Zurück zur Seite vorher


Seitenzugriffe seit dem 10.07.2006275

Druckversion dieser Seite

Diese Information an einen Freund senden

 
Wie beurteilen Sie diesen Artikel Wie beurteilen Sie die Quelle dieses Artikels
Hier können Sie Ihren persönlichen Kommentar eingeben,
bzw. Kommentare von anderen Besuchern lesen
Kommentare
bisher
0
Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
27.10.2005 Reimar Paul Info von:   junge Welt
Ein Herz für Zigarettenkippen

Polizisten sammelten nach Antiatomkundgebung in Uelzen Glimmstengelreste ein. DNA-Tests befürchtet

Anfang des Jahres übten sich die Atomkraftgegner im vorauseilenden Gehorsam. Einige Dutzend Demonstranten trafen sich im Februar auf dem Marktplatz in Lüchow, um öffentlich Proben für DNA-Analysen abzugeben. Spucke, Haare, Hautschuppen, benutzte Taschentücher und Kondome wurden eingesammelt und in großen Glasbehältern verschlossen. »Die schicken wir an Schily, Schünemann und Beckstein«, erklärte die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg damals die Aktion. »Das Ergebnis der Erbgutsammlungen aus dem Wendland können die Minister dann zu gegebener Zeit begutachten und analysieren.«

Der satirische Protest gegen die von den genannten Politikern befürwortete Ausweitung von Gentests scheint jetzt von der Realität eingeholt. Nach einer Demonstration in Uelzen am vergangenen Samstag gegen den bevorstehenden Castortransport nach Gorleben klaubten Polizisten Zigarettenkippen der Kundgebungsteilnehmer auf. »Die Beamten hatten Handschuhe an und haben die Stummel in Plastiktüten gepackt«, erzählt ein Zeuge.

Die »Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen« geht davon aus, daß Polizeiexperten die Kippen nun auf Spuren von Erbmaterial untersuchen wollen. »Es ist davon auszugehen, daß sämtliche Zigarettenreste einer DNA-Analyse unterzogen werden«, erklärte die Gruppe am Mittwoch. Die Ergebnisse, so die Vermutung, könnten in die Ermittlungsverfahren einfließen, die teils seit Jahren gegen die noch unbekannten Urheber militanter Antiatom-Widerstandsaktionen laufen. Um Hakenkrallen-Würfe auf elektrische Oberleitungen und Brandanschläge auf eine Eisenbahnbrücke bei Hitzacker sowie zuletzt auf eine Containersiedlung der Polizei in der Nähe von Lüchow aufzuklären, richtete das niedersächsische Landeskriminalamt Sonderkommissionen ein. Dingfest machen konnten die Fahnder bislang aber niemanden.

So unangenehm und befremdlich das polizeiliche Kippensammeln auf die Betroffenen gewirkt haben mag, etwas »Illegales« haben die Beamten nicht getan. Schließlich wurde in Uelzen niemand aufgefordert oder gar gezwungen, eine Speichelprobe und damit seinen genetischen Fingerabdruck zu hinterlassen. Ob die DNA-Spuren an den Tabakresten und angekauten Filtern mit Daten in der Gendatei des Bundeskriminalamtes abgeglichen werden, bleibt vorerst Spekulation.

Nach der bisherigen Rechtslage ist die DNA-Analyse nur bei besonders schweren Straftaten wie etwa Sexualdelikten und nach richterlicher Anordnung zulässig. Den Hardlinern unter den Innenpolitikern zumindest von Union und SPD ist diese Regelung aber zu eng. Längst fordern nicht nur die Innenminister von Niedersachsen und Bayern, Uwe Schünemann und Günther Beckstein, eine Gendatei für alle Straftäter, erklärtermaßen sind sie für Gentests auch nach Ordnungswidrigkeiten oder Antiatomprotesten. Die Berliner Zeitung zitierte Beckstein kürzlich mit den Worten: »Wenn sich ein Demonstrant in Gorleben ankettet, wollen wir eine DNA-Analyse«. Und Schünemann sagte auf Anfrage der Elbe-Jeetzel-Zeitung, er könne sich DNA-Tests auch für Castorgegner vorstellen, wenn diese der Polizei mehrfach aufgefallen seien.

Die BI Lüchow-Dannenberg befürchtet denn auch, »daß sich diese unglaublichen Begehrlichkeiten der innenministeriellen Datensammler auf Dauer nicht verhindern lassen«. Angesichts des Fahndungserfolgs der Polizei etwa nach dem Mord an dem Münchner Modemogul Rudolph Mooshammer werde die populistische Forderung nach Ausweitung der Gentests derzeit kaum öffentlich hinterfragt, so BI-Sprecher Dieter Metk.

Auch in der Wirtschaft gibt es längst ein massives Interesse am genetischen Datenmaterial. Spätestens ab 2011 will beispielsweise die Versicherungswirtschaft Einblick in ärztliche Gentests haben. Von einer »faszinierenden Entwicklung, deren Ausgang derzeit nicht bestimmbar ist«, fabulierte jüngst der Chefarzt des weltweit größten Rückversicherers Münchner Rück, Achim Regenauer. Das Recht auf Einblicke in Ergebnisse von Gentests wolle man sich zukünftig jedenfalls nicht länger nehmen lassen.



Diese Domain  www.das-gibts-doch-nicht.info an einen Freund weiterempfehlen

Diese Seite zu den Favoriten hinzufügen

Diese Seite auf Ihrem PC speichern!

Möchten Sie diese Domaine als Startseite haben...



Das Kopieren und Verteilen dieser Information ist ausdrücklich erwünscht!
www.das-gibts-doch-nicht.info

Sinn dieser Informationen

Zurück zur Seite vorher

Zur Gesamtübersicht

Wenn Sie sich wegen irgendeiner Information ärgern, deswegen wütend oder frustriert werden bzw. Hass oder Wut auf entsprechende Personen bekommen, sind SIE selbst der einzige der diese Emotion in Form von Krankheiten zurückbekommt. Ihre Wut trifft niemals den anderen.
Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.