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Ein Blick auf das Geheimnis der Nazis in Neuschwabenland aus
englischer Sicht
Autor: James Robert
E-Mail: james-robert@hotmail.co.uk © 2005
Einleitung
Bereits 1938 schickte Nazi-Deutschland eine Expedition in
die Antarktis, um nach einem Standort für einen möglichen
Stützpunkt zu suchen und im Namen des Dritten Reichs offiziell
Ansprüche auf das Gebiet zu erheben. Als Vorbereitung auf die Expedition
lud man den großen Polarforscher Richard E. Byrd zu einem Vortrag ein. Im
darauffolgenden Jahr, einen Monat nach Kriegsbeginn, kehrten die Deutschen nach
Neuschwabenland zurück, um zu vollenden, was sie begonnen hatten; viele
Hinweise existieren, daß es sich dabei um den Bau eines Stützpunkts
handelte.
Neun Jahre später wurde Richard E. Byrd, mittlerweile
Admiral in der Marine der Vereinigten Staaten, in die Antarktis geschickt,
zusammen mit der größten Spezialeinheit, die je zu einer
Polarexpedition aufgebrochen war. Laut Admiral Byrds eigener Aussage war diese
Mission mit dem Codenamen Highjump in erster Linie militärischer
Natur".[1]
Viele behaupten, daß die Spezialeinheit losgeschickt
wurde, um einen geheimen Stützpunkt der Nazis in Queen Maud Land zu
zerstören, eine Region, die von den Nazis Neuschwabenland" genannt
wurde und die bisher nie gründlich erforscht worden war. Angesichts der
Tatsache, daß Admiral Byrd von Flugobjekten sprach, die mit
unglaublicher Geschwindigkeit von Pol zu Pol rasten"[2], und angesichts der
vielen Belege für frühere deutsche Aktivitäten dort, kann man
sich wirklich fragen, ob nicht doch etwas dran ist an der Legende von Nazis in
der Antarktis. Könnte es aber trotzdem sein, daß die Operation
Highjump und Byrds Zitat durch bewußte Fehlinformationen von der Wahrheit
über britische Exkursionen in die Antarktis ablenken sollten?
Wenn es um das Rätsel der Antarktis geht, ist die Rolle
Großbritanniens dabei nie mehr als eine Randnotiz wert. Diese Tatsache
ist an sich schon überraschend, vor allem, da die britischen Truppen
während des ganzen Kriegs in der Antarktis aktiv waren.
Möglicherweise begannen sie schon ganze 12 Monate, bevor die US-Operation
Highjump ins Leben gerufen wurde, die Initiative gegen die Bedrohung durch die
Nazis in der Antarktis.
Die britischen Aktivitäten in der Antarktis, obwohl
wenig bekannt und im Verborgenen durchgeführt, sind ebenso faszinierend
wie die vielgerühmte Operation Highjump. Großbritannien ging zwar
als Sieger aus dem Krieg hervor, mußte aber Bankrott und Demütigung
durch die beiden neuen Supermächte erdulden. Doch vielleicht war man in
der Lage, ein wenig Stolz zurückzuerobern und die vermeintlichen
Verbündeten zu irritieren, indem man die letzte, entscheidende Schlacht
gegen die überlebenden Nazis führte: eine Schlacht, die nie in den
Geschichtsbüchern stehen sollte.
Antarktis-Briefmarken: Anspruch oder Gedenken?
Am 1. Februar 1946 erschien mit Erlaubnis Seiner
Königlichen Majestät eine Serie Briefmarken, die weltweit
Empörung hervorrief und das kriegsmüde Großbritannien in eine
diplomatische Krise stürzte. Die acht Marken, die so viel Anstoß
erregten, erinnerten an Großbritanniens Anspruch auf die Falklandinseln,
allerdings zeigte eine von ihnen dabei auch eine Regionalkarte der Antarktis,
wobei die Ansprüche Chiles und auch Argentiniens Anspruch auf diesen
Kontinent vollkommen ignoriert wurden. Warum sollte Großbritannien eine
internationale Krise heraufbeschwören, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an
dem sich die Weltwirtschaft in einer Notlage befand, und auch noch wegen einer
absolut lebensfeindlichen Region?
Viele Historiker behaupten, daß dies durch Englands
Rohstoffknappheit bedingt worden sei, für welche die Antarktis eine
Lösung bereit zu halten schien. Die Briefmarken stellten angeblich einen
Weg dar, diese Ansprüche fortzuschreiben. Diese Behauptung mag zwar
teilweise korrekt sein, erklärt aber nicht, warum sich britische Truppen
als Teil der Operation Tabarin unmittelbar bei Kriegsende und auch noch danach
auf dem antarktischen Kontinent aufhielten.
Die Operation Tabarin war ins Leben gerufen worden, um die
deutschen Aktivitäten auf dem südarktischen Kontinent zu
überwachen. Die bekannten britischen Stützpunkte lagen vor allem auf
der antarktischen Halbinsel, etwa in Port Lockroy und Hope Bay, sowie auf den
umgebenden Inseln, zum Beispiel auf den Inseln Deception und Wiencke - obwohl
es auch einige Stützpunkte auf dem Festland gab. Der geheimste
Stützpunkt ist immer noch unbekannt und wird es wohl auch immer bleiben:
Der Stützpunkt in Maudheim, in der Nähe der Mühlig-Hoff-mann
Bergkette in Queen Maud Land bzw. Neuschwabenland war so geheim, daß er
nie einem Namen bekam oder auf einer offiziellen Karte verzeichnet wurde.
Könnten die besagten Briefmarken auch herausgegeben
worden sein, um einer erfolgreichen Mission in Queen Maud Land zu gedenken?
Tatsachen und Gerüchte, sowie die Geschichte eines SAS (Special Air
Service) Offiziers bringen ein wenig Licht ins Dunkel des Kriegsschauplatzes
Antarktis - einer Front, die seit 60 Jahren geheim gehalten wird und einer
Schlacht, über die die Öffentlichkeit nie etwas erfahren sollte.
