Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust..." (Goethe:
Faust)
Meine Reise in die Spiegelsphäre von Stephan
Bamberg, August 2005
Ich habe gerade eine Lebensreise hinter mir, bei der
mir im wahrsten Sinn des Wortes die Augen aufgingen. Mir wurde einer
der am schwersten durchschaubaren Irrtümer, welchem man als
Mensch im Erdenleben begegnen kann, deutlich vor Augen
geführt.
- Grundlagen zur Unterscheidungsschulung -
Viele Menschen befinden sich auf dem geistigen Pfad mit dem Wunsch zur
Selbstverwirklichung oder Erleuchtung. Oft werden hierzu auch verschiedenste
Meditationstechniken praktiziert. Was passiert nun im Bewußtsein eines
Menschen, der solche Meditationsübungen durchführt? In welche
Bewusstseinsebenen gelangt er?
Meditation kann als Hinwendung zu einem höheren
Prinzip, um mit geistigen Kräften in Kontakt zu kommen, verstanden werden.
Dies läuft hauptsächlich auf seelischer Ebene ab, denn die Seele
steht zwischen dem Geist und dem Körper des Mikrokosmos Mensch.
Nun wirken im Menschen aber zwei Seelen: Eine aktive
sterbliche Seelenhülle und eine latente göttliche Seele, welche im
göttlichen Geistfunken im Herzen verborgen liegt. Je nach dem, auf welche
Seele man seine Ausrichtung legt, gelangt man zu völlig unterschiedlichen
Resultaten, denn diese zwei Seelen gehören zwei vollkommen verschiedenen
Bereichen an. Die sterbliche Seelenhülle entstand aus der
vergänglichen Welt und enthält die karmischen Belastungen,
während die göttliche Seele aus unserer ursprünglichen
göttlichen Lichtnatur stammt. Die meisten Menschen wissen nicht, dass
sie durch eine sterbliche Selenhülle beherrscht werden, während die
göttliche Seele zunächst noch eingekapselt im göttlichen
Geistfunken im Herzen des Mirkokosmos Mensch erst noch erweckt werden muss.
Geschieht dies, ist die geistige Wiedergeburt eingeleitet und der Mensch bewegt
sich wieder in Richtung seiner ursprünglichen Bestimmung im Leben seiner
göttlichen Lichtseele.
Aus der ursprünglichen Ordnung aus Gottes Geist,
ursprünglicher Seele und göttlicher Offenbarungsform wurde in der
Abtrennung von Gott die Dreiheit aus Höherem Selbst (!), sterblicher
Seelenhülle und der entsprechend sich aus den Inspirationen durch das
Höhere Selbst sich entwickelnden Persönlichkeit. Dieses Höhere
Selbst stellt also beim agieren über die sterbliche Seelenhülle den
Geist" des von Gott abgetrennten Menschen dar. Somit wird klar, dass
über das Höhere Selbst niemals eine Verbindung mit dem Geist Gottes
hergestellt werden kann.
Weil die Menschen diese Zusammenhänge nicht kennen,
halten sie die sterbliche Seelenhülle für den Vermittler zu Gottes
Geist und glauben mit Ihm Kontakt aufnehmen zu können durch deren bewusste
Aktivierung. Und so kommt es zu einem weiteren folgenschweren Fehlschluss, wenn
angenommen wird, dass die geistigen Kräfte irgendwo im
Unterbewußtsein zu finden sein müssen. Über das
Unterbewußtsein erhält der Mensch Zugang zu allen Erfahrungen aller
Inkarnationen seit dem Sündenfall. Man ist über das
Unterbewußtsein sowohl mit den individuellen als auch mit den Erfahrungen
aller Menschen verbunden. In ihm sind z.B. karmische Bindungen, verdrängte
Probleme, Überlebensstrategien und angesammelte Begabungen enthalten. Die
karmischen Bindungen formen das Schicksal des Menschen (Karma (Sanskrit)
bedeutet Handlung, bezeichnet hier das Gesetzt von Was du säst wirst
du ernten"). Da das Unterbewußtsein auch mit dem Erfahrungsschatz der
gesamten Menschheit verbunden ist, formten die Psychologen hier den Begriff
kollektives Unterbewußtsein". Dieses Unterbewußtsein stellt
den wesentlichen Teil der feinstofflichen Sphäre der sterblichen
Seelenhülle dar.
Durch diesen enormen Erfahrungsschatz ist das
Unterbewußtsein viel intelligenter als das normale Wachbewußtsein
und wird deshalb in der Esoterikszene sehr oft mit Höherem Selbst
bezeichnet, während der Mensch im normalen Wachbewußtsein im
niederen Selbst ist. Die Vermittlung der sterblichen Seelenhülle
findet also zwischen diesen beiden Bewußtseinsebenen statt.
Viele Meditationsübungen führen zu einer
Verbindung mit dem höheren Selbst, gefördert durch den eigenen Wunsch
nach Selbstverwirklichung und Erleuchtung. Das ganze System des Menschen wird
dadurch empfindlich für das Channeling" der sterblichen
Seelenhülleso dass der Mensch auch allen Einflüssen des individuellen
und kollektiven Unbewußten ausgesetzt ist.
