1985 war es schließlich soweit: Aus einer Idee,
geboren und gewälzt in vielen Diskussionen, wurde Realität. Die
0-Num-mer von GEHEIM wurde veröffentlicht mit dem Ziel, zu
testen, ob diese Art des Enthüllungsjournalismus auf Interesse
stoßen würde. Es tat, gefördert sicherlich auch durch die
prompte Reaktion der damaligen Bundesregierung, die in Person des
CSU-Innenstaatsse-kretärs Spranger mit dem Verbot der Zeitschrift drohte.
Das brachte Publizität, schuf Interesse, ließ auch Solidarität
sich entwickeln. Der Spiegel berichtete und charakterisierte GEHEIM
als das Fachblatt aus Köln.
Seither zieht sich eine rote Linie durch alle
Veröffentlichungen von GEHEIM, die am besten, wenn auch verkürzt als
Partei ergreifender Enthüllungsjournalismus umschrieben werden
kann. Thematisch ist das journalistische Feld von GEHEIM seit der 0Nummer sehr
breit gefächert: es reicht über die Berichterstattung, aber auch
1989: Der angolanische Präsident dos Santos dankt
Opperskalski (GEHEIM/Top Secret) für die Enthüllungen geheimer
Destabilisierungspläne gegen sein Land
die Analyse des Abbaus demokratischer Rechte und dem
damit einhergehenden Ausbau des Repressionsinstrumentariums in der BRD bis hin
zu den Enthüllungen der schmutzigen Tricks der CIA und mit ihr
verbündeter Geheimdienste (z.B. Israels MOSSAD oder Großbritanniens
MI6). Dazu gehört wie selbstverständlich jedoch auch das in den USA
verbotene Naming Names oder die Entlarvung geheimer strategischer
Konzeptionen.
Parteiisch war und ist GEHEIM von Beginn an. Nicht nur, weil
sich Redakteure und Autoren sehr bewusst als Teil einer demokratischen und
progressiven Gegenöffentlichkeit begreifen, sondern vor allem
auch, weil die Veröffentlichungen von GEHEIM Partei ergreifen für die
Opfer seien es Berufsverbotsopfer in der Bundesrepublik oder von
CIA-Destabilisierungen bedrohte gesellschaftliche Entwicklungen, seien es
diversen Repressionsmaßnahmen Ausgesetzte oder Befreiungsbewegungen
(Stichworte: die namibianische SWAPO oder der südafrikanische ANC). Damit
wird verständlich, dass GEHEIM zum Beispiel auch von Beginn an den
revolutionären Prozess auf Cuba publizistisch unterstützte und
inzwischen über ungezählte nordamerikanische aber auch
europäische Verschwörungen gegen die rote Insel in der Karibik
berichtete.
Einige wenige konkrete Beispiele 1986: GEHEIM berichtet
über einen CIA-Mordversuch gegen den sandinistischen Außenminister
Nicaraguas, und Manfred Bissinger beleuchtet die Gründe, warum so viele
bundesdeutsche Journalisten für Geheimdienste arbeiten 1987: GEHEIM
enthüllt wesentliche Teile und Strukturen des CIA-Geheim-dienstnetzes in
der Bundesrepublik, die Bespitzelung der Grün-Alternativen
Liste in Berlin, BND-Strategien in Afghanistan sowie CIA-Putsch und
Mordpläne gegen Libyen, deren Fäden bis in die Bundesrepublik reichen
1988: erneut beleuchtet GEHEIM BND-Aktivitäten in Afghanistan, aber auch
das, was im Zuge der Iran-Gate-Veröffentlichungen nicht an die
Öffentlichkeit kommen sollte, sowie die Drogengeschäfte der CIA 1989:
GEHEIM macht Schlagzeilen: Wir veröffentlichten aus den
Panzerschränken des so genannten Verfas-sungsschutzes
Verkartungspläne, die Aufschluss über die Strukturen des
Bespitzelungen durch den bundesdeut-
GEHEIM veröffentlich den Verkartungsplan des
Verfassungsschutzes
schen Inlandsgeheimdienstes geben. Auf den Philippinen
berichteten fast alle Tageszeitungen über GEHEIM-Ent-hüllungen
über getarnt arbeitende CIA-Agenten, die tief verstrickt waren in die
Aufstandsbekämpfung des reaktionären Regimes in Manila. Auch der
Artikel Gestärkte Achse Washington-Preto-ria (Nr. 2-3/1989)
machte Furore als Beispiel für das aktive Engagement des Magazins an der
Seite der Befreiungsbewegungen des südlichen Afrikas, ANC und SWAPO.
