Präsident George W. Bush und andere Mitglieder der
der US-amerikanischen Regierung, inklusive Außenministerin Codoleezza
Rice, haben in öffentlichen Reden der letzten Zeit mit einer signifikanten
Richtungsänderung der Kriegsrhetorik begonnen. Ein neuer "Krieg gegen die
Tyrannei" ist in Vorbereitung, um den nicht mehr zeitgemäßen "Krieg
gegen den Terror" zu ersetzten. Diese Richtungsänderung, von bloßer
semantischer Nuance weit entfernt, offenbart in hohem Ausmaß, wie die
nächste Phase der globalen Agenda Washingtons aussehen wird.
In seiner Inaugurationsrede am 20. Januar erklärte
Bush, "Es ist die Politik der vereinigten Staaten, das Wachstum demokratischer
Bewegungen und Institutionen in jeder Nation und und Kultur anzustreben und zu
fördern, mit dem letztendlichen Ziel der Beendigung jeglicher Tyrannei in
unserer Welt" [Hervorhebungen des Autors]. Bush wiederholte die letzte
Formulierung, "Beendigung jeglicher Tyrannei in unserer Welt", in der Ansprache
zur Lage der Union. 1917 war es "ein Krieg, um die Welt zu einem sicheren Platz
für Demokratie zu machen", und 1941 war es "ein Krieg, um Krieg ein
für allemal zu beenden".
Tyrannei als Rechtfertigung für militärische
Interventionen seitens der USA zu verwenden, das markiert eine dramatische neue
Stufe in Washingtons Streben nach globaler Herrschaft. "Washington" ist in
diesem Zusammenhang und heutzutage als Kürzel zu verstehen für die
Dominierung der Politik durch eine private Gruppe von Konglomeraten des
militärischen und des Energiebereichs, von Halliburton bis McDonnell
Douglas, von Bechtel bis ExxonMobil und ChevronTexaco, nicht unähnlich
dem, was Präsident Dwight Eisenhower in seiner Rede von 1961 voraussah,
als er vor übermäßiger Kontrolle der Regierung durch einen
militärisch-industriellen Komplex warnte.
Der Kongress erklärte den zweiten Weltkrieg nach einem
agressiven Angriff der Japaner auf die US-Flotte in Pearl Harbour, Hawaii.
[Anmerkung NoPasaran: Was so nicht stimmt, das ist auch eine
Propagandalüge. FDR mußte ein Jahr lang rummanövrieren, um die
Japaner dahin zu bringen, tatsächlich anzugreifen. Die Amerikaner hatten
Tage vor dem Angriff bereits die japanischen Codes geknackt gehabt, die
wußten genau, was da im Anrollen war, und hatten die wichtigen
großen Schiffe rechtzeitig aus dem Hafen raus auf hohe See verlegt.
Näheres dazu siehe hier, und ein Schelm, wer 9/11es dabei denkt.]
Washington hat, wie sehr auch immer es, in Vietnam und anderswo, die Grenzen
der Irreführung und Vortäuschung zur Rechtfertigung seiner Kriege
ausweitete, bis heute seine Aktionen noch immer gerechtfertigt mit der
Behauptung, eine andere Nation hätte mit Aggression oder feindlichen
militärischen Handlungen gegen die vereinigten Staaten Amerikas begonnen.
Tyrannei betrifft die inneren Angelegenheiten einer Nation: Da geht's darum,
wie ein Führer und sein Volk miteinander umgehen, nicht um
Außenpolitik. Das hat nichts mit Aggressionen gegen die vereinigten
Staaten oder sonst jemanden zu tun.
Historisch gesehen hatte Washington nie Probleme damit, mit
einigen der übleren Tyrannen dieser Welt gut Freund zu sein, solange das
"Pro-Washington"-Tyrannen waren, beispielsweise mit der pakistanischen
Militärdiktatur Pervez Musharrafs, einem Musterbeispiel von
Unterdrückung. Wir könnten andere befreundete Tyranneien
aufzählen - Ilham Aliyevs Aserbaidschan, oder Islam Karimovs Usbekistan,
oder das Kuwait der al-Sabahs, oder Oman. Vielleicht Marokko, oder Alvaro
Uribes Kolumbien. Die Liste der Washington-freundlichen Tyrannen ist lang.