Die Aktivierung der göttlichen Geistseele geschieht
durch eine konkrete Lebensumkehr, wodurch das Körpersystem des Menschen
Stück für Stück vor den Einflüssen gegenüber der
sterblichen Seelenhülle verschlossen wird. Da jedoch sein Geistfunken im
Herzen noch nicht erwacht ist, kann er die Quellen, aus denen er schöpft
noch nicht unterscheiden. Da er bei einer Öffnung zum
Unterbewußtsein durch den dann stattfindenden Zufluss noch unbekannter
Kräfte einen Lustgewinn und gesteigerte Lebensfreude erlebt, möchte
er oft auch gar nicht so genau diese Quellen unterscheiden lernen. Das
Höhere Selbst kann sehr geschickt das Ich des Menschen dazu verführen
das Warum solcher Erfahrungen nicht kritisch zu hinterfragen. Das Ich wird
immer mehr darauf programmiert, Spannungen und Frustrationen zu vermeiden, um
das Leben ungestört genießen zu können.
Da der Mensch in einer Welt der Gegensätze lebt, die er
in seinem von Gott abgetrennten Bewußtsein nicht zu vereinen vermag, ist
er ständig widersprüchlichen Einflüssen ausgesetzt, die er als
Spannung und Stress empfindet. Auch wird er in dieser Welt ständig
aufgefordert eine Wahl zu treffen. Vom Höheren Selbst fließen hierzu
Verhaltensstrategien zur Selbstbehauptung und Charakterbildung wie auch
religiöse und moralische Normen ein. Aber immer wieder spricht durch diese
so vom höheren Selbst geführte Persönlichkeit die Stimme des
Gewissens und fordert den Menschen auf, endlich aufzuwachen und die Anbindungen
an das Höhere Selbst zu durchtrennen: Kehre um in deinem Leben,
höhere auf meine Stimme!"
Dadurch, dass diese Stimme immer wieder erklingt und der
Mensch auch durch leidvolle Erfahrungen geht, wird verhindert, dass er sich
vollends an die Materie verliert. Krankheit, Leid und Tod stellen notwendige
Heilmittel göttlicher Gnade dar, um den Mensch aus festgefahrenen
Verhaltensweisen befreien zu können. Durch diese notwendige Leiderfahrung
und den Ermahnungen aus dem Geistfunken wird dem Menschen mitgeteilt, dass die
Welt der Vergänglichkeit nicht sein eigentliches Zuhause ist.
All diese Erfahrungen sind natürlich für die
Persönlichkeit sehr unbequem und möchten vermieden werden. Das
gleiche Bestreben hat auch die egozentrische Kraft des höheren Selbst.
Dieser Kraft entzieht der Mensch den Nährboden, wenn er den
Erlösungsweg geht. Um den Menschen davon möglichst lange abzuhalten
suggeriert das höhere Selbst der Persönlichkeit, das es das wahre
Licht sei und der Stress und alle Probleme ein Ende haben, wenn man sich ganz
in ihm verliert Komm in meine Arme, hier findest du Frieden, Macht und
ewiges Leben" verspricht es fortdauernd der Persönlichkeit.
In vielen Mythen und Legenden werden diese Verlockungen
aus dem Unterbewußtsein beschrieben. Dort ist das Wasser oder Meer Symbol
für das Unterbewußtsein. In vielen Meerfahrt-Mythen wird die
sinnbildliche Überwindung und Beherrschung des Unterbewußtseins
(Meer) durch das Wachbewußtsein (den Helden) dargestellt. So wird
Odysseus zum Helden, indem er dem Gesang der Sirenen widersteht, welche ihn in
die Tiefe locken wollen. Auch bei Jesus Christus
kennen wir die Szene, wo er über das Wasser ging. Er zeigt, dass er das
Element Wasser vollkommen beherrscht, indem er nicht nur über das Wasser
geht, sondern auch den Sturm zum erliegen bringt. Das gelingt ihm nur, weil er
völlig im Einklang mit dem Willen Gottes ist.
Breuer, Wolfgang W. (1895-1927), Das Wunder, Christus über das Wasser
wandelnd Der Mensch, der sich durch die Sirenentöne" aus
dem Unter-bewußtsein verführen lässt, wird zum Opfer seiner
falsch verstandenen Ich-Versenkung, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Beim
Menschen wirkt das Wachbewußtsein als schützende Schwelle zum
Unterbewußtsein. Diese Schwelle wird durch Meditationstechniken (auch
z.B. Drogen haben diese Wirkung) Stück für Stück herabgesenkt
und in den fortgeschrittenen Stadien sogar zerstört. Auf diese Weise
fährt man dann wie in einem Fahrstuhl durch die feinstofflichen Stockwerke
durch die individuellen und kollektiven Ebenen des Unterbewusstseins.