GEHEIM zerrte nicht nur Einzelheiten des schmutzigen Krieges der
Apartheid-Geheimdienste an die Öffentlichkeit, sondern auch deren
strategische Allianz mit der CIA 1991: GEHEIM enttarnt eine Außenstation
des BND in Hamburg
1992: ,Mountaineer antwortet nicht mehr
lautet der Titel eines GEHEIM-Artikel, der von der Hauptstadt Ghanas, Accra,
bis hin nach Johannesburg und Washington für Schlagzeilen sorgt. Der
Artikel beschreibt nicht nur bis in alle Einzelheiten einen CIA-Putschversuch
in dem westafrikanischen Staat, sondern auch ein gelungene Operation des
südafrikanischen (Apartheid-)Militärge-heimdienstes DMI zur
Unterwanderung des ANC 1993: GEHEIM veröffentlicht
Verfas-sungsschutz-Aktionen gegen den GE-HEIM-Autor Thilo Weichert
und behält seine prominente Rolle in Südafrika durch weitere
Enthüllungen 1995: Einzelheiten des BND-Plutoni-umschmuggelskandals finden
sich in GEHEIM wieder 1996: GEHEIM berichtet über verdachtlose
Telefonüberwachung durch den BND sowie über einen gescheiterten
Putschversuch der CIA gegen Saddam Hussein 2000: Eine GEHEIM-Serie über
geheime Aktionen gegen die DDR sorgt für Diskussionen 2001:
GEHEIM greift in die Debatte über die Vergangenheit
Bundesaußenministers Joseph Fischer ein. Bohrende Fragen zu
möglichen Geheimdienstverstrickungen Fischers (CIA?) werden gestellt,
Indizien zusammengetragen, Konsequenzen aufgezeigt. GEHEIM gehört zu den
Ersten, die Zweifel an der offiziellen Version(en) der Hintergründe der
Terroranschläge vom 11. September äußert und auch nachweist
2002: Osama bin Laden, der Mann mit den vielen
Gesichtern, lautet eine Coverstory von GEHEIM, die die
CIA-Hintergründe des angeblichen Al-Qai-da-Chefs aufzeigt. Gleichzeit
entlarvt GEHEIM die US-Kriegsvorbereitun-gen gegen den Irak und die diese
absichernden, geheimdienstlich gesteuerten Desinformationskampagnen 2003:
GEHEIM berichtet detailliert über die Maßnahmen der USA unter dem
Deckmäntelchen der Demokratie gegen Venezuela 2004: GEHEIM
veröffentlicht unbekannte Dokumente des irakischen Widerstandes, aber
zugleich auch Einzelheiten der US-Destabilisierungspläne gegen Venezuela
und Cuba (High Noon in der Karibik lautet das GEHEIM-Dossier) 2005:
GEHEIM beschreibt en Detail die Kriegspläne der USA gegen Iran,
GEHEIM enthüllt eine BND-Station in Hamburg
Aspekte aus Geschichte und Gegenwart
der CIA sowie die Rolle geheimdienstlich gesteuerter
Propagandakampagnen
(Geheimdienste und Medien Geschichte und
Gegenwart der Desinformation)
Besonderes Gewicht bekamen viele GEHEIM-Stories durch die
Existenz des englischsprachigen Schwestermagazins von GEHEIM, Top Secret, das
zwischen 1988 und 1993 erschien und sich in wesentlichen Teilen auf GEHEIM
stütze, dessen Artikel in Englisch nachdruckte oder zusammengefasst
wiedergab.
