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25.06.2005 Mumia Abu-Jamal Info von:   jungw Welt
Organisieren! Organisieren!

Eine internationale Gegenbewegung zu Folter und Repression in den Gefängnissen formiert sich

Der Verfasser gehört zu den über zwei Millionen Männern, Frauen und Jugendlichen in US-amerikanischen Haftanstalten. Das Gefängnissystem ist das einzige sich rapide entwickelnde Programm »sozialen Wohnungsbaus« in den Vereinigten Staaten.

Es ist interessant, daß sich die USA zwar lautstark mit Begriffen wie »Freiheit« und »Demokratie« brüsten, aber unter allen Nationen absolut an der Spitze stehen, wenn es um das Einkerkern von Menschen geht. Es ist nicht weniger interessant, daß ausgerechnet jene Nation, die sich so gnädig dazu herabläßt, der Welt den richtigen Umgang mit den Menschenrechten beizubringen, verantwortlich für die abscheulichen Demütigungen und die Folter im Abu-Ghraib-Gefängnis in Irak ist.

Für viele unter uns, die in solchen von Menschenhand geschaffenen Höllen leben müssen, waren die Enthüllungen über Abu Ghraib keine Überraschung. Es ist alles andere als Zufall, daß die schlimmsten Tyrannen und ekelhaftesten Folterer von Abu Ghraib in ihren Zivilberufen Gefängniswärter waren. Ihr Anführer, der auf fast allen dieser widerlichen Fotos zu sehen war, hat zuvor im hiesigen Hochsicherheitsgefängnis von Waynesburg, Pennsylvania, sechs Jahre lang seinen Dienst verrichtet. Wie soll er das, was er den irakischen Gefangenen angetan hat, auch sonst gelernt haben? Durch Bücherlesen? Die USA schauen auf eine lange Geschichte zurück, in der Menschen eingesperrt, in Ketten und Handschellen gelegt und gefoltert wurden. Dazu gehören drei Jahrhunderte des verbrecherischen Umgangs mit den aus Afrika verschleppten Sklaven und den Ureinwohnern Amerikas.

Die Welt könnte viel lernen aus den Erfahrungen der Gefangenen in den USA, aber auf die bürgerlichen Medien kann sie sich dabei nicht stützen. Dazu bedarf es einer unabhängigen Presse, die sich einer radikalen und revolutionären Politik verschreibt. Die Black Panther Party hatte mit The Black Panther fast eine Dekade lang ein solches Medium , obwohl sie nur über relativ begrenzte Mittel verfügte. Die Partei hat sich einfach an den bürgerlichen Medien vorbei ein eigenes Terrain erobert. Was die Black Panther Party vor einer Generation verwirklicht hat, das können radikale und revolutionäre Kräfte heute sicherlich auch auf die Beine stellen, vor allem mit den günstigen Voraussetzungen der großen Reichweite und den Spielräumen der neuen Medientechnologien.

Eine Veränderung in den Haftanstalten liegt nicht innerhalb, sondern außerhalb des Gefängnissystems. Es müssen draußen Unterstützungsgruppen organisiert und es muß die Öffentlichkeit über die tatsächliche Funktion dieser Einrichtungen im Kampf der Klassen aufgeklärt werden. Diese Bewegung muß eine größtmögliche Breite erreichen und eine tiefgehende Analyse durchführen. Nur dann wird der repressive Charakter des Gefängnissystems grundlegend verändert werden können. Dazu fallen mir die unsterblichen Worte des Panafrikanisten Kwame Ture ein: »Organisieren! Organisieren! Organisieren!«

Die am heutigen Sonnabend in Istanbul stattfindende Internationale Konferenz gegen Isolationshaft und Folter ist ein guter Anfang. Die Koalition, die diese Konferenz veranstaltet, muß erweitert werden, und mit den Ergebnissen der Konferenz muß eine weltweite Medienarbeit entwickelt werden, die das Monopol der bürgerlichen Medien bricht. Die internationale antiimperialistische Bewegung ist die eigentliche Menschenrechtsbewegung. Sie ist die authentische Stimme der Unterdrückten, der »Verdammten dieser Erde«.

Diese Tatsache macht es uns möglich, die Menschen zu erreichen und sie zu organisieren, um die Volksbewegungen gegen das US-Imperium und seine Marionetten zu unterstützen. Das ist auch die Basis für eine starke Bewegung gegen die Gefängnisse. Die großartige Wissenschaftlerin und Aktivistin Angela Davis hat jüngst ein Buch geschrieben, in dem sie für die Abschaffung der Gefängnisse plädiert. Wir sollten auf ihr Werk zurückgreifen und in unseren Bewegungen dafür eintreten, sich mit ihren Ansichten auseinanderzusetzen. Sie ist eine wertvolle Kraft des globalen Antiimperialismus, deren Ideen respektvoll dazu genutzt werden sollten, diese Bewegung zu verbreitern und zu tiefer gehenden Erkenntnissen zu führen. Wir müssen unters Volk gehen und uns organisieren. Denn nur Menschen, die wirklich motiviert und organisiert sind, werden Veränderungen erreichen. Bauen wir diese Bewegung auf!

(Übersetzung: Jürgen Heiser)



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