Die in der Meditation verwendeten Mantren und Formeln dienen
dabei als Schlüssel zum Öffnen der Türen". Wie ich selbst
erlebte verankern sich diese Mantren regelrecht in der Aura des Menschen, so
das die Sphäre des höheren Selbst einen ständigen Kanal zum
Menschen aufbauen kann. Dadurch wird der Mensch zunächst
tröpfchenweise, später aber sintflutartig mit noch unbekannten
Kräften überschwemmt. Als Wirkung hierauf kann er dann z. B.
Stimulierung von Sexualität und schöpferischer Aktivität,
Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit erleben. Die Erlebnisse können
außerordentlich schön und erhaben und lichtvoll sein. Mit dem
Meditationsfahrstuhl kann man sich unter Umständen in phantastische
Höhen, in strahlende Räume mit nie zuvor geschauten überirdisch
anmutenden Farben und Tönen befördern lassen. Man kann sogar
engelgleiche, liebeausstrahlende Wesen wahrnehmen. Diese Sphären werden
als der Himmel dieser Welt bezeichnet und der Ausdruck Spiegelsphäre
für diese Ebene wird nun verständlich, da sie dem Menschen den reinen
göttlichen Himmel vorspiegeln sollen, um ihn massiv zu täuschen. Man
kann dort unaussprechliches Glück erleben und in tiefer Zufriedenheit von
seiner Reise zurückkehren. (Ein gutes Anschauungsbeispiel ist hierfür
Sri Chinmoy. Siehe z.B. diesen Bericht:
http://www.agpf.de/Chinmoy-Ex.htm#SexwithGhose )
Ich selbst meditierte viele Jahre lang nach der
Mantrameditation des Maharishi Mahesh Yogi, der Transzendentalen Meditation,
kurz TM genannt. Als ich 1979 nach Selisberg zu Maharishi reiste, erlebte ich
etwas sehr Eindrückliches. Den ganzen Tag hatte ich sehnsüchtig
darauf gewartet, Maharishi sehen zu können. Als er dann am Fenster
erschien, öffnete sich bei mir von einer Sekunde auf die andere der Zugang
zum Unterbewußtsein und ich hatte das Gefühl, alle Menschen dieser
Erde wahrzunehmen. Eine Flut von Eindrücken stürmte auf mich ein. Ein
sehr schönes angenehmes Gefühl ging mit dieser Erfahrung einher. Nach
ca. 1 ½ Stunden kehrte ich allmählich wieder ins Normalbewusstsein
zurück.
Damals nahm ich an, ich hätte eine Erfahrung des von
Maharishi definiertem kosmischen Bewusstseins gemacht. Ab ca. 1993 hörte
ich auf TM zu praktizieren und sah dann im weiteren Verlauf diese Meditation
als eine Art Gehirnwäsche an, welche den Menschen daran hindert seine
karmischen Belastungen wirklich zu erlösen. Die Erfahrung die ich 1979
gemacht hatte interpretierte ich aber immer noch als ein natürliches
erstrebenswertes Erlebnis erweiterten Bewusstseins. In diesem Jahr 2005 kam in
mir der tiefe Wunsch auf, mein ganzes Leben mit all seinen Erlebnissen noch
einmal tief zu hinterfragen. Immer wieder betete ich zu Jesus: Bitte
befreie mich von allem Irrtum". Im Rückblick erkenne ich jetzt, wie ich
noch einmal durch Situationen geführt wurde, um in mir alle Andockpunkte
an das Höhere Selbst bewusst zu machen, damit ich mich davon lösen
konnte.
Ich machte zunächst quasi noch einmal einen Schritt
zurück und nahm jetzt wieder an, dass die Transzendentale Meditation auch
ein Hilfsmittel sei, um in das allumfassende Ganzheitsbewusstsein zu kommen.
Auch die von Maharishi beschriebenen Bewusstseinszustände des
transzendentalen Bewusstseins, kosmischen Bewußtseins, Gottesbewusstseins
und Einheitsbewußtseins nahm ich als die natürliche
Höherentwicklung des menschlichen Geistes an, wo sie doch in Wirklichkeit,
wenn man den Pfad von Maharishi nachfolgt, die immer stärkere Anbindung an
das Höhere Selbst sind. Wenn sich diese Bewusstseinszustände aus dem
göttlichen Geistfunken heraus entwickeln beschreiben sie tatsächlich
den voll ausgebildeten Menschen. Aber dazu muss ein völlig anderer Weg
beschritten werden, welcher in den weiteren Ausführungen erkennbar wird.