Von Anfang an im Visier der Dienste Mit dem Erscheinen
der Nullnummer von GEHEIM 1985 entstand auch das gespannte Verhältnis
zwischen den Machern der Zeitschrift und dem bundesdeutschen
Inlandsgeheimdienst namens Bundesamt für Verfassungsschutz
(BfV) und seinen politischen Agentenführern. Kurz nach dem bekannt werden
der Existenz von GEHEIM drohte der christdemokratische Dienststelle und in
welcher Weise umgesetzt worden?
1989 beantwortete die schwarzgelbe Regierung per Drucksache
11/4294 eine Anfrage der GRÜNEN-Politikerin Schilling: Wie in der
Antwort auf die mündliche Anfrage des Abgeordneten Krey im Deutschen
Bundestag am 28. Februar 1985 dargelegt wurde, sind die verantwortlichen
Redakteure des Magazins GEHEIM in der Vergangenheit als Mitarbeiter
kommunistisch orientierter Publikationen bekannt geworden. Für die
Beobachtung entsprechender linksextremistischer Bestrebungen ist das Bundesamt
für Verfassungsschutz zuständig; es hat diese gesetzliche Aufgabe
auch weiterhin zu erfüllen. Des weiteren stellt die Bundesregierung
fest: Soweit Fragen darauf zielen, ob und ggf. welche operative
Maßnahmen des Verfassungsschutzes durchgeführt worden sind, muss
eine Beantwortung aus Geheimhaltungsgründen unterbleiben.
Hinter diesen vorgeblichen Gründen der Geheimhaltung
verstecken sich seitdem das BfV und die entsprechenden Landesämter, wenn
es ihnen darum
Symbolischer Dank für engagierte
Solidarität: SWAPO-Mitgliedsausweis für Opperskalski
wachten auch die Pullacher Schlapphüte die
Aktivitäten des Kölner Journalisten und seiner Kollegen.
Solange die Archive der Dienste verschlossen bleiben und es
keinen Bundesbeauftragten für die BfV-, MAD-, BND-Akten gibt,
der Interessierten ihre Akten zugänglich macht, ist es nicht möglich,
konkrete Angaben über das Ausmaß geheimdienstlicher Überwachung
zu machen. Die folgende Aufzählung kann lediglich einen groben Rahmen
abstecken.
Eine nicht ganz vollständige Aufzählung 1988,
1990 und 1991 entging Michael Opperskalski nur knapp Anschlägen, die mit
der CIA kooperierende Dienste und Gruppen auf den Philippinnen, in Namibia und
Zimbabwe gegen ihn verübt beziehungsweise geplant hatten. Auf den
Philippinen war das ausführende Organ eine marodierende
Vigilan-te-Gruppe, in Namibia und Zimbabwe der südafrikanische
militärische Apar-teid-Geheimdienst DMI.
1992 beschäftigte sich die United Sta
tes Information Agency (USIA) sehr intensiv mit dem
Journalisten. Im Internet definiert sie sich jetzt als eine
unabhängige, außenpolitische Agentur, die die US-Außenpolitik
und nationale Interessen unterstützt. Der Rückblick auf ihr
Bestehen 1953-1999 im Dienste des USAußenministeriums trägt den
signifikanten Untertitel: Telling Americas Story to The
World. Tatsache ist jedoch, dass die USIA immer wieder von
US-Staatssekretär im Bundesinnenministerium Spranger mit dem Verbot der
kritischen Zeitschrift. Das führte zu einer ersten Anfrage der Fraktion
Die GRÜNEN im Bundestag. Diese wollte wissen: Wie ist
die Ankündigung der Bundesregierung ... die Publikationstätigkeit der
nachrichtendienstkritischen Zeitschrift GEHEIM müsse weiter beobachtet
werden vor einer etwaigen Verbotsentscheidung, seither durch welche geht, ihre
operativen Maßnahmen, also die Bespitzelung der Redakteure
und ihres Umfeldes durch menschliche Quellen und technische Mittel, geheim zu
halten. Der Auslandsgeheimdienst BND (Bundesnachrichtendienst) darf an dieser
Stelle auch genannt werden. Wegen der internationalen Kontakte des
