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Februar 2006 Greenpeace
BUND Freunde der Erde
Info von:  
Wo wächst der deutsche Gen-Mais?


Hamburg, 26.01.2006: Auch dieses Jahr wird in Deutschland zu kommerziellen Zwecken Gen-Mais angebaut - Greenpeace zeigt jetzt wo. Eine Übersichtskarte gibt seit Mittwoch Aufschluss darüber. Die Grafik basiert auf Informationen des öffentlichen Standortregisters des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Hier müssen sich Gen-Bauern drei Monate vor der Aussaat registrieren.

Für den diesjährigen Anbau der umstrittenen Saaten haben Landwirte bis Mittwoch, 14.30 Uhr, 1357 Hektar an 108 Standorten beantragt. Die meisten Anbauflächen liegen wie im vergangenen Jahr in Brandenburg (821 Hektar).

"In seiner gegenwärtigen Form schafft das Standortregister Transparenz und Handlungsspielraum", sagt Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. "Konventionell oder ökologisch wirtschaftende Landwirte können sich vor Gen-Saaten schützen. Lebensmittelhersteller können entscheiden, aus welchen Regionen sie ihre gentechnikfreien Rohstoffe beziehen wollen."

Doch damit könnte schon bald Schluss sein. Nach dem Willen von Verbraucherminister Horst Seehofer soll das Gentechnikgesetz noch in diesem Jahr novelliert werden. Das Standortregister soll danach nur noch eingeschränkt zugänglich sein.

"Verbraucherschutzminister Horst Seehofer hat erstmals den unbeschränkten kommerziellen Anbau von Gen-Mais freigegeben. Jetzt plant er, die Anbauflächen zu verstecken", kritisiert Hissting.

Verbraucher erhält keinen Hinweis auf Gen-Tierfutter
Mais wird in Deutschland überwiegend zu Silage verarbeitet und an Kühe verfüttert. Auch wenn es sich um Gen-Mais gehandelt hat, trägt die so erzeugte Milch keinen Hinweis, dass bei ihrer Herstellung Gentechnik im Spiel war.

Mit dem Kauf solcher Milchprodukte unterstützen Verbraucher unwissentlich und ungewollt den Anbau von Gen Pflanzen. Greenpeace fordert deshalb Lebensmittelhersteller und Molkereien wie Müller-Milch und Campina/Landliebe auf, mit den zuliefernden Landwirten eine Tierfütterung ohne Gen-Pflanzen zu vereinbaren.

Bio-Lebensmittel werden immer beliebter
"Der Markt hat die Macht, Nein zu sagen", erklärt Hissting. "Bio-Lebensmittel werden in Deutschland immer beliebter, Gen-Food lehnen die meisten Verbraucher hingegen ab. Der Lebensmittelmarkt der Zukunft ist gentechnikfrei."

Der in Deutschland angebaute Gen-Mais produziert ein Gift, das auf Schädlinge wie den Maiszünsler tödlich wirkt. Das Bt-Gift kann jedoch auch geschützte Insekten schädigen und sich im Boden anreichern. Die Schweiz, Österreich, Ungarn, Griechenland und Polen haben den Anbau des Gen-Maises bereits verboten.

Weltweit kämpft Greenpeace gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen, da sie Ökosysteme und die gentechnikfreie Landwirtschaft zerstören können. Auch gesundheitliche Risiken sind noch weitgehend unerforscht.


Autor: Greenpeace e.V.


Neues Gentechnikgesetz ignoriert Informationsrechte der Öffentlichkeit

Berlin, 27.01.2006: Über schädliche Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen auf Mensch und Umwelt und illegale Praktiken der Gentechnikindustrie soll die Öffentlichkeit künftig nichts erfahren. Das sieht laut BUND der gestern im Bundestag vorgelegte Entwurf zur Änderung des Gentechnikgesetzes vor. Der Gesetzentwurf enthalte zur Freigabe entsprechender ...

Berlin, 27.01.2006: Über schädliche Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen auf Mensch und Umwelt und illegale Praktiken der Gentechnikindustrie soll die Öffentlichkeit künftig nichts erfahren. Das sieht laut BUND der gestern im Bundestag vorgelegte Entwurf zur Änderung des Gentechnikgesetzes vor. Der Gesetzentwurf enthalte zur Freigabe entsprechender Informationen so viele Ausschlussregeln, dass Gentechnikskandale künftig nicht mehr an das Licht der Öffentlichkeit dringen würden, kritisierte der Umweltverband.


Agrarminister Horst Seehofer habe mehrfach die buchstabengetreue Umsetzung des EU-Gentechnikrechts angekündigt. Das von ihm vorgelegte „Dritte Gesetz zur Änderung des Gentechnikgesetzes“ stehe jedoch in offenem Widerspruch zu den Vorgaben der europäischen Freisetzungsrichtlinie.

Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: „Der Gesetzesentwurf schränkt das Informationsrecht auf vielfältige Weise ein: Wenn es um angeblich schützenswerte Personendaten, die Vertraulichkeit der Beratung von Behörden, laufende Gerichtsverfahren, den Schutz des geistigen Eigentums oder vermeintliche Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse geht. Damit wird der Geheimniskrämerei von Staat und Behörden Tür und Tor geöffnet.“

Bis zum 19. Februar muss die EU-Freisetzungsrichtlinie in Deutschland umgesetzt sein. Danach drohen nach EU-Recht Strafen in Höhe von bis zu 792 000 Euro pro Tag. Die Richtlinie legt fest, dass bei illegal in Umlauf gebrachten gentechnisch veränderten Organismen oder bei einer Gefährdung von Mensch und Umwelt die Öffentlichkeit unterrichtet werden muss.

Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin: „Mit dem deutschen Gesetz muss sich kein Gentechnik-Unternehmen davor fürchten, öffentlich mit den negativen Folgen seiner Produkte oder seiner möglicherweise illegalen Praktiken konfrontiert zu werden. Das Gesetz schützt die Gentechnik-Industrie vor der Öffentlichkeit, nicht aber die Öffentlichkeit vor den Auswirkungen der Agro-Gentechnik.“

Der BUND forderte, dass Agrarminister Seehofer die buchstabengetreue Umsetzung der EU-Freisetzungsrichtlinie garantieren müsse. Wenn das nicht geschehe, müssten die Bundestagsabgeordneten den Gesetzesentwurf in seiner jetzigen Form ablehnen.

Autor: BUND Freunde der Erde



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