Ich wollte nun herausfinden, welche Wirkung die Mantren denn
nun tatsächlich haben und begann noch einmal TM auszuüben. Allerdings
bat ich Jesus um Seinen Schutz und begab mich innerlich an Seine Hand zur
Führung. Meine erste Erfahrung war, dass ich nun viel klarer meditieren
konnte als früher und wie das Mantra mir sehr mächtig Zugang zu
höheren Bewußtseinsebenen" erschloss, so dass ich auch
während des normalen Tagesablaufs diese höhere Wahrnehmung"
nicht mehr verlor. Als Folge wurde nun aber mein Denken Stück für
Stück verdreht, ohne das ich das merkte. Ich begann sogar Menschen, welche
wirklich schon die innere Führung durch den göttlichen Geistfunken in
sich erschlossen hatten, als auf dem falschen Weg befindlich zu beurteilen in
der vollsten inneren Überzeugung. Mein Weg führte mich hart an den
Abgrund, wie ich heute erkennen darf. Es hätte auch nicht mehr viel
gefehlt, dann wäre es zur Trennung mit meiner Frau gekommen.
Was dann geschah, kann ich heute nur als große
göttliche Hilfe dankbar verstehen. Ich hatte in dieser Zeit einen Menschen
kennengelernt, welcher sich ebenfalls schon sehr lange mit vielen geistigen
Themen befasst hatte. Gerade zu dem Zeitpunkt wo die Situation mit meiner Frau
zu eskalieren drohte, da sie nicht mehr verstehen konnte wie ich nun wieder so
manches hochhielt, was ich doch bereits zuvor als Irrweg erkannt hatte,
besuchte mich mein Bekannter. Und dann begann er zu sprechen. Er selbst
spürte dabei eine gesteigerte Wachheit und das Gefühl ganz innerlich
inspiriert zu sprechen. Auch ich hörte ihm mit ganz wacher Aufmerksamkeit
zu. Er sprach von den zwei Seelen und den Erfahrungen, die man in der
Spiegelsphäre machen kann. Augenblicklich hatte ich das Gefühl, als
wenn ich aus einer tiefen geistigen Umnachtung aufwachen würde und mein
Denken eine größere Klarheit annahm. Mir wurde es nun Stück
für Stück klar, was mit mir geschehen war. Wäre ich diesen Weg
auch nur noch ein wenig weiter gegangen, wäre ich an das Höhere
Selbst so stark angebunden worden, dass ich da wohl so leicht nicht mehr
herausgekommen wäre, wer weiß, ob es mir in diesem Leben
überhaupt noch gelungen wäre. Heute sehe ich
es sehr deutlich, dass Maharishi Mahesh Yogi sehr stark an das höhere
Selbst angebunden ist und diesen Zustand in seiner großen Täuschung
als Einheitsbewußtsein beschreibt. Jetzt kann ich Jesus nur bitten, ihm
auch so wie mir zu helfen aufzuwachen, damit in ihm die göttliche
Geistseele sich entfalten kann.
Ich kann nun an mir beobachten, wie es mir immer besser
gelingt zu unterscheiden, aus welcher Sphäre die Inspirationen kommen. Es
gilt nun für mich, alle meine Erfahrungen vollständig Jesus zu
übergeben. Vor allen Dingen meinen Egowunsch nach Erleuchtung aufzugeben
und immer um Seine Führung zu bitten. Das sind die ersten Schritte zur
Erweckung unserer göttlichen Geistseele, welche dann durch Ihn entfaltet
wird. Der Schlüssel zur Entfaltung der göttlichen Geistseele,
der Wiedergeburt im Geiste, liegt in Christi Worten: Liebe Gott über alles
und Deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn wir die Dialektik (These,
Antithese, Synthese) auf die Liebe zu Gott anwenden wird es klarer:
Die erste Stufe, die wir im lebendigen Vorgang der Liebe
erleben ist diejenige, dass zunächst ein Liebender da sein muss, der zu
der Wahrnehmung seiner selbst kommt indem er sagt: ich bin. Diese Wahrnehmung
seiner Selbst ist also die Wahrnehmung seiner zunächst aktiven
Persönlichkeit, also seiner sterblichen Seelenhülle. Dies wäre
die Thesis im Gesamtgeschehen der Liebe.
Im zweiten Schritt geht der Liebende dann aus sich heraus,
indem er sich dem Geliebten hingibt, er entfremdet sich seiner selbst. Damit
beginnt er die erste Wahrnehmung seiner selbst zu negieren. Dies wäre die
Antithese. In der Liebe zu Gott geben wir uns Ihm ganz hin um in diesem
vollständigen hingeben sich erst selbst wieder zu haben und zu besitzen.
So wird die Negation in der Antithese wieder aufgehoben und
es kommt zur Synthesis, in der sich der Liebende gerade dadurch, dass er sich
ganz auf Gott einlässt und sich in ihm ganz verliert, gerade dadurch sich
eigentlich selbst wiederfindet. Wir erleben dann, dass Gott uns nicht
entgegengesetzt und eins mit unserem Wesen ist: wir sehen uns in Ihm und
dann ist Er doch wieder nicht wir ein Verstehen, welches uns als seine
Geschöpfe eines von Ewigkeiten her vollkommenen Gottes begreift, der uns
nach Seinem Bilde schuf. ____
Ein Mensch, der die wundervollen Erfahrungen, die das
höhere Selbst ihm zu bieten hat, erlebt hat, wird sich nicht so leicht
davon lösen wollen. Warum sollte er diese Erlebnisse auch für etwas
schlechtes halten? Warum sollte er nicht immer wieder diese Sphären
aufsuchen, um dort Regeneration zu erhalten oder sogar Zwiesprache mit seinem
Meister" anderen Adepten, Christus" oder sogar Gott" zu
halten? Warum sollte er diese Meditationstechniken nicht immer wieder anwenden,
wenn er sich danach doch viel ausgeglichener und liebevoller fühlt?