GEHEIM-Gründers Michael Opperskalski und des englischsprachigen
Schwestermagazins Top Secret über-
Das englischsprachige Schwestermagazin von GEHEIM, Top
Secret
Geheimdiensten instrumentalisiert wurden und werden,
insbesondere hinsichtlich der Verbreitung organisierter
Desinformationskampagnen. Im Juni 1992 verfasste diese
US-Regierungs-behörde einen Bericht für das Repräsentantenhaus,
der sich mit den Soviet Active Measures in the Post-Cold-War
Era 1988-1991 befasste. Namentlich aufgeführt und mit einem eigenen
Kapitel versehen (!) sind GEHEIM, Top Secret und ihr Gründer
Opperskalski. Angaben über weitere Redaktionsmitglieder und Autoren
fehlen. Den anonymen Verfassern der offiziellen US-Publikation ist es besonders
wichtig, die Bedeutung des Naming Names, also das Entlarven von Agenten der CIA
und andere US-Dienste, sowie dessen Aussagekraft zu relativieren. Als
Kronzeugen führen sie einen Überläufer des tschechoslowakischen
Dienstes an, der 1980 in einer Anhörung vor dem US-Kon-gress behauptete,
beim Naming Names handele es sich um eine sowjetische
Desinformationstechnik. Ein weiterer Punkt, der den US-Amerikanern
besonders schmerzte, waren die Veröffentlichungen in Top
Secret über die Experimente mit dem AIDS-Virus in
US-Militärlabors. Die unbekannten Autoren des US-Berichts mutmaßen,
GEHEIM habe die AIDS-Stories von Top Secret nicht übernommen,
weil die AIDS desinformation story bei der europäischen
Leserschaft weniger Glaubwürdigkeit besäße als in Afrika.
Besondere Beachtung schenken die US-Autoren den publizistischen Widerhall, den
Top Secret-Artikel 1991 in Namibia gefunden hatten. Damals gelang
es Opperskalski, zu zeigen, wie us-ameri-kanische und südafrikanische
Dienste versuchten, die ersten freien Wahlen im ehemaligen
Deutsch-Süd-West zu beeinflussen. Dem Bericht der USIA
lässt sich weiter entnehmen, dass die unbenannten Autoren auch
Opperskalski Buchpublikationen über die CIA in Mittelamerika, Iran,
Westeuropa und in der Dritten Welt im Blick gehabt haben. Nach einer kurzen
Unterbrechung, bedingt durch die Reorganisation von GEHEIM und Top
Secret, erscheinen beide Magazine im Herbst 1992 wieder. Der US-Report
schließt das Kapitel GEHEIM und Top Secret mit den Worten:
Es wird interessant sein, den Inhalt von Geheim [kursiv i. Original, die
Red.] und zukünftiger Themen im Licht seiner finanziellen Reorganisation
zu untersuchen.
1992 erschien im Washingtoner National Intelligence
Book Center das Buch The Readers Guide to Intelligence
Periodicals von Hayden B. Peake, dem von Insidern engste Beziehungen zur
US-Geheimdienstgemeinde nachgesagt werden. Der Autor stellt umfassend das
englische Top Secret vor, GEHEIM erscheint nur am Rande. Inhaltlich
deckt sich seine Darstellung mit dem USIA-Report. Unterschiede ergeben sich in
der Fokussierung auf einige Details. Peake gibt beispielsweise den Mordversuch
der CIA auf den Philipppinnen gegen Opperskalski wieder, sowie er in Top
Secret veröffentlich worden war. Des weiteren konstatiert er:
TOP SECRET [sic] schreibt negativ über andere westliche Dienste, wie
zum Beispiel den Mossad. Es ist überschwänglich mit dem kubanischen
DGI und über den alten [sic] KGB schreibt es überhaupt
nichts Kritisches. Erneut muss ein Überläufer herhalten,
diesmal ein Russe, der die Spekulationen um eine mögliche
Moscow-Connection untermauern soll. Peake meint hierzu: Falls
es so ist, dann könnte das neue russische Regime bedeuten, dass
Veränderungen auf T[op] S[ecret] zukommen.
