: Erneut machte sich die FAZ zum Forum
eines Angriffs auf das Grundgesetz, diesmal aus der Feder des Berliner
Soziologen Alexander Schuller, der sich schon als Anhänger eines "Imperium
Americanum" outete. "Die Parteien entmündigen das Parlament: Sie sind kein
Bollwerk, sondern eine Bedrohung der Demokratie. Ein starker Präsident tut
not", lautet die Überschrift eines in der FAZ-Sonntagszeitung vom 7.
August 2005 abgedruckten Kommentars über die Demokratie in unserem Lande.
Als Unterzeichner firmiert der in Berlin lehrende Soziologe Alexander Schuller.
Unter Berufung auf die drohende Gefahr der "Weimarisierung" wird der Ruf nach
einem starken Präsidenten (d.h. faktisch einer Änderung des
Grundgesetzes) laut. Diese könnte als Vorwand genutzt werden, um einer
Notstandsdiktatur a la Brüning Tür und Tor zu öffnen, die in
eine moderne Form des Faschismus münden könnte. Schullers Kernthese
lautet: Wie Bundespräsident Horst Köhler am 21. Juli erklärt
habe, sei Deutschland mit riesigen Problemen wie z.B. Arbeitslosigkeit
konfrontiert. Der Präsident habe den Bundestag aufgelöst und damit
den Weg für mögliche Wahlen freigemacht. Aber genau hier werde auch
das Dilemma deutlich: Das Land, so Schuller, ist mit Problemen konfrontiert,
die "im Rahmen unserer politischen Strukturen (sic) nicht lösbar" sind.
"Das Grundgesetz sollte die Parteienherrschaft von Weimar verhindern. Nie
wieder sollte mit dem Schlagwort von den Systemparteien Politik gemacht werden
können. Doch in Wahrheit sind wir alle ziemlich Weimar. Politischer Wille
und politisches Interesse des Volkes sind zunehmend heterogen und widersprechen
sich. Tatsächlich will das Volk, was ihm insgesamt schadet, und wählt
daher die Politiker, die ihm auftragsgemäß schaden." (PHI
empfindet diese Aussage als Frechheit! In allen Ländern, in denen das Volk
über Sachfragen abstimmen kann, entscheidet es erstaunlich
vernünftig!) Das Kernproblem der Demokratie sieht Schuller in ihrer
"Unfähigkeit", Probleme des Gemeinwohls zu lösen. Der Autor meint
damit sicher nicht eine Orientierung der Politik an mehr sozialstaatlichen
Prinzipien, sondern sein Argument will sagen: Der "Reformstau" ist bedingt
durch die Willkür der Parteien und einer neuen Form des Totalitarismus.
Schuller nennt es "Konsens-Modell." Als Gegenmodell zum deutschen Parteienstaat
führt er de Gaulles von "monarchischen Elementen" (Schuller) geprägte
5. Republik (1958) an. Er preist die USA als "monarchische Demokratie" und
beweist damit, da er offensichtlich nichts von der Geschichte der US-Verfassung
und ihrer Präambel verstanden hat. Hatte nicht vor Jahren bereits der
neokonservative und für seine extrem neoliberalen Vorstellungen bekannte
Politikwissenschaftler Arnulf Baring (ein Mitglied der "Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft") ebenfalls in der FAZ (2002) die Bürger zur "Revolte"
gegen die Republik aufgefordert? "Auf die Barrikaden" sollten die Bürger
gehen, um das verrottete Parteiensystem zu Fall zu bringen, schrieb Baring
damals. Außerdem forderte er, der Staat müsse darüber
nachdenken, wie mit Hilfe eines Notstandsartikels (wie in der Weimarer
Verfassung) die wirtschaftlichen Probleme überwunden werden könnten -
eine Anspielung auf jenen Kanzler der Weimarer Republik, Heinrich Brüning,
der als Reaktion auf die 1929 ausbrechende Weltwirtschaftskrise und die
zunehmende Massenarbeitslosigkeit zu Beginn der 30er Jahre mit Hilfe des
damaligen Reichspräsidenten Hindenburg durch dikatorische Notverordnungen
gem. Art. 48 drastische Sparmaßnahmen durchsetzte. Dabei fallen weitere
Merkwürdigkeiten ins Auge, wie z.B ein Artikel, den Schuller im März
2003 - auf dem Höhepunkt des Irakkrieges - für die
FAZ-Sonntagszeitung schrieb, worin er sich als glühender Verfechter des
Imperium Americanum zu erkennen gibt: "Wir brauchen ein Imperium Americanum,"
lautete die Überschrift. Im Untertitel stand zu lesen: "Die multipolare
Weltordnung ist eine Gefahr für den Frieden. Die Vereinigten Staaten
müssen Hegemon der Menschheit werden."