Aus offensichtlichen Gründen ist es unwahrscheinlich,
daß Washington sich gegen seine "Freunde" wenden wird. Der neue
Anti-Tyrannei-Kreuzzug wird sich also gegen "anti-amerikanische" Tyrannen
richten. Die Frage ist dementsprechend, welche Tyrannen finden sich auf dem
Radarschirm für das furchteinflößende Pentagon-Arsenal an
'smart bombs' und Kommandos für verdeckte Operationen ? Rice gab einen
Hinweis in ihrer Aussage vor dem Senatsausschuß für auswärtige
Angelegenheiten, zwei Tage vor Bushs Amtseinführung. Das weiße Haus
hatte natürlich die Rede zuvor geflöht und freigegeben.
Nimm einige Tyrannen auf's Korn, fördere andere.
Rice gab einen Hinweis auf die Tyrannen in Washingtons
Fadenkreuz in einer ansonsten uninteressanten Erklärung während ihrer
Aussage vor dem Senat. Sie erklärte: "In unserer Welt gibt es noch
Vorposten der Tyrannei ..... in Kuba, und Burma und Nordkorea, und Iran und
Weißrußland, und Zimbabwe." Abgesehen von der Tatsache, daß
sich die designierte Außenministerin nicht die Mühe machte, "Burma"
bei seinem gegenwärtigen Namen, Myanmar, zu nennen, ist diese Liste ein
Hinweis auf die nächste Phase in Washingtons Strategie der
Präventivkriege für seine Weltherrschaftsstrategie.
Wie waghalsig das, angesichts des Irak-Schlamassels, auch
immer scheinen mag, so zeigt doch die Tatsache, daß es bisher nur wenig
an offener Debatte über einen derartig ausgeweiteten Krieg gegeben hat,
wie umfassend der Konsens innerhalb des Washingtoner Establishments
hinsichtlich dieser Kriegspolitik ist. Laut einem Seymour-Hersh-Bericht des New
Yorkers vom 24. Januar hat Washington bereits einen Kriegsplan für die
kommenden vier Jahre Bush II gebilligt, der zehn Länder vom nahen Osten
bis Ostasien auf's Korn nimmt. Die Rice-Aussage gibt einen Hinweis auf sechs
der zehn. Sie deutete auch an, daß Venezuela ziemlich hoch oben auf der
nicht-öffentlichen Zielliste steht.
Laut dem Hersh-Report sind Spezialkräfte des Pentagons
angeblich im Iran bereits zugange damit, Einzelheiten betreffend
militärischer und nuklearer Schlüsselanlagen für vermutliche
zukünftige Bombenangriffe vorzubereiten. Auf höchster Ebene sind sich
Frankreich, Deutschland und die EU dieser US-Absichten für den Iran sehr
wohl bewußt, was die hektischen diplomatischen Aktivitäten der EU in
Richtung Iran erklärt.
Der US-Präsident erklärte in seiner Ansprache zur
Lage der Union, daß der Iran der "primäre stattliche Sponsor des
Terors" wäre. Der Kongress reiht sich ein, wie üblich, und beginnt
mit dem Kriegsgetrommel gegen den Iran. Gemäß der Einschätzung
des Chefs des Mossad in einer kürzlich erfolgten Aussage vor der Knesset
wird das iranische Nuklearwaffenprogramm, wie von der Jerusalem Post berichtet,
mit Ende 2005 "nicht mehr zu stoppen" sein. Das deutet auf starken Druck
Israels auf Washington hin, den Iran dieses Jahr "zu stoppen".
Laut Aussage des früheren CIA-Offiziellen Vincent
Cannistraro beinhaltet Verteidigungsminster Rumsfelds neue Kriegsangenda eine
Liste von zehn priorisierten Ländern. Zusätzlich zu Iran enthält
sie Syrien, Sudan, Algerien, Jemen und Malaysia. Laut einem Bericht der
Washington Post vom 23. Januar hat Richard Myers - [eine der
Schlüsselpersonen in der 9/11-Geschichte, NoPasaran] -, Vorsitzender der
vereinigten Stabschefs (Joint Chiefs of Staff, JCS) - [De facto der
höchste Militär in den USA, ein Posten, auf den Myers unmittelbar
nach 9/11 befördert wurde. Manus manum lavat, oder wie war das ?
