Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 13.07.2006260

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
0
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
29.06.2005 Info von:   junge Welt
»Shell hetzt die Dörfer gegeneinander auf«


Interview

Der niederländisch-britische Ölkonzern zerstört im Niger-Delta weiter die Umwelt. Die Lage dort ist schlechter als vor zehn Jahren. Ein Gespräch mit Isaak Asume Osuoka
Interview: Wolfgang Pomrehn

* Isaak Asume Osuoka arbeitet für die Umweltorganisation Environmental Rights Action in der nigerianischen Hafenstadt Port Harcourt

F: Sie sind am Dienstag zur Jahreshauptversammlung des britisch-holländischen Ölkonzerns Shell nach Den Haag gereist, um ihn wegen seines rücksichtslosen Vorgehens bei der Ölförderung anzuklagen. Wie ist die Lage heute im Niger-Delta, zehn Jahre nachdem Shell wegen seiner Politik dort international heftig kritisiert wurde?


Im November 1995 hat die damalige Militärregierung mit der Unterstützung Shells Ken Saro-Wiwa ermordet, den Führer des Ogoni-Volkes, das friedlich gegen die Verwüstung der Umwelt durch Shell und die Zerstörung seiner Lebensgrundlagen protestiert hatte. Zehn Jahre später gibt es in den Regionen, in denen Shell operiert, noch mehr Verelendung und noch mehr Konflikte. Die werden direkt oder indirekt durch Shell angestiftet.


F: Wie machen die das?


Der Konzern erklärt z. B. einzelne Dörfer zu »Gastgemeinden«, die einen geringen Anteil der Einnahmen aus der Förderung abbekommen. Das Problem ist, daß dadurch viele Konflikte zwischen den Dörfern entstehen. Zum Beispiel, wenn es früher bereits Streit um das Land gegeben hatte, auf dem nun gefördert wird. Oder wenn die eine Gemeinde von Shell für die Förderung bezahlt wird, die andere aber unter deren Folgen zu leiden hat. Manchmal heuert Shell auch einen Teil der Dorfbewohner als Beschützer seiner Einrichtungen an. Die geraten dann in Konflikt mit ihren Nachbarn oder anderen Dörfern.


Wo es früher schon Streit zwischen benachbarten Dörfern gab, gibt es jetzt eine richtige Krise. Manchmal werden sogar Menschen umgebracht und ganze Dorfgemeinschaften von ihrem Land vertrieben. Im Januar wurde das Dorf Odioma in Bundesstaat Bayelsa zerstört. Ein anderer Fall ereignete sich im März in Joinkrama im River State. Dort forderten die Bewohner eines Dorfes von Shell Entschädigung und wurden von denen eines anderen angegriffen, das von Shell Zahlungen erhält. Und so ist es überall im Niger-Delta: Die ganze Region ist wegen des Öls im Ausnahmezustand.


F: Und wie sieht es mit den Umweltproblemen aus?


Die Zahl der Lecks, das heißt der Fälle, in denen Öl aus den Pipelines austritt, hat eher zugenommen. Viele der Leitungen für Erdöl oder Kraftstoff sind über 30 Jahre alt und verrostet, aber immer noch in Betrieb. Auch das Abfackeln von Erdgas geht weiter. In den 90er Jahren hatte Shell sich gegenüber der Regierung verpflichtet, diese Praxis bis 2008 zu beenden. Doch letzten Monat hieß es auf einmal, man sehe sich dazu nicht mehr in der Lage, es werde länger dauern. Tatsächlich ist von den notwendigen Investitionen für das Auffangen und Speichern des Gases bisher nichts zu sehen. Wenn man sich die Statistiken des Konzerns anschaut, muß man sogar feststellen, daß heute mehr Gas abgefackelt wird als in den 90er Jahren.


F: Weshalb sind die Gasfackeln so problematisch?


Aufgrund der Luftverschmutzung, die eine Folge des Abfackelns ist, leiden viele Menschen in der Förderregion unter Erkrankungen der Atemwege. Eine andere Folge ist der saure Regen, der die Böden unfruchtbar macht und selbst die Blechdächer der Häuser angreift.


F: Was macht die Regierung?


Nichts. Die Zentralregierung interessiert sich nur für die Einnahmen aus dem Erdöl. Sie hat nichts Nennenswertes getan, um die Probleme im Delta zu lösen. Shell setzt sie einfach unter Druck. Das Unternehmen behauptet, es könne das Abfackeln nicht beenden, ohne die Ölförderung einzustellen. Also erlaubt die Regierung in Lagos dem Konzern, weiterzumachen wie bisher, weil sie Angst hat, sie bekomme kein Geld mehr.


F: Wie hat sich die Lage nach dem Ende der Militärdiktatur verändert?


Wenn es eine Veränderung gegeben hat, dann höchstens zum Schlechten. Es gibt heute noch mehr Gewalt und Umweltverschmutzung im Niger-Delta als vor zehn Jahren.


-----------------------




Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...



Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info

Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht

Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.