Dass China angesichts des rasanten Wirtschaftswachstums
einen schier unstillbaren Hunger nach Rohöl hat, ist inzwischen
altbekannt. Weniger bekannt sein dürfte dagegen die Tatsache, dass das
Land unter einer dramatisch zunehmenden Wasser-Knappheit leidet. Die rasche
Industrialisierung und exzessive Landwirtschaft führen zu einer
ständig steigenden Wasser-Nachfrage. Und das wiederum lässt eine
ganze Reihe ernsthafte Probleme zutage treten.
Erstens: Die begrenzten Ressourcen. Die jährlich zur
Verfügung stehende Menge an Wasser taxieren Experten auf 2,8 Billionen
Kubikmeter. Das ist nicht schlecht, denn China weist die
viertgrößten Wasserreserven der Welt auf. Aber: Die Wasser-Reserven
pro Kopf liegen bei gerade einmal 2.200 Kubikmeter. Und das liegt 75 Prozent
unter dem internationalen Durchschnitt und bedeutet Platz 88 in der Welt.
Zweitens: Die ungleiche Wasserverteilung. Der Süden
Chinas ist relativ gut mit Wasser versorgt. Der Norden dagegen liegt in der
Wasser-Versorgung 90 Prozent unter dem weltweiten Schnitt und 80 Prozent unter
dem Niveau von Südchina.
Drittens: Die massive Umweltverschmutzung.
Schätzungen zufolge sind 70 Prozent der gesamten chinesischen
Wasservorkommen kontaminiert und weder als Trinkwasser noch als Lebensraum
für Fische geeignet. Besonders verheerend ist die Situation in den
ländlichen Gebieten, wo 80 Prozent des Wassers ungenießbar sind.
Viertens: Massive Verschwendung von Wasser. Trotz der
ernsthaften Wasserknappheit wird mit Wasser verschwenderisch umgegangen. Dies
insbesondere im Agrarbereich, der für 70 Prozent des Wasserbrauchs
verantwortlich ist. Aber auch im Industriesektor (20 Prozent Anteil am
Wasser-Verbrauch) macht man sich nicht viele Gedanken. Die Deutsche Bank hat
berechnet, dass China die 7- bis 15-fache Wassermenge der westlichen
Industrieländer benötigt, um eine Einheit am Bruttosozialprodukt zu
produzieren.
Fünftens: Zunehmende Trockenheit. Abgesehen von den
Küstenregionen gibt es derzeit kaum ein Gebiet in China, das nicht
mehrmals jährlich unter starker Trockenheit leidet. Als Folge davon
breiten sich im Norden die Wüsten immer weiter aus, im Süden wird der
Wasserverbrauch eingeschränkt. Was angesichts dieser Schwierigkeiten aber
am meisten verwundert: Wasser ist in China so billig wie kaum irgendwo auf der
Welt.
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