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  Marc Scheider Schneider
Die Zeitbombe

Ein Fall von vielen: Robert, Jahrgang 1965

Robert, Jahrgang 1965:Ständige Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Akne und eitrige Abszesse, Magenbeschwerden, Depressivität

Robert erhielt die ersten Amalgamfüllungen im Alter von 8 Jahren, bis zum 12. Lebensjahr waren es dann insgesamt 10 Amalgamfüllungen. Diese wurden in den folgenden Jahren regelmäßig erweitert und vergrößert.

In der Jugendzeit war Robert von Akne geplagt, aber sicher nicht mehr oder weniger als viele andere Jugendliche. Gelegentliche Versuche der dermatologischen Behandlung waren praktisch umsonst. Mit etwa 17 Jahren erfolgten weitere umfangreiche Amalgamversorgungen in drei Zahnarztsitzungen. Die vorhandenen Füllungen wurden größtenteils ausgetauscht bzw. wegen Karies erweitert. Danach waren praktisch alle Backenzähne großflächig gefüllt.

Der Beginn der gesundheitlichen Probleme kann mit dem 20. Lebensjahr festgelegt werden. Zu dieser Zeit begann Robert ein technisches Studium, das er zwar ohne größere Probleme bewältigen konnte, doch sein Gesundheitszustand, der sich langsam und schleichend zu verschlechtern begann, machte ihm zunehmende Probleme. Dies zeigte sich in verschiedenen Erscheinungen:

Das Schlafbedürfnis wurde immer größer: Wo er mit 20 noch des öfteren bis morgens um drei Uhr in einem Tonstudio jobbte, mußte er drei Jahre später schon um neun Uhr abends ins Bett, um am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen zu sein. Das Schlafbedürfnis nahm noch weiter zu, so daß er zuletzt bereits um 20 Uhr todmüde und erschöpft ins Bett fiel und morgens trotzdem sich nicht besonders erholt wieder aus den Federn quälte. Eine Begebenheit mag diese abendliche Erschöpfung anschaulich machen: Um sein Schlafsofa als Bett herzurichten, mußte er das Leintuch über die Matratze breiten und den überstehenden Stoff rundherum unter die Matratze stecken. War diese Tätigkeit früher etwas, worüber er überhaupt nicht nachdachte, empfand er diese "Arbeit" schließlich als so mühevoll, daß er irgendwann nur noch das Tuch über die Matratze warf, um dann völlig fertig ins Bett zu fallen. Dies wohlgemerkt ohne etwas besonderes geleistet zu haben, außer einen halben Tag Vorlesungen zu hören!

Zur schon bestehenden Akne kamen weitere Hautprobleme hinzu. Immer wieder bildeten sich eitrige Abszesse im Gesicht und am Rücken. Der naturheilkundlich orientierte Hausarzt diagnostizierte eine Störung der Darmflora. Die Behandlung mit Perenterol brachte, solange es eingenommen wurde, eine gewisse Besserung. Eine immer stärkere Magenempfindlichkeit stellte sich ein. Dies ging so weit, daß bereits eine Tasse nicht besonders starken Kaffees starke Magenschmerzen auslöste.

Roberts psychische Verfassung verschlechterte sich ebenfalls ständig. Immer öfter, zuletzt eigentlich ständig, war seine Stimmung depressiv, verbunden mit Reizbarkeit ohne jeglichen äußeren Anlaß. Obwohl ihm die Situation bewußt war, konnte er die negativen Gefühle kaum beeinflussen. Dazu kam eine zeitweise Gleichgültigkeit; weder schöne Dinge noch traurige Anlässe konnten eine nennenswerte Gemütsregung auslösen. All das konnte er lediglich als außenstehender Beobachter an sich selbst wahrnehmen, er war jedoch unfähig, etwas daran zu ändern.

Diese Erscheinungen, die man ja nicht direkt als krank, aber auch nicht als gesund bezeichnen kann, waren Robert einerseits bewußt, wurden von ihm aber auch nicht richtig registriert. Da er seit seinem 20. Lebensjahr auf gesunde Lebensweise achtete, nicht rauchte, kaum Alkohol zu sich nahm, gesunde Ernährung berücksichtigte, war es für ihn schon irgendwie in Ordnung, so wie es war. Er lebte ja so gesund!

Die Erschöpfungszustände, die keinen Raum mehr ließen für andere Aktivitäten neben Studium bzw. Beruf, die depressiven Stimmungen und all die anderen Mißlichlkeiten hat Robert als normal empfunden. Durch das langsam schleichende Auftreten hatte ein Gewöhnungsprozeß stattgefunden.

