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Die Moral
macht’s
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Im Journalismus gibt es immer mehr Public
Relations, Propaganda und Geschenke. Dagegen wendet sich das »Netzwerk
Recherche«, das am Wochenende in Hamburg tagt Das »Netzwerk Recherche«, ein Zusammenschluß, der dem kritischen Journalismus wieder Geltung verschaffen will, schlägt Alarm. Public Relations (PR), die Öffentlichkeitsarbeit von Interessenverbänden und Unternehmen, kolonisiere den Journalismus, hieß es am Donnerstag in einer Stellungnahme des Vereins, dem Journalisten und Medienwissenschaftler angehören. Im Vorfeld seiner Jahrestagung war das Netzwerk mit einer Studie an die Öffentlichkeit getreten, die die schleichende Verwischung der Grenzen zwischen PR und Journalismus belegen soll. Betroffen von dem Problem ist heute wohl so ziemlich jeder Journalist, ob im Rundfunk, Fernsehen oder in der Zeitungsproduktion: Die Zeit ist knapp, die Besetzung der Redaktionen ausgedünnt, die Honorare der freien Mitarbeiter sind meist hundsmiserabel. Da ist die Verlockung groß, auf fertige Textbausteine aus Presseerklärungen zurückzugreifen. Gute Pressesprecher haben längst gelernt, Mitteilungen so zu formulieren, daß Redaktionen sie ohne weiteres als eigenes Produkt ausgeben können. Nur selten wird der Leser durch das verschämte Kürzel »ots« (für »Originaltextservice«) darauf hingewiesen, doch die wenigsten werden dessen Bedeutung kennen. Die Übernahme von Presseerklärungen ist noch die harmlosere Variante. Gravierender sind allerlei Geschenke an Journalisten und redaktionelle Beilagen, die eigens zur Plazierung von Anzeigen erstellt werden. Mit entsprechend gefälligen Artikeln, die das Beworbene – zum Beispiel Reisen oder Autos – zusätzlich anpreisen, versteht sich. Das I-Tüpfelchen besteht schließlich im Vermeiden kritischer Beiträge, die den Werbekunden unangenehm sein könnten. Seit 2000 habe dieser Einfluß der PR zugenommen, meint man beim »Netzwerk Recherche«. Das ist just jenes Jahr, in dem es in der Printbranche zu einem drastischen Einbruch des Anzeigengeschäfts kam und mehrere tausend Redakteure auf die Straße gesetzt wurden. Doch der rührige Verein sieht neben den ökonomischen Zwängen noch andere Zusammenhänge. So würde an vielen Fachhochschulen in der Ausbildung inzwischen die Trennung zwischen Journalisten und »Öffentlichkeitsarbeitern« aufgehoben. Ein Blick in die Verbandsorgane der Deutschen Journalistenunion (DJU), die Teil von ver.di ist, und des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) zeigt zudem, wie unkritisch man an das Problem herangeht. PR-Tätigkeiten werden dort mit großer Selbstverständlichkeit als journalistische Arbeit geschildert, ohne daß das Spannungsfeld zwischen unabhängigem Journalismus und interessensgeleiteter Öffentlichkeitsarbeit auch nur erwähnt wird. Im Februar hatten die kritischen Journalisten einen Medienkodex veröffentlicht, der für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Darin wird in zehn Grundsätzen unter anderem von Journalisten gefordert auf Vorteilsnahme zu verzichten und sich von PR gänzlich fern zu halten. Desweiteren werden die im journalistischen Alltag allzu oft vergessenen handwerklichen Grundsätze hochgehalten: Sorgfältige Recherche, seriöse Berichterstattung, Unterscheidung von Fakten und Meinungen und nicht zuletzt Wahrhaftigkeit. Besonders mit der expliziten Forderung »Journalisten machen keine PR« stieß der Verein in ein Wespennest. Der Anspruch sei naiv, beschied das PR-Fachmagazin V.i.S.d.P.. DJU und DJV reagierten mit Unverständnis. Der Medienkodex sei unrealistisch und laufe auf ein Berufsverbot für junge Kollegen hinaus, hieß es. Beim Netzwerk läßt man sich davon nicht beirren und fordert eine stärkere Abgrenzung gegen PR und Schleichwerbung in einem Pressekodex des Presserats. Unternehmen sollten den Verzicht auf kommerzielle Beeinflussung erklären, und eine angemessene Vergütung müsse her, damit wirtschaftliche Zwänge nicht mehr als Rechtfertigung für das Verwischen von PR, Werbung und Journalismus dienen können. Hier zumindest könnten sicherlich auch die Berufsverbände zustimmen. An diesem Wochenende hält das »Netzwerk
Recherche« in Hamburg seinen Jahreskongreß ab. Es werden 600
Journalisten erwartet. Auf dem Programm stehen zahlreiche Referate, unter
anderem zum »Einfluß der Geheimdienste auf die
Berichterstattung«, zur »Datenmacht der Suchmaschine Google«,
zum »Versagen des Wissenschaftsjournalismus« und zur »Rolle
von Experten in Presse, Funk und Fernsehen«. Außerdem soll die
»verschlossene Auster« verliehen werden. Und zwar an die Person des
öffentlichen Lebens, die sich als besonderer
»Informationsblocker« hervorgetan hat. Der Preisträger wird
erst auf dem Kongreß bekanntgegeben. 20.5., NDR, Konferenzzentrum, Hamburg, Beginn 8.30 Uhr |
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