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Februar 06 Ralf Ledebur Info von:   junge Welt
Sterben für Pharma-Patente

Thailand droht der freie Handel mit den USA
Von Ralf Ledebur
Bangkok. Nach der sechsten Runde der Freihandelsgespräche mit den USA haben sich in Thailand verschiedene Ärzte gegen das Abkommen ausgesprochen, das noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden soll. Ihr Grund sind Washingtons Vorstellungen zum Schutz der Rechte geistigen Eigentums. Ein stärkerer Patentschutz würde vor allem für Medikamente gelten.

»Wir machen uns größte Sorgen über die Folgen für unser Gesundheitssystem«, sagte Somsak Lolekha, Präsident des thailändischen Medical Council. Die Forderungen der USA stünden im Widerspruch zur »medizinischen Ethik«, nach der Leben gerettet, nicht Profit gemacht werden solle.

Anstoß nimmt die Vereinigung der Mediziner an den Forderungen nach Patentschutz für Pflanzen und Tiere, für Diagnose-, Therapie- und Chirurgieverfahren, aber auch an der Vorstellung der US-Unterhändler, daß der Schutz für Medikamente von den allgemein üblichen 20 auf 25 Jahre ausgedehnt werden soll.

Auf dem Spiel steht nach Einschätzung der Ärzte ein vor vier Jahren eingeführtes Programm, das allen Thailändern gegen 35 US-Cent pro Behandlung eine medizinische Grundversorgung garantiert. 2005 wurde das Programm von 47,3 Millionen der 64 Millionen Thailänder in Anspruch genommen.

Gefährdet wäre darüberhinaus die Versorgung von 80 000 HIV/AIDS-Patienten mit lokal produzierten Generika. Zur Zeit kosten diese Medikamente etwa 30 US-Dollar im Monat. »Sollten die USA ihre Vorstellungen durchsetzen können und den Patentschutz ausweiten, wird Thailand größte Probleme mit der Generikaproduktion bekommen«, heißt es in einer Stellungnahme der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

Anders als der Vertrag mit den USA sind die Freihandelsabkommen Thailands mit Australien, Neuseeland und China in den vergangenen Jahren ohne größere Diskussionen abgeschlossen worden. Erste Folgen werden allmählich spürbar. Gute zwei Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens mit China etwa fühlen sich die thailändischen Bauern der chinesischen Konkurrenz nicht mehr gewachsen, die Äpfel, Knoblauch und Zwiebeln um das Zwei- bis Dreifache billiger produziert, wie der thailändische Senator Kraisak Choonhaven erklärt.

Das mit den Äpfeln wird sich geben, beschwichtigt Vikrom Kronstat, stellvertretender Vorsitzender der thailändisch-chinesischen Handelskammer. Und außerdem kämen thailändische Früchte gut an in China. Kronstat geht davon aus, daß sich die gemeinsame Handelsbilanz günstig entwickelt: »China bietet einen Markt mit über 1,3 Milliarden Konsumenten, deren Kaufkraft mit jedem Jahr stärker wird. Wir müssen nur einige Jahre abwarten.«

Genau diese Argumente hat die Regierung auch im Fall USA. Aber wer will schon Äpfel und Birnen vergleichen?



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