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08.07.2005 Ralf Streck, Donostia-San Sebastian Info von:   junge Welt
Krieg um Wasser

Konflikt zwischen spanischen Regionen um Ableitungen aus Flüssen spitzt sich zu. Differenzen auch mit Portugal

»Wir befinden uns in einem langen Krieg«, sagte der Präsident der spanischen Region Kastilien-La Mancha, José María Barreda, zum jetzt heftig ausgebrochenen Konflikt um die nationalen Wasserressourcen. »Wir werden ihn gewinnen, weil wir Recht haben und uns die Daten unterstützen«, fügte Barreda mit Blick auf die Forderungen der südspanischen Region Murcia an. Vor allem zwischen diesen beiden Regionen kocht der Kampf ums Wasser, der angesichts der extremen Dürre auf der iberischen Halbinsel immer stärker wird, derzeit hoch.

Konkret geht es um die vorgesehene Umleitung von Teilen des Wassers des Tajo (portugisisch Tejo) nach Südspanien. Statt in Richtung Portugal zu fließen, soll es über den Fluß Segura nach Südspanien umgeleitet werden, um die dortigen Bedürfnisse zu befriedigen. Vor allem die Stauseen, die vom Segura gespeist werden, weisen dieses Jahr ein extrem dürftiges Bild auf: Sie sind derzeit gerade noch zu 16 Prozent gefüllt.

Der Sozialist Barreda reagierte mit seinen Äußerungen auf Forderungen des Präsidenten von Murcia. Ramón Luis Valcárcel will bei einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero erreichen, daß mehr als die bisher vorgesehene Wassermenge nach Murcia geleitet wird. Die sozialistische PSOE-Regierung hatte am vergangenen Freitag beschlossen, 82 Hektometer Wasser pro Jahr umzuleiten, die Mehrheit für Bewässerung. Das ist der Region zu wenig, die von der ultrarkonservativen Volkspartei (PP) regiert wird. Sie fordert 35 Hektometer mehr. Das sehr trockene Murcia hat auf Luxustourismus gesetzt und etliche Golfplätze gebaut, die extrem viel Wasser benötigen. Auch auf den schier unendlichen Tomatenplantagen unter Plastikplanen wird das kostbare Gut verschwendet.

Da Klimaexperten eine Zuspitzung der Lage in den nächsten Jahren voraussagen, muß dringend Wasser gespart werden. Daß Spanien darauf nicht vorbereitet ist, ist das Ergebnis von acht Jahren verfehlter Politik der abgewählten PP. Diese hat Spanien zu dem Land gemacht, das am stärksten gegen die Klimavorgaben von Kyoto verstößt. Zudem gehört das Land in Europa zu den Spitzenverbrauchern von Wasser. Die sozialistische Umweltministerin Cristina Narbona erklärte, nur 15 Prozent der Bewässerungssysteme im Land arbeiteten effizient. So verdunste Wasser ungehindert in offenen Kanälen, allein hier könnten mehr als zehn Prozent des gesamten Verbrauchs gespart werden. Mit 300 Millionen Euro werden nun Kanäle und Wasserspeicher modernisiert.

Die iberische Halbinsel erlebt derzeit eine Dürre. Nach Angaben des Meteorologischen Instituts (INM) sind in den ersten Monaten dieses Jahres in Spanien sogar 22 Prozent weniger Niederschlag gefallen als in den Dürrejahren 1993 und 1995. Das INM erklärte nun, man erlebe eine »extreme Trockenheit«, wie seit 1947 nicht mehr.

So wird die Umleitung des Tejo das Problem nur verschieben. Denn schon jetzt kann Spanien die Wassermengen nicht mehr aufbringen, die vertraglich abgesichert über die Grenze nach Portugal fließen müssen. Der Nachbar hat Spanien schon auf sechs Millionen Euro Schadensersatz verklagt, weil die Wassermenge des Duero abgesenkt wurde. Sollte dies auch beim Tejo geschehen, ist eine Zuspitzung des Kampfs um das Wasser auch über die Grenze hinweg abeshbar.



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