Großbritannien hat die Berichterstattung über
derart viele Ereignisse des 2. Weltkriegs im Namen der nationalen Sicherheit
unterdrückt, daß man selbst nach 60 Jahren noch immer nicht viel
darüber weiß - angefangen bei Rudolf Hess bis hin zu noch dunkleren
Kapiteln wie dem Wissen der Briten über die Nazi-Vernichtungslager, dem
Flirt der republikanischen Streitkräfte Irlands mit den Nazis, sowie der
noch weniger bekannten Geheimnisse um die Konzentrationslager auf britischem
Boden, nämlich auf der Kanalinsel Alderney. Schon diese wenigen Beispiele
lassen eine Systematik des Verschweigens vermuten - und in einigen anderen
Beispielen kann wohl auch von einer vollkommenen Leugnung ausgegangen werden.
Die Antarktis ist hier keine Ausnahme.
Keiner der Teilnehmer der Neuschwabenlandkampagne ist
mittlerweile noch unter uns. Der letzte Überlebende erzählte mir
über diese vergessene Schlacht die nun folgende Geschichte. Ich
möchte betonen, daß er mir die Geschichte zweimal erzählte, im
Abstand von zehn Jahren, und daß sie beide Male absolut gleich lautete.
(Siehe aber meine nachfolgend kritische Bemerkung HPT)
Die Neuschwabenland-Kampagne - der letzte Überlebende
erzählt
Als in Europa der Frieden verkündet wurde, befand
meine Einheit sich gerade in einer Höhle im ehemaligen Jugoslawien. Ich
war froh, daß der Krieg endlich zu Ende war, doch es war uns auch
bewußt, daß er für uns durchaus noch weitergehen könnte,
denn in der Pazifikregion wurde immer noch gekämpft, und in Palästina
nahmen die Spannungen ständig zu.
Gott sei Dank mußte ich nicht am Krieg gegen Japan
teilnehmen - aber leider wurde ich in Palästina stationiert, wo der
Zustrom an Juden und das Aufkommen des zionistischen Terrorismus nicht nur
unter der Bevölkerung Angst verbreiteten, sondern auch unter den
britischen Soldaten, die dorthin geschickt worden waren, um Unruhen zu
verhindern. Ich mußte befürchten, daß mein Aufenthalt in
Palästina noch lange dauern könnte. Viele meiner Kameraden sah ich
sterben. Gott sei Dank erhielt ich Anfang Oktober 1945 den Befehl, mich bei
meinem Kommandeur zu melden, denn ich war für eine Mission in Gibraltar
ausgewählt worden, die so geheim war, daß keiner meiner Offiziere
wußte, warum man dafür mich genommen hatte. Mir wurde nicht gesagt,
warum ich mich melden sollte, aber ich ging in der Hoffnung, bald darauf ins
Zivilleben entlassen zu werden. Wie falsch ich lag! Ich sollte ein weiteres
Weihnachtsfest an einem Kriegsschauplatz verbringen.
Sobald ich in Gibraltar ankam, wurde ich von einem Major
beiseite genommen und informiert, daß ich für weitere Instruktionen
auf die Falklandinseln geschickt würde, und daß dort weitere
Soldaten einer anderen britischen Eliteeinheit dazustoßen würden.
Das Ganze wurde immer rätselhafter, als wir unter absolutem Stillschweigen
auf die Falklandinseln geflogen wurden. Man befahl uns, nicht einmal
darüber zu spekulieren, warum wir ausgewählt worden waren, oder wohin
wir gebracht würden.
Als wir auf den einsamen, unwirtlichen Falklandinseln
ankamen, wurde uns der Offizier vorgestellt, der die Expedition leiten
würde, und ein Norweger, der im norwegischen Widerstand gekämpft
hatte, ein Fachmann für Kriegsführung unter winterlichen Bedingungen,
der uns auf eine Mission vorbereiten sollte, von der wir keine Ahnung
hatten.
Die Falklandinseln gelten heute als das bestgehütete
Geheimnis der britischen Armee, und dort stationiert zu sein, bedeutete
normalerweise ein paar einfache Jahre; das war jedoch in den 40er Jahren anders
- vor allem für die, die zusammen mit mir ausgewählt worden
waren.
Einen Monat lang mußten wir ein mörderisches
Training absolvieren, das uns für den Kampf bei kalter Witterung
vorbereiten sollte. Das Training reichte vom Schwimmen im eiskalten Atlantik
bis zu Überlebensübungen gegen die Naturgewalten in einem Zelt auf
South Georgia; das Training war unglaublich anstrengend, und der Wahnsinn, den
wir durchleben mußten, schien keinen Sinn zu ergeben.
Nach einem Monat jedoch wurden wir von einem Major und einem
Wissenschaftler über unsere bevorstehende Mission in Kenntnis gesetzt.
Dabei wurde uns klar, daß wenig Aussicht darauf bestand, daß wir
alle zurückkehren würden, vor allem, wenn die Vermutungen, über
die man uns erzählte, sich als wahr erweisen würden. Man informierte
uns, daß wir ungewöhnliche" Aktivitäten untersuchen
sollten, die sich im Bereich des britischen Stützpunkts Maudheim
abspielten, im Gebiet um die Mühlig-Hoffmann Berge herum. Die Antarktis,
so sagte man uns, sei Großbritanniens geheimer Kriegsschauplatz".
Dann informierte man uns über britische Aktivitäten während des
Krieges in der Südpolregion.
Diese Enthüllungen verblüfften uns; keiner von uns
hatte je etwas annähernd so Faszinierendes oder Erschreckendes
gehört. Es war nicht allgemein bekannt, daß die Nazis 1938 und 1939
in der Antarktis gewesen waren, und noch viel weniger war bekannt, daß
als Reaktion darauf die Briten begannen, geheime Stützpunkte in der
Region
zu errichten. Der Stützpunkt, auf den wir uns begeben
sollten, war nicht nur der größte und wichtigste, sondern auch der
geheimste von allen. Der Grund für seine große Bedeutung war,
daß er sich weniger als 300 Kilometer entfernt von dem Ort befand, an dem
man den Antarktisstützpunkt der Nazis vermutete.
Wir waren sprachlos, aber es wurde noch rätselhafter.
Man berichtete uns von deutschen Aktivitäten im Polarmeer. Wir erfuhren
auch, daß eine unbekannte Zahl deutscher U-Boote spurlos verschwunden'
sei, und noch schlimmer: Einige der Boote, die sich Monate nach Kriegsende
ergeben hätten, gäben Anlaß zu weiteren Spekulationen.
