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Investitionen in privatisierte
Wasserverorgungsunternehmen gehören derzeit zu den lukrativsten
Anlagen
Trinkwasser wird knapp. Innerhalb von 30 Jahren hat
sich die verfügbare Süßwassermenge weltweit um 40 Prozent
verringert. Ursachen dafür sind Urbanisierung, Umweltverschmutzung und der
ungeheure Wasserverbrauch der industrialisierten Landwirtschaft mit ihren
Monokulturen. 400 der 660 chinesischen Städte leiden unter
Wasserproblemen. Spanien, Portugal und Frankreich mußten im Jahr 2003
aufgrund von Niederschlagsausfällen die Wasserversorgung rationieren.
Gute Renditechancen
Knappe Waren sind in der Welt des globalisierten
Kapitalismus interessante Objekte. Sie versprechen kräftige Profite.
»Was rar ist, hat seinen Preis«. Unter diesem Motto
präsentierte die französische Großbank Société
Génerale Mitte März den neuen World-Water-Index, kurz WOWAX, der
die 20 größten globalen Unternehmen im Geschäft mit dem Wasser
umfaßt. Die Werbebroschüre für den WOWAX-Wertpapierkauf
analysiert nüchtern die weltweiten Probleme der Wasserversorgung und
zitiert bei der Bestandsaufnahme ohne Scheu die Kritiker der Profiteure im
privaten Wassergeschäft. Motto: Eure Bestandsaufnahme teilen wir, eure
Lösungsvorschläge nicht.
Die Kritiker wollen verhindern, daß Wasser zur Ware
wird. Seit einigen Jahren fordern sie, die UNO möge Wasserversorgung als
Menschenrecht anerkennen und verbindlich als öffentliches Gut deklarieren.
Anders als in den Sektoren Energie oder Telekommunikation befinden sich
tatsächlich noch 90 Prozent der Wasserversorgung in öffentlicher
Hand. Doch, so frohlockt die Société Génerale,
»Investionsbedarf auf der einen sowie die angespannte Finanzlage vieler
öffentlicher Haushalte auf der anderen Seite, lassen eine deutliche
Steigerung des Markanteils privater Unternehmen erwarten.«
Die Frage, ob Wasser eine Ware oder Allgemeingut ist, ist
mancherorts schon längst entschieden. In Frankreich, Großbritannien
und den USA, aber vor allem in einigen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und
Asiens haben die global player im Wassergeschäft die Versorgung in den
Großstädten übernommen: RWE in Jakarta, Biwater in Dar Es
Salaam und Suez-Ondeo in Neu Delhi. Die Preise steigen unvermeidlich, denn nun
geht es ja nicht mehr nur darum, die Wasserversorgung zu gewährleisten,
sondern auch die nötige Rendite für die aktiennotierten Konzerne
abzuwerfen. Oft übernehmen, wie zum Beispiel in Jakarta, die Kommunen
sogenannte Ausfallbürgschaften. Das heißt konkret: Sollte der
vertraglich angepeilte Gewinn nicht erreicht werden, muß die
öffentliche Hand aufkommen. Aber auch im SPD/Linkspartei.PDS-regierten
Berlin wird so verfahren.
Widerstand in Soweto
Besonders wichtig ist also die Zahlungsdisziplin der Kunden.
Um die zu erhöhen, werden immer mehr sogenannte Prepaid-Systeme
installiert, zum Beispiel auf den Philippinen, in Namibia, Ägypten,
Tansania oder China. Das System funktioniert wie beim Telefonieren mit einer
Karte: Ist das Guthaben aufgebraucht, gibt es kein Wasser mehr. Als wichtigstes
Pilotprojekt dafür gilt die südafrikanische Wirtschaftsmetropole
Johannesburg und ihr Township Soweto. Das noch staatliche
Wasserversorgungsunternehmen Johannesburg Water muß kostendeckend
arbeiten nicht nur in den wohlhabenden Vierteln, in denen es mehr als
100 000 private Swimming-Pools gibt, sondern auch in den Townships, wo die
Arbeitslosigkeit hoch und Armut verbreitet ist. So will es die Weltbank, von
deren Krediten Südafrika so wie fast alle Länder des
Südens abhängig ist. Der französische Konzern Suez Ondeo
hat einen Managementvertrag mit Johannesburg Water abgeschlossen und
unterstützt das Unternehmen bei der Umsetzung der Weltbank-Vorgaben. Die
Bank empfiehlt das Prepaid-System, um »Kostendeckung zu erreichen und
Privatisierung zu beschleunigen«. Die Leidtragenden sind die privaten
Endverbraucher: Für die Bewohner in Soweto sind die Wasserpreise nach
Angaben der Gewerkschaften um 400 Prozent gestiegen.
Die Wut der Bewohner von Soweto richtet sich gegen die
installierten Zähler. Aktivisten des Soweto Crisis Komitees ziehen deshalb
regelmäßig los, um die robusten Meßgeräte
herauszureißen und die Rohrenden direkt miteinander zu verbinden. Dann
fließt das Wasser wieder auch ohne Chipkarte.
Das erste große Prepaid-Water-Projekt startete 1992
unter Margaret Thatcher im britischen Birmingham drei Jahre nach der
Privatisierung der gesamten Wasserversorgung in Großbritannien. Innerhalb
kurzer Zeit hatten 2 500 Haushalte kein fließendes Wasser mehr. Der
Wasserversorger bezeichnete das damals zynisch als
»self-disconnect«: Nicht er, sondern die Kunden selbst hätten
sich schließlich vom Wasser abgeklemmt. Die Gesundheits- und
Hygieneverhältnisse in den betroffenen Haushalten waren dramatisch. Nichts
funktionierte mehr: Keine Toilettenspülung, kein Wasserhahn, keine Dusche,
keine Waschmaschine. Viele Bewohner verrichteten ihre Notdurft in einem Topf,
dessen Inhalt sie dann aus dem Fenster kippten. 1998 schließlich
erklärte die britische Regierung das Prepaid-Water-System für
illegal.
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