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Ein Kommentar zur neubelebten Nazi-Hatz
Es ist eigentlich unglaublich.
Nicht unglaublich ist,
dass Gerhard Schröder in wahlkämpferischem
Überschwang Linkspartei und WASG, vor allem aber deren herausragende
Vertreter Gysi und Lafontaine als "Blüten aus dem rechten Sumpf"
diffamiert - da gibt ihm nicht einmal die lange gemeinsame SPD-Vergangenheit
mit dem ehemaligen Vorsitzenden Lafontaine zu denken - Wahlkampf ist Wahlkampf,
da zählt Wirkung, nicht Wahrheit.
Wirklich unglaublich ist,
dass mit solchen plumpen Beschuldigungen, die an kaum mehr,
als der Verwendung der Vokabel "Fremdarbeiter" festgemacht sind, auch heute
noch in breitesten Schichten der Bevölkerung jener tiefsitzende, panische
Angstreflex ausgelöst werden kann, der glauben macht, es sei allemal
besser, jegliche nationalen Interessen für alle Zeiten hintan zu stellen,
als sich der Gefahr auszusetzen, deshalb als Nazi gebrandmarkt und aus der
Gesellschaft der untadeligen Ehrenmänner ausgestoßen zu werden.
Es gibt - das steht völlig außer Frage - in
dieser Republik ziemlich viele Geister, die eifrig danach drängen, die
schlimmen alten Zustände wiederherzustellen; Rattenfänger, die mit
rassistischen Feindbildern hantieren, ihren Faschismus, wie auch ihre
Führergläubigkeit offen vor sich her tragen, und auch nicht davor
zurückschrecken, immer wieder sehr handgreiflich zu beweisen, wie ernst
sie es meinen.
Aber gibt es denn neben diesem übersteigerten,
intoleranten und aggressiven Nationalismus nicht auch eine vernünftige
Form der selbstbewussten Vertretung vitaler nationaler Interessen? Ist das
Eintreten für das eigene Land, für das Wohlergehen des eigenen
Volkes, ist der Versuch, bestimmte Werte und Traditionen des eigenen Volkes zu
bewahren und hochzuhalten, wie sie sich nicht nur im Münchner Oktoberfest
und dem Stuttgarter Wasen, sondern zum Beispiel auch im Erfolgsmodell der
sozialen Marktwirtschaft ausdrücken, schon Verbrechen?
Kann der Hinweis auf tatsächlich existierende,
rechtsextreme Gruppierungen ausreichen, jeden Globalisierungskritiker als
Nationalisten zu beschimpfen, jeden Gegner der Agenda 2010 als ewig gestrigen
Sozialisten zu titulieren und in jedem Vertreter -- ebenso legaler wie
berechtigter -- nationaler und sozialer Interessen gleich wieder die
Auferstehung des Hitler'schen Nationalsozialismus sehen zu müssen?
Nein, diese Sicht der Dinge ist falsch und verlogen. Wer
sich ihrer bedient, benutzt ein tief eingebranntes, kollektives
Schuldgefühl, um sich eigene Vorteile zu sichern. Dies gilt in diesem
Wahlkampf, aber auch weit darüber hinaus.
Amerikaner und Briten, Franzosen und Italiener zeigen der
Welt bei jeder Gelegenheit offen und stolz, dass sie es für ihre erste
Pflicht halten, ihrem Land und ihrem Volk zu dienen. Ich finde, es wäre an
der Zeit, dass auch wir Deutschen endlich aufhören, unseren seltsamen
Selbstverleugnungsreflex zu pflegen.
Deutschlands nationale Identität und seine soziale
Gesellschaftsordnung sind bedroht
Lassen Sie mich etwas abschweifen:
Bundespräsident, Bundeskanzler und Bundesminister
schwören bei Amtsantritt den folgenden Eid, der in Art. 56 GG
vorgeschrieben ist:
"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des
deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das
Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten
gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.
