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Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
Oktober 2005 Info von:  
Wer bestimmt über die Zukunft Europas in Brüssel ?

Am 18. Juli 2005 findet im Charlemagne Gebäude in Brüssel die Konferenz "Exchange of Views on the Financial Services Policy 2005 - 2010" der Generaldirektion Markt statt.

Auf Einladung der EU-Kommission trifft sich am 18. Juli 2005 die europäische Finanzwelt in Brüssel, um die Gesetzgebung für die Jahre 2005 bis 2010 mit ihrem neuen "Financial Services Action Plan" abzustimmen.

Die Generaldirektion Markt veranstaltet damit ein weiteres Treffen zur Festlegung der europäischen Rechtssetzung und Marktbereinigung bei Banken, Versicherungen und Investmentprodukten. Verbraucherbelange ebenso wie Belange von Arbeitnehmern, des Sozialsektors oder der nationalen Rechte werden wenig Chancen eingeräumt.

Wie schon im März letzten Jahres werden sich wieder ca. 240 Mitglieder der europäischen und amerikanischen Finanzwelt in Brüssel treffen, um mit Markt-Kommissar McCreevy die verschiedenen Berichte der sog. Expertengruppen entgegenzunehmen und den Financial Services Action Plan für die kommenden Jahre zu diskutieren.

Die zentralen Aussagen der Expertengremien sowie die Forderungen aus Brüssel für ein geeintes Europa sind: Abbau nationaler Gesetzgebung, Übertragung der Finanzgesetzgebung an Expertengremien ("Lamfalussy-Prozess") und Selbstregulierungsmechanismen. Ersetzung von Verbraucherschutz durch "Verbraucher(preis)vorteile". Sozialer Schutz vor Überschuldung und Anlageverlusten sollen durch Marktinformation für Verbraucher und Kleinunternehmer gesteuert werden. Heimatlandkontrolle und Maximalharmonisierung sollen Banken und Versicherungen die Möglichkeit verschaffen, ohne Rücksicht auf das nationale Recht des Gastlandes tätig zu werden. Wer weniger hat soll mehr bezahlen. ("risk adjusted pricing" und Basel II) Grenzüberschreitender Absatz ist wichtiger als nationale Kulturen im Umgang mit Geld und "mehr" von allem ist gut.

Die rechtlichen Barrieren gegen Überschuldung wie die eigenhändige Unterschrift (Mausklick soll reichen in der Konsumentenkreditrichtlinie), Wucherverbote, Zinseszinsverbote, Bankaufsicht über Kreditgeber (Freigabe der Kreditkartenkredite in der Zahlungsverkehrsrichtlinie) und die Begrenzung von schädlichen Risikoinvestments mit Kundenbeteiligung sollen fallen. Privatisierung der Sparkassen und Verbot staatlich subventionierter Finanzdienstleistungen für Problemgebiete und sozial Schwache gehören ebenfalls dazu. Das Konzept ist, und dies wird offensiv vertreten, ist neo-liberal. Der Markt wird auch nach dem Crash der New Economy und den Rekordzahlen bei Überschuldung und Anlagebetrug alles richten.