Der Mensch sollte dies deshalb nicht tun, weil er dadurch
nur um eine zeitliche Illusion reicher wird, die aber auf Kosten seiner
unsterblichen Geistseele geht. Durch das Annähern von höherem und
niederen Selbst kann man den Eindruck haben verdrängte Probleme
aufzuarbeiten mit dem Gefühl von Entspannung und Zufriedenheit. Die alten
Probleme kehren aber früher oder später zurück, da das Karma,
welches den Menschen unerbittlich vorwärtstreibt so natürlich nicht
erlöst werden kann. Im Gegenteil, durch die massive Täuschung die der
Mensch erlebt, verbunden mit den schönen Gefühlen, entfernt er sich
immer mehr von seinem Erlösungsweg. Die alten Probleme stellen sich
letztendlich in oft verschärfter Form wieder ein, wodurch die Not immer
größer wird. Die Persönlichkeit wird so begreifen müssen,
das alle diese Verhaltensweisen ihrer sterblichen Seelenhülle ihm nicht
wirklich weiterhelfen und er sich immer mehr von sich selbst entfremdet. Solang
die Persönlichkeit von sich und der Richtigkeit ihres Weges überzeugt
war, wurde auch die Herzensstimme kaum wahrgenommen. So kann jetzt der Mensch
zur Wandlung und vollständige Hingabe an Gott bereit werden, damit der
dialektische Prozess zur Entfaltung der Geistseele sich vollziehen kann.
Das höhere Selbst will sich aber nicht so schnell
geschlagen geben. Man beginnt zu erkennen, dass die einmal aufgebrochenen
Türen zum Unterbewußtsein nicht so ohne weiteres wieder geschlossen
werden können. So erlebte ich auch bei mir, dass mir das Mantra, also der
in der Meditation immer wiederholend gedachte Klanglaut, nicht mehr aus dem
Kopf gehen wollte. So versuchte das höhere Selbst sich weiterhin mit
diesem Schlüssel die Einflusstüre" offen zu halten. Erst als
ich mich vollständig Jesus übergab und ihn um Hilfe bat, wurde es
besser. Immer wenn sich mir das Mantra wieder aufdrängen wollte betete
ich: Jesus, Du bist der Schlüssel zum Leben!" Dadurch geschah es
dann wirklich, dass Er mein Leben wieder ordnete. Meine
Unterscheidensfähigkeit wurde wieder erweckt.
Durch die liebevolle Hingabe an Gott kann nun der
göttliche Geistfunken stärker in den Menschen ausstrahlen, wodurch
auch die Unterscheidungsfähigkeit wieder geweckt wird. Es ist ein
Gefühl, als wenn man beginnt sich selbst, d.h. seine Persönlichkeit,
die man bisher war aus einem Abstand heraus zu betrachten. Stück für
Stück lernt man immer deutlicher zu unterscheiden, welche Impulse vom
höheren Selbst und welche wirklich aus dem göttlichen Geistfunken im
Herzen kommen. Man lernt die feinen aber entscheidenden Unterschiede dieser vom
höheren Selbst errichteten Scheinerleuchtungsebene" in Bezug zur
wirklichen Gottesschöpfung kennen. Auch wird der Wunsch größer
wiedergutzumachen wo man bei Mitmenschen Verletzungen bewirkt hat, ja man
beginnt überhaupt diese Scherbenhaufen" die man die ganze Zeit
säte überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Man nimmt immer stärker
wahr, wie alle Menschen miteinander in Verbindung stehen und kommt so in das
wirkliche liebevolle Miteinander, was die Menschen wie ein großer
Körper zusammenarbeiten lässt.
Wenn man diese Hilfe nicht erfährt, kann es wirklich
heftig werden, denn durch die einmal geöffneten Türen zum
Unterbewußtsein können nun auch die dunklen und abgründigen
Seiten des individuellen und kollektiven Karmas auf uns hereinstürmen.
Dann ist der Mensch diesen vielfältigen Einflüssen hilflos
ausgeliefert. Hinzu kommt, dass die sterbliche Seelenhülle auf der
astralen Ebene der Spiegelsphäre oft orientierungslos ist, da sie dort
nicht ich" und du", nicht hier" und dort", nicht
wahr" und unwahr" unterscheiden kann. So wird der Mensch von der
astralen Flut hin und hergespült, solange er nicht von seiner Geistseele
geführt wird. Sri Chinmoy beschrieb diese Orientierungslosigkeit sehr
deutlich, wenn er aus seinen Samadhi-Erfahrungen zurückkehrte. Ein
deutliches Zeichen, dass auch er sich auf die Spiegelsphäre eingelassen
hat, wie das, wie mir jetzt immer mehr klar wird, bei den meisten
östlichen Meistern der Fall ist.
