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Hamburg, 26.01.2006: Auch dieses Jahr wird in
Deutschland zu kommerziellen Zwecken Gen-Mais angebaut - Greenpeace zeigt jetzt
wo. Eine Übersichtskarte gibt seit Mittwoch Aufschluss darüber. Die
Grafik basiert auf Informationen des öffentlichen Standortregisters des
Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Hier
müssen sich Gen-Bauern drei Monate vor der Aussaat registrieren.
Für den diesjährigen Anbau der umstrittenen Saaten
haben Landwirte bis Mittwoch, 14.30 Uhr, 1357 Hektar an 108 Standorten
beantragt. Die meisten Anbauflächen liegen wie im vergangenen Jahr in
Brandenburg (821 Hektar).
"In seiner gegenwärtigen Form schafft das
Standortregister Transparenz und Handlungsspielraum", sagt Alexander Hissting,
Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. "Konventionell oder ökologisch
wirtschaftende Landwirte können sich vor
Gen-Saaten schützen. Lebensmittelhersteller
können entscheiden, aus welchen Regionen sie ihre gentechnikfreien
Rohstoffe beziehen wollen."
Doch damit könnte schon bald Schluss sein. Nach dem
Willen von Verbraucherminister Horst Seehofer soll das
Gentechnikgesetz noch in diesem Jahr novelliert werden. Das
Standortregister soll danach nur noch eingeschränkt zugänglich sein.
"Verbraucherschutzminister Horst Seehofer hat erstmals den
unbeschränkten kommerziellen Anbau von Gen-Mais freigegeben. Jetzt plant
er, die Anbauflächen zu verstecken", kritisiert Hissting.
Verbraucher erhält keinen Hinweis auf
Gen-Tierfutter Mais wird in Deutschland überwiegend zu Silage
verarbeitet und an Kühe verfüttert. Auch wenn es sich um Gen-Mais
gehandelt hat, trägt die so erzeugte Milch keinen Hinweis, dass bei ihrer
Herstellung Gentechnik im Spiel war.
Mit dem Kauf solcher Milchprodukte unterstützen
Verbraucher unwissentlich und ungewollt den Anbau von Gen Pflanzen. Greenpeace
fordert deshalb Lebensmittelhersteller und Molkereien wie Müller-Milch und
Campina/Landliebe auf, mit den zuliefernden Landwirten eine Tierfütterung
ohne Gen-Pflanzen zu vereinbaren.
Bio-Lebensmittel werden immer beliebter "Der Markt hat
die Macht, Nein zu sagen", erklärt Hissting. "Bio-Lebensmittel werden in
Deutschland immer beliebter, Gen-Food lehnen die meisten Verbraucher hingegen
ab. Der Lebensmittelmarkt der Zukunft ist gentechnikfrei."
Der in Deutschland angebaute Gen-Mais produziert ein Gift,
das auf Schädlinge wie den Maiszünsler tödlich wirkt. Das
Bt-Gift kann jedoch auch geschützte Insekten schädigen und sich im
Boden anreichern. Die Schweiz, Österreich, Ungarn, Griechenland und Polen
haben den Anbau des Gen-Maises bereits verboten.
Weltweit kämpft Greenpeace gegen den Anbau
genmanipulierter Pflanzen, da sie Ökosysteme und die gentechnikfreie
Landwirtschaft zerstören können. Auch
gesundheitliche Risiken sind noch weitgehend unerforscht.
Autor: Greenpeace e.V.
Neues Gentechnikgesetz ignoriert Informationsrechte der
Öffentlichkeit
Berlin, 27.01.2006: Über schädliche Auswirkungen
gentechnisch veränderter Organismen auf Mensch und Umwelt und illegale
Praktiken der Gentechnikindustrie soll die Öffentlichkeit künftig
nichts erfahren. Das sieht laut BUND der gestern im Bundestag vorgelegte
Entwurf zur Änderung des Gentechnikgesetzes vor. Der Gesetzentwurf
enthalte zur Freigabe entsprechender ...
Berlin, 27.01.2006: Über schädliche Auswirkungen
gentechnisch veränderter Organismen auf Mensch und Umwelt und illegale
Praktiken der Gentechnikindustrie soll die Öffentlichkeit künftig
nichts erfahren. Das sieht laut BUND der gestern im Bundestag vorgelegte
Entwurf zur Änderung des Gentechnikgesetzes vor. Der Gesetzentwurf
enthalte zur Freigabe entsprechender Informationen so viele Ausschlussregeln,
dass Gentechnikskandale künftig nicht mehr an das Licht der
Öffentlichkeit dringen würden, kritisierte der Umweltverband.
Agrarminister Horst Seehofer habe mehrfach die
buchstabengetreue Umsetzung des EU-Gentechnikrechts angekündigt. Das von
ihm vorgelegte Dritte Gesetz zur Änderung des
Gentechnikgesetzes stehe jedoch in offenem Widerspruch zu den Vorgaben
der europäischen
Freisetzungsrichtlinie.
Gerhard Timm,
BUND-Bundesgeschäftsführer: Der
Gesetzesentwurf schränkt das Informationsrecht auf vielfältige Weise
ein: Wenn es um angeblich schützenswerte Personendaten, die
Vertraulichkeit der Beratung von Behörden, laufende Gerichtsverfahren, den
Schutz des geistigen Eigentums oder vermeintliche Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse geht. Damit wird der Geheimniskrämerei von Staat
und Behörden Tür und Tor geöffnet.
Bis zum 19. Februar muss die EU-Freisetzungsrichtlinie in
Deutschland umgesetzt sein. Danach drohen nach EU-Recht Strafen in Höhe
von bis zu 792 000 Euro pro Tag. Die Richtlinie legt fest, dass bei illegal in
Umlauf gebrachten gentechnisch veränderten Organismen oder bei einer
Gefährdung von Mensch und
Umwelt die Öffentlichkeit unterrichtet werden
muss.
Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin: Mit dem
deutschen Gesetz muss sich kein Gentechnik-Unternehmen davor fürchten,
öffentlich mit den negativen Folgen seiner Produkte oder seiner
möglicherweise illegalen Praktiken konfrontiert zu werden. Das Gesetz
schützt die Gentechnik-Industrie vor der Öffentlichkeit, nicht aber die
Öffentlichkeit vor den Auswirkungen der Agro-Gentechnik.
Der BUND forderte, dass Agrarminister Seehofer die
buchstabengetreue Umsetzung der EU-Freisetzungsrichtlinie garantieren
müsse. Wenn das nicht geschehe, müssten die Bundestagsabgeordneten
den Gesetzesentwurf in seiner jetzigen Form ablehnen.
Autor: BUND Freunde der Erde
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