Die nationale ebenso wie die parlamentarische Kontrolle hat vor der in Technik verpackten Sozial- und Wirtschaftspolitik kapituliert. Das Europaparlament hat seine Richtlinienzuständigkeit im sog. Lamfalussy-Prozess auf ein Einspruchsrecht reduziert. Auch die anderen Generaldirektionen wie Verbraucherschutz, Sozialpolitik und Unternehmen haben sich verabschiedet. Wer wen repräsentiert bestimmt die DG Markt selber. So behält sie sich die Auswahl der Konferenzteilnehmer ebenso wie die Zusammensetzung der Expertengruppen vor. Das gilt selbst für die zugelassenen Vertreter von Verbrauchern und Mittelstand. Das politische Finanzdreieck aus Großbritannien, den Niederlanden und Irland bleibt tonangebend. Als Verbrauchervertreter werden wahrscheinlich nur zwei Personen auftreten, der Vertreter des englischen Medienkonzerns Which? und der englische Vorsitzende des Financial User Komitees, in dem die Verbrauchervertreter in der Minderzahl sind. Das kritische Papier zum Gesamtprozess, das FIN-USE 2004 im Oktober der Kommission als Grundlage für die weitere Diskussion übergeben hat, wird im Dokumenten-überblick ebenso wenig wie übrigens das FIN-USE Komitee selber bei den Gruppen, die sich mit dem Post-FSAP beschäftigten, angegeben. Stattdessen wird auf FIN-Net verwiesen, das Netzwerk der Bankbeschwerdestellen. FIN-USE muss auf einer anderen Seite gesucht werden. Französische, Italienische und Deutsche Versionen gibt es nur für die Zusammenfassung des 2004 Reports, was die meisten Laien abhalten wird. Für die Übersetzung gab es kein Geld.

Es fehlen auch Hinweise auf die für die DG Verbraucherschutz durchgeführten Studien zum nationalen Verbraucherrecht bei Finanzdienstleistungen und den daraus abgeleiteten Prinzipien für ein kontrolliertes kulturgebundenes europäisches Finanzdienstleistungsrecht. (dazu die www.money-advice.net/ccd)

Wird man sich in Brüssel wieder gegenseitig zum gelungenen Forschritt bei der Herstellung eines Finanzeuropas gratulieren, bei dem die Finanzministerien, Banken und Bankaufseher unter sich waren und Sozialpolitik, Verbraucherpolitik, Mittelstandspolitik, Regionalpolitik und Rechtspolitik im Abseits standen? Wenn Geld die Welt regiert, dann sollte die Welt auf das Geld reagieren.

Das Programm deutet in eine falsche Richtung. Allein die DG Markt tritt hier auf. Alexander Schaub und Charlie McCreevy werden sich vornehmlich mit Bankenaufsehern und Bankern unterhalten, wobei die Bemerkung eines amerikanischen Versicherungsvertreters, man sei gegenüber den dortigen Banken ohne eigene Aufsicht benachteiligt, weil man eine Aufsicht die beste Lobby in Washington sei, auch in Brüssel eine gewisse Berechtigung hat.

Das dritte High Level Panel wird dann unter Ausschluss der Verbrauchervertreter die neuen Prioritäten, und das sind "Vermögensverwaltung und Verbrauchergeschäfte" diskutieren. Anschließend haben die beiden zu Verbrauchervertretern ernannten englischen Panelisten die Möglichkeit, 45 Minuten mit dem Generaldirektor von BMP, dem Vertreter der skandinavischen Banken und einem Vertreter der Versicherungsindustrie global über Finanzdienstleistungen zu diskutieren. Ob der Vertreter von FIN-USE diesmal wie beim vorherigen Mal wieder das Wort entzogen wird?

Die Kommission sieht nach dem Programm ganz offensichtlich die Bankpraxis der Zukunft als eine Angelegenheit zwischen Finanzdienstleistungsaufsicht und Finanzdienstleistern an. Dabei sollte man nicht vergessen, dass in allen Ländern die Finanzdienstleistungsaufsicht in ihren Aufgaben dadurch festgelegt wird, dass sie das Wohlergehen und damit die Sicherheit und den Bestand dieser Unternehmen sichern soll.

Für den Schutz der Verbraucher ist sie im deutschen Recht explizit nicht zuständig. Hierfür gibt es das Zivilrecht, die Gerichte, die Schuldner- und Finanzberater, Anwälte, Gewerkschaften und Verbraucherverbände, die Sozialämter und Stadtentwicklungsprogramme. Das, was immerhin in den USA unter dem Titel "Community Finance" untrennbarer Bestandteil der Finanzgesetzgebung ist, fehlt in Brüssel inzwischen vollständig.