So wahr mir Gott helfe." Dieser Eid kann, auch das steht im Grundgesetz,
auch ohne die abschließende religiöse Beteuerung geleistet
werden.
Wir stellen also fest:
Sogar dieses, nur als besatzungsrechtliches Konstrukt
für eine Übergangszeit geschaffene Grundgesetz, das - trotz
inzwischen erfolgtem Beitritt der neuen Bundesländer - aus nicht
nachvollziehbaren Gründen immer noch nicht von einer wirklichen Verfassung
abgelöst wurde, bestimmt ganz eindeutig, zweifelsfrei und mit
allerhöchster alliierter Genehmigung, dass die Interessen des deutschen
Volkes bei jeglichem Handeln seiner höchsten Staatsorgane absoluten
Vorrang haben sollen.
Wenn man nun Gerhard Schröders Auslassungen zu
Lafontaine und Gysi nicht als schmutzige Angriffe auf Personen versteht,
sondern sie als krass formulierte Sachargumentation einordnet, dann drängt
sich die Frage auf, ob Schröder nicht eigentlich auch den eigenen Amtseid
als "Ausgeburt jenes rechten Sumpfes" ansehen müsste, in dem er Gysi und
Lafontaine gerne versinken sähe.
Es ist doch nicht das Wort von den Fremdarbeitern, es ist
doch nicht Lafontaines Einlassung zur Verhandlung über jenen Frankfurter
(Vize-)Polizeipräsidenten, der einem Kindesentführer mit Folter
drohen ließ, die ich auch nicht billige --
es ist der politische Ansatz von Linkspartei und WASG, der
zu solchen Attacken verleitet.
Es sind die Partei- und Wahlprogramme, in denen gefordert
wird, zu Lasten der horrenden Gewinne der "Global Player" und "Investoren",
einen Weg zur Wiedererlangung der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland zu
beschreiten, also das, wozu Kanzler, Minister und Präsident sich
eigentlich per Amtseid verpflichtet haben, denn Deutschland ist weder ein
marktoffener und kapitalistischer, noch ein eigentumsdominierter und
feudalistischer und schon gar kein neokonservativer und experimenteller
Bundesstaat.
Noch bestimmt das Grundgesetz in Artikel 20 (1): "Die
Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat."
Wenn das deutsche Volk
-- wie die sich selbst so nennenden "Volksparteien" es in
diesem Wahlkampf als Wahrheit oder auch nur als Notwendigkeit weiterer Reformen
verkünden --
immer mehr und immer länger für immer weniger Geld
arbeiten soll, zu keinem anderen Zweck, als dass ausländische Konsumenten
in die Lage versetzt werden, die Produkte aus unserer Überschussproduktion
billig einzukaufen, weil daran die Profite jener vaterlandslosen Global Player
hängen, die in Deutschland - wider die Interessen des deutschen Volkes -
gehätschelt werden, dann wird es höchste Zeit, dass vernünftige
Politik sich auf die nationalen Interessen besinnt und diesem schon weit
fortgeschrittenen Wahnsinn ein Ende bereitet.
Die jüngste Meldung vom Erfolg der deutschen Wirtchaft
besagt, dass der Exportumsatz im ersten Halbjahr 2005 um sechs Prozent auf 382
Milliarden Euro gestiegen ist. Das heißt, dass rund ein Drittel der
gesamten Wirtschaftsleistung im Ausland verkauft werden konnte - was aber
unsere Blut-Schweiß-und-Tränen-RednerInnen nicht davon abhält,
im gleichen Atemzug zu behaupten, wir seien international nicht
wettbewerbsfähig, weil die deutsche Industrie im letzten Jahr pro
Arbeiterstunde durchschnittlich 27,60 Euro aufwenden musste. Über die
Produktivität und die Lohnstückkosten wird dabei ebenso wenig
geredet, wie über die minimale Steuerbelastung der Unternehmen und die
weit überdurchschnittliche Infrastruktur, die ihnen in Deutschland
kostenlos zur Verfügung steht. Beim Arbeiter kommen von diesen 27,60
Euro übrigens nur 9,55 Euro netto an - und davon bleibt ihm praktisch
nichts übrig, denn Deutschland ist eben nicht nur ein Hochlohn-, sondern
noch viel mehr auch ein Hochpreisland, in dem zum Beispiel für deutsche
Fahrzeuge immer noch 20 bis 25 Prozent mehr bezahlt werden müssen, als im
umliegenden Ausland - aber auch darüber schweigt sich die
Global-Player-Propaganda vornehm aus...