Der Nationalstaat, wie wir ihn seit 1648 kennen, kommt ans
Ende, führte darin Schuller aus. Seit den Terroranschlägen des 11.
Septembers erlebten wir Probleme, die weder vom Internationalen Gerichtshof,
noch den Vereinten Nationen, weder von Moskau noch von Berlin, Paris, Peking
und Bagdad zu lösen seien. "Wer den Frieden will (...) muß
sich (...) auf die Suche nach dem Hegemon (!) begeben - einen
möglichst Guten. Dieser Hegemon kann, wenn überhaupt, nur eine
einzige Macht sein: Die Vereinigten Staaten! Sie verkörpern unsere
Tradition, unsere Werte, unsere Hoffnungen kraftvoller und verantwortungsvoller
als wir selbst. Das Imperium Americanum ist unsere Chance: Eine andere haben
wir nicht. Civis Romanus sum." Eine solche Denkungsart ähnelt der des
Philosophen Carl Schmitt, dem Liebling der Konservativen in den USA und in
Deutschland, welche zur Zeit auch eine große Renaissance in Frankreich
erlebt und in seinen Denkaxiomen sowohl Arnulf Baring als auch Schuller
offensichtlich nahesteht. Carl Schmitt wandte sich gegen den
"Nachtwächterstaat" - gegen das "Bürgertum als bloß
diskutierende Klasse" und gegen das Parlament als "Disputierclub." Die
Grundlage seines Menschenbildes und des Politischen war Hobbes. Den Staat
bestimmte er nicht vom Normal-, sondern vom Ausnahmezustand, von der
Freund-Feind-Beziehung her. So schrieb er: "Souverän ist, wer über
den Ausnahmezustand entscheidet. Im Ausnahmezustand suspendiert der Staat das
Recht kraft eines Selbsterhaltungsrechts. Das Normale beweist nichts, die
Ausnahme beweist alles; sie bestätigt nicht nur die Regel, die Regel lebt
überhaupt nur von der Ausnahme." Und: die "Autorität beweist,
daß sie, um Recht zu schaffen, nicht recht zu haben braucht."
Souveränitat bedeute demnach die Macht, das geltende Recht außer
Kraft zu setzen und den Zustand der Rechtlosigkeit zur Errichtung einer neuen
Machtlage nutzen zu können. Schmitt zitiert Hobbes: "Auctoritas, non
veritas fiat legem." (PHI meint: Die Internationalisten und Globalisten
wollen also die Strategie der nationalistischen Philosophen anwenden, um eben
den Nationalismus zu beseitigen. Es wird Menschen geben, die werden der FAZ
zustimmen, weil die sich auf anerkannte Autoritäten, wie Carl Schmitt
beruft. Allerdings hat Carl Schmitt unseres Wissen keinen Monarchen oder keinen
Staat gefordert, der über der ganzen Welt herrschen soll. Noch eine Angst
kommt bei uns Redakteuren auf: Stellen wir uns Angela Merkel vor, ausgestattet
mit den Vollmachten, wie sie der Präsident der USA hat oder stellen wir
uns vor, wie Angela Merkel mit Hilfe des Notstandsrechts regiert. Wir
bezweifeln sehr, daß eine als Demokratie getarnte Diktatur eine Garantie
dafür bietet, daß sie alle Probleme schneller lösen kann.
Sicher wird eine Präsidialdemokratie mit einem fähigen und
charaktervollen Präsidenten ein Staat schnell aufwärts bringen, aber
ebenso so schnell kann ein unfähiger Depp als Präsident einen Staat
schnell in den totalen Untergang stürzen. Außerdem werden
fähige Präsidenten (Führer, Kaiser, Könige) nicht jeden Tag
geboren. Es ist mit Unterstützung der Medien durchaus möglich, jeden
Deppen und jede Marionetten-Puppe an die Spitze eines Staates zu lancieren. Die
Einführung von Volksbegehren und Volkabstimmung über Sachfragen
könnten den größten Unsinn verhindern und das föderale
Prinzip kann bewirken, daß wenigstens einige Provinzen bei einem Zerfall
des Gesamt-Staates erhalten bleiben. In den USA hat der Bundesstaat Kalifornien
so viel Schulden, wie alle anderen Bundesstaaten zusammen. Einige
US-Bundesstaaten sind dagegen völlig schuldenfrei. Auch in Deutschland ist
Dank des föderalen Prinzips die Lage in den Bundesländern sehr
unterschiedlich. Fallen wir also nicht darauf herein, wenn Schuller oder Baring
und ihre Brüder und Genossen sich für eine konservative Revolution
einsetzen, da sie mit ihren wohlklingenden Worten die Unterwerfung unter die
USA anstreben.)