Wer sich die Arbeit nicht machen möchte, die ganzen Programme sowie Papiere der "Experten"gruppen durchzugehen, für den haben wir aus der Seite der Kommission eine Teilnehmerliste zusammengestellt, bei der wir uns die Namen ersparen und nur die Unternehmen und Organisationen, die sie in diesem Prozess seit 1999 repräsentierten, zusammengestellt haben. Wer doppelt vorkommt, war auch doppelt vertreten. Die dazugehörige Namensliste ist im iff. Wir haben niemanden ausgelassen. Vermissen Sie eine Einrichtung, so vermisst sie auch der demokratische Prozess in Brüssel. Vielleicht sind die folgenden fünf Organisationen symptomatisch, die als Spezialgruppe die Bankgesetzgebung der Zukunft beurteilen sollten: Banco Bilbao Vizcaya; LeaseEurope/Euro-Finas; Deutscher Sparkassen- und Giroverband; Deutsche Bank AG; European Banking Federation; Barclays Bank PLC.

Akteure im Prozess zur Entwicklung der europäischen Finanzgesetzgebung (FSAP und Post FSAP) laut Internetangaben der Kommission

ABN AO, ABN AO Bank N.V., ACME, AEGFP, AEGON N.V. - Group Business Development, Aegon; , AIB Investment Managers, Allianz Group European Affairs Office, Allianz; , Alpha Insurance Company, AMF Pension, Asociación de Mercados Financieros, Assicurazioni Generali, Association Française de la Gestion Financière, Association Française des Entreprises d'Investissement AFEI, Association of British Insurers, Association of British Insurers ABI; , Association of Private Client Investment Managers and Stockbrokers APCIMS, Association of Private Client Investment Managers and Stockbrokers APCIMS; , Associazione Bancaria Italiana ABI, Associazione Italiana fra le Società per Azioni ASSONIME, Associazione Italiana Intermediari Mobiliari ASSOSIM, ASSOGESTIONI, Assogestioni; , AVIVA plc, AXA GIE, AXA Insurance - Business Operations, AXA Ireland; , Banca Intesa; , Banco Bilbao Vizcaya, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Bank Austria, Barclays Bank, Barclays Bank PLC, BBA and EBIC, BIPAR, BNP PARIBAS, BNP Paribas, BNP Paribas, BNP Paribas Asset Management, BNP Paribas; , BNP Paribas; , British Bankers Association BBA, Caja de Madrid, CDC IXIS, CEBS , Ceská Asociace Pojist'oven, CESR expert group on investment management, Comité européen des assurances - CEA, Commerzbank AG, Committee for Economic and Monetary Affairs; European Parliament, Committee for European Securities Regulators CESR, Committee of European Banking Supervisors CEBS, Committee of European Securities Regulators CESR, Committee of European Securities Regulators CESR, Committee of European Securities Regulators CESR; , Committee on Economic and Monetary Affairs in the European Parliament ECON, Confederation of Nordic Bank, Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Asset Management, Deutsche Börse, Deutsche Börse AG, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Deutsches Aktieninstitut DAI, Deutsches Aktieninstitut; , DG ECFIN, DG ECFIN European Commission, DG Internal Market, DG Internal Market and Services, DG Internal Market and Services, DG Internal Market and Services, DG Internal Market and Services, DG Internal Market Financial Markets; , DG Internal Market Head of Unit Securities Markets and Investment Services; , DG Internal Market;, DG Market, DG Market, DG Market, DG Markt.C.03, DG Markt.C.03, EACB, ECB, ECON Committee of the European Parliament, EFRP, ERSTE BANK AG, ESBG - European Saving Banks Association, EURESA-LIFE, Euroclear, Euroclear, Eurofi, EuroMTS, Euronext, Euronext, Euronext;, Euronext-LIFFE, European Association of Listed Companies and Air Liquide, European Association of Listed Companies EALIC, European Banking Federation, European Banking Industry Committee EBIC; , European Banking Supervisors CEBS, European