männern, Frauen und Jugendlichen in
US-amerikanischen Haftanstalten. Das Gefängnissystem ist das einzige sich
rapide entwickelnde Programm »sozialen Wohnungsbaus« in den
Vereinigten Staaten.
Es ist interessant, daß sich die USA zwar lautstark
mit Begriffen wie »Freiheit« und »Demokratie«
brüsten, aber unter allen Nationen absolut an der Spitze stehen, wenn es
um das Einkerkern von Menschen geht. Es ist nicht weniger interessant,
daß ausgerechnet jene Nation, die sich so gnädig dazu
herabläßt, der Welt den richtigen Umgang mit den Menschenrechten
beizubringen, verantwortlich für die abscheulichen Demütigungen und
die Folter im Abu-Ghraib-Gefängnis in Irak ist.
Für viele unter uns, die in solchen von Menschenhand
geschaffenen Höllen leben müssen, waren die Enthüllungen
über Abu Ghraib keine Überraschung. Es ist alles andere als Zufall,
daß die schlimmsten Tyrannen und ekelhaftesten Folterer von Abu Ghraib in
ihren Zivilberufen Gefängniswärter waren. Ihr Anführer, der auf
fast allen dieser widerlichen Fotos zu sehen war, hat zuvor im hiesigen
Hochsicherheitsgefängnis von Waynesburg, Pennsylvania, sechs Jahre lang
seinen Dienst verrichtet. Wie soll er das, was er den irakischen Gefangenen
angetan hat, auch sonst gelernt haben? Durch Bücherlesen? Die USA schauen
auf eine lange Geschichte zurück, in der Menschen eingesperrt, in Ketten
und Handschellen gelegt und gefoltert wurden. Dazu gehören drei
Jahrhunderte des verbrecherischen Umgangs mit den aus Afrika verschleppten
Sklaven und den Ureinwohnern Amerikas.
Die Welt könnte viel lernen aus den Erfahrungen der
Gefangenen in den USA, aber auf die bürgerlichen Medien kann sie sich
dabei nicht stützen. Dazu bedarf es einer unabhängigen Presse, die
sich einer radikalen und revolutionären Politik verschreibt. Die Black
Panther Party hatte mit The Black Panther fast eine Dekade lang ein solches
Medium , obwohl sie nur über relativ begrenzte Mittel verfügte. Die
Partei hat sich einfach an den bürgerlichen Medien vorbei ein eigenes
Terrain erobert. Was die Black Panther Party vor einer Generation verwirklicht
hat, das können radikale und revolutionäre Kräfte heute
sicherlich auch auf die Beine stellen, vor allem mit den günstigen
Voraussetzungen der großen Reichweite und den Spielräumen der neuen
Medientechnologien.
Eine Veränderung in den Haftanstalten liegt nicht
innerhalb, sondern außerhalb des Gefängnissystems. Es müssen
draußen Unterstützungsgruppen organisiert und es muß die
Öffentlichkeit über die tatsächliche Funktion dieser
Einrichtungen im Kampf der Klassen aufgeklärt werden. Diese Bewegung
muß eine größtmögliche Breite erreichen und eine
tiefgehende Analyse durchführen. Nur dann wird der repressive Charakter
des Gefängnissystems grundlegend verändert werden können. Dazu
fallen mir die unsterblichen Worte des Panafrikanisten Kwame Ture ein:
»Organisieren! Organisieren! Organisieren!«
Die am heutigen Sonnabend in Istanbul stattfindende
Internationale Konferenz gegen Isolationshaft und Folter ist ein guter Anfang.
Die Koalition, die diese Konferenz veranstaltet, muß erweitert werden,
und mit den Ergebnissen der Konferenz muß eine weltweite Medienarbeit
entwickelt werden, die das Monopol der bürgerlichen Medien bricht. Die
internationale antiimperialistische Bewegung ist die eigentliche
Menschenrechtsbewegung. Sie ist die authentische Stimme der Unterdrückten,
der »Verdammten dieser Erde«.
Diese Tatsache macht es uns möglich, die Menschen zu
erreichen und sie zu organisieren, um die Volksbewegungen gegen das US-Imperium
und seine Marionetten zu unterstützen. Das ist auch die Basis für
eine starke Bewegung gegen die Gefängnisse. Die großartige
Wissenschaftlerin und Aktivistin Angela Davis hat jüngst ein Buch
geschrieben, in dem sie für die Abschaffung der Gefängnisse
plädiert. Wir sollten auf ihr Werk zurückgreifen und in unseren
Bewegungen dafür eintreten, sich mit ihren Ansichten auseinanderzusetzen.
Sie ist eine wertvolle Kraft des globalen Antiimperialismus, deren Ideen
respektvoll dazu genutzt werden sollten, diese Bewegung zu verbreitern und zu
tiefer gehenden Erkenntnissen zu führen. Wir müssen unters Volk gehen
und uns organisieren. Denn nur Menschen, die wirklich motiviert und organisiert
sind, werden Veränderungen erreichen. Bauen wir diese Bewegung auf!
(Übersetzung: Jürgen Heiser)
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