Die britischen Truppen hatten drei große Namen
gefaßt: Hess, Himmler und Dönitz - und damit Informationen erhalten,
die sie weder mit Rußland noch mit den USA zu teilen beabsichtigten.
Diese Informationen veranlaßten Großbritannien, alleine zu handeln,
und wir sollten die Speerspitze dieser Operation bilden.
Man teilte uns nur unspezifisch mit, was man von uns
erwartete, und was Großbritannien in der Antarktis zu finden vermutete.
Es existierte aber der starke Verdacht, daß die Deutschen einen geheimen
Stützpunkt errichtet hatten, und daß viele der unauffindbaren Nazis
aus Europa dorthin geflüchtet seien.
Und später erfuhren wir immer mehr. Im vergangenen
Sommer, so sagte man uns, hätten die ursprünglichen Wissenschaftler
und Einheiten einen alten Tunnel" gefunden. Man habe den Befehl erhalten,
hineinzugehen, aber nur zwei seien zurückgekehrt, bevor der arktische
Winter einsetzte. Während der Wintermonate sendeten diese beiden
Überlebenden per Funk absurde Geschichten über Polarmenschen,
alte Tunnel und Nazis". Im Juli 1945 sei der Funkkontakt vollständig
abgebrochen. Wir lauschten der Aufzeichnung einer angsterfüllten Stimme,
die schrie:... die Polarmenschen haben uns gefunden, bevor der
Kontakt abbrach.
Nachdem man uns den Funkspruch vorgespielt hatte, hielt der
Major, der unsere Expedition anführen sollte, eine mitreißende
Ansprache. Wir werden uns auf den Stützpunkt Maudheim begeben, den
Tunnel finden, das Rätsel um die Polarmenschen und die Nazis untersuchen,
und tun, was in unseren Kräften steht, um der Bedrohung durch die Nazis
ein Ende zu setzen.
Als wir endlich Fragen stellen durften, waren die Antworten
ehrlich und klar. Wir wurden informiert, daß Ablenkungsmanöver
vorgesehen waren, denn man wisse genau, daß auch die USA und die UdSSR
eigene Expeditionen planten, und man wolle nicht riskieren, daß eins der
beiden anderen Länder den Stützpunkt vor uns entdecke und damit
weitere Nazi-Technologie für seine eigenen Zwecke nutzen könne. Beide
hatten schon jetzt einen technologischen Vorsprung vor Großbritannien,
aufgrund der Wissenschaftler, Ausrüstung und Forschungsergebnisse, die sie
in Deutschland beschlagnahmt hatten. Dennoch sollte Großbritannien das
Land sein, das die Bedrohung letztlich zerstörte, denn die Briten
betrachteten die Antarktis als ihren Zuständigkeitsbereich, und wenn es
dort Nazis gäbe, dann sei es unsere Pflicht, sie zu vernichten und auf
diese Weise sowohl den USA als auch der UdSSR die Möglichkeit zu nehmen,
den Ruhm dafür einzuheimsen, die letzte Schlacht des 2. Weltkriegs
geschlagen zu haben.
Wir wurden dann zur Absprungstelle geflogen, 30 Kilometer
vom Stützpunkt Maudheim entfernt; Schneefahrzeuge waren bereits dorthin
gebracht worden und warteten auf uns. Nachdem wir voller Angst und Sorge mit
Fallschirmen über der eisigen Wildnis abgesprungen waren, erreichten wir
die Fahrzeuge, und von diesem Augenblick an befanden wir uns im Krieg.
Wir mußten unter totaler Funkstille operieren. Wir
waren allein, ohne Rückendeckung, und - sollten sich unsere schlimmsten
Befürchtungen bestätigen - ohne Möglichkeit zum
Rückzug.
Wir näherten uns dem Stützpunkt vorsichtig, aber
als wir ankamen, schien die Basis verlassen wie eine Geisterstadt. Das kam uns
zwar sofort verdächtig vor, aber wie bei allen vorherigen Schlachten, in
denen ich im Krieg mitgekämpft hatte, galt es, einen Auftrag zu
erfüllen, und unsere persönlichen Ängste sollten dabei unser
Urteilsvermögen nicht trüben.
Als wir uns trennten, um den Stützpunkt in kleineren
Gruppen abzusuchen, löste ein Stolperdraht einen Alarm aus, und der
plötzliche Lärm versetzte die ganze Einheit in Alarmbereitschaft.
Bald darauf hörte man jemanden rufen, der verlangte zu wissen, wer wir
seien. Wir konnten nicht sehen, wo die Stimme herkam. Wir hielten unsere Waffen
schußbereit, der Major erklärte, wer wir seien, und dann tauchte
Gott sei Dank die Person auf, zu der die Stimme gehörte. Es handelte sich
um einen einzelnen Überlebenden, und was er uns berichtete, versetzte uns
noch mehr in Angst und ließ uns wünschen, wir wären nicht so
wenige Mann.
Der Überlebende behauptete, in Bunker Eins befände
sich der zweite Überlebende aus dem Tunnel, zusammen mit einem der
mysteriösen Polarmenschen, von denen wir in dem Funkspruch gehört
hatten. Trotz aller Warnungen und Einwände dieses Überlebenden
erhielten wir den Befehl, Bunker Eins zu öffnen. Der Überlebende
mußte festgehalten werden, und seine Angst und Verzweiflung versetzte
auch uns in Panik. Keiner von uns wollte derjenige sein, der den Bunker
betrat.
Glücklicherweise wurde diese Ehre nicht mir sondern dem
jüngsten Mitglied unserer Einheit zuteil. Er zögerte ein wenig, als
er noch mit der Tür kämpfte, aber ging dann schließlich hinein.
Als er drinnen war, senkte sich eine kurze Stille über den
Stützpunkt, die Augenblicke später durch zwei Schüsse
erschüttert wurde. Dann wurde die Tür aufgerissen und der
Polarmensch" stürmte in die Freiheit. Keiner von uns hatte mit dem
gerechnet, was wir da sahen, und der Polarmann war so schnell im Gelände
verschwunden, daß nur ein paar vereinzelte Schüsse auf ihn abgegeben
wurden.
Mit Furcht und Staunen über das, was wir gesehen
hatten, beschlossen wir jetzt alle, in den Bunker zu gehen. Wir fanden zwei
Leichen. Der Soldat, der das kurze Streichholz gezogen hatte, lag mit
aufgeschnittener Kehle dort, und noch gräßlicher war der Anblick des
anderen Überlebenden, von dem nur noch die Knochen übrig waren.
