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Infos von  www.das-gibts-doch-nicht.info
Februar 2005   Info von:  
Mit Atombomben gegen Argentinien?

Der Falklandkrieg zwischen England und Argentinien im April/Mai 1982 ist bei uns schon lange der Vergessenheit anheim gefallen. Seit Jahren hat kein Informations-Medium mehr etwas darüber verlauten lassen. Aber entspricht diese Grabesstille der tatsächlichen Situation?

In dem damaligen Verlierer-Land scheint das nicht der Fall zu sein. Das liegt einerseits daran, dass Argentinien den Anspruch auf die Falkland-Inseln nie aufgegeben hat und allen Ernstes der Meinung ist, die Engländer hätten völkerrechtlich dort nichts verloren. Sie werden als Okkupanten betrachtet, und jede argentinische Regierung, egal welcher politischen Richtung sie angehörte, hat auf internationaler Ebene darauf gepocht, dass diese „widerrechtliche Besetzung“ beendet wird.

Aber es ist nicht nur ein überzogener Patriotismus, der die Argentiner aller Gesellschafts-Klassen in diesem Thema eint. Als ich im Dezember 2003 nach Buenos Aires kam, drückte mir ein Freund die Zeitung „El Dia“ aus La Plata vom 6. Dezember 2003 in die Hand, die einen Bericht brachte, den ich auch heute – nach mehr als einem Jahr – noch aktuell finde.

Wer zu der Kriegszeit in Argentinien war, wird sich vielleicht daran erinnern, dass dort plötzlich die Warnung zirkulierte, es sei mit einem Atomangriff der Engländer auf die Stadt Córdoba zu rechnen. Dort wurden eiligst Verdunkelungs-Maßnahmen getroffen, ähnlich denen, die man im Deutschland des 2. Weltkriegs in allen Städten teilweise erfolgreich durchgeführt hatte. Córdoba lieg im Landesinnern und ist mit rund einer Million Einwohnern eine der bedeutendsten Industriezentren und Universitäts-Städte. Um Córdoba gruppiert sich ein Großteil der Automobil-Industrie sowie ein Teil der den Streitkräften gehörenden Forschungs- und Fertigungs-Betriebe.

Nicht-Argentiner hielten die argentinischen Vorkehrungen für hysterisch übertrieben und meinten, die kämen sich wohl mit solchen Dingen bedeutend vor. In Europa wurde die argentinische Angst vor einem Atomangriff erst gar nicht bekannt. War alles wirklich nur Hysterie? Lassen wir den genannten Artikel für sich sprechen.


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Aus „El Dia“, Tageszeitung aus La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires,
6. Dezember 2003, Seite 3
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Verstimmung mit London nach der Atomwaffen-Enthüllung.

Es werden Erklärungen über die englische Bewaffnung während des Falkland-Krieges verlangt.

Die nationale Regierung Argentiniens forderte von Großbritannien „präzise und komplette Informationen“ über die Nachricht, dass englische Kriegsschiffe mit atomaren Waffen an Bord am Krieg um die Falkland-Inseln 1982 teilgenommen haben. Der Sprecher ließ wissen, dass man diese Frage vor internationale Gremien bringen werde.

„Die argentinische Regierung verlangt von der britischen Regierung eine genaue und komplette Auskunft über die bekannt gewordenen Tatsachen und fordert eine Zusicherung in glaubwürdiger Form, dass an keiner Stelle im Südatlantik, weder in gesunkenen Schiffen, noch auf dem Meeresgrund, in irgend einer Form oder irgend einem Zustand atomare Waffen oder Sprengköpfe vorhanden sind“, ließ der Regierungssprecher in einem Communiqué verlauten.

Die Aufforderung an die britische Regierung wurde gestern nachmittag vom Vizekanzler Jorge Taiana an die zweite Sekretärin der britischen Botschaft in Buenos Aires, Catherine Rogle, übergeben, die in Abwesenheit des auf Reisen befindlichen Botschafters Robert Christopher das Dokument entgegennahm.

Eine überhörte Reklamation

Die nationale Regierung brachte zum Ausdruck, dass die gestern verbreitete und von der englischen Regierung bestätigte Enthüllung „sehr schwerwiegend ist“ und dass sie „zutiefst bedauert, dass das Vereinigte Königreich die zu gegebener Zeit von Argentinien formulierten Anzeigen über diese Situation ignoriert“ habe.

„Diese Tatsache hätte für die Bewohner, die Bodenschätze und die Umwelt der betroffenen Region katastrophale Konsequenzen haben können. Daher ist es unannehmbar, sie mit logistischen Gründen bei einer Operation zu rechtfertigen, die zur Erhaltung einer Kolonialherrschaft im Südatlantik bestimmt war“, fügte der Sprecher hinzu.

Weiterhin wurde die Absicht bekannt, diese Angelegenheit vor den zuständigen internationalen Gremien vorzutragen, und man erinnerte an die „vielen und wiederholten Resolutionen und Deklarationen vor den UN-Gremien und der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten)“.

