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10.10.2005 Info von:   PHI
Russland


In Russland versuchen selbsternannte „Eliten“ mit Hilfe von Geldern aus den USA Putin zu stürzen: Seit einigen Wochen wird in den international bekannten Medien diskutiert, Putin noch vor Ende seiner Präsidentschaft 2008 in einer weiteren «samtenen Revolution» diesmal «Birkenrevolution» genannt, zu ersetzen. Von einer «Birkenrevolution» wurde in russischen Medien schon seit Anfang des Jahres geschrieben. Vor kurzem wurde in einer Reportage von Schweizer Radio DRS über die russische Jugend berichtet, die sich nach Freiheit und Demokratie sehne und die Vorgänge in Georgien und der Ukraine als Vorbild betrachte. Dort hätten Studentenbewegungen die «Rosenrevolution» und die «Orange Revolution» maßgeblich gestaltet und die alten «pro-russischen» kommunistischen Eliten gestürzt und durch «prowestliche» Regierungen ersetzt. Im PHI-AUSLANDSDIENST wurde nachgewiesen (hauptsächlich in der Ausgabe vom 8.12.2004 auf der Titelseite, aber auch vom 13.1.2005, Seite 8 und Ausgabe vom 25.4.2005, Seite 84-85 und 89), wie umfassend die «Revolution in Orange» und ukrainische Studenten von amerikanischen Instituten mit Schulung und viel Geld gefördert wurden. Diese Woche hörte man, daß mehrere russische Jugendorganisationen sich verbündet haben, darunter auch die kommunistische (sic!), um eine «demokratische Revolution» nach ukrainischem Vorbild durchzuführen. Sind wir nun soweit, daß die russischen Jungkommunisten mit amerikanischem Geld und amerikanischer Logistik in einer antikommunistischen und proamerikanischen Revolution Präsident Putin stürzen wollen? Die Diskussion um eine «Birkenrevolution» in Russland bekam in den letzten Wochen Zündstoff, als Professor Anders Åslund in einem «policy brief» die amerikanische Regierung aufforderte, wie im Falle der Ukraine, Geld bereitzustellen. Der geeignete Kandidat für die Machtübernahme sei zwar noch nicht vorhanden, aber zurzeit würde Putins früherer Premierminister Mikhail Kasjanow am ehesten hervortreten (Putin's Decline and America's Response, www.carnegieendowment.org). Mikhail Kasjanow wurde von Putin im März 2004 wegen Korruption entlassen. Er hat den Spitznamen «Mister 2%». Wegen seiner früheren Verbindungen zur herrschenden Elite der Jelzin-Familie könnte es für ihn schwierig sein, in der Bevölkerung als Oppositioneller zu überzeugen. Wenn Åslund den Sturz Präsident Putins noch vor 2008 prognostiziert, muß man wohl annehmen, daß er weiß, wovon er schreibt. Bei der Auflösung der Sowjetunion war er als neoliberaler Wirtschaftsprofessor einer der Hauptberater von Präsident Jelzin und neben Harvard-Professor Jeffrey Sachs maßgeblich für die verheerende Wirtschafts- und Privatisierungspolitik der Perestroika verantwortlich. Aus seiner Beratertätigkeit besitzt er Kenntnisse über und Beziehungen zur russischen Elite. Åslund war auch Berater der früheren Regierungen in der Ukraine. Seit 1998 beriet er den kirgisischen Präsidenten Askar Akajev, der im März 2005 in der «Tulpenrevolution» gestürzt wurde. Im Rahmen von Carnegie Endowment for International Peace (Washington D.C.) leitet er das «Russian and Eurasian Program», das auch die «Tulpenrevolution» unterstützte. Über das Carnegie-Institut floss ein Teil des Geldes, das von der US-Regierung zur „Demokratieförderung“ in der Ukraine bereitgestellt wurde, in die Unterstützung der «Revolution in Orange».Åslund ist Leiter von Projekten am Carnegie Moscow Center, auf dessen Internetseite die «Samtrevolutionen» einen augenfälligen Platz einnehmen unter dem Titel «Umbau im postsowjetischen Raum». Professor Åslund, gebürtiger Schwede, ist «Non-executive director» von Vostok Nafta Ltd., Investment-Unternehmen mit Sitz in Bermuda, Stockholm und Genf, dessen Kapital zu 90% im halbstaatlichen russischen Erdgasmonopolisten Gazprom investiert ist. Gazprom strebt die Wiederverstaatlichung eines Teils des russischen Erdölsektors an und wird darin von der Deutschen Bank beraten, um als integrierter Energiekonzern in den Klub der weltweit ganz großen Konzerne aufzusteigen. Die Verstaatlichung könnte die Gewinne von Aslunds Vostok Nafta Ltd.beeinträchtigen.Die Idee einer samtenen Revolution wird in der russischen Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert und sorgt für Unruhe. Professor Alexei Malashenko rät den Eliten in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion: «Wenn man die Schraube anzieht, kann man das Gewinde beschädigen. Deshalb ist es nötig, daß die Eliten Gedulde lernen. Vorgewarnt bedeutet gewappnet. Die Erfahrungen von Georgien und der Ukraine sind von unschätzbarem Wert für Putin und andere, die ihre Macht erhalten oder an ihre Nachfolger weitergeben wollen. Fehler in der Ukraine und in Georgien, Versagen in der Dniester Region [Moldavien] und der langgezogene Krieg in Tschetschenien - all das fördert nicht die Autorität Putins.» (Nezavisimaya Gazetavom 20.12.2004) Professor Malashenko ist nebenbei auch Mitarbeiter von Professor Åslund im Carnegie Moscow Center. Deshalb weis man nicht, auf welcher Seite er steht. Der Wind könnte sich aber auch drehen! Die Betreiber der samtenen Revolutionen in der Ukraine und in Georgien könnten sich zukünftig gegen die jetzigen Machthaben wenden, weil ihnen die Veränderungen trotz Revolution und Machtwechsel nicht weit genug gehen. Andererseits gibt es in Russland und Zentralasien viele Kritiker einer Politik, die alles unternimmt um an der Globalisierung teilzuhaben. Einige sehen in Russland Anzeichen eines Kurswechsels in Richtung eines starken Nationalstaates, seit der Wiederwahl Präsident Putins vor gut anderthalb Jahren. Jene Kräfte, die, vom Westen unterstützt, am Stuhl Putins sägen, haben bisher noch keine große Sympathie in der Bevölkerung, aber sie werden in den Bemühungen, diese zu erringen, fortfahren. Die westlichen Medien werden fortfahren zu schreien, in Russland sei die Demokratie durch Putin gefährdet, während man schreiben müßte, die westlichen Interessen am russischen Öl sind in Gefahr.


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