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10.11.2005 Bharat Dogra (IPS), Neu-Delhi Info von:   junge Welt
Ausverkauf mit Weltbankgeld


Neu-Delhi: Wasserversorgung soll nicht zu Instrument der Profitmaximierung werden

In Indien Hauptstadt Neu-Delhi formiert sich eine Protestbewegung gegen den geplanten Ausverkauf der kommunalen Wasserversorgung. Durch ein seit Mitte Oktober geltendes Recht auf Information und Dokumenteneinsicht kamen üble Machenschaften bei der Privatisierung der Wasserversorgung – ein Vorhaben, das mit einem Weltbankkredit über 150 Millionen US-Dollar bezahlt werden soll – ans Licht.

Zutage gefördert und veröffentlicht hat die Informationen über die bisherigen Vereinbarungen zwischen dem staatlichen Wasserversorger DJB und der Bank über das sogenannte Delhi Water Supply and Sewerage Project die Nichtregierungsorganisation (NGO) Parivartan aus Neu-Delhi. Das Ergebnis sind Massenproteste und die Gründung der Right to Water Campaign (RWC) mit der früheren indischen Botschafterin in Portugal Madhu Bhaduri an ihrer Spitze.

Den jetzt publik gemachten Dokumenten zufolge dürfte das erklärte Ziel der Privatisierung, der Aufbau einer funktionierenden Wasserversorgung rund um die Uhr, nicht nur verfehlt werden. Vor allem würde das Wasser für die Einwohner der indischen Hauptstadt eines: teurer. Parivartan schätzt, daß einer Umsetzung des Vorhabens eine Verfünffachung der Wasserkosten folgen würde. Lohnen würde sich eine Privatisierung allein für die beauftragten Unternehmen. Schon die veranschlagten Managementkosten von 24 000 Dollar je angeheuertem Experten würden sich zu über 25 Millionen Dollar im Jahr addieren. »Die Wasserpreise werden steil in die Höhe gehen, mit der Folge, daß die Ärmsten der Armen keinen Zugang mehr zu Wasser haben«, sagte Parivartan-Gründer Arvind Kesarival.

Besonders schockierend ist für ihn, daß die Weltbank, die einen 2,5-Millionen-Dollar-Kredit für die Auswahl eines Beraters zur Verfügung gestellt hat, ihren eigenen Kandidaten – PriceWaterhouseCoopers – durchgeboxt hat. Das Unternehmen war zunächst nicht in die engere Wahl gekommen. Daß es jetzt auf der »short list« steht, liegt daran, daß die Weltbank mit Erfolg noch nach Eröffnung der Ausschreibungsphase neue Auswahlkriterien durchsetzen konnte. »Wie sollten ein faires Spiel und der Verbraucherschutz gewährleistet sein, wenn Berater auf diese Weise ins Rennen gelangen?« fragt sich Kesarival.

An der Seite von Parivartan kämpft die RWC. »Wir erleben eine bemerkenswerte Protestbewegung gegen das Projekt«, so Exbotschafterin Bhaduri. Unterstützung finde ihre Kampagne nicht nur bei Fachleuten, sondern auch in der Regierung. Mittlerweile hätten Experten von so einflußreichen Einrichtungen, wie dem Indian Institutes of Technology und dem Indian Institutes of Management, ihre Hilfe bei der Erarbeitung eines neuen Plans zur Behebung der Wasserprobleme in der Hauptstadt angeboten.

RWC fordert von der Regierung des Unionsstaates Delhi den sofortigen Rückzug des beantragten Weltbankkredits für die Reform der Wasserversorgung. In einem offenen Brief an Chefministerin Sheila Dikshit heißt es, daß multinationalen Konzernen nicht die Kontrolle über ein solch kostbares Gut wie Wasser in die Hand gegeben werden dürfe. Nach Gesprächen mit Vertretern der Regierung ist Bhaduri sicher, daß das Vorhaben noch gestoppt werden kann. »Es hat große strukturelle Mängel, die nicht durch die ein oder andere Änderung ausgeräumt werden können. Dieses armenfeindliche Projekt muß vom Tisch, damit wir an einem alternativen Modell für eine verbesserte Wasserversorgung arbeiten können.« Berufen können sich die Aktivisten auf eine Vielzahl von Negativbeispielen aus anderen Teilen der Welt. Ob in Südafrika, Bolivien oder Kolumbien – wo immer die Wasserversorgung privatisiert wurde, ging dies mit einer Kostenerhöhung und einer Verschlechterung der Situation der Armen einher. So ist es im August 2000 in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal zu einer Cholera-Epidemie mit 14 000 Infektionen und 250 Toten gekommen. In Hintergrund stand die Entscheidung der Versorgungsunternehmen, die Wasserleitungen der Slumviertel zu kappen, weil die Bewohner ihre Wasserrechnungen nicht bezahlen konnten.



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