Im Jahre 1989 las Robert in einer Zeitschrift, die sich mit Gesundheitsproblemen befaßte, eine Artikelreihe über die Gefährlichkeit von Amalgam. Nachdem er die ersten zwei Artikel ersteinmal übergangen hatte ("geht mich nichts an"), wurde er beim dritten Artikel doch aufmerksam und las dann die ganze Abhandlung. Er erschrak darüber, als er erfuhr, daß Amalgamfüllungen Quecksilber enthalten. Die Tatsache, daß Quecksilber ein hochgiftiges Material ist, war ihm schon länger bekannt (z.B. Gefährlichkeit eines zerbrochenen Fieberthermometers). Sein Hausarzt, der ihn bereits seit einigen Jahren wegen der schon beschriebenen haut- und Magenprobleme behandelte, äußerte, als Robert ihn auf das Thema Amalgam ansprach: "Ja, das kann schon sein, vielleicht kommen daher Ihre Magenbeschwerden- aber von der Thematik verstehe ich leider nichts, da gehen Sie besser zu Dr. Daunderer, das ist ein Toxikologe, der sich speziell mit dieser Thematik befasst."

Kurz darauf war Robert Teilnehmer eines Treffens des Münchner Quecksilberkreises von Frau Ellen Carl, bei dem er eine Liste mit Symptomen der Amalgamvergiftung erhielt. Beim Lesen wurde ihm bewußt, wie viele der aufgezählten Symptome für ihn zutrafen. Durch das Informationsmaterial und die Beratung erfuhr er über die notwendigen Maßnahmen zur Entfernung des Amalgams und zur Entgiftung des Körpers.

Im Herbst 1990 erfolgte dann der erste Schritt: das Herausbohren aller Amalgamfüllungen. Die Arbeiten ließ er bei dem Zahnarzt machen, der ihm die Füllungen verpaßt hatte. Dieser erklärte sich bereit, einen Kofferdam zu verwenden. Leider hatte er keine Erfahrung in der Anwendung dieses Schutzes und konnte ihn nicht sachgerecht anbringen. Also wurden die Füllungen nur unter normalem Absaugen entfernt, eine Tatsdache, die sich später als großer Fehler herausstellen sollte. In vier Sitzungen wurden die Amalgamfüllungen durch lichtgehärteten Kunststoff ersetzt.

Daß das Amalgam die Ursache für die bestehenden Gesundheitsprobleme war, zeigte sich bereits in den Wochen nach dem Entfernen der letzten Füllungen. Die Hauterkrankungen besserten sich eutlich, obwohl das Medikant Perenterol abgesetzt wurde. Deutlich besserten sich auch die Magenempfindlichkeiten. Weiterhin bestehen blieben jedoch noch die Erschöpfungszustände und die Depressivität. Die Erschöpfung wurde nach dem Herausbohren des Amalgams noch erheblich schlimmer, ein 15-minütiger Spaziergang hatte bereits ein völliges Erledigtsein zur Folge. Dies ist wohl als Resultat der zusätzlichen Giftaufnahme des Körpers durch die Amalgamentfernung ohne Schutzmaßnahmen anzusehen.

Geradezu sehnsüchtig erwartete Robert den ersten Termin der Entgiftungsbehandlung mit DMPS, in der Hoffnung, daß die noch bestehenden Beschwerden endlich Besserung erfahren würden. Im Frühjahr 1991 war es dann soweit- aber die Erwartungen wurden zunächst einmal enttäuscht. An den gesundheitlichen Beschwerden änderte sich ersteinmal nichts. Laut Laborergebnis wurde hauptsächlich Kupfer aber kaum Quecksilber ausgeschieden. Ersteres wird an DMPS bevorzugt gebunden; erst nach weiteren Spritzen, wenn die Kupferdepots witer abgebaut worden sind, kann das Quecksilber in größeren Maß ausgeschieden werden.

In der darauffolgenden Zeit wurde im Abstand von 3-8 Wochen die Behandlung mit DMPS wiederholt. Bei der dritten Spritze war dann endlich der Erfolg spürbar! Die Depressivität besserte sich wesentlich; Robert hatte seit langem wieder das Bedürfnis, sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Überhaupt verspürte er mehr Lebensenergie.

Nach etwa 2 Monaten schlichen sich jedoch wieder die alten Symptome ein; die neugewonnene Lebensqualität ging langsam wieder verloren. Dies war Anlaß, wieder eine DMPS-Spritze zu bekommen. Die Wirkung war wieder unmittelbar positiv.

Wie geht es Robert heute?

Nach der Entgiftungsbehandlung mit DMPS und gelegentlicher Einnahme von DMSA kann er sagen "es geht mir gut", allerdings unter bestimmten Bedingungen: Eine regelmäßige Lebensführung, gesunde Ernährung und viel Schlaf sind notwendig, um das Wohlbefinden zu erhalten. Dies empfindet er aber nicht als großes Problem. Die Erfahrung mit der Amalgamvergiftung hat ihn gelehrt, daß mit der Beschränkung auf die wesentlichen Dinge ein durchaus glückliches Leben mit Qualität geführt werden kann.

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