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Condoleezza Rice umreißt die Grundrisse ihrer
Außenpolitik, die
nicht - wie etwa unter Henry Kissinger - der
Stabilität, sondern der
demokratischen Umwälzung dient
In normalen Zeiten, wenn die bestehenden Ideen und
Institutionen
den Herausforderungen der Zeit gewachsen sind, besteht die
Staatskunst
darin, die etablierte internationale Ordnung zu erhalten.
In
außergewöhnlichen Zeiten jedoch, wenn sich die
Landschaft der Geschichte
unter unseren Füßen bewegt und die Arbeit von
Jahrzehnten als irrelevant
in sich zusammenfällt, besteht die Aufgabe der
Staatskunst darin,
Institutionen und Allianzen zu transformieren, um auf der
Basis
überlieferter Werte neue Ziele zu verwirklichen. ( ...
)
Wenn Sie glauben, wie ich und wie Präsident Bush,
daß die tiefste
Ursache des 11. September 2001 eine gewalttätige,
globale,
extremistische Ideologie ist, die ihrerseits in der
Unterdrückung und
Verzweiflung des Nahen Ostens wurzelt, dann müssen wir
trachten, die
Ursache dieses Terrors zu entfernen, indem wir diese
verstörte Region
transformieren. ( ... )
Manche sagen, daß diese Herangehensweise die Welt
instabil macht,
indem sie den Status quo ruiniert. Dieses Argument setzt
voraus, daß es
einen stabilen Status quo gibt, der die globale Sicherheit
nicht
bedroht. Das ist nicht der Fall. Eine regionale Ordnung, die
eine derart
brutale Ideologie des Hasses hervorgebracht hat, dient nicht
dem
Interesse der Zivilisation. (...)
Wenn wir das Streben nach Demokratie unterstützen
wollen, müssen
wir begreifen, daß die Freiheit immer noch Gegner hat.
Manche werden nie
den Willen ihrer Völker respektieren, weil sie um ihre
Macht und
Privilegien fürchten. Andere wissen, daß ihre
Ideologie des Hasses nur
gedeihen kann in einer politischen Kultur der
Unterdrückung, Armut und
Hoffnungslosigkeit. In einer Welt, in der das Böse real
existiert,
müssen demokratische Prinzipien mit allen Formen der
Macht unterstützt
werden: politischer, wirtschaftlicher, kultureller,
moralischer und, ja,
zuweilen auch militärischer Macht. Wer für die
Demokratie eintritt,
zugleich aber den Einsatz der Macht ablehnt, wird für
die unterdrückten
Völker nichts erreichen. ( ... )
Vor zweieinhalb Jahren kontrollierte Saddam Hussein noch
den Irak.
Er folterte seine politischen Gegner, plünderte das
Öl-für-Lebensmittel-Programm, benutzte das Geld,
um Individuen und
Institutionen in der ganzen Welt zu korrumpieren,
während irakische
Kinder an Unterernährung und Medizinmangel starben. Er
zwang
Dissidenten, bei der Vergewaltigung ihrer Frauen und
Töchter zuzusehen.
Und er schaufelte Erde auf die Massengräber, in denen
300 000
unschuldige Opfer lagen. ( ... ) Jetzt ist Saddam weg, und
das irakische
Volk hat eine hoffnungsvollere Zukunft. Aber der Weg dahin
ist lang und
schwer. ( ... )
Wenn wir jetzt aufgeben, lassen wir die irakischen
Demokraten in
ihrer schwersten Stunde im Stich. Wir ermutigen jeden Feind
der Freiheit
und der Demokratie im gesamten Mittleren Osten. Wir
zerstören jede
Chance für die Völker der Region, eine
hoffnungsvolle Zukunft zu bauen.
Und wir machen Amerika unsicherer. ( ... )
Wir sind aufgebrochen, den Völkern des Mittleren
Ostens bei der
Transformation ihrer Gesellschaften zu helfen. Jetzt ist
nicht die Zeit
für Unentschlossenheit oder Rückzug.
Wir drucken Auszüge aus einer Rede, die Condoleezza
Rice am 30.
September in der Universität Princeton hielt. Der Text
im Netz:
www.state.gov/secretary/rm/2005/54176.htm Übersetzung:
Alan
Posener
Artikel erschienen am 2. Oktober 2005
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