Im Mai 2003 legte dann ein gewisser Herbert Romerstein nach.
In einem längeren Artikel unter der Titelzeile Cuba gehört zur
Achse des Bösen behauptet der Mann, GEHEIM sei Teil eines
internationalen Netzwerkes, dessen Existenz belege, dass Cuba in den so
genannten internationalen Terrorismus verwickelt sei und eben
deshalb zur Achse des Bösen gezählt werden müsse:
Sogar in Deutschland gegen Unterstützer Cubas propagandistische
Hilfestellung für die Unterstützung von Terroristen. Und er
nennt explizit GEHEIM, das seit Beginn der 90er Jahre einen
deutlichen cubanischen Geschmack
habe. Als Beispiele für die angebliche
propagandistische Unterstützung für
Terroristen durch GEHEIM führt er Artikel zur Verteidigung der 5
widerrechtlich in den USA eingesperrten cubanischen Patrioten oder zur
Verteidigung des irakischen Volkes sowie eine nicht existente publizistische
Verteidigung der Abteilung von Al-Quaida auf den Philippinen, Abu
Sayaf an. Der Mann ist nicht irgendein durchgeknallter Wirrkopf, sondern
zählt zu den geheimdienstlich angebundenen, prominenteren Propagandisten
der Neokonservativen in den USA, war jahrelang als Berater oder Gutachter
für diverse Senats- und Kongressausschüsse sowie die staatliche
Agentur USIA tätig. Der Geruch, der aus dem plumpen Desinformationsartikel
Romersteins entweicht, ist beißend, stinkend: Er unterstreicht die
Forderung geheimdienstlich angebundener neokonservativer Kreise in den USA nach
verstärkten Destabilisierungskampagnen gegen Cuba sowie die Verfolgung
kritischer Personen wie der GE-HEIM-Redakteure als Terroristen
Guantánamo lässt grüßen ...
Auch im Fadenkreuz bundesdeutscher Dienste Zeitlich
parallel zu den Publikationen in den USA gingen in Deutschland diverse
Aktivitäten gegen GEHEIM-Auto-ren von der Bühne.
Im Oktober 1991 hatte der BfV-Präsi-dent Eckart
Werthebach im Zuge einer operativen Maßnahme behauptet, in der
Zeitschrift würden zahlreiche Linksextremisten
mitarbeiten. Die Maßnahme richtete sich damals gegen Dr. Thilo Weichert.
Der Jurist kandidierte für das Amt des Landesbeauftragten für den
Datenschutz in Brandenburg. Später stellte ein Gericht fest, dass das BfV
rechtswidrig ein Dossier über Weichert weitergegeben hatte. Die
Bundesregierung wollte 1992 nicht darauf antworten, worauf ihre Erkenntnisse
über die zahlreichen Linksextremisten in GEHEIM
herrührten. Diesmal zog sie nicht Geheimhaltungsgründe
für ihre unzureichende Antwort heran, sondern zur Abwechslung
Rechtsgründe.
1993 starben unter zweifelhaften Umständen der
RAF-Aktivist Wolfgang Grams und der GSG9- Beamte Newrzella bei einer
BKA-Operation in Bad Kleinen. Ende 1993 reagierte GEHEIM mit einer
Sonderausgabe auf die Ereignisse. Zu den Autoren zählte auch der Polizist
und grüne Bundestagsabgeord-nete Manfred Such.
Die Retourkutsche kam im nächsten Jahr
direkt mehrmals.
Am Dienstag, den 8. November 1994, um 07:00 Uhr, drang ein
BKA-Kom-mando in Michael Opperskalskis Wohnung und Büroräume ein. Der
Grund für die Untersuchung lautete: Stasi-Verdacht. Die
Bundesanwaltschaft verdächtigte den Journalisten, in den 80er Jahren
für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sowie den kubanischen
Geheimdienst gearbeitet zu haben. Während die Durchsuchung andauerte,
brachten BKA-Beamte den GEHEIM-Redakteur in die Außenstelle nach
Meckenheim. Opperskalski berichtete am 23. November 1994 im Interview mit der
belgischen Wochenzeitung Solidaire von dem Verhör:
So sagte man mir, ein mir niemals namentlich genannter
ehemaliger Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) hätte
ausgesagt, dass ich als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das MfS
gearbeitet hätte, und zwar aufgrund meiner hervorragenden Kontakte in
Afrika und Lateinamerika als Perspektivagent. Zudem sei ich im Auftrag des MfS
verantwortlich für Desinformation
de ich jedoch vorläufig festgenommen und in das
Polizeigefängnis nach Bonn gesperrt, da ich nicht die Aussagen gemacht
hatte, die der Staatsanwalt und die verhörenden Beamte des BKA wohl
hören wollten.