Central Bank ECB, European Central Bank ECB, European Central Bank ECB; , European Commission, European Commission, European Commission, European Commission, European Commission, European Commission, European Commission, European Federation of Building Societies, European Financial Reporting Advisory Group EFRAG;, European Financial Services Roundtable EFR Aviva, European Insurance and Occupational Pensions Supervisors CEIOPS , European Insurance and Occupational Pensions Supervisors CEIOPS., European Mortgage Federation, European Private Equity and Venture Capital Association EVCA;, European Securities Regulators CESR, European Securitisation Forum, EVCA, Fédération Française des Sociétés d'Assurance FFSA, Fédération Française des Sociétés d'Assurance FFSA; , FEFSI, FEFSI/EFAMA, FERI - Fund Market Information Ltd, FFSA and CEA, Fidelity Investement Services Limited, Financial Services Committee FSC, FIN-USE, Fortis Bank, Fortis; , FSC Subgroup on Supervision , Gartmore, Goldman Sachs, Goldman Sachs International, Groupe Consultatif Actuariel Européen, Groupe ODDO-Pinatton, Groupe ODDO-Pinatton, Groupe ODDO-Pinatton, ING Poland, Insurance House, International Primary Market Association IPMA, International Securities Market Association ISMA, International Swaps and Derivatives Association ISDA, Investment Management Group Linklaters Loesch, ISDA, J. P. Morgan Fleming - Asset Management France, KBC Bank, La Caixa, La Mondiale, LeaseEurope/Euro-Finas, LIBA, Lloyds TSB Bank Plc, London Investment Banking Association LIBA, London Investment Banking Association LIBA; , London Stock Exchange, MAPFRE, Merril Lynch; , Merrill Lynch, Merrill Lynch Investment Managers Limited, Merrill Lynch Mercury Asset Management, Morgan Stanley International Ltd, Morgan Stanley International Ltd., Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Nordea, Nordea Bank AB publ, Nordea Cash Management, Nordea Legal Service, Nordea; , Northern Trust, Pension and Asset Management / Philips International, PZU SA; , Rabobank Cash Management, Rabobank Nederland, Realkreditrådet The Association of Danish Mortgage Banks, San Paolo IMI Bank, San Paolo IMI Wealth Management, San Paolo IMI Wealth Management; , Santander Central Hispano Asset Management, Shell Pensioenfonds Beheer, Société Générale, Swedish Insurance Federation, The European Consumers' Organisation BEUC, Threadneedle Investments, UBS AG, UK Financial Services Authority FSA; , UK IMA, UK TREASURY FINANCIAL SECRETARY, Unifortune, Union Asset Management - Holding AG, Union Asset Management; , Universidad Complutense de Madrid, Universität Wiesbaden Fachbereich Wirtschaft, Université Lyon 3 Chaire Jean Monnet, BEUC / Which? LTD UK Consumer Association , BEUC Bureau Européen des Unions de Consommateurs, Committee of European Securities Regulators CESR, DG Market European Commission, European Commission , European Commission , Federation of European Risk Management Associations, University of Athens Chairman of the Hellenic Capital Markets Commission; , University of Athens Hellenic Capital Markets Commission, Verband unabhängiger Vermögensverwalter VUV, VVÖ, Westdeutsche Landesbank, Westdeutsche Landesbank

Institut Für Finanzdienstleistungen e.V., Rödingsmarkt 31/33, 20459 Hamburg, vertretungsberechtigt und verantwortlich i.S.d. § 6 MDStV: Prof. Dr. Udo Reifner, Direktor, Telefon: +49 (0)40 309691-0, Fax: +49 (0)40 309691-22, E-mail: info@iff-hamburg.de

Zitierempfehlung: Institut Für Finanzdienstleistungen e.V. [Hamburg]: Web Site. -

URL: http://www.iff-hamburg.de/6/aktuell-050704-01.html. - Geladen am: 23-Sep-2005. Version vom: 04-Jul-2005, 13h:29m:09s

http://www.iff-hamburg.de/iff-aktuell.html



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