Was wir gesehen hatten, verlangte nach Erklärungen; und
unsere unbändige Wut darüber, daß schon wenige Stunden nach
unserer Ankunft auf dem Kontinent ein Mann unserer Einheit tot war, richtete
sich gegen den einsamen Überlebenden, der uns davor gewarnt hatte, Bunker
Eins zu öffnen.
Die gesamte Einheit lauschte gebannt den Fragen des Majors,
aber es waren die Antworten, die die größte Verblüffung
hervorrufen sollten. Die erste Frage bezog sich auf den anderen
Überlebenden, und wie es dazu gekommen sei, daß er zusammen mit dem
Polarmenschen in dem Bunker eingesperrt wurde. Unser Überlebender wollte
jedoch lieber
alles von Anfang an erzählen, von dem Moment an, als
sie den Tunnel fanden. Während der Mann das Geschehene berichtete, schrieb
der uns begleitende Wissenschaftler alles mit.
Es stellte sich heraus, daß es sich bei dem Gebiet in
der Nähe des Tunnels um eins der einzigartigen, trockenen Täler in
der Antarktis handelte, und deshalb hatten sie den Tunnel auch so leicht finden
können. Alle 30 Mann, die auf dem Stützpunkt Maudheim stationiert
waren, erhielten den Befehl, den Tunnel zu untersuchen, und, wenn möglich,
herauszufinden, wohin genau er führte.
Sie waren kilometerweit durch den Tunnel gelaufen, bis sie
schließlich eine riesige, unterirdische Höhle erreichten, in der es
ungewöhnlich warm war; einige der Wissenschaftler glaubten, daß die
Wärme geothermalen Ursprungs sei. In der riesigen Höhle hätten
sich auch Seen befunden; noch rätselhafter sei allerdings gewesen, .
daß die Höhle künstlich beleuchtet war. Sie sei so enorm
groß gewesen, daß sie sich aufteilen mußten, und dabei
machten sie die wirklichen Entdeckungen.
Die Nazis hatten angeblich in den Höhlen einen riesigen
Stützpunkt errichtet und sogar Hafenanlagen für U-Boote gebaut. Und
je weiter unsere Leute vorgedrungen seien, desto merkwürdiger seien die
Eindrücke geworden, die sich ihnen boten. Der Überlebende
erzählte, daß sie Hangars für seltsame Flugzeuge und jede
Menge Ausschachtungen" entdeckt hätten. Allerdings sei ihr Eindringen
nicht unbemerkt geblieben: Die beiden Überlebenden der Maudheim Basis
hätten mit ansehen müssen, wie ihre Kameraden gefangen genommen und
einer nach dem anderen exekutiert wurden. Nach sechs dieser Exekutionen seien
sie in Richtung Tunnel geflohen, um ihn zu blockieren, bevor auch sie erwischt
würden. Doch es sei zu spät gewesen: da seien schon die
Polarmenschen gekommen," behauptete der Überlebende.
Mit den Verfolgern dicht auf den Fersen, blieb ihnen also
keine andere Wahl, als zurück zum Stützpunkt zu gelangen, um ihren
Vorgesetzen von. ihren Entdeckungen zu berichten. Es gelang ihnen, zu fliehen,
aber der Winter stand vor der Tür, und die Aussichten, herausgeholt zu
werden, waren schlecht. Sie hätten .es für ihre Pflicht gehalten, das
Wissen über den geheimen Nazi-Stützpunkt weiterzugeben; also trennten
sie sich, jeder mit einem Funkgerät ausgerüstet, und warteten in
verschiedenen Bunkern. Einer der beiden Männer lockte einen der
Polarmenschen in den Bunker, in der Hoffnung, den Eindruck zu erwecken, nur
einer habe überlebt. Der Plan funktionierte zwar, aber er kostete ihn das
Leben, und auch das Funkgerät sei zerstört worden.
Leider hatte dieser tapfere Soldat in Bunker Eins das
einzige wirklich voll funktionsfähige Funkgerät bei sich gehabt, und
der andere Überlebende hatte nun keine andere Wahl, als auf Hilfe zu
warten und dabei zu versuchen, nicht vollkommen verrückt zu werden.
Das Rätsel um die Polarmenschen wurde erklärt -
wenn auch nicht wirklich befriedigend, und zwar als Produkt wissenschaftlicher
Experimente der Nazis. Und auch die Frage, wie die Nazis die Energieversorgung
aufrechterhielten, wurde beantwortet, wenn auch nicht wissenschaftlich
erklärt. Die Energie habe von Vulkanen gestammt, von denen sie genug Hitze
erhielten, um Dampf zu produzieren, was auch als Erklärung für die
Produktion einer gewissen Menge an Strom diente; allerdings hätten die
Nazis offensichtlich noch eine unbekannte Energiequelle beherrscht, denn der
Überlebende behauptete: ...nachdem was ich sah, kann die Menge an
Strom nicht nur mit Dampf produziert worden sein.
Unser Wissenschaftler nannte das meiste von dem, was der
Mann uns erzählte, Unsinn und warf ihm mangelnde wissenschaftliche
Kenntnisse vor und stellte sich auf den Standpunkt, daß diese Geschichte
wohl kaum wahr sein könne. Doch obwohl der Wissenschaftler den
Bericht des Überlebenden abtat, glaubte ihm der Major. Er wollte mehr
über den Feind wissen, mit dem wir es da zu tun hatten, aber in erster
Linie interessierte ihn im Augenblick, was der Polarmann wohl als nächstes
tun werde. Die Antwort war keineswegs beruhigend und yeranlaßte den
Wissenschaftler, den Überlebenden endgültig für verrückt zu
erklären. Jedenfalls ist beunruhigt" eher eine zu schwache
Beschreibung dafür, wie wir uns fühlten, als der Mann auf die Frage
des Majors bezüglich der Absichten des Polarmanns antwortete: Er
wird abwarten, uns beobachten und sich dabei fragen, ob wir wohl anders
schmecken werden.
Daraufhin erteilte der Major sofort den Befehl, Wachen
aufzustellen, und er beriet mit dem Wissenschaftler unter vier Augen, was als
nächstes zu tun sei, obwohl uns anderen das längst klar war. Am
nächsten Morgen erhielten wir dann den Befehl, den Tunnel zu
untersuchen, und die nächsten 48 Stunden verbrachten wir damit, uns
zu diesem trockenen Tal, und in Richtung des angeblichen alten Tunnels"
zu bewegen.