NoPasaran] -, hat Richard Myers ebenfalls eine Liste dessen, was im Pentagon
unter "sich abzeichnende Ziele" für Präventivkriege läuft,
einschließlich Somalia, Jemen, Indonesien, die Philippinen und Georgien,
eine Liste, die er an Rumsfeld geschickt hat.
Während Georgien, seit der Wahl von Präsident
Mikhail Saakashvili, als de facto unter NATO- oder US-Kontrolle betrachtet
werden kann, sind die anderen Staaten alles in allem hochsignifikant für
die US-Agenda des neuen "Krieg gegen die Tyrannei". Wenn wir Syrien, Sudan,
Algerien und Malaysia sowie Rices Liste von Kuba, Weißrußland,
Myanmar und Zimbabwe zu der Somalia, Jemen, Indonesien und die Philippinen
enthaltende Liste der Stabschefs dazuzählen, kommen wir auf an die
zwölf potentielle Ziele für entweder verdeckte Destabilisierung durch
das Pentagon oder für direkte militäreische Interventionen, seien es
"chirurgische" Schläge oder aber etwas breiter Angelegtes. Und,
natürlich, Nordkorea, das offenbar als sehr nützlicher Punkt
dauernder Reibung dient, um die Militärpräsenz der USA in der
strategischen Region zwischen China und Japan zu rechtfertigen.
Auffällig ist, wie unmittelbar diese Liste "sich
abzeichnender Zielländer" der USA, Vorposten der Tyrannei, sich
einfügt in die strategische Zeilvorstellung der Kontrolle der globalen
Energievorräte, die ganz klar der zentrale strategische Brennpunkt der
Bush-Cheney-Regierung ist.
General Norman Schwarzkopf, der den 1991-er Angriff auf den
Irak leitete, sagte zum US-Kongress 1990: "Öl aus dem nahen Osten ist das
Lebensblut des Westens. Damit werden wir heute versorgt, und, da das 77 Prozent
der erwiesenen Ölreserven sind, damit werden wir auch noch versorgt
werden, wenn die Sache für den Rest der Welt auszutrocknen beginnt." Er
sprach da über das, was manche Geologen Peak Oil nennen, das Ende der
Ära des billigen Öls, ohne unangemessene Aufmerksamkeit auf diese
Thema ziehen zu wollen.
Das war 1990. Heute, mit US-Truppen, die sich auf eine Art
mehr oder weniger Dauereaufenthalt im Irak vorbereiten, und Bestrebungen,
wichtige globale Öl- und Energiekontrollpunkte unter Kontrolle zu
bekommen, ist die Situation deutlich weiter fortgeschritten. Die
Volkswirtschaften Chinas und Indiens haben sich als bedeutende
Öl-Importeure entpuppt zu einem Zeitpunkt, an dem die vorhandenen
Ölquellen des Westens, von der Nordsee über Alaska und darüber
hinaus, in einem Zustand signifikanten Rückgangs sind. Was wir hier haben,
ist ein vorprogrammiertes Szenario für zukünftige Ressourcenkonflikte
im globalen Maßstab.
Öl-Geopolitik und der "Krieg gegen die Tyrannei".
Kuba als "Tyranneiziel" ist ein Ersatz für Hugo Chavez'
Venezuela, das, über Kuba, stark unterstützt wird von Rußlands
Präsident Vladimir Putin, und neuerdings auch von China. Rice
erwähnte ausdrücklich die engen Verbindungen zwischen dem kubanischen
Präsidenten Filde Castro und Chavez. Nach einem gescheiterten
Putschversuch der CIA relativ früh in der Amtszeit Bushs hält sich
Washington in Caracas klarereweise zurück. Das Ziel bleibt aber, das
Regime das aufmüpfigen Chavez zu stürzen, dessen jüngster
Affront Washington gegenüber sein letzter Besuch in China war, wo er ein
größeres bilaterales Energieabkommen unterzeichnete. Chavez fiel
auch unangenehm auf mit der Ankündigung von Plänen, den
Ölverkauf weg von den USA nach China umzulenken und seine Raffinerien in
den USA zu verkaufen. Ein Teil des Energieabkommens mit China beinhaltet den
Bau einer neuen Pipeline zu einem Hafen an der kolumbianischen Küste,
wodurch die US-Kontrolle über den Panama-Kanal umgangen würde. Rice
sagte dem Senat, Kuba wäre ein "Vorposten der Tyrannei", und nannte
Venezuela im selben Atemzug einen "regionalen Unruhestifter".
