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Die völlig neue
Meinungsfreiheit
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Replik auf die Replik zur Replik Vorgeschichte: Kommentar in Fortsetzung Herr Posé hat mir heute geantwortet. Seine Antwort ist bereits an mindestens einer anderen Stelle veröffentlicht worden. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als erneut darauf einzugehen.
Für alle, die es eilig haben:
Doch viele werden Posés Entgegnung vollständig gelesen haben und sich hoffentlich die Zeit nehmen, auch noch einmal meine Meinung dazu zu hören.
1. Herr Posé definiert die Gültigkeit der Aussagen seines Original-Textes Die bereits im Kasten (oben) zitierte Aussage kann nur mit sehr viel Phantasie und gutem Willen so verstanden werden, dass es sich dabei nicht um das gesamte Steueraufkommen, sondern ausschließlich um das Aufkommen aus der Einkommensteuer handele. Auch, dass er im nächsten Satz erklärt hatte, 50 Prozent der Bestverdienenden erwirtschaften 96,1 Prozent der Einkommensteuer zwingt nicht gerade zu dem Schluss, auch sein vorherige Satz habe sich nur auf die Einkommensteuer bezogen.
2. Herr Posé hätte sich ohne Mühe auch korrekt ausdrücken können Was heißt denn das? Wie hoch ist denn
das Aufkommen der Einkommensteuer? Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt auf ihren Internetseiten folgende Auskünfte zur Verteilung des Steueraufkommens - bezogen auf den Steuerkuchen des Jahres 2004: Von ingesamt 442,2 Milliarden Steuereinnahmen, stammte exakt 1,0 Prozent aus der veranlagten Einkommensteuer. Wenn also, wie Herr Posé für seine Argumentation reklamiert, 10 Prozent der Bestverdienenden 54 Prozent der Einkommensteuer gezahlt haben, dann handelt es sich insgesamt um einen Betrag in Höhe von 2,4 Milliarden Euro. Das ist zwar - auf einen Haufen gelegt - sehr viel Geld, aber eben immer noch nur ein halbes Prozent des gesamten Steuerkuchens. 30 Prozent des gesamten Steuerkuchens, also fast das 60-fache, hat die Lohnsteuer eingebracht. Nun zählt aber die Lohnsteuer im Grunde auch zur Einkommensteuer. Es handelt sich dabei lediglich um eine sogenannte "besondere Erhebungsform der Einkommensteuer". Insofern ist Posés Aussage in sich nochmals unpräzise.
3. Herr Posé behauptet, bei der Durchsicht meiner Argumentation entstünde der Eindruck, als würde die Mehrwertsteuer von den Reichen nicht bezahlt - und das sei ihm neu. Tatsächlich habe ich geschrieben: "Ein weiteres Drittel
Das lässt nicht den Eindruck entstehen, als würde die Mehrwertsteuer von den Reichen nicht bezahlt, weist aber darauf hin, dass der Beitrag der Reichen zum Mehrwertsteueraufkommen wiederum nur marginal ist. Das kann man überschläglich so beweisen: Wenn die von den Bestverdienenden gezahlte Einkommensteuer, jene 2,4 Milliarden Euro, durchweg mit dem Höchststeuersatz von 42 Prozent errechnet wurde, dann blieben den Bestverdienenden maximal 58 Prozent, also 3,31 Milliarden für den Konsum. So, und nun unterstellen wir ganz einfach, diese 3,31 Milliarden seien tatsächlich voll und ganz für vollständig mehrwertsteuerpflichtigen Einkäufe zum Normalsatz von 16 Prozent verwendet worden (was zwar eine völlig absurde Annahme ist, aber am Ergebnis praktisch nichts ändert), dann wären daraus tatsächlich 457 Millionen Euro Mehrwertsteuer geflossen.
Weniger als eine halbe Milliarde von insgesamt 137 Milliarden Mehrwertsteuer - ziemlich genau 1/3 Prozent der Mehrwertsteuer, gerade einmal 1 Promille des gesamten Steueraufkommens. Ich glaube, diesen Sachverhalt habe ich mit meiner Formulierung ziemlich präzise zum Ausdruck gebracht. Herrn Posés Entgegnung darauf erscheint in diesem Lichte ziemlich überflüssig.