Als wir im Tal ankamen, waren wir sehr erstaunt: Man hatte
uns gesagt, daß die Antarktis vollkommen mit Eis bedeckt sei, doch hier
waren wir in einem Tal, das mich eher an die nordafrikanische Sahara erinnerte.
Wir durften nicht einmal in die Nähe des Tunnels, bis ein provisorisches
Basiscamp errichtet worden war; und während wir das Camp errichteten,
untersuchten der Major und der Wissenschaftler den Tunnel.
Nach einigen Stunden kehrten sie in das nun fertige Lager
zurück, um zu berichten, was sie gesehen hatten und ihre weiteren
Pläne mitzuteilen. Bei dem Tunnel handle es sich keinesfalls, wie
behauptet, um eine uralte Passage, sagte der Wissenschaftler. Aber der Major
fügte hinzu, die Wände seien aus glattem Granit und sähen aus,
als gingen sie endlos weiter. Man sagte uns, wir sollten uns selbst ein Bild
machen, nachdem wir uns in der Nacht ausgeruht hätten.
Im arktischen Sommer bei ständigem Tageslicht zu
schlafen, war sowieso schon schwierig; aber in dieser Nacht war es noch
schwieriger, denn wir alle dachten an das, was uns bevorstand und fragten uns,
wo und wann wir dem Polarmenschen wieder begegnen würden.
Kurz bevor die Wache eingeteilt wurde, sagte man uns noch,
daß wir dem Tunnel bis zu Ende folgen würden -...wenn es sein
muß, bis zum Führer". In dieser Nacht wurden unsere
Befürchtungen dann noch wahr, denn der Polarmann kehrte tatsächlich
zurück. Diesmal gab es jedoch keine Opfer (auf unserer Seite) zu beklagen,
denn der Polarmann wurde getötet, nachdem wir ihn ins Camp lockten. Der
Wissenschaftler entschied, daß der Polarmann menschlich" sei,
allerdings war er offensichtlich in der Lage gewesen, mehr Haarwuchs zu
produzieren und der Kälte viel besser standzuhalten. Nach einer kurzen
Untersuchung wurde sein Körper in einem Leichensack verstaut, wo er
aufgrund der Kälte gut erhalten bleiben würde, bis Zeit für eine
gründlichere Untersuchung war.
Am nächsten Morgen wurde beschlossen, daß zwei
Männer mit dem Leichnam, den Fahrzeugen, der Ausrüstung und vor allem
dem Funkgerät am Tunneleingang zurückbleiben sollten. Der Major, der
die Expedition leitete, brauchte den Norweger und den Wissenschaftler wegen
ihrer Fachkenntnisse; auch der Überlebende war für den Erfolg der
Mission unerläßlich. Der Rest von uns wollte mit ihnen gehen. Ich
selbst wurde zusammen mit vier anderen Glückspilzen ausgesucht, an einer
der aufregendsten und möglicherweise wichtigsten Expeditionen der
Menschheitsgeschichte teilzunehmen.
Die zwei, die zurückbleiben mußten, waren
enttäuscht, aber ihre Aufgabe war genauso wichtig für den Erfolg der
Mission wie die der neun, die ins Unbekannte aufbrechen würden.
Während wir neun uns vorbereiteten, achteten wir
darauf, genug Munition und Sprengstoff mitzunehmen, um notfalls einen kleineren
Krieg zu führen und den Stützpunkt hoffentlich vollständig zu
zerstören, denn das war unsere Mission: nicht zu retten, sondern zu
zerstören.
Wir brachen in die Dunkelheit auf, und nach etwa vier
Stunden begannen wir, in der Ferne einen Lichtschimmer auszumachen. Das Licht
war jedoch noch eine Stunde entfernt; vorsichtig bewegten wir uns
vorwärts, und jeder von uns machte sich dabei Gedanken darüber, was
uns am Ende des Tunnel erwarten würde.
Schließlich erreichten wir die riesige, künstlich
beleuchtete Höhle. Der Überlebende führte uns zu der Stelle, wo
sie Zeugen der Exekutionen geworden seien. Er betonte, sie sei so verborgen
gelegen, wie man es sich nur wünschen könne.
Als wir die gesamte Höhlenanlage überblicken
konnten, waren wir beeindruckt von der großen Anzahl an Menschen, die
dort wie Ameisen umherwimmelten, aber am bemerkenswertesten waren die riesigen
Ausmaße der Konstruktion. Es sah alles so aus, als seien die Nazis schon
lange Zeit auf Antarktika gewesen. Der Wissenschaftler notierte so viel er
konnte, zeichnete Diagramme, sammelte Gesteinsproben und machte auch einige
Fotos. Der Major interessierte sich mehr dafür, wie man den
Stützpunkt zerstören könnte, ohne von den Nazis dabei erwischt
zu werden.
Nachdem wir zwei Tage lang vorsichtig alles erkundet hatten,
suchten der Major und der Wissenschaftler die geeigneten Plätze für
die Minen aus. Die gesamte Decke der Höhle sollte vermint werden,
außerdem der Generator, die Treibstofflager und, wenn möglich, die
Munitionsdepots. Den ganzen Tag lang platzierten wir die Minen und machten noch
mehr Fotos; und als die Chancen gut standen, nicht entdeckt zu werden, konnten
wir eine Geisel nehmen, die zusammen mit den Fotos der neuen, ziemlich
fortschrittlichen Nazi-Technologie und dem Polarmann" als Beweis für
die Existenz des Stützpunkts dienen würde.
Als alles vermint war und wir genug Beweise beisammen
hatten, brachen wir eilig Richtung Tunnel auf - aber unglücklicherweise
wurden wir entdeckt, und weitere Polarmenschen und ein Trupp Nazis nahmen die
Verfolgung auf. Als wir den Tunnel erreichten, mußten wir ein Hindernis
in den Weg legen, um den Feind so lange aufzuhalten, bis die Minen detonierten.
Einige Minen waren am Tunneleingang platziert, und als wir die Explosion
hörten, hofften wir, daß nicht nur der Stützpunkt gesprengt
worden war, sondern auch unsere Verfolger. Wir irrten uns.