Indonesien, mit großen Erdgasvorkommen, die
hauptsächlich China und Japan zugute kommen, ist ein interessanter Fall,
denn das Land hat sich offensichtlich Washington gegenüber kooperativ
verhalten im "Krieg gegen den Terror" seit 2001. Indonesiens Regierung tat, in
der Folge der jüngsten Tsunami-Katastrophe, einen Aufschrei der
Entrüstung, als das Pentagon einen US-Fluzeugträger mitsamt
Spezialtruppen und dem Auftrag entsandte, diese binnen 72 Stunden in der
Provinz Aceh für "Rettungsarbeiten" anzulanden. Der Flugzeugträger
USS Abraham Lincoln, mit 2000 vermutlich in Richtung Irak schippernden Marines
an Bord, zusammen mit der USS Bonhomme Richard aus Guam, setzte an die 13000
Mann in Aceh an Land, was bei einer ganzen Menge Leuten in der indonesischen
Regierung und dem indonesischen Militär die Alarmlichter angehen
ließ. Die indonesische Regierung stimmte zwar schließlich zu,
verlangte aber, daß die USA bis Ende März wieder abzögen und
keinen Brückenkopf in Aceh errichten würden. Kein Geringerer als
Vizeverteidigungsminister und Irak-Chefstratege Paul Wolfowitz, früherer
US-Botschafter in Inodnesien, machte sich alsbald zu einer "fact-finding"-Tour
in der Region auf die Socken. ExxonMobil betreibt eine große
LNG-Produktionsanlage [LNG = liquefied natural gas = Flüssigerdgas] in
Aceh, die China und Japan mit Energie versorgt.
Wenn wir nun Myanmar zu dieser Liste "sich abzeichnender
Ziele" dazunehmen, ein Staat, der - wie gering auch immer er die Menschenrechte
schätzt - vor allem ein bedeutender Verbündeter und Bezieher von
Militärhilfe Pekings ist, dann wird plötzlich eine potentiell gegen
China gerichtete strategische Einkreisung sichtbar. Malaysia, Myanmar and Aceh
in Indonesien stellen die strategischen Flanken dar, von denen aus wichtige
Seestraßen im Zusammenhang mit der Straße von Malakka, durch die
die Öltanker vom persischen Golf nach China fahren, kontrolliert werden
können. Und mehr noch, 80 Prozent des für Japan bestimmten Öls
kommen hier durch.
Die Energy Information Administration
[Energieinformationsbehörde ??] der US-Regierung hat die Straße von
Malakka als einen der wichtigsten "Öltransit-Kontrollpunkte" weltweit
identifiziert. Wie praktisch doch, wenn Washington jetzt, im Verlaufe des
Ausräucherns eines Nests von Tyrannen-Regimes, militärische Kontrolle
über diese Seestraße erlangt. Bis jetzt haben die Staaten dieser
Gegend wiederholte Versuche der USA, die Seestraße zu militarisieren,
vehement zurückgewiesen.
Kontrolle oder Militarisierung Malaysias, Indonesiens and
Myanmars gäbe den US-Truppen definitve Kontrolle über über die
frequentierteste Meeresroute für Öl vom persischen Golf nach Japan
und China. Das wäre ein gewaltiger Schlag für Chinas Versuche, seine
Energieunabhängigkeit von den USA sicherzustellen. China hat, mit der
US-Besatzung, nicht nur bereits dicke Ölkonzessionen im Irak verloren,
sondern auch Chinas Ölversorgung aus dem Sudan gerät unter steigenden
US-Druck.
Den Mullahs den Iran wegzunehmen gäbe Washington volle
Kontrolle über die strategisch wichtigste Schiffahrtsstraße der
Welt, die Straße von Hormus, eine drei Kilometer breite Passage zwischen
dem persischen Golf und dem arabischen Meer. Die Hauptmilitärbasis der USA
in der ganzen Region liegt, nur durch diese Wasserstraße vom Iran
getrennt, in Doha, Quatar. Eines der weltgrößten Erdgasfelder liegt
ebenfalls hier.
