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Ein Fall von
vielen: Robert, Jahrgang 1965
| Robert erhielt die ersten Amalgamfüllungen im
Alter von 8 Jahren, bis zum 12. Lebensjahr waren es dann insgesamt 10
Amalgamfüllungen. Diese wurden in den folgenden Jahren
regelmäßig erweitert und vergrößert. |
In der Jugendzeit war Robert von Akne
geplagt, aber sicher nicht mehr oder weniger als viele andere Jugendliche.
Gelegentliche Versuche der dermatologischen Behandlung waren praktisch umsonst.
Mit etwa 17 Jahren erfolgten weitere umfangreiche Amalgamversorgungen in drei
Zahnarztsitzungen. Die vorhandenen Füllungen wurden
größtenteils ausgetauscht bzw. wegen Karies erweitert. Danach waren
praktisch alle Backenzähne großflächig gefüllt.
Der Beginn der gesundheitlichen Probleme
kann mit dem 20. Lebensjahr festgelegt werden. Zu dieser Zeit begann Robert ein
technisches Studium, das er zwar ohne größere Probleme
bewältigen konnte, doch sein Gesundheitszustand, der sich langsam und
schleichend zu verschlechtern begann, machte ihm zunehmende Probleme. Dies
zeigte sich in verschiedenen Erscheinungen:
Das Schlafbedürfnis wurde immer
größer: Wo er mit 20 noch des öfteren bis morgens um drei Uhr
in einem Tonstudio jobbte, mußte er drei Jahre später schon um neun
Uhr abends ins Bett, um am nächsten Morgen einigermaßen
ausgeschlafen zu sein. Das Schlafbedürfnis nahm noch weiter zu, so
daß er zuletzt bereits um 20 Uhr todmüde und erschöpft ins Bett
fiel und morgens trotzdem sich nicht besonders erholt wieder aus den Federn
quälte. Eine Begebenheit mag diese abendliche Erschöpfung anschaulich
machen: Um sein Schlafsofa als Bett herzurichten, mußte er das Leintuch
über die Matratze breiten und den überstehenden Stoff rundherum unter
die Matratze stecken. War diese Tätigkeit früher etwas, worüber
er überhaupt nicht nachdachte, empfand er diese "Arbeit" schließlich
als so mühevoll, daß er irgendwann nur noch das Tuch über die
Matratze warf, um dann völlig fertig ins Bett zu fallen. Dies wohlgemerkt
ohne etwas besonderes geleistet zu haben, außer einen halben Tag
Vorlesungen zu hören!
Zur schon bestehenden Akne kamen weitere
Hautprobleme hinzu. Immer wieder bildeten sich eitrige Abszesse im Gesicht und
am Rücken. Der naturheilkundlich orientierte Hausarzt diagnostizierte eine
Störung der Darmflora. Die Behandlung mit Perenterol brachte, solange es
eingenommen wurde, eine gewisse Besserung. Eine immer stärkere
Magenempfindlichkeit stellte sich ein. Dies ging so weit, daß bereits
eine Tasse nicht besonders starken Kaffees starke Magenschmerzen
auslöste.
Roberts psychische Verfassung
verschlechterte sich ebenfalls ständig. Immer öfter, zuletzt
eigentlich ständig, war seine Stimmung depressiv, verbunden mit
Reizbarkeit ohne jeglichen äußeren Anlaß. Obwohl ihm die
Situation bewußt war, konnte er die negativen Gefühle kaum
beeinflussen. Dazu kam eine zeitweise Gleichgültigkeit; weder schöne
Dinge noch traurige Anlässe konnten eine nennenswerte Gemütsregung
auslösen. All das konnte er lediglich als außenstehender Beobachter
an sich selbst wahrnehmen, er war jedoch unfähig, etwas daran zu
ändern.
Diese Erscheinungen, die man ja nicht
direkt als krank, aber auch nicht als gesund bezeichnen kann, waren Robert
einerseits bewußt, wurden von ihm aber auch nicht richtig registriert. Da
er seit seinem 20. Lebensjahr auf gesunde Lebensweise achtete, nicht rauchte,
kaum Alkohol zu sich nahm, gesunde Ernährung berücksichtigte, war es
für ihn schon irgendwie in Ordnung, so wie es war. Er lebte ja so
gesund!
Die Erschöpfungszustände, die
keinen Raum mehr ließen für andere Aktivitäten neben Studium
bzw. Beruf, die depressiven Stimmungen und all die anderen Mißlichlkeiten
hat Robert als normal empfunden. Durch das langsam schleichende Auftreten hatte
ein Gewöhnungsprozeß stattgefunden.