Währenddessen ging die Durchsuchungsaktion weiter.
Die haben ziemlich viel Material mitgenommen, bezeichnenderweise kaum
Material, das man in Beziehung mit den Tatvorwurf bringen könnte,
hauptsächlich jedoch Material, das mit meiner journalistischen und
politischen Arbeit in Verbindung steht: Adressenkarteien, Kopien von auf meinem
Computer abgespeicherten Dateien, Notizzettel, Photographien von
internationalen Konferenzen, Computerdisketten, Zeitungsartikel und
Flugblätter, Informationen über Korea, Südafrika, Kuba, Angola
...
Schon damals vermutete Opperskalski, dass der
Stasi-Verdacht nur als Vorwand diente: Meine journalistische
Tätigkeit ist nicht nur den Geheimdiensten der BRD, sondern des gesamten
imperialistischen Lagers ein Dorn im Auge. Beide Magazine, GEHEIM und Top
Secret, ...beschäftigen sich mit imperiali
ben anderen Journalisten sowie politischen Aktivisten, die
sich am Kampf gegen das südafrikanische Apartheid-Re-gime aktiv beteiligt
hatten zu diskreditieren oder wie auch immer
kaltzustellen.
Ein Verdacht liegt auf der Hand Mit Blick auf die oben
genannten US-Quellen fällt auf, wie der Verdacht der Bundesanwaltschaft
den Bewertungen und Spekulationen von USIA und Peake folgt. Die Frage ist, ob
die Anklagebehörde und ihr zuarbeitende deutsche Dienste sich von der CIA
fernsteuern ließen oder eigenständig handelten.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Verhaftung fanden
weltweit Protestaktionen vor deutschen Vertretungen statt. Zahlreiche
Solidaritätserklärungen gingen bei Opperskalski ein. Wochen
später erhielt Michael Opperskalski die beschlagnahmten Unterlagen wieder.
Die Bundesanwaltschaft konnte ihren Verdacht nicht erhärten. Bleibt also
nach wie vor die Frage, ob die CIA ihre bundesdeutschen
Partnerdienste bei den Aktionen gegen Opperskalski
anleitete. Nur eine Öffnung aller Geheimdienstarchive
könnte hier Klarheit schaffen.
Trotz des Fehlschlages bei der Diffamierung von GEHEIM
ließen die bundesdeutsche Dienste nicht locker und versuchten, ihre
Schwarte anderweitig auszuwetzen.
Im Spätsommer 1994 inszenierte der BND in Kooperation
mit dem bayerischen LKA und spanischer Helfer den Münchner
Plutoniumschmuggel. Aus den Widersprüchen um diesen Schlag
gegen die Atommafia der rechtzeitig vor der Bundestagwahl
erfolgt war entsprang der Bundestagsuntersuchungsausschuss
Plutonium. Die
Solidarität mit dem irakischen Volk: Opperskalski
kurz vor dem US-Angriff in Bagdad
heimdiensten und Interessen zu schaden. Diese
Desinformation hätte ich über die Magazine GEHEIM und Top
Secret sowie andere Medien lanciert. Für all diese Tätigkeit
hätte ich vom MfS dann die stolze Summe von DM 2000 alle drei Monate
bekommen. Ich hätte mich regelmäßig in der Hauptstadt der DDR,
Berlin, mit meinem Führungsoffizier getroffen und sei im MfS
unter dem Code-Namen ABRAHAM gelaufen. Allerdings, so
gab es selbst der Denunziant beim BKA in seinem offiziellen
Verhör zu, hätte ich niemals irgendetwas unterschrieben, das meine
angebliche Agententätigkeit beweisen könnte. Mir wurden
auch keinerlei Dokumente oder andere Beweise für die aus der
Luft gegriffenen Anschuldigungen vorgelegt, die einzig und allein auf den
denunziatorischen und konstruierten Aussagen eines angeblich existierenden
ehemaligen Offiziers des MfS basieren!