Algerien ist ein weiteres offensichtliches Ziel für den
"Krieg gegen die Tyrannei". Algerien ist der zweitwichtigste Erdgasversorger
Kontinentaleuropas und hat erhebliche Reserven an sehr hochqualitativem
schwefelarmem Rohöl, gerade von der Art, wie die US-Raffinerien es
brauchen. An die 90 Prozent des algerischen Öls gehen nach Europa,
hauptsächlich nach Italien, Frankreich und Deutschland. Präsident
Abdelaziz Bouteflika las nach dem 11.09.2001 die Teeblätter und gelobte
prompt seine Unterstützung für Washingtons "Krieg gegen den Terror".
Bouteflika hat ein bißchen Bewegung gezeigt in Richtung Privatisierung
diverser Staatsholdings, aber nicht, was die zentrale staatliche
Ölgesellsachft, Sonatrach, betrifft. Das wird klarereweise nicht genug
sein, um den Appetit der Washingtoner Planer zu befriedigen.
Sudan, wie schon bemerkt, hat sich zu einem bedeutenden
Ölversorger Chinas entwickelt, dessen nationale Ölgesellschaft seit
1999 mehr als drei Milliarden US$ in Pipelinebau vom Süd-Sudan zu einem
Hafen am roten Meer investiert hat. Das Zusammentreffen dieser Tatsache mit der
sich ausweitenden Sorge Washingtons ob des Genozides und der humanitären
Katastrophe im ölreichen Darfur im Südsudan ist in Peking nicht
unbemerkt geblieben. China drohte mit einem Veto gegen jegliche Intervention im
Sudan. Der erste Aktion des wiedergewählten Dick Cheney spät im
letzten Jahr war es, seinen Vizepräsidenten-Jet mit
UNO-Sicherheitsratsmitgliedern vollzupacken für einen Flug nach Nairobi,
um die humanitäre Krise in Darfur zu diskutieren, eine unheimliche
Erinnerung an Verteidigungsminister Cheneys "humanitäre" Besorgnis
hinsichtlich Somalia 1991.
Washington Wahl von Somalia und Jemen ergibt ein
zusammenpassendes Paar, wie ein Blick auf eine Karte des nahen Ostens und des
Horns von Afrika bestätigen wird. Jemen sitzt am
Öltransit-Kontrollpunkt von Bab el-Mandap, der enge Kontrollpunkt für
den Ölfluß zwichen rotem Mer und indischem Ozean. Jemen hat
ebenfalls Öl, obwohl noch niemand weiß, wieviel. Es könnte eine
Menge sein. Eine US-Firma, Hunt Oil Corporation, fördert täglich
200000 Barrels pro Tag, was aber wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs
sein dürfte.
Jemen paßt also wunderbar als "sich abzeichnendes
Ziel", zusammen mit dem anderen Ziel, Somalia, gleich daneben.
"Und ja, Virginia" - [vermutlich eine literarische
Anspielung, die ich nicht kapier', Nopasaran] -, die 1992-er Militäraktion
von George Herbert Walker Bush, bei der sich die USA eine blutige Nase holten,
geschah in Wirklichkeit auch des Öls halber. Die Tatsache, daß die
humanitäre Intervention von 20000 US-Soldaten, befohlen von Vater Bush,
nur wenig mit der behaupteten Hilfe für die von Hungersnot bedrohten
Somalis zu tun hatte, ist weitgehend unbekannt. Es hatte aber eine Menge zu tun
mit der Tatsache, daß vier der größeren
US-Ölgesellschaften, angeführt von Bushs Freunden bei Conoco in
Houston, Texas, einschließlich Amoco (jetzt BP), Condi Rices Chevron, und
Phillips, allesamt dicke Ölbohrkonzessionen in Somalia hatten. Die Deals
waren zustande gekommen mit dem früheren Washington-freundlichen,
tyrannischen und korrupten Regimes des Mohamed Siad Barre.