Im Jahre 1989 las Robert in einer
Zeitschrift, die sich mit Gesundheitsproblemen befaßte, eine Artikelreihe
über die Gefährlichkeit von Amalgam. Nachdem er die ersten zwei
Artikel ersteinmal übergangen hatte ("geht mich nichts an"), wurde er beim
dritten Artikel doch aufmerksam und las dann die ganze Abhandlung. Er erschrak
darüber, als er erfuhr, daß Amalgamfüllungen Quecksilber
enthalten. Die Tatsache, daß Quecksilber ein hochgiftiges Material ist,
war ihm schon länger bekannt (z.B. Gefährlichkeit eines zerbrochenen
Fieberthermometers). Sein Hausarzt, der ihn bereits seit einigen Jahren wegen
der schon beschriebenen haut- und Magenprobleme behandelte, äußerte,
als Robert ihn auf das Thema Amalgam ansprach: "Ja, das kann schon sein,
vielleicht kommen daher Ihre Magenbeschwerden- aber von der Thematik verstehe
ich leider nichts, da gehen Sie besser zu Dr. Daunderer, das ist ein
Toxikologe, der sich speziell mit dieser Thematik befasst."
Kurz darauf war Robert Teilnehmer eines
Treffens des Münchner Quecksilberkreises von Frau Ellen Carl, bei dem er
eine Liste mit Symptomen der Amalgamvergiftung erhielt. Beim Lesen
wurde ihm bewußt, wie viele der aufgezählten Symptome für ihn
zutrafen. Durch das Informationsmaterial und die Beratung erfuhr er über
die notwendigen Maßnahmen zur Entfernung des Amalgams und zur Entgiftung
des Körpers.
Im Herbst 1990 erfolgte dann der erste
Schritt: das Herausbohren aller Amalgamfüllungen. Die Arbeiten ließ
er bei dem Zahnarzt machen, der ihm die Füllungen verpaßt hatte.
Dieser erklärte sich bereit, einen Kofferdam zu verwenden. Leider hatte er
keine Erfahrung in der Anwendung dieses Schutzes und konnte ihn nicht
sachgerecht anbringen. Also wurden die Füllungen nur unter normalem
Absaugen entfernt, eine Tatsdache, die sich später als großer Fehler
herausstellen sollte. In vier Sitzungen wurden die Amalgamfüllungen durch
lichtgehärteten Kunststoff ersetzt.
Daß das Amalgam die Ursache
für die bestehenden Gesundheitsprobleme war, zeigte sich bereits in den
Wochen nach dem Entfernen der letzten Füllungen. Die Hauterkrankungen
besserten sich eutlich, obwohl das Medikant Perenterol abgesetzt wurde.
Deutlich besserten sich auch die Magenempfindlichkeiten. Weiterhin bestehen
blieben jedoch noch die Erschöpfungszustände und die
Depressivität. Die Erschöpfung wurde nach dem Herausbohren des
Amalgams noch erheblich schlimmer, ein 15-minütiger Spaziergang hatte
bereits ein völliges Erledigtsein zur Folge. Dies ist wohl als Resultat
der zusätzlichen Giftaufnahme des Körpers durch die
Amalgamentfernung ohne Schutzmaßnahmen anzusehen.
Geradezu sehnsüchtig erwartete
Robert den ersten Termin der Entgiftungsbehandlung mit DMPS, in der Hoffnung,
daß die noch bestehenden Beschwerden endlich Besserung erfahren
würden. Im Frühjahr 1991 war es dann soweit- aber die Erwartungen
wurden zunächst einmal enttäuscht. An den gesundheitlichen
Beschwerden änderte sich ersteinmal nichts. Laut Laborergebnis wurde
hauptsächlich Kupfer aber kaum Quecksilber ausgeschieden. Ersteres wird an
DMPS bevorzugt gebunden; erst nach weiteren Spritzen, wenn die Kupferdepots
witer abgebaut worden sind, kann das Quecksilber in größeren
Maß ausgeschieden werden.
In der darauffolgenden Zeit wurde im
Abstand von 3-8 Wochen die Behandlung mit DMPS wiederholt. Bei der dritten
Spritze war dann endlich der Erfolg spürbar! Die Depressivität
besserte sich wesentlich; Robert hatte seit langem wieder das Bedürfnis,
sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Überhaupt verspürte er
mehr Lebensenergie.
Nach etwa 2 Monaten schlichen sich jedoch
wieder die alten Symptome ein; die neugewonnene Lebensqualität ging
langsam wieder verloren. Dies war Anlaß, wieder eine DMPS-Spritze zu
bekommen. Die Wirkung war wieder unmittelbar positiv.
Wie geht es Robert heute?
Nach der Entgiftungsbehandlung mit DMPS
und gelegentlicher Einnahme von DMSA kann er sagen "es geht mir gut",
allerdings unter bestimmten Bedingungen: Eine regelmäßige
Lebensführung, gesunde Ernährung und viel Schlaf sind notwendig, um
das Wohlbefinden zu erhalten. Dies empfindet er aber nicht als großes
Problem. Die Erfahrung mit der Amalgamvergiftung hat ihn gelehrt, daß mit
der Beschränkung auf die wesentlichen Dinge ein durchaus glückliches
Leben mit Qualität geführt werden kann. |