Beim BKA setzte man daher auf psychischen Druck, um den
Journalisten zu entsprechenden Aussagen zu verleiten. Opperskalski erinnert
sich: Zunächst sagte man mir, man hätte nur einige Fragen und
ich könne nach deren Beantwortung nach Hause gehen. Am Abend wur
stischen Destabilisierungen und Strategien, bei denen die
Geheimdienste eine nicht zu unterschätzende Schlüsselrolle
spielen. Konkret meint der Journalist: So enthüllten wir die
Destabilisierungsstrategien des Apartheid-Regimes iim Wahlkampf 1989 gegen die
Befreiungsbewegung SWAPO, wir veröffentlichten Komplotte und
Hintergründe von Mordanschlägen gegen den ANC oder das CIA-Netz auf
den Philippinen, das als Rückgrat im Kampf gegen die revolutionäre
Bewegung dieses Landes zu sehen ist.
Kurz vor der BKA-Aktion gegen ihn hatte Opperskalski eine
Warnung erhalten. CIA und südafrikanischer Geheimdienst hätten die
Operation Skorpion gestartet, die zum Ziel hatte, ihn
ne-Bundestagsgruppe der PDS engagierte den damaligen GEHEIM-Redakteur
Hans-Peter Bordien als ihren Berater. 1995 stufte der Sicherheitsbeauftragte
des Bundestages ihn nach erfolgter Sicherheitsüberprüfung
als Sicherheitsrisiko ein. Der Grund: Seine Tätigkeit in
GEHEIM.
1995 erfolgt die Nennung der Zeitschrift im
Verfassungsschutzbericht 1994. Sie sei
linksextremistisch, heißt es dort. Die Wochenpost
(27.7.1995), die FAZ (28.7.1995) und die rechtsextreme Junge Freiheit
(28.7.1995) reagieren mit entsprechenden Kampagnen auf die Verlautbarung der
Schlapphüte aus Köln. Ins Fadenkreuz der Medienkampagne geriet der
grüne Politiker Manfred Such wegen seines Beitrages in der Bad
Kleinen-Ausgabe. Der Abgeordnete saß damals für die
GRÜNEN in der Parlamentarische Kontrollkommission (PKK), die die
Geheimdienste überwachen soll.
1996 geriet dann der GEHEIM-Re-dakteur Rolf
Gössner in die Schlagzeilen. Der Rechtsanwalt und Berater der Grünen
im niedersächsischen Landtag hatte beim BfV um Auskunft über seine
Akte nachgefragt. Aus der Antwort ergab sich, dass der Geheimdienst
Gössner seit einem Vierteljahrhundert beobachtete. Die Spione lasteten ihm
an, dass Artikel von ihm in linksextremistischen oder
linksextremistisch beeinflussten Zeitschriften erschienen seien.
GEHEIM stand dort neben den Blättern für deutsche und
internationale Politik und Demokratie und Recht. Neben
Gössners Publikationen habe das BfV auch weitere personenbezogene
Daten über den Polizei- und Geheimdienstkritiker gespeichert,
hieß es weiter. Gegen Gössners Bespitzelung protestierten unter
anderem zahlreiche Schriftsteller, von Carl Amery über Lew Kopelew und
Erasmus Schöfer bis hin zu Gerhard Zwerenz. Der Verband Deutscher
Schriftsteller forderte die Einstellung der Überwachung und die
Offenlegung aller gespeicherter Daten. 1997 stellte die Fraktion von
Bünd-nis90/Die GRÜNEN hierzu eine Anfrage an die Bundesregierung. Die
schwarzgelbe Exekutive antwortete wie gewohnt ausweichend. So hieß es
unter anderem, die Erhebung von personenbezogenen Daten durch den
Verfassungsschutz behindere nicht die Ausübung der beruflichen
Tätigkeit durch den Betroffenen.