Wenn man sich durch die Meditation so für die
Spiegelsphäre geöffnet hat, kann der Mensch auch von
Spiegelsphären-Wesenheiten so getäuscht werden, dass er den Eindruck
hat mit Gott zusprechen. Diese Wesenheiten spielen ihm dann etwas vor, um die
durch Hochgefühle und Hingabe freigewordene Lebenskraft im Menschen
aufzusaugen.
So wird jetzt verständlich, dass auf dem Weg der
Meditationsübungen der Mensch anstelle zum Ursprung des eigenen Wesens nur
zum Ursprung des sterblichen Wesens, dem luziferischen Energiekörper des
von Gott abgefallenen Geschöpfes gelangt. Der göttliche Geist wird
auf diesem Wege nicht erreicht. Der Mensch verbindet sich makrokosmisch gesehen
mit dem Herrn dieser Welt". Damit lässt man sich auf Wesenheiten
ein, welche sich bewusst gegen Gott stellten, weil sie nach ihrem eigenen
Gutdünken herrschen wollten. Dieser Herr der Welt" ist dann der
wahre Meister" des Meditierenden. In dieser Vereinigung mit dem Herrscher
dieser Welt erhält die sterbliche Selenhülle ein pseudo-kosmisches
Bewußtsein. Es ist die Hochzeit mit dem Kerkermeister der Menschheit und
stellt somit ein gespenstisches Zerrbild der Wiedergeburt im Geiste, der
Hochzeit, welche die göttliche Seele mit dem Geist Gottes feiert dar.
Wer diese letzte Stufe dieses abwärts gerichteten Weges
erreicht hat, wird in diesem Erdenleben kaum noch eine Möglichkeit haben,
den Lebensweg zur Erweckung der göttlichen Geistseele zu finden und zu
gehen. Ein solcher Mikrokosmos Mensch kann in so erheblichen Umfang
geschädigt werden, dass ein neuer Schulungsweg notwendig wird.
Hierzu hatte ich 1993 eine entscheidende Erfahrung. Ich
hielt mich zu dieser Zeit in Indien bei Mata Amritanandamayi (Amma) in ihrem
Ashram auf (siehe hierzu auch den Artikel auf meiner Seite: Amma und
Kali": http://gandhi-auftrag.de/amma.htm ). Gerade war ich wieder beim Darshan
bei ihr gewesen. Unter Darshan versteht man in Indien das demütige unter
die Augen des Guru treten. Amma strich dabei über meinen Rücken und
murmelte mir ihr Ma, Ma, Ma..." ins Ohr. In meinem Zimmer legte ich mich
auf mein Bett und schloss die Augen. Ich spürte eine enorme Energie durch
meinen Körper fließen und sah, wie meine Energiezentren, die Chakren
weiß leuchteten. Ich nahm wahr, wie diese Energie nun wie in einem Sog in
Richtung Scheitelchakra hinaufzog. Ich hatte das Gefühl nun mit dieser
Energie reisen zu können in höchste Himmel" hinein, so wie das
die alten Yogis erlebt hatten. Aber an diesem Punkt sagte irgendetwas in mir
Halt". Ich setzte mich hin und der Gedanke kam in mir, mich jetzt nicht
mit dieser Energie hinaus zu katapultieren um himmlische Sphären" zu
besuchen, sondern im hier und jetzt zu bleiben und diese Energie in alle meine
Ängste zu leiten. Augenblicklich fühlte ich mich wie erwachend und
neugeboren. Ich hatte von diesem Moment an nicht mehr das Bedürfnis zu
Amma gehen zu müssen, da mir auf einmal klar wurde: Du hast doch in
dir, was du suchst, in deinem Herzen. Du musst doch nicht zu jemand andern
gehen um von ihm etwas erhalten wollen, was du bereits in dir hast".
Heute weiß ich dass ich damals intuitiv richtig
gehandelt und eine große Hilfe Gottes erfahren hatte. Wäre ich
damals dieser Energie nachgereist, wäre es wahrscheinlich genau zu dieser
Hochzeit mit dem Kerkermeister" gekommen, und mir wäre dieses
pseudo-kosmische Bewußtsein gegeben worden, eine Täuschung, aus der
ich schwerlich wieder heraus gefunden hätte, geschweige denn sie
überhaupt zu durchschauen. So ist mir heute klar, dass auch Amma stark an
diese Spiegelsphären-Wesenheiten (u.a. Kali) gebunden ist und von diesen
bereits dieses kosmische Bewußtsein" erhalten hat.
