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Britische Unternehmen, ehemalige Politiker und
Militärs scheffeln Milliardengewinne im besetzten Irak Von Damiano
Valgolio, Liverpool Während die Gewalt in Bagdad einen blutigen
Höhepunkt erreicht, werden in London Scheine gezählt. Mindestens 1,1
Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) Gewinn haben britische Unternehmen im
Irak seit der Invasion vor drei Jahren gemacht. Eine am Montag
veröffentlichte Untersuchung der Tageszeitung The Independent listet die
Irak-Geschäfte von 61 Firmen auf. Dabei wurde der hochprofitable
Ölsektor nicht mit eingerechnet. Dennoch kommt das liberale englische
Blatt zu dem Schluß: »Die neuen politischen und wirtschaftlichen
Strukturen im Irak werden für viele Jahre von britischen Konzernen
abhängig sein.« Ein Truppenrückzug ist kein militärisches
Problem mehr, sondern ein wirtschaftliches. Großbritannien stellt nach
den USA das zweitgrößte Kontingent der Besatzungstruppen im
Irak.
Die an der Recherche beteiligte Nichtregierungsorganisation
Corporate Watch schätzt, daß die ermittelten Profite nur die Spitze
des Eisberges darstellen. Tatsächlich hätten englische Unternehmen
seit 2003 bis zu 8,5 Milliarden Euro Gewinn im Irak gemacht. Allein die Firma
AMEC erhält für den Wiederaufbau des Stromnetzes rund 800 Millionen
Euro. Loukas Christodoulou, Sprecher von Corporate Watch, kritisierte vor
allem, daß weder die amerikanische noch die britische Regierung
offenlegt, welche Firmen Aufträge im Irak erhalten.
Die Verschwiegenheit könnte einen guten Grund haben. Im
Irak-Geschäft tummelt sich eine Vielzahl von ehemaligen englischen
Politikern, Militärs und Diplomaten. Nach dem Bericht des Independent
arbeiten allein drei Exverteidigungsminister Großbritanniens für
private Unternehmen, die rund um Bagdad aktiv sind. So ist George Robertson,
einst Generalsekretär der NATO und Verteidigungsminister der
Labour-Regierung, seit Mai 2003 für die Ölgesellschaft WEIR im Irak.
Sein konservativer Amtsvorgänger Nicholas Soames ist Vorstandsmitglied von
AEGIS, dem wohl größten Anbieter von privaten Sicherheitsdiensten im
Irak. AEGIS-Mitbegründer Simon Mann sitzt derzeit im Gefängnis wegen
eines Deliktes, das ihn nicht unbedingt für das Nation Building
qualifiziert: Er war in Putschpläne in Äquatorial-Guinea verwickelt.
Das Geschäft mit Sicherheitsleuten und Söldnern
macht einen großen Teil der englischen Aktivitäten im besetzten Irak
aus. Dabei haben die britischen Firmen angeblich sogar die US-amerikanische
Konkurrenz abgehängt. Von den knapp 30 000 schwerbewaffneten
Ausländern im Land arbeitet mehr als die Hälfte für Unternehmen
aus England. Die Führungspositionen besetzen vor allem ehemalige
Kommandeure der britischen Spezialeinheit SAS. Allein die Angestellten von
AEGIS haben inzwischen Divisionsstärke erreicht die
größte Privatarmee der Welt.
Neben dem Söldnergeschäft verdienen britische
Firmen vor allem an sogenannten Beraterverträgen mit der neuen irakischen
Regierung. Sie haben zentrale Funktionen beim Aufbau von Ministerien und der
Infrastruktur. »Die britische Regierung will im Irak eine privatisierte
Infrastruktur, in britischer Hand«, sagt Corporate-Watch-Sprecher
Christodoulou.
An der Organisation der irakischen Wahlen war das
PR-Unternehmen von Tim Bell maßgeblich beteiligt. Bell hatte in den 80ern
drei Wahlkämpfe der Konservativen Partei in Großbritannien
organisiert.
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