Siad Barre war dummerweise just in dem Moment gestürzt
worden, als Conoco angeblich mit neun Probebohrungen auf schwarzes Gold
stieß, wie von Weltbank-Geologen bestätigt wurde. Robert B. Oakley,
der US-Gesandte in Somalia, ein Veteran des Mujaheddin-Projekts in Afhganistan
in den 1980-ern, vermasselte das US-Spiel beinahe, als er, auf dem
Höhepunkt der Bürgerkriegs in Mogadischu 1992, sein Hauptquartier aus
Sicherheitsgründen auf das gesicherte Comoco-Areal verlegte. Ein neues
Ausräuchern der somalischen "Tyrannei" würde diesen
US-Ölgesellschaften die Türen öffen für die Ausbeutung des
möglicherweise großen somalischen Ölpotentials. Jemen und
Somalia sind die zwei Flanken ein- und derselben geologischen Formation,
potentiell große Petroleumlagerstätten enthaltendend, und bilden
gleichzeitig die Flanken des Ölkontrollpunktes vom/zum roten Meer.
Weißrußland ist ebenfalls kein Vorkämpfer
für Menschenrechte, aber vom Washingtoner Standpunkt aus gesehen ist es
die Tatsache, daß seine Regierung fest an Moskau angebunden ist, die es
zu einem offensichtlichen Kandiadten für einen ukrainemäßigen
"orange-revolutionären" Versuch eines Regimewechsels macht. Das
würde, so es denn Erfolg hätte, die von den USA ausgehende
Einkreisung Rußlands im Westen und der russischen Export-Pipelines nach
Europa vollenden. An die 81 Prozent der aller heutigen russischen
Ölexporte gehen an westeuropäische Märkte. Ein derartiger
Reegimewechsel in Weißrußland zum gegenwärtigen Zeitpunkt
würde die Möglichkeiten einschränken, die ein nuklear
bewaffnetes Rußland hinsichtlich eines Übereinkommens mit
Frankreich, Deutschland und der EU hätte, als potentielles Gegengewicht
zur Macht der Vereinigten Staaten als alleinige Supermacht, was eine der
höchsten Prioritäten der Washingtoner Eurasien-Geopüolitik
darstellt.
Die militärische Infrastruktur für den Umgang mir
derartigen Tyrannenstaaten scheint ebenfalls Form anzunehmen. Im
New-Yorker-Magazin vom 24. Januar zitiert der Journalisten-Veteran Seymour
Hersh Pentagon- und CIA-Quellen, die behaupten, die Position Rumsfelds und der
Kriegsfalken sei heute sogar noch stärker als vor dem Irak-Krieg. Hersh
berichtete, daß Bush letztes Jahr eine ohne viel Trara eine
Exekutivverfügung unterzeichnete, die größere verdeckte
Aktionen der CIA und strategische Analysen dem Pentagon unterstellt, wodurch
die Aufsicht des Kongresses umgangen wird. Er fügte hinzu, daß
Plänen einer Ausweitung des "Kriegs gegen den Terror" unter Rumsfeld
bereits vor der Wahl regierungsintern zugestimmt worden war.
Die Washington Post bestätigte Hershs Behauptung, indem
sie berichtete, daß Rumsfelds Pentagon, auf Befehl des Präsidenten
hin, und unter Umgehung des Kongresses, eine neue Abteilung für
strategische Unterstützung (Strategic Support Branch - SSB) geschaffen
hat, die traditionell von der CIA gehandhabte geheime und andere Funktionen
übernimmt. Einem Bericht des pensionierten US-Army-Obersten Dan Smith
zufolge, in 'Foreign Policy in Focus' vom letzten November, umfaßt die
neue SSB-Einheit das als Militärelite geltende Spezial SEAL Team 6, Delta
Force Armee-Schwadronen, und möglicherweise eine paramilitärische
Armee von 50000 Mann für "prächtige kleine Kriege" außerhalb
des vom Kongress kontollierten Bereichs.
Die Liste sich abzeichnender Ziele in einem neuen "Krieg
gegen die Tyrannei" ist selbsverständlich nicht starr, sie ist
provisorisch und an sich änderende Entwicklungen anpaßbar. Klar ist
aber, daß auf höchster politischer Ebene eine atembraubender Reihe
zukünftiger militärischer und ökonomischer Offensiven in Arbeit
ist, um die Welt zu verändern. Ein Weltölpreis von US$ 150 oder mehr
pro Barrel in den nächsten paar Jahren käme dabei zusammen mit
"Druckpunktkontrolle" des Angebots durch eine einzige Macht, sollte Washington
mit seinen Plänen durchkommen.
F. William Engdahl ist der Autor von A Century of War:
Anglo-American Oil Politics and the New World Order, erschienen bei Pluto Press
Ldt.
(Copyright 2005 by F. William Engdahl.)
|