Aber wir können sicher sein, dass Gott in seiner barmherzigen
Liebe bis zum letzten alles versucht, um auch solche Seelen zum Erwachen zu
bringen. Oft werden im Sterbeprozess noch gewaltige Schritte vollzogen. Ich
erlebe es bei meiner Arbeit im Altenheim immer wieder, wie es eigentlich die
ganze Zeit darum geht, dass die gefallene Persönlichkeit eine
vollständige Kapitulation auf allen Ebenen ihrer unzulänglichen
Verhaltensweisen Hans Georg Leiendecker, Der
Tröster vollzieht, und sich so wie sie ist Gottes Hilfe
anvertraut. Bei vielen ist dieser Punkt erst durch einen oft sehr leidvollen
Prozess erreicht. Wenn an diesem Punkt sich der Mensch voll Vertrauen an Gott
wendet, kann die heilende Wandlung und Erweckung seiner Geistseele vollzogen
werden. So ist dieses erfahrene Leiden in Wirklichkeit unser größtes
Heilmittel in Situationen, wo wir uns hoffnungslos in unser gefallenes Ich
verstickt haben.
Der zu vollziehende Lernschritt wäre jetzt die
Überwindung der übersteigerten Ichbezogenheit, die so viele Menschen
haben. Die freiwillige Übergabe dieses Ichs an Gott führt den
Menschen in den Transformationsprozess der ihn wieder ganz und heil werden
lässt und über das Bewußtsein seiner Persönlichkeit
erhebt. Die Erweckung unserer
göttlichen Geistseele
Nicht als einer, der so klar und so licht ist und
alle Finsternis aus sich vertrieben hat, nimmt Gott dich an, sondern, so
wie du bist" Jeremiah Abrams, Connie Zweig, Die Schattenseite der
Seele", S. 128 Zitat aus: Anselm Grün,
Zerrissenheit", Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach
... Die Frage ist, wie wir aus diesem Zwiespalt
herauskommen können. Paulus stellt die bedrückende Frage: »Ich
unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib
erretten? « (Röm 7,24) Und er gibt selbst die Antwort: »Dank
sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! « (7,25) Aber wie ist das
zu verstehen, dass Christus mich von der inneren Zerrissenheit heilen soll?
Gibt er mir die Kraft, nun doch das zu tun, was ich will? Befreit er mich von
der Macht der Sünde? Für mich liegt die Antwort des Paulus in einem
zweifachen Weg. Der erste Weg besteht darin, dass ich die beiden oft genug
getrennten und nebeneinander liegenden Ichs zusammenbringe und einen Dialog
zwischen ihnen beginne. Paulus hat diesen Dialog in seinem Text schon
eröffnet. Er bringt die beiden Ichs ins Gespräch. Das bewahrt uns
davor, das gute und moralische Ich abzuspalten von dem bösen und
unmoralischen Ich. Es relativiert unser gutes Ich.
Der zweite Weg besteht nach Paulus darin, dass ich meine
Zerrissenheit Christus hinhalte, dass ich den Dialog zwischen den beiden Ichs
erweitere zu einem Dreiergespräch mit Jesus Christus. Vor Jesus Christus
kann ich meine Zerrissenheit eingestehen, ohne mich mit Schuldgefühlen zu
zerfleischen und ohne mich so unter Druck zu setzen, dass ich das böse Ich
unter allen Umständen töten muss. Paulus glaubt daran, dass mich der
Blick auf Jesus Christus zu meinem eigentlichen Wesen und zu meiner Ganzheit
führt. Wenn ich nur auf meine Zerrissenheit schaue, werde ich sie nie los.
Ich kann mich noch so anstrengen. Ich werde mit meinem Willen nicht erreichen,
dass ich alles tue, was ich als richtig erkannt habe. Ich kann auch Christus
nicht als die Kraftquelle benutzen, die mir die nötige Energie gibt, den
Zwiespalt zu überwinden.
Ich kann nur durch meine Zerrissenheit hindurch auf Jesus
Christus schauen, ich kann Ihm meinen Zwiespalt hinhalten. Dann erfahre ich
mitten im Zwiespalt, dass ich so sein darf, wie ich bin, auch mit meinen
Schattenseiten, auch mit meiner Unfähigkeit, das Gute zu tun. Der Blick
auf Jesus Christus führt mich zu mir selbst, zu meinem wahren Personkern.
Da erfahre ich Ganzheit. Denn die Liebe Christi umfasst beide Seiten in mir:
den Gerechten und den Sünder, den, der das Gesetz als gut erkannt hat, und
den, der immer wieder in die Sünde fällt und gegen das Gesetz
handelt.
Je mehr ich gegen meine Zerrissenheit ankämpfe, desto
weniger erreiche ich. Im Gegenteil, wenn ich gegen den inneren Zwiespalt
frontal vorgehe, dann wecke ich eine so starke Gegenkraft, dass ich ihr nicht
gewachsen bin. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich habe oft den Gedanken
gehabt, irgendwann werde ich doch alle meine Fehler überwunden haben.
Immer wieder habe ich mich geärgert, dass ich in die alten Fehler gefallen
bin. Nach jedem Rückfall habe ich mir vorgenommen, noch konsequenter zu
sein, noch besser im voraus zu überlegen, wann ich in Gefahr geraten
könnte, den Fehler zu wiederholen. Das hat zwar manches in mir bewirkt und
zum Besseren gewendet, aber trotzdem bin ich immer wieder in die Falle geraten.
