Thailand droht der freie Handel mit den USA Von Ralf
Ledebur Bangkok. Nach der sechsten Runde der Freihandelsgespräche mit
den USA haben sich in Thailand verschiedene Ärzte gegen das Abkommen
ausgesprochen, das noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden
soll. Ihr Grund sind Washingtons Vorstellungen zum Schutz der Rechte geistigen
Eigentums. Ein stärkerer Patentschutz würde vor allem für
Medikamente gelten.
»Wir machen uns größte Sorgen über die
Folgen für unser Gesundheitssystem«, sagte Somsak Lolekha,
Präsident des thailändischen Medical Council. Die Forderungen der USA
stünden im Widerspruch zur »medizinischen Ethik«, nach der
Leben gerettet, nicht Profit gemacht werden solle.
Anstoß nimmt die Vereinigung der Mediziner an den
Forderungen nach Patentschutz für Pflanzen und Tiere, für Diagnose-,
Therapie- und Chirurgieverfahren, aber auch an der Vorstellung der
US-Unterhändler, daß der Schutz für Medikamente von den
allgemein üblichen 20 auf 25 Jahre ausgedehnt werden soll.
Auf dem Spiel steht nach Einschätzung der Ärzte
ein vor vier Jahren eingeführtes Programm, das allen Thailändern
gegen 35 US-Cent pro Behandlung eine medizinische Grundversorgung garantiert.
2005 wurde das Programm von 47,3 Millionen der 64 Millionen Thailänder in
Anspruch genommen.
Gefährdet wäre darüberhinaus die Versorgung
von 80 000 HIV/AIDS-Patienten mit lokal produzierten Generika. Zur Zeit kosten
diese Medikamente etwa 30 US-Dollar im Monat. »Sollten die USA ihre
Vorstellungen durchsetzen können und den Patentschutz ausweiten, wird
Thailand größte Probleme mit der Generikaproduktion bekommen«,
heißt es in einer Stellungnahme der Hilfsorganisation Ärzte ohne
Grenzen.
Anders als der Vertrag mit den USA sind die
Freihandelsabkommen Thailands mit Australien, Neuseeland und China in den
vergangenen Jahren ohne größere Diskussionen abgeschlossen worden.
Erste Folgen werden allmählich spürbar. Gute zwei Jahre nach
Inkrafttreten des Abkommens mit China etwa fühlen sich die
thailändischen Bauern der chinesischen Konkurrenz nicht mehr gewachsen,
die Äpfel, Knoblauch und Zwiebeln um das Zwei- bis Dreifache billiger
produziert, wie der thailändische Senator Kraisak Choonhaven
erklärt.
Das mit den Äpfeln wird sich geben, beschwichtigt
Vikrom Kronstat, stellvertretender Vorsitzender der
thailändisch-chinesischen Handelskammer. Und außerdem kämen
thailändische Früchte gut an in China. Kronstat geht davon aus,
daß sich die gemeinsame Handelsbilanz günstig entwickelt:
»China bietet einen Markt mit über 1,3 Milliarden Konsumenten, deren
Kaufkraft mit jedem Jahr stärker wird. Wir müssen nur einige Jahre
abwarten.«
Genau diese Argumente hat die Regierung auch im Fall USA.
Aber wer will schon Äpfel und Birnen vergleichen?
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