Wenn das deutsche Volk
-- wie es die sich selbst so nennenden "Volksparteien" in
ihrer uneingeschränkten Zustimmung zur europäischen Verfassung
betreiben --
künftig unter dem Primat des EU-Rechts alle in den
letzten Jahrzehnten errungenen und gepflegten eigenen Normen und Rechte
aufgeben soll, um sich - dem oben zitierten Amtseid zum Trotz - allen
internationalen Kapitalströmen ohnmächtig zu ergeben und sich die
Ressourcen der Grundversorgung von internationalen Dienstleistern kampflos aus
der Hand nehmen zu lassen (was schließlich der Kern der EU-Verfassung
ist), dann wird es höchste Zeit, dass vernünftige Politik sich auf
die wahren nationalen Interessen besinnt und diesem schon weit
fortgeschrittenen Wahnsinn ein Ende bereitet.
WASG und Linkspartei haben das erkannt und sich gemeinsam
zum Ziel gesetzt, eine Politik zu machen, die den Nutzen des deutschen Volkes
wieder mehren und bereits entstandenen, wie auch noch zu erwartenden Schaden
von ihm abwenden wird.
Wenn es überhaupt einen Sinn machen soll, dass wir in
diesem Herbst noch einmal antreten, um eine Regierung für Deutschland zu
wählen,
dann muss die Chance bestehen, eine Regierung zu
wählen, die sich wirklich für die Interessen des deutschen Volkes
einsetzt.
Die Interessen von Opel und Ford sind eben sowenig die
Interessen des deutschen Volkes, wie die Interessen von Daimler Chrysler und
Toyota. Die Interessen der in Deutschland ansässigen Milliardäre und
ihrer Unternehmungen sind eben sowenig die Interessen des deutschen Volkes, wie
die Interessen US-amerikanischer Pensionsfonds oder großer
internationaler Investmentgesellschaften.
Wenn es überhaupt einen Sinn machen soll, dass wir in
diesem Herbst noch einmal antreten, um eine Regierung für Deutschland zu
wählen,
dann muss sichergestellt sein, dass das Wirken dieser
Regierung nicht wieder nur darin besteht, den staatlichen Segen für jede
Form von Ausbeutung zu erteilen.
Um damit fortzufahren, das Volksvermögen durch weitere,
so genannte Privatisierungen, an die Kapitalisten aus aller Welt zu
verschleudern, brauchen wir weder einen Bundeskanzler, noch einen
Wirtschaftsminister.
Das können die Investmentbanker der internationalen
Großbanken besser, die - und der Markt - regeln das schon.
Um weitere Vereinbarungen über den ungehinderten
Fluss globaler Finanzströme zu unterzeichnen, brauchen wir weder einen
Kanzler, noch einen Außenminister.
Da braucht man die Spekulanten nur einfach machen zu lassen,
die - und der Markt - regeln das schon.
Um die Ein-Euro-Jobs auszubauen und in
Kombilohnmodellen noch weiter zu pervertieren und um den bundesweiten,
tarifvertragsfreien Niedriglohnsektor auszurufen, brauchen wir weder einen
Arbeits-, noch einen Sozialminister.
Das schafft der Arbeitgeberverband in einer einzigen
Sitzung, die - und der Markt - regeln das schon.
