Konflikt zwischen spanischen Regionen um Ableitungen aus
Flüssen spitzt sich zu. Differenzen auch mit Portugal »Wir
befinden uns in einem langen Krieg«, sagte der Präsident der
spanischen Region Kastilien-La Mancha, José María Barreda, zum
jetzt heftig ausgebrochenen Konflikt um die nationalen Wasserressourcen.
»Wir werden ihn gewinnen, weil wir Recht haben und uns die Daten
unterstützen«, fügte Barreda mit Blick auf die Forderungen der
südspanischen Region Murcia an. Vor allem zwischen diesen beiden Regionen
kocht der Kampf ums Wasser, der angesichts der extremen Dürre auf der
iberischen Halbinsel immer stärker wird, derzeit hoch.
Konkret geht es um die vorgesehene Umleitung von Teilen des
Wassers des Tajo (portugisisch Tejo) nach Südspanien. Statt in Richtung
Portugal zu fließen, soll es über den Fluß Segura nach
Südspanien umgeleitet werden, um die dortigen Bedürfnisse zu
befriedigen. Vor allem die Stauseen, die vom Segura gespeist werden, weisen
dieses Jahr ein extrem dürftiges Bild auf: Sie sind derzeit gerade noch zu
16 Prozent gefüllt.
Der Sozialist Barreda reagierte mit seinen
Äußerungen auf Forderungen des Präsidenten von Murcia.
Ramón Luis Valcárcel will bei einem Treffen mit dem spanischen
Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero erreichen,
daß mehr als die bisher vorgesehene Wassermenge nach Murcia geleitet
wird. Die sozialistische PSOE-Regierung hatte am vergangenen Freitag
beschlossen, 82 Hektometer Wasser pro Jahr umzuleiten, die Mehrheit für
Bewässerung. Das ist der Region zu wenig, die von der ultrarkonservativen
Volkspartei (PP) regiert wird. Sie fordert 35 Hektometer mehr. Das sehr
trockene Murcia hat auf Luxustourismus gesetzt und etliche Golfplätze
gebaut, die extrem viel Wasser benötigen. Auch auf den schier unendlichen
Tomatenplantagen unter Plastikplanen wird das kostbare Gut verschwendet.
Da Klimaexperten eine Zuspitzung der Lage in den
nächsten Jahren voraussagen, muß dringend Wasser gespart werden.
Daß Spanien darauf nicht vorbereitet ist, ist das Ergebnis von acht
Jahren verfehlter Politik der abgewählten PP. Diese hat Spanien zu dem
Land gemacht, das am stärksten gegen die Klimavorgaben von Kyoto
verstößt. Zudem gehört das Land in Europa zu den
Spitzenverbrauchern von Wasser. Die sozialistische Umweltministerin Cristina
Narbona erklärte, nur 15 Prozent der Bewässerungssysteme im Land
arbeiteten effizient. So verdunste Wasser ungehindert in offenen Kanälen,
allein hier könnten mehr als zehn Prozent des gesamten Verbrauchs gespart
werden. Mit 300 Millionen Euro werden nun Kanäle und Wasserspeicher
modernisiert.
Die iberische Halbinsel erlebt derzeit eine Dürre. Nach
Angaben des Meteorologischen Instituts (INM) sind in den ersten Monaten dieses
Jahres in Spanien sogar 22 Prozent weniger Niederschlag gefallen als in den
Dürrejahren 1993 und 1995. Das INM erklärte nun, man erlebe eine
»extreme Trockenheit«, wie seit 1947 nicht mehr.
So wird die Umleitung des Tejo das Problem nur verschieben.
Denn schon jetzt kann Spanien die Wassermengen nicht mehr aufbringen, die
vertraglich abgesichert über die Grenze nach Portugal fließen
müssen. Der Nachbar hat Spanien schon auf sechs Millionen Euro
Schadensersatz verklagt, weil die Wassermenge des Duero abgesenkt wurde. Sollte
dies auch beim Tejo geschehen, ist eine Zuspitzung des Kampfs um das Wasser
auch über die Grenze hinweg abeshbar.
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