4. Herr Posé wirft mir vor, seinen Artikel nicht richtig gelesen zu haben, und Themen anzusprechen, die er gar nicht erwähnt hat a) Nun ja, wie soll ich vorher wissen, was er hinterher gemeint haben will. b) Dinge anzusprechen, die ein anderer wohlweislich nicht erwähnt, ist oft erhellend. Wenn Herr Posé bis ins Altertum hinein die Philosophen bemüht, um über "Gerechtigkeit" einerseits und "soziale Gerechtigkeit" andererseits zu schwadronieren, und dann als einziges Maß für diese Gerechtigkeit eine einzige Unterart der Einkommensteuer heranzieht, dann muss man, wenn man vernünftig entgegnen will, auch über alle anderen Steuern reden - und man muss auch über diejenigen Steuern reden, die gar nicht mehr erhoben werden, und auch über solche, die vielleicht "um einer höheren Gerechtigkeit willen" erhoben werden sollten. Das, so finde ich, belebt die Diskussion und eröffnet Lösungsalternativen, die man nicht sehen kann, wenn man - paralysiert wie ein verängstigtes Kaninchen - nur auf die Schlange "Einkommensteuer" fixiert ist. So will ich also den Vorwurf zurückgeben und Herrn Posé vorhalten, er habe sein Thema vollkommen unzureichend behandelt. (Sie erinnern sich an die Überschrift? Die hieß nämlich "Die Gerechtigkeit und das Soziale")
5. Herr Posé behauptet, er stünde mit seiner Kritik an der Reichensteuer nicht allein Jetzt verliert der nette Mensch, der mich mit dem Florett der feinen Ironie spöttelnd zum "sympathischen Herrn Kreutzer" ernannte, leider wieder vollkommen den Überblick. Er, der jegliche steuerliche Mehrbelastung der Reichen als Zumutung empfindet, glaubt, dass auch jene, die darauf hinweisen, die Reichensteuer sei nicht mehr als ein symbolischer Akt - ein Placebo, um die von Mehrwertsteuererhöhung und Streichung der Fahrkostenpauschale gebeutelten Normalverbraucher ruhig zu halten - mit ihm gemeinsam am gleichen Strange zögen. Nein, Herr Posé: Auch ich halte die beschlossene Reichensteuer für einen Witz, aber das macht mich noch lange nicht zum Fürsprecher weiterer steuerlicher Entlastung der Bestverdienenden.
6. Herr Posé behauptet, die Vermögenssteuer sei abgeschafft Glücklicherweise ist auch das nicht wahr. In Bezug auf die Vermögenssteuer sieht die Lage nämlich so aus: Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass die Unterschiede in der Vermögensbewertung (Immobilien nach dem meist deutlich unter dem Verkehrwert liegenden Einheitswert, Geldvermögen aber zum vollen Nominalwert) eine Ungleichbehandlung darstellt. Das haben die Länder zum Anlass genommen, die nach wie vor als Instrument des gesamten Finanzierungsbaukastens des Staates existierende Vermögenssteuer einfach nicht mehr zu erheben - anstatt, was eher die Aufgabe gewesen wäre, neue Regeln für eine verfassungsgemäße Bewertung aufzustellen.
7. Herr Posé philosophiert über unterschiedliche Staatsverständnisse und die Notwendigkeit einer völlig neuen Verfassung Der sympathische Herr Posé wird zum Schluss versöhnlich. Er habe nichts gegen meine Vorschläge (vielen Dank!), glaubt aber, dafür brauche es eine völlig neue, andere Verfassung - und ist gespannt, ob ich dafür die Mehrheiten gewinne. Bedauerlicherweise scheint Herr Posé auch selten in der Verfassung zu blättern.
In der Verfassung steht auch der Grundsatz von der Sozialbindung des Eigentums: "Das Eigentum und das Erbrecht werden
gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt. Der wird nun zwar schon lange nicht mehr
beachtet, aber man braucht keine neue Verfassung, um ihn zu reaktivieren.
8. Herr Posé zitiert George Bernhard Shaw Der berühmte Aphoristiker hat gesagt: "Die Menschen sind nur bereit, für
Dinge zu sterben, die ihnen hinreichend unklar sind." Das hat Herrn Posé beeindruckt, wohl, weil dieser Gedanke ebenfalls einer zynischen Einstellung entspringt, und natürlich auch, weil er glaubt, seinen Gegner mit dieser schnell hingeworfenen Anmaßung desavouieren zu können. Nun, wenn Zitate auch keine Argumente sind, es hat weisere Menschen gegeben, als Shaw, die zitierfähige Äußerungen hinterlassen haben: Schon Cicero wusste, Zum Reichtum führen viele Wege. Und die meisten sind schmutzig. Mahatma Gandhi formulierte
unübertrefflich, John F. Kennedy war sicher: und, last but not least, Seneca, der Mann mit dem guten Spruch für jede Lebenslage, meinte: |
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