Diese Reaktion des (argentinischen) Präsidenten Kirchner wurde bekannt trotz der gestern von der englischen Regierung abgegebenen Erklärung, die atomar bewaffneten britischen Kriegsschiffe seien weder in argentinische Gewässer noch in die der Falkland-Inseln eingedrungen und hätten auch keine Absicht zum Gebrauch (dieser Waffen) gehabt.

Der argentinische Protest und das englische Dementi bezogen sich – ohne dies spezifisch auszudrücken – auf das englische Kriegsschiff Sheffield, welches am 4. Mai 1982 von der argentinischen Luftwaffe versenkt wurde.

Ein im Jahr 1991 von der IAEA (Internationale Atomenergie-Agentur) in Wien herausgegebener Bericht stellte fest, dass dieses Schiff noch immer mitsamt seiner kompletten atomaren Bewaffnung auf dem Grund des Atlantiks liegt.

Der (argentinische) Verteidigungsminister José Pampuro gab an, dass er nach dem formellen Erhalt der Nachricht aus Großbritannien zusammen mit dem Präsidenten Nestor Kirchner und dem Kabinettschef Alberto Fernandez am Donnerstag bis spät in die Nacht hinein über die Sache beraten habe.

Englische Erklärung

Stunden danach ließ die englische Regierung über ihre Botschaft in Buenos Aires erklären, dass „kein Schiff mit atomarer Bewaffnung in die Gewässer Argentiniens oder der Falkland-Inseln eingedrungen“ sei.
„Auf Grund der Bauart der Waffen hätte nicht einmal ein direkter Treffer auf einem der diese Waffen transportierenden Schiffe eine atomare Explosion hervorrufen können“, hieß es weiter in der Verlautbarung, in welcher auch versichert wurde: „In keinem Augenblick während des Konflikts war geplant, Atomwaffen einzusetzen“.

Großbritannien erklärte auch, dass „nach der Rückkehr in das Vereinigte Königreich alle Waffen überprüft und für intakt befunden“ wurden und „kein Atomsprengkopf verloren ging und die versenkten englischen Schiffe nicht mit Atomwaffen ausgerüstet gewesen“ seien.

Die argentinische Luftwaffe hatte während dieses Krieges außer der Sheffield noch das Versorgungsschiff Atlantic Conveyor und die Zerstörer H.M.S. Antrim und H.M.S. Coventry sowie (unter anderen) die Fregatten Brillant, Argonaut, Antilope, Arden und Plymouth versenkt.
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Soweit der Zeitungsbericht. Ich finde darin weder Hurra-Patriotismus noch Wichtigtuerei. Dagegen bleiben deutlich zwei Fragenkomplexe im Raum stehen:

1. Die IAEA (Internationale Atomenergie-Agentur) in Wien spricht von einer kompletten atomaren Ausrüstung an Bord der gesunkenen Sheffield. Die Engländer streiten dies ab. Wer hat recht – und wer lügt?

2. Die Engländer haben nur dementiert, dass ihre atomar bewaffneten Schiffe in argentinische oder Falkland-Gewässer eingedrungen seien. Sie dementierten nicht, dass es mehrere englische Kriegsschiffe mit atomarer Bewaffnung im Krieg gegen Argentinien gab. Angeblich wollte man die Atomwaffen „in keinem Moment“ einsetzen. Warum hat man sie dann spazieren geführt? Müssen englische atomare Sprengköpfe gelegentlich „Gassi geführt werden“ wie ein Hund? Oder hatte die Drohung des Atombomben-Einsatzes gegen die argentinische Provinzhauptstadt Córdoba doch einen konkreten Hintergrund? Stand die Welt dank des „Spieltriebs“ der „eisernen Lady“ Thatcher kurz vor einem Atomkrieg? Wären das diese windgepeitschten, kahlen, schafbeweideten und angeblich strategisch wertlosen Falkland-Inseln wert gewesen? Den Argentinern wirft man Hysterie vor, wer war aber tatsächlich hysterisch? Und warum hat unsere so freiheitliche Presse uns dies alles so gründlich verschwiegen?

Ein Parallele drängt sich mir auf: Als zu Gorbatschows Zeiten ein Halbverrückter Deutscher namens Matthias Rust mit seinem kleinen Sportflugzeug das gesamte Radar-Abwehrnetz des Warschauer Paktes austrickste und unentdeckt auf dem Roten Platz in Moskau landete, horchte die Welt auf. Rust hätte eine Atombombe an Bord haben und die Welthauptstadt des Bauern- und Arbeiterparadieses in die Luft jagen können. Noch heute zittern russische Militärs vor diesem Gedanken mit mehr Begründung als die amerikanischen Geheimdienste vor Arabern mit Teppichmessern.

Die Argentiner waren im Besitz von französischen Exocet-Raketen gewesen, allerdings ohne die Ziel- und Lenkvorrichtungen, die solche Raketen sicher ins Ziel leiten. Argentinische Ingenieure haben sich diese Vorrichtungen selber gebaut – und argentinische Piloten steuerten die englischen Kriegsschiffe im Tiefflug über dem Südatlantik an, unterhalb des Erfassungswinkels der englischen Radarschirme. Ob Matthias Rust von den Argentinern gelernt hatte, wie man eine Weltmacht austrickst?



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