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22.11.2005 Info von:   junge Welt
Angies längster Tag


Brennende Landschaften: Die erste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland hat eine verwüstete Republik hinterlassen. Ein Nachruf von Jürgen Elsässer

»Frau Merkel, die Apache-Hubschrauber sind da. Bitte machen Sie sich fertig, wir müssen fliehen, die Roten sind schon am Reichstag.« Wie in Trance drehte sich die Kanzlerin um, wedelte ihren Amtschef mit ihren kleinen Händen weg. Mit unsicheren Schritten ging sie hinüber zum Panoramafenster im obersten Stock der Bundeswaschmaschine, starrte hinüber zum Hauptbahnhof, aus dessen ausgeweidetem Stahlskelett giftiggrüne Rauchschwaden waberten.

Merkel schloß die Augen und umklammerte ihre Handtasche. Mein Gott, welcher Prüfung unterziehst du mich? Zunächst war doch alles ganz gut gelaufen. Bei der Kanzlerwahl am 22. November 2005 hatte sie 445 der 448 Stimmen der großen Koalition erhalten – ein Traumergebnis. Und als zu Jahresanfang 2006 die Senkung der Lohnnebenkosten wirksam wurde, legten die nun noch konkurrenzfähigeren deutschen Exporte deutlich zu. Im Jahresverlauf war der Handelsüberschuß auf unglaubliche 200 Milliarden Euro gestiegen und die Arbeitslosenzahl auf 4,5 Millionen gefallen – kein Wunder, daß sie von Time als »Woman of the Year« präsentiert worden war. Doch da bahnte sich die Katastrophe bereits an: Am 1. Dezember 2006 stellte US-Präsident Bush dem Iran ein 90-Tage-Ultimatum zur Stillegung aller nuklearen Anlagen und zog die bis dahin größte Kriegsschiff-Armada der Weltgeschichte im Persischen Golf zusammen. Die Invasion begann am 7. März 2007, und gleich von Anfang an flogen die Tornados der Bundesluftwaffe mit. Was hätte sie als Kanzlerin auch anderes tun sollen? Verweigern ging nicht, dazu war sie Bush zu sehr verpflichtet.

Anfang Mai 2007 war die Offensive der US-Armee 300 Kilometer vor Teheran zum Stillstand gekommen. Vor dem Hintergrund einer ausweglosen Kriegslage setzte die Flucht internationaler Anleger aus dem Dollar ein. Am 26. September lag der Dollar/Euro-Wechselkurs bei 3:1. Den größten Kollateralschaden hatte die einzige Lokomotive der deutschen Wirtschaft zu verkraften, die Exportindustrie. Der Absatz der Automobilbranche in die Dollarzone brach zusammen: In Wolfsburg und Sindelfingen stapelten sich nagelneue PKW auf den Werkshöfen, General Motors sperrte die Fabriktore von Opel Bochum gleich ganz zu.

Das war die Stunde, in der die Kanzlerin Peter Hartz aus dem Gefängnis holte. Der zog ein Konzept aus der Tasche, an dem er schon lange gearbeitet haben mußte. Auf eine einfache Formel gebracht, lautete seine Devise: Panzer statt PKW. Für das großangelegte Rüstungsprogramm müßten Finanzmittel aus den Sozialetats umgelenkt werden. Am brisantesten war sein Rentensicherungsgesetz (Hartz VIII): Rentner ab dem 70. Lebensjahr konnten demnach freiwillig einer lebensbeendenden Maßnahme zustimmen. In diesem Fall würde ihre kumulierte Rente bis zum 75. Lebensjahr ihren Nachkommen ausbezahlt. Da die durchschnittliche Lebenserwartung bisher 77,8 Jahre betragen hatte, rechnete der Staat mit Entlastungen der Rentenkasse in zweistelliger Milliardenhöhe.

Selbstverbrennungen von Rentnern aus Protest gegen die Euthanasiepolitik setzten eine Kettenreaktion in Gang: Selbstauflösung der Ostlandesverbände der SPD, Verlust der Bundestagsmehrheit, Notstandsgesetze, Generalstreik der Gewerkschaften, Rebellion von Bundeswehreinheiten, Bildung einer Nationalen Volksarmee unter dem Kommando von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine.

»Kommen Sie endlich, Frau Bundeskanzlerin. Berlin ist verloren. Und in Spangdahlem wartet eine frische Panzerkompanie auf Ihre Befehle.« Merkel nickte ergeben. Was blieb ihr übrig?



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Einen Herrn Bush zum Beispiel interessiert es herzlich wenig, ob Sie sich über ihn ärgern.
Sie sind Schöpfer der Ereignisse die in Ihrem Leben eintreten, also seien Sie sich bewußt
wie Sie denken oder sprechen.