Die Detonation versperrte zwar den Tunnel, aber die Nazis
und Polarmenschen jagten uns weiterhin. Wir zogen uns kämpfend
zurück, doch nur drei von uns zehn entkamen dem Tunnel: der Norweger, der
Wissenschaftler und ich. Die anderen fielen, indem sie sich tapfer für die
wenigen Überlebenden opferten.
Als wir schließlich das sichere Tal erreichten,
platzierten wir genügend Sprengstoff am Eingang des Tunnels, um ihn
dauerhaft zu versperren. Nach der Explosion gab es nicht einmal mehr einen
Hinweis darauf, daß dort je ein Tunnel existiert hatte.
Merkwürdigerweise waren nur wenige Beweisstücke
erhalten geblieben. Ob das Zufall oder Absicht war, spielte kaum eine Rolle,
denn der Wissenschaftler hatte bereits seine eigenen Schlußfolgerungen
gezogen, die dann später auch zu denen der gesamten Mission werden
sollten.
Das Camp wurde aufgelöst, und wir kehrten zum
Stützpunkt Maudheim zurück, von wo wir evakuiert und zurück auf
die sicheren Falklandinseln gebracht wurden. Als wir auf South Georgia ankamen,
erhielten wir die Anweisung, nicht über das zu sprechen, was wir gesehen,
gehört und erlebt hatten.
Der Tunnel wurde zur Laune der Natur erklärt;
Gletschererosionen" lautete der Fachbegriff des Wissenschaftlers. Die
Polarmenschen" waren nichts weiter als ungekämmte Soldaten,
die verrückt gespielt hatten; die Tatsache, daß es sich um
Deutsche gehandelt hatte, wurde in dem Bericht nie erwähnt, und die Idee,
die Öffentlichkeit von der Mission zu unterrichten; wurde heftig
abgelehnt. Die Mission wurde nie offiziell bekannt, obwohl die Russen und
Amerikaner einige Details davon erfuhren.
Ich verbrachte also mein letztes Weihnachtsfest des 2.
Weltkriegs 1945 in der Antarktis, und ich kämpfte gegen genau dieselben
Nazis, gegen die ich bereits jedes Weihnachten seit 1940 gekämpft hatte.
Und schlimmer war, daß weder die Expedition je öffentlich
bestätigt wurde, noch die Überlebenden irgendeine Anerkennung
erfuhren. Stattdessen wurden sie schnellstens aus der Armee entlassen. Der
Wissenschaftler und sein Bericht lösten sich in Luft auf, und bis auf
einige Wenige weiß niemand etwas über diese Mission, sie schaffte es
nie in die Geschichtsbücher. Aber die zweite Mission, von Februar 1950 bis
Januar 1952, die gemeinsam von Briten, Schweden und Norwegern durchgeführt
wurde, findet man tatsächlich in Berichten. Hauptziel dieser Expedition
war es, einige der Belege für Expeditionen zu verifizieren und näher
zu untersuchen, die die Nazis 1938-39 nach Neuschwabenland unternommen hatten.
Fünf Jahre nach unserer Mission wurden Maudheim und Neuschwabenland erneut
besucht, und diese Expedition hatte viel mit unserer damaligen Mission zu tun,
und noch viel mehr mit dem, was wir zerstört hatten.
In den Jahren zwischen den beiden Missionen kreisten
Maschinen der Royal Air Force (RAF) regelmäßig über der Region
Neuschwabenland. Die offizielle Begründung der RAF für diese
Flüge lautete, daß man geeignete Plätze für
Basisstützpunkte suche. Trotzdem bleiben Fragen offen."[3]
An dieser Stelle endet der Bericht des Offiziers.
Bemerkung: es ist von Nazi-Deutschen und von
Polarmenschen??? die Rede. Warum diese Unterscheidung? Sollte es da noch eine
andere Menschenrasse vergleichbar dem legendären, aber wohl doch
existenten Seti geben? Das ist fast auszuschließen, denn es gibt sonst
meines Wissens absolut keinen weiteren Hinweis, außer in diesem einen
Bericht. Und die folgende Bemerkung:
Die Polarmenschen" waren nichts weiter als
ungekämmte Soldaten, die verrückt gespielt hatten; die
Tatsache, daß es sich um Deutsche gehandelt hatte, wurde in dem Bericht
nie erwähnt
Hierdurch könnte man den Eindruck gewinnen,
Polarmenschen und Deutsche seien dasselbe, kann aber auch als Aufzählung
verstanden werden, was auch der Fall ist:
.weitere
Polarmenschen und ein Trupp Nazis nahmen die Verfolgung auf.
So ist durch die plötzlich auftretenden
Polarmenschen der ganze Bericht für mich unglaubhaft. Das
verstärkt sich noch entscheidend durch
Wir fanden zwei Leichen. Der Soldat, der das kurze
Streichholz gezogen hatte, lag mit aufgeschnittener Kehle dort, und noch
gräßlicher war der Anblick des anderen Überlebenden, von dem
nur noch die Knochen übrig waren.
Nun kommt der m.E. logische Unsinn, denn wie mehrfach
bestätigt wird, arbeiten diese Polarmenschen einvernehmlich
mit den dortigen Deutschen zusammen, sind mit ihnen in den Tunneln zusammen
präsent. Warum sollte dann sich separat einer der
Polarmenschen in einem Bunker aufhalten und vor Hunger eine Leiche
verspeisen? Er hätte doch problemlos zu den Seinen, die vereint mit den
Deutschen sich in dem Tunnelsystem aufhalten, zurückgehen können,
wenn er in solche Nahrungsprobleme kommt, wie auch überhaupt ein einsamer
Aufenthalt unbegreiflich wäre. Denn der Abstand zwischen beiden Orten
betrug ja nur etwa 4 Stunden!
Auch - andere Personen auffressen und Kehle durchschneiden -
auch hier wieder Unsinn, denn es wurden zwei Schüsse gehört
,
sicher nicht eine Art des Niveaus von Personen, mit denen die Deutschen dort
traut zusammenarbeiten würden.
Also hätten wir besser den ganzen Bericht zu vergessen,
wobei nicht auszuschließen ist, daß der Kern der Geschichte stimmen
könnte. HPT
Es geht dort weiter:
Meine U-Bootmänner, sechs Jahre U-Bootkrieg liegen
hinter uns. Ihr habt wie Löwen gekämpft. Eine erdrückende
Übermacht hat uns in die Enge getrieben. Eine Fortsetzung des Kampfes von
den wenigen verbleibenden Stützpunkten aus ist unmöglich.
