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März 2006 Damiano Valgolio, Liverpool Info von:   junge Welt
Lohnendes Kriegsgeschäft


Britische Unternehmen, ehemalige Politiker und Militärs scheffeln Milliardengewinne im besetzten Irak
Von Damiano Valgolio, Liverpool
Während die Gewalt in Bagdad einen blutigen Höhepunkt erreicht, werden in London Scheine gezählt. Mindestens 1,1 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) Gewinn haben britische Unternehmen im Irak seit der Invasion vor drei Jahren gemacht. Eine am Montag veröffentlichte Untersuchung der Tageszeitung The Independent listet die Irak-Geschäfte von 61 Firmen auf. Dabei wurde der hochprofitable Ölsektor nicht mit eingerechnet. Dennoch kommt das liberale englische Blatt zu dem Schluß: »Die neuen politischen und wirtschaftlichen Strukturen im Irak werden für viele Jahre von britischen Konzernen abhängig sein.« Ein Truppenrückzug ist kein militärisches Problem mehr, sondern ein wirtschaftliches. Großbritannien stellt nach den USA das zweitgrößte Kontingent der Besatzungstruppen im Irak.

Die an der Recherche beteiligte Nichtregierungsorganisation Corporate Watch schätzt, daß die ermittelten Profite nur die Spitze des Eisberges darstellen. Tatsächlich hätten englische Unternehmen seit 2003 bis zu 8,5 Milliarden Euro Gewinn im Irak gemacht. Allein die Firma AMEC erhält für den Wiederaufbau des Stromnetzes rund 800 Millionen Euro. Loukas Christodoulou, Sprecher von Corporate Watch, kritisierte vor allem, daß weder die amerikanische noch die britische Regierung offenlegt, welche Firmen Aufträge im Irak erhalten.

Die Verschwiegenheit könnte einen guten Grund haben. Im Irak-Geschäft tummelt sich eine Vielzahl von ehemaligen englischen Politikern, Militärs und Diplomaten. Nach dem Bericht des Independent arbeiten allein drei Exverteidigungsminister Großbritanniens für private Unternehmen, die rund um Bagdad aktiv sind. So ist George Robertson, einst Generalsekretär der NATO und Verteidigungsminister der Labour-Regierung, seit Mai 2003 für die Ölgesellschaft WEIR im Irak. Sein konservativer Amtsvorgänger Nicholas Soames ist Vorstandsmitglied von AEGIS, dem wohl größten Anbieter von privaten Sicherheitsdiensten im Irak. AEGIS-Mitbegründer Simon Mann sitzt derzeit im Gefängnis wegen eines Deliktes, das ihn nicht unbedingt für das Nation Building qualifiziert: Er war in Putschpläne in Äquatorial-Guinea verwickelt.

Das Geschäft mit Sicherheitsleuten und Söldnern macht einen großen Teil der englischen Aktivitäten im besetzten Irak aus. Dabei haben die britischen Firmen angeblich sogar die US-amerikanische Konkurrenz abgehängt. Von den knapp 30 000 schwerbewaffneten Ausländern im Land arbeitet mehr als die Hälfte für Unternehmen aus England. Die Führungspositionen besetzen vor allem ehemalige Kommandeure der britischen Spezialeinheit SAS. Allein die Angestellten von AEGIS haben inzwischen Divisionsstärke erreicht – die größte Privatarmee der Welt.

Neben dem Söldnergeschäft verdienen britische Firmen vor allem an sogenannten Beraterverträgen mit der neuen irakischen Regierung. Sie haben zentrale Funktionen beim Aufbau von Ministerien und der Infrastruktur. »Die britische Regierung will im Irak eine privatisierte Infrastruktur, in britischer Hand«, sagt Corporate-Watch-Sprecher Christodoulou.

An der Organisation der irakischen Wahlen war das PR-Unternehmen von Tim Bell maßgeblich beteiligt. Bell hatte in den 80ern drei Wahlkämpfe der Konservativen Partei in Großbritannien organisiert.



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