Um die Renten und andere Sozialleistungen nach
Gutsherrenart und Kassenlage zu kürzen, brauchen wir weder einen Kanzler,
noch einen Justizminister.
Das schafft die deutsche Versicherungswirtschaft, wenn man
sie nur lässt, ganz ohne Übergangsvorschriften und
Härteklauseln, die - und der Markt - regeln das schon.
Um den Rechtsstaat endgültig zum
Überwachungs- und Spitzelstaat auszubauen, brauchen wir auch keinen
Innenminister.
Da schickt George W. Bush gerne mal seine
Sicherheitsberater vorbei. Wenn sich sonst niemand kümmert, regeln die das
schon.
Wenn es überhaupt einen Sinn machen soll, dass wir in
diesem Herbst noch einmal versuchen, eine Regierung für Deutschland zu
wählen,
dann muss die andere Ziele verfolgen, als das, was in
inflationären Quantitäten von den Think-Tanks großer
internationaler Unternehmen ausgespuckt wird, oder das, was am laufenden Band
im gemeinsamen Endlos-Brainstorming der führenden neoliberalen Volkswirte
unter der Moderation von Bertelsmann-Stiftung und McKinsey als Mindestforderung
zum Erhalt "des Standortes" (!) in die Welt gesetzt wird.
Ist dies alles nicht gewährleistet, wäre es
ehrlicher, Reichstag und Kanzleramt samt Mobiliar und Machtbefugnis an den
meistbietenden Hedgefonds zu verscherbeln und jedem Bürger aus dem
Verkaufserlös ein paar Euro zu überweisen, statt noch einmal eine
Wahl zu inszenieren, die den Bürgern im Grunde keine Wahl
lässt.
Aber soviel Ehrlichkeit verträgt wohl selbst der
dehnbarste Amtseid nicht.
...und so ist es selbst für den Kanzler und die
Kanzlerkandidatin gut, dass es WASG und Linkspartei gibt - gegen wen sollten
sie sonst polemisieren?
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Wenn auch WASG und Linkspartei noch längst keine
geordneten Strukturen, längst kein allseits rundes Programm und den
internen Kampf um Positionen und Posten noch längst nicht abgeschlossen
haben. Diese Gruppierung ist die einzige nennenswerte Kraft, deren Erstarken
denjenigen Politikern, die gar nicht mehr bemerken, dass sie längst nur
noch als Erfüllungsgehilfen des Kapitals agieren, daran erinnern wird,
dass eine Politik gegen das eigene Volk in der Demokratie nicht lange gut
geht.
Jeder Prozentpunkt für die Neue Linke ist wichtig, denn
jeder Prozentpunkt vermittelt den dringenden Wunsch des Volkes, seine
ureigensten Interessen in Parlament und Regierung wieder vertreten sehen zu
wollen.
Dass Gysi und Lafontaine es ablehnen, als
Mehrheitsbeschaffer für SPD oder CDU aufzutreten, heißt doch nicht,
dass sie Regierungsverantwortung scheuen, auch nicht, dass sie sich
fürchten, ihre eigenen Programme umsetzen zu dürfen, - es heißt
doch nur, dass sie nicht an einer vollkommen verfehlten Politik mitwirken
wollen.
Wer Kinder in den Brunnen fallen sieht, und dafür
plädiert, endlich einen Deckel darauf zu setzen, der kann doch nicht - nur
um irgendwie mit an der Macht zu sein - mit denen koalieren, die dies strikt
ablehnen und lieber fünf weitere ungeschützte Brunnen graben.
Wer dies als Schwäche, Wankelmut und
Verantwortungslosigkeit ausdeutet, muss von der Macht schon so weit korrumpiert
sein, dass er sich uneigennütziges poliitisches Agieren schon gar nicht
mehr vorstellen kann.
Lassen Sie sich nicht irremachen. Jede Stimme
zählt.
Es gibt diesmal keine andere Wahl!
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