U-Bootmänner, ungebrochen in eurem kriegerischen Mut, ihr legt eure Waffen
nieder nach einem heroischen Kampf, der seinesgleichen sucht. Wir gedenken der
Kameraden, die ihre Loyalität zu Führer und Vaterland mit ihrem Tod
besiegelt haben. Kameraden, behaltet euren U-Boot Geist, mit dem ihr auf See
gekämpft habt, in Zukunft bei, tapfer und unerschütterlich, zum
Wohlergehen unseres Vaterlandes. Lang lebe Deutschland!
Euer Großadmiral.
Großadmiral Dönitz, 4. Mai 1945, als er seinen
U-Booten befahl, zurückzukehren.
Wie Großbritannien an das Wissen" kam
Da 16 deutsche U-Boote zwischen Oktober 1942 und September
1944 im Südatlantik gesunken waren, und da die meisten davon mit
Geheimoperationen beschäftigt waren, hatten die Briten seit langem den
Verdacht, daß Neuschwabenland ein geheimer Stützpunkt sein
könne. Allerdings dämmerte der Welt diese Möglichkeit erst, als
der Krieg in Europa schon beendet war.
Am 18. Juli 1945 beschäftigten sich weltweit die
Titelseiten der Zeitungen mit der Antarktis. Die New York Times titelte
Antarktischer Zufluchtsort gefunden", während andere behaupteten:
Hitler war am Südpol".[4] Diese Schlagzeilen, die die Welt
erschütterten, basierten zum Teil auf Fakten über Ereignisse, die
sich in Südamerika abspielten, und sie sorgten dafür, daß die
Welt aufhorchte, nicht zuletzt das US-amerikanische und britische
Militär.
Am 10. Juni 1945 ergab sich ein deutsches U-Boot ohne
Kennzeichnung der argentinischen Marine; es wurden keine weiteren Details
bekannt gegeben. Das Verbleiben von mindestens 100 weiteren U-Booten war immer
noch ein Rätsel, wie der angesehene Historiker Basil Liddell Hart
feststellte: In den ersten Monaten des Jahres 1945 wuchs die U-Boot
Flotte noch. Im März erreichte sie eine Maximum-Stärke von 463."[5]
[meine Hervorhebung]
Es wurde noch rätselhafter, als sich am 10. Juli 1945
das deutsche Boot U-530 in Mär del Plata, Argentinien, ergab; es dauerte
nur acht Tage, bis die Welt davon erfuhr. Das Rätsel endet jedoch nicht
mit U-530; einen guten Monat später, am 17. August 1945, ergab sich auch
U-977 in Mär del Plata. Noch merkwürdiger ist, daß U-465 im
selben Monat vor Patagonien versenkt wurde.
Nur drei Monate, nachdem die Stärke der U-Boot-Flotte
der Kriegsmarine ihren Höhepunkt erreicht hatte, war das erste der
verschwundenen Boote wieder aufgetaucht. Unglücklicherweise neigen
Historiker dazu, das Rätsel um die verschwundenen U-Boote abzutun, und
auch Hart beschäftigt sich lediglich mit den U-Booten, deren Schicksal
bekannt ist: Nach der Kapitulation im Mai ergaben sich 159 U-Boote, 203
allerdings wurden von ihren Mannschaften versenkt. Das war typisch für den
dickköpfigen Stolz und die unerschütterliche Moral der
U-Boot-Besatzungen."[6]
Da so viele U-Boote verschwunden waren - ungefähr 40
galten am Ende des Kriegs als vermißt - lag es für
Großbritannien nahe, nach einem Nazi-Versteck zu suchen; da seine Marine
immer noch eine der größten Flotten der Welt besaß, und das
Land strategisch gut gelegene Gebiete auf den Falklandinseln und in der
Antarktis kontrollierte, war es auch von allen Alliierten am ehesten dazu
geeignet. Außerdem war Großbritannien bestimmt auch am besten
über die verschwundenen U-Boote informiert; zum einen wegen seiner
Territorien auf der Südhalbkugel, zum -anderen weil das britische Empire
noch immer noch das größte war, das die Welt je gesehen hatte. Dem
Geheimdienst gelang es, durch Verhöre der Kommandanten der U-Boote U-977
und U-530, die Verdachtsmomente schon bald zu erhärten.
Kapitän Wilhelm Bernhard, der die U-530 befehligt
hatte, sagte, sein Boot sei im Rahmen der Operation Walküre-2 am 13. April
1945 Richtung Antarktis aufgebrochen. Im Verhör gestand er den Kern seiner
Mission: Offensichtlich waren 16 Crewmitglieder an Land gegangen und hatten
zahlreiche Kisten abgeladen, in denen sich anscheinend Dokumente und andere
Objekte des Dritten Reichs befunden hätten. Heinz Scheffer, der
Kapitän von U-977, behauptete ebenfalls, sein Boot habe Gegenstände
aus Deutschland verbracht. Weniger glaubwürdig ist allerdings die
Behauptung, das U-Boot habe die sterblichen Überreste von Hitler und Eva
Braun zum Südpol an Bord gehabt, und auch andere Theorien, die behaupten,
der Heilige Gral oder der Speer des Schicksals seien ebenfalls in die Antarktis
transportiert worden, verschleiern nur die Wahrheit.
Was die Aussagen der beiden Kapitäne untermauert, ist
die wenig bekannte Tatsache (die am 16. Januar 2003 in der Prawda stand),
daß der Geheimdienst 1983 einen vertraulichen Brief von Kapitän
Scheffer an Kapitän Bernhard abfing. In diesem Brief beschwört
Scheffer Bernhard, bei seinen Memoiren nicht zu sehr ins Detail zu gehen, und
er äußert seine Absicht, die Welt nie die Wahrheit wissen zu
lassen:
Wir haben alle geschworen, das Geheimnis zu wahren;
Wir haben nichts Unrechtes getan: wir gehorchten nur den Befehlen und
kämpften für unser geliebtes Deutschland und sein Überleben.
