München (ddp) - Die Regierung von
US-Präsident George W. Bush bereitet derzeit ihre wichtigsten
Bündnispartner im Nahen Osten in Geheimgesprächen auf einen
möglichen Luftangriff gegen Ziele in Iran im kommenden Jahr vor. Das
bestätigten westliche Sicherheitskreise am Freitag der
Nachrichtenagentur ddp. Nach diesen Angaben soll CIA-Chef Porter Goss
am Montag voriger Woche in der türkischen Hauptstadt Ankara
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan darum gebeten haben, die nach
derzeitigem Stand für 2006 geplanten Luftangriffe auf iranische
Nuklear- und Militäranlagen vor allem mit dem rückhaltlosen
Austausch geheimdienstlicher Informationen zu unterstützen. "Wir
beobachten diesen Iran betreffenden Informationsaustausch derzeit mit
großem Interesse", hieß es.
In den vergangenen Wochen sollen auch die Regierungen in
Saudi-Arabien, Jordanien, Oman und Pakistan im Ansatz über die
Militärpläne unterrichtet worden sein. Dabei seien die
Luftangriffe als "mögliche Option" bezeichnet, ein konkreter Zeitpunkt
jedoch nicht genannt worden.
CIA-Chef Goss soll türkischen Sicherheitsbehörden
nun in Ankara auch drei Dossiers übergeben haben, von denen eines
angeblich belege, dass Teheran mit der Terrororganisation Al-Qaida
kooperiere. Ein weiteres Dossier betreffe den Stand der iranischen
Atom-Rüstung, hieß es. Nach Angaben aus deutschen
Sicherheitskreisen hat Goss in Ankara zugesichert, die türkische
Regierung wenige Stunden vor dem möglichen Luftangriff zu informieren
und der Türkei schon jetzt "grünes Licht" dafür gegeben, an
jenem Tag auch Lager der separatistischen PKK auf iranischem Gebiet
anzugreifen.
Für Washington ist die Türkei der wichtigste
Verbündete in der Region. Wenige Tage vor dem CIA-Chef hatte
FBI-Direktor Robert Mueller Ankara besucht. Nach ddp vorliegenden
Informationen wurde auch der türkische Generalstabschef Yasar
Buyukanit bei einem Aufenthalt in Washington vor wenigen Tagen darum
ersucht, die türkische Armee "mittelfristig" auf einen möglichen
amerikanischen Militärschlag gegen Ziele in Iran vorzubereiten.
Auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, der
als enger Verbündeter Washingtons gilt und vor wenigen Tagen die
Türkei besucht hatte, soll nach Informationen deutscher
Sicherheitskreise über den Stand der Vorbereitungen eines
möglichen amerikanischen Luftangriffes auf Ziele in Iran unterrichtet
worden sein. Nach Auffassung deutscher Militärkreise könnten in Diego
Garcia im Indischen Ozean stationierte amerikanische Langstreckenbomber
gemeinsam mit am Golf operierenden Flottenverbänden den
Überraschungsangriff ausführen.
Nach ddp vorliegenden Informationen haben die jüngsten
anti-semitischen Ausfälle des iranischen Staatspräsidenten Mahmud
Ahmadinedschad die amerikanische Regierung in der Auffassung bestärkt,
dass Teheran auch im Atom-Streit nicht einlenken werde und auf Zeit spiele.
Ein ranghoher deutscher Militär sagte ddp: "Es würde mich
sehr wundern, wenn die Amerikaner mittelfristig nicht die von Teheran
gelieferte Vorlage nutzen würden. Die Amerikaner müssen Iran
angreifen, bevor das Land Nuklearwaffen entwickelt hat. Danach wäre es zu
spät." Ahmadinedschad hatte nicht nur den Holocaust geleugnet, sondern
auch öffentlich dazu aufgerufen, den Staat Israel von der Landkarte zu
tilgen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte
unlängst nicht ausgeschlossen, dass Israel die Islamische Republik
Iran im Alleingang angreifen werde.
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