Im Verfassungsschutzbericht 1995, der 1996
erschien, hatten die anonymen Autoren GEHEIM nicht erwähnt. Nach der
Berichterstattung über Rolf Gössners Bespitzelung tauchte die
Zeitschrift erwartungsgemäß in der Ausgabe des Jahres 1997 auf.
Seitdem fanden keine offenen Maßnahmen gegen die
Zeitschrift oder ihre Redakteure statt. Erst 2002 fällt der Name GEHEIM
wieder bei der Antwort der rotgrünen Bundesregierung auf eine Anfrage der
CDU/CSU-Fraktion. Demnach rechnet das Bundesministerium des Innern GEHEIM
weiterhin als Teil des linksextremistischen Spektrums ein.
Allerdings häufen sich in jüngerer Vergangenheit
Verleumdungskampagnen gegen GEHEIM-Redakteur Opperskalski in linken Kreisen
(vgl. dazu auch: GEHEIM, Nr. 2/02). Dort wird behauptet, dieser arbeite
für den Verfassungsschutz. Indizien weisen darauf hin, dass es
eben jener Inlandsgeheimdienst ist, der dieses Gerücht in die Welt setzte,
um den GEHEIM-Redakteur zu diskreditieren. In eine ähnliche Richtung
zielte vor geraumer Zeit die Behauptung, Opperskalski arbeite für den
britischen Geheimdienst. Als eigentliche Quellen hierfür lassen sich dabei
so
20 JAHRE GEHEIM
wohl der südafrikanische militärische
Apartheid-Geheimdienst DMI als auch der türkische MIT nachweisen. Dass die
tatsächlichen Urheber jedoch im CIA-Hauptquartier in Langley sitzen
könnten, lässt sich lediglich annehmen. Das Ziel dieser
Diffamierungskampagnen liegt ganz offensichtlich auf der Hand. Die Redakteure
von GEHEIM sollen gezielt diskreditiert werden, um sie für den Fall
erneuter, direkter Repressionen notwendiger Solidarität zu berauben und
sie als Sahnehäubchen auf dem Kaffee bereits jetzt
unglaubwürdig zu machen.
Über die operativen Maßnahmen können die
GEHEIM-Redakteure nur Spekulationen anstellen. Hier und da tauchen technische
Probleme bei der Kommunikation per Post, Handy und Telefon auf, die vermuten
lassen, dass jemand die Bedienungsanleitung seines IMSI-Catchers
noch nicht richtig verstanden haben könnte. Erhärtet werden solche
Spekulationen jedoch durch eine nachgewiesene Abhöraktion im unmittelbaren
Umfeld der GEHEIM-Re-dakteure. Gespenster sieht die Redaktion trotzdem nicht
und bereitet in aller Ruhe und der nötigen Umsicht auf die nächsten
Ausgaben vor in der Gewissheit, dass eines Tages auch die Archive von
BND, BfV und MAD in Camp Nikolaus, der Merianstraße 100 und dem Heeresamt
in Köln für interessierte Bürgerinnen und Bürger offen
stehen werden.
Verlag und Vertrieb GNN Gesellschaft für
Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung, Verlagsgesellschaft in
Schleswig-Holstein / Hamburg Neuer Kamp 25, 20359 Hamburg Tel.: (0 40) 43 18 88
20; Fax: 43 18 88 21 E-Mail: gnn-hhsh@hansenet.de Konto: Postbank Hamburg, 25
265-201, BLZ 200 100 20
Bezugsbedingungen Einzelheft: 4,30 Euro Jahresabo:
19,40 Euro Ermäßigtes Abo für Schüler, Studenten,
Arbeitslose, Rentner: 14,30 Euro Organisationsabo: 35,80 Euro Förderabo:
35,80 Euro Anschlussgebiet: 14,30 Euro (Auslandsabos werden gesondert
berechnet.)
Infos: 0221-2839995 /Abo-probeexemplar@geheim-magazin.de
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