Bitten denken Sie noch einmal darüber nach; ist es nicht besser, alles als
Legende abzutun? Was wollen Sie mit ihren Enthüllungen erreichen? Bitten
denken Sie darüber nach."[7]
Ein anderes ungelöstes Rätsel ist das der Ladung
Quecksilber, die sich an Bord von U-859 befand, das am 23. September 1944 von
der HMS Trenchant, einem U-Boot der Royal Navy, in der Meerenge von Malakka
versenkt wurde - weit weg von zu Hause und mit einer ungewöhnlichen
Ladung, die man auch als Energiequelle nutzen kann. Die Überlebenden
verrieten denjenigen, die sie aufgriffen, was sie geladen hatten, und dabei
handelte es sich bestimmt um Informationen, die den Geheimdienst aufhorchen
ließen, als man sie ihm mitteilte.
U-859 war kein Einzelfall. Viele deutsche U-Boote waren
überall auf der Welt im Einsatz; viele versorgten Japan während des
Kriegs und seltsamerweise auch noch 'nach der Kapitulation. Im Juli 1945
lieferte ein U-Boot ohne Kennzeichen, vermutlich Teil eines geheimen Konvois,
der japanischen Forschungs- und Entwicklungseinheit eine neue Erfindung. Die
Japaner bauten das Gerät zusammen und aktivierten es. Es stieg in die
Luft, ging dort aber unkontrolliert in Flammen auf. Man wagte nie wieder, es zu
bauen.
Die britische Marine, die bereits viele der deutschen
U-Boote, die sich in Norwegen ergeben hatten, in ihren Besitz gebracht hatte,
wußte, daß noch viel mehr von ihnen entkommen waren; insbesondere,
wenn die Geschichte stimmte, die in der lateinamerikanischen Presse verbreitet
wurde, nach der ein deutscher U-Boot Konvoi die ihn angreifenden britischen
Zerstörer vollkommen vernichtet habe. Am 2. Mai 1945 behaupteten El
Mercurio und Der Weg, daß die letzte Schlacht zwischen der deutschen
Kriegsmarine und der Royal Navy von den Deutschen gewonnen worden sei, und
daß diese Nachricht in der westlichen Presse zurückgehalten worden
sei, aus Angst, den Widerstand der Deutschen neu zu entfachen. Es hieß,
nur ein einziger Zerstörer sei davon gekommen, und der Kapitän habe
danach gesagt: Gott steh mir bei, daß ich nie wieder einer solchen
Macht entgegentreten muß".[8]
Obwohl die Geschichte zurückgehalten wurde, und obwohl
die britische Regierung dieses Ereignis nie bestätigte, gehen unter
ehemaligen Soldaten Gerüchte darüber um - aber leider meistens ohne
Substanz.
Die verschwundenen U-Boote sind Teil des Antarktis-Puzzles;
Großbritannien setzte es Teil für Teil zusammen, seit die Nazis
Admiral Ritscher zum ersten Mal auf seine Polarexpedition geschickt hatten, die
von der Thule-Gesellschaft gesponsert worden war. Und mit Hilfe des britischen
Nachrichtennetzwerks - des SOE (Special Operations Executive) und des SIS
(Secret Intelligence Service) - das den Alliierten im Krieg mit Hilfe der
Enigma-Maschine[9] alle Informationen beschafft hatte, entstand langsam ein
vollständiges Bild.
Ein gutes Beispiel für die exzellente Arbeit des
britischen Geheimdienstes ist, wie viel Großbritannien über das
geheime Atomwaffenprogramm der Nazis wußte, was wiederum der Royal Air
Force half, die geheime Heeresversuchsanstalt in Peenemünde auf der Insel
Usedom zu bombardieren. Die Deutschen konnten sich nicht erklären, wie die
Engländer davon gehört haben konnten, ganz zu schweigen davon, wie
sie in der Lage waren, sie zu bombardieren.
Zum Autor:
James Robert ist Staatsbeamter in einer Dienststelle des
britischen Verteidigungsministeriums sowie Historiker und Autor mit Schwerpunkt
auf dem 2. Weltkrieg. Er hat zahlreiche Reisen in Nordafrika und Europa
unternommen, um die Rätsel um Großbritanniens geheime Kriege zu
untersuchen. Da er aus einer Familie mit militärischem Hintergrund kommt,
und da so viele deutsche Quellen viele der so genannten Legenden"
bestätigten, empfindet er es als seine persönliche Aufgabe, mehr
über die merkwürdigen, verborgenen, kaum bekannten und
ungewöhnlichen Aktivitäten herauszufinden, die vor, während und
nach dem Krieg gegen Deutschland stattfanden. Großbritanniens
geheimer Krieg in der Antarktis" ist ein Auszug aus seinem demnächst
erscheinenden Buch, in dem einige seiner Nachforschungen dokumentiert sind.
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[1] Pressemitteilung von Admiral Byrd, 12. November 1946
2 El Mercurio, 5. März 1947; Admiral Byrd im Interview
mit Lee von Atta
[3] Der Bericht eines ehemaligen britischen SAS-Offiziers
über die Neuschwabenlandkampagne.
[4] Le Monde, 18. Juli 1945
[5] Hart, Basil Liddell, History of the Second World War,
Cassell, London, S.410
[6] ebenda,S.411
[7] Prawda, 16.Januar 2003'. Zitat aus einem vertraulichen
Brief von Scheffer an Bernhard. Der Brief, der auf den 1.6.1983 datiert ist,
wurde, so behauptet eine Quelle, vom Geheimdienst der DDR abgefangen, und zwar
auf Geheiß der UdSSR.
[8] Der Kapitän, der in El Mercurio und in Der Weg
zitiert wird, wurde nie beim Namen genannt, und die britische Marine hat sie
nie bestätigt.
[9] Die Nachrichtendienste leisteten wertvolle Arbeit
für die Alliierten, vor allem, nachdem man am 9. Mai 1941 eine
Enigma-Maschine zusammen mit Dechiffrierungsdoku-menten sicherstellen konnte.
Das deutsche U-Boot U-110 wurde von der HMS Bulldog und der HMS Aubretia der 3.
Eskorte aufgebracht. Die Deutschen bemerkten nie, daß die Briten ihren
unknackbaren" Code geknackt hatten. Es war genau dieser glückliche
Fang, der das Bild vervollständigte und das Puzzle komplettierte, so
daß die Briten die Möglichkeit eines Nazistützpunkts in der
Antarktis ernst nahmen, bevor andere es taten.
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