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Ein wenig bekannter Aspekt der Tragödie, die sich
derzeit im Irak abspielt, ist die systematische Liquidierung der Akademiker des
Landes. Konservativen Schätzungen zufolge sind bereits mehr als
zweihundertfünfzig Lehrer und Dozenten politischen Mordanschlägen zum
Opfer gefallen, und viele hundert weitere sind verschwunden. Da Tausende aus
Angst um ihr Leben aus dem Land fliehen, werden dem Irak nicht nur wichtige
intellektuelle Ressourcen entzogen, sondern auch die säkular orientierten
Mittelschichten, die ihre Einbindung in die US-Besatzung bisher verweigert
haben, dezimiert. Diese säkular ausgerichteten Mittelschichten waren es
auch, die das Rückgrat der Regierung Saddam Husseins bildeten und die auch
deshalb heute besonders verfolgt werden. Ein Umstand, der weitreichende Folgen
für die Zukunft des Irak haben wird. Schon am 14. Juli 2004 berichtete der
erfahrene Korrespondent Robert Fisk aus dem Irak:
»Universitätsdozenten hegen den Verdacht, daß es sich hier um
eine organisierte Kampagne handelt, die dem Irak seine Akademiker nehmen soll,
um so die Zerstörung der kulturellen Identität des Irak zu vollenden,
die mit dem Einmarsch der amerikanischen Armee in Bagdad begonnen hat.«
Diese Welle politischer Morde unterscheidet offenbar weder nach Partei noch
nach Konfession oder Geschlecht und hat sich über das gesamte Land
ausgebreitet. Außerdem trifft sie alle Fachbereiche: Unter den
Getöteten befinden sich sowohl Professoren für Geographie, Geschichte
und Arabistik als auch naturwissenschaftliche Gelehrte. Bisher ist nicht eine
einzige Person im Zusammenhang mit diesen Attentaten verhaftet worden. Laut der
Universität der Vereinten Nationen sind mittlerweile etwa 84 Prozent der
irakischen Einrichtungen für höhere Bildung niedergebrannt,
geplündert oder zerstört worden. Das Bildungswesen des Irak
gehörte unter Saddam Hussein zu den besten der Region, und seine gut
ausgebildete Bevölkerung war einer der wichtigsten Aktivposten des Landes.
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