Und dann ging der Ärger über mich erneut los. Ich habe mich selbst
beschuldigt, mich selbst abgelehnt und damit den Zwiespalt nur noch
vergrößert. Erst als ich mich dann in meiner Ohnmacht, den
Zwiespalt aus eigener Kraft zu überwinden, Gott hingehalten habe, habe ich
auf einmal einen tiefen inneren Frieden gespürt. Ich darf mich so, wie ich
bin, Christus hinhalten. Ich bin von Ihm ganz und gar geliebt, ganz und gar
angenommen. Das befreit mich von der inneren Zerrissenheit. Auf einmal erfahre
ich innere Klarheit und Einklang mit mir selbst. Ich kann mich in Gottes
barmherzige Arme fallen lassen und erfahre darin meine Ganzheit, mein Heil, die
Aufhebung der Zerrissenheit.
Der Blick auf Christus darf nicht zu einem Hinwegsehen
über die eigenen Schattenseiten werden. Sonst würde der Glaube dazu
missbraucht, der eigenen Wahrheit zu entfliehen. Paulus fordert uns mit seinen
Worten geradezu heraus, uns der eigenen Wirklichkeit zu stellen. Nur wenn wir
unsere Wahrheit Christus hinhalten, können wir uns langsam aussöhnen
mit all den Seiten, die uns gar nicht angenehm sind, mit unserer Ohnmacht, mit
unserem Unvermögen, das Gute zu tun, mit unseren Schattenseiten. Nicht
nur in der New-Age-Spiritualität, sondern auch in manchen christlichen
Kreisen ist es heute weit verbreitet, den Schatten zu leugnen oder zu
überspringen. In der Euphorie von Erleuchtung und Gotteserfahrung braucht
man sich seinen dunklen Seiten nicht zu stellen. Man meint, sie seien ein
für allemal durch Christus weggenommen. In der New-Age-Bewegung
»wird den Suchern häufig eingeredet, mit dem richtigen Lehrer und
den richtigen Praktiken könnten sie direkt zu den höheren
Bewußtseinsebenen vordringen, ohne sich erst mit ihren hässlichen
kleinen Schwächen und Verhaftungen befassen zu müssen.« (Die
Schattenseite der Seele, S. 123) Doch heute erleben wir, dass sich der
Schatten in diesen Bewegungen nur allzu deutlich erhebt. Da purzeln die Gurus
reihenweise von ihren Podesten, weil ihre menschlichen Schwächen eklatant
zum Vorschein kommen. »Manche >vollkommenen< Meister sind weithin
bekannt für ihre Wutausbrüche oder ihr autoritäres Gebaren.
Etliche >keusche< Super-Gurus sind in den letzten Jahren durch ihre
heimlichen sexuellen Beziehungen zu Schülerinnen in die Schlagzeilen
geraten. « (Ebd. S.130)
Paulus bewahrt uns vor einem allzu eiligen Schwärmen
von Erleuchtung und Christuserfahrung. Er weiß, dass er trotz seiner
Christusnähe oft nicht tut, was er will. Der Schatten bleibt auch nach der
Bekehrung noch wirksam. Manchmal möchten Menschen, die durch eine
spirituelle Bewegung Umkehr erfahren haben, allzu schnell ihre verletzte
Lebensgeschichte hinter sich lassen. Aber das führt nicht zur wirklichen
Verwandlung. Vielmehr werden sie ihre alten Muster auch auf ihren spirituellen
Weg mitnehmen.
Da gerät eine Frau, die von ihrem Vater entwertet
worden ist, wieder an einen Priester, der sie genauso entwertet. Das Muster der
Selbstbeschuldigung, das man als Kind benutzt hat, um sich vor der Strafe des
Vaters zu schützen, schleicht sich in das geistliche Tun ein. Man
zerfleischt sich mit Schuldgefühlen. Der Mangel an Selbstvertrauen
bestimmt auch die Beziehung zum geistlichen Begleiter. Man hört nur auf
ihn und überhört die eigenen Gefühle. Oder das mangelnde
Selbstvertrauen der Kindheit wird ersetzt durch ein übertriebenes
Sendungsbewußtsein, indem man sich über alle anderen stellt, weil
man ja zu den wenigen entschiedenen Christen gehört. Die nüchternen
Sätze des Paulus möchten uns davor schützen, unsere Bekehrung
und Erlösung allzu optimistisch zu sehen, als ob wir mit unserer
Lebensgeschichte nichts mehr zu tun hätten. Nur wenn wir unsere eigene
Geschichte mit ihren Verletzungen und Kränkungen in unsere Beziehung zu
Christus bringen, kann uns Christus von dem Zwiespalt heilen, in dem wir uns
auch nach intensiven Gotteserfahrungen und großartigen spirituellen
Erlebnissen immer noch befinden." (Zitat Ende)
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