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Der Falklandkrieg zwischen England und Argentinien im
April/Mai 1982 ist bei uns schon lange der Vergessenheit anheim gefallen. Seit
Jahren hat kein Informations-Medium mehr etwas darüber verlauten lassen.
Aber entspricht diese Grabesstille der tatsächlichen Situation?
In dem damaligen Verlierer-Land scheint das nicht der Fall
zu sein. Das liegt einerseits daran, dass Argentinien den Anspruch auf die
Falkland-Inseln nie aufgegeben hat und allen Ernstes der Meinung ist, die
Engländer hätten völkerrechtlich dort nichts verloren. Sie
werden als Okkupanten betrachtet, und jede argentinische Regierung, egal
welcher politischen Richtung sie angehörte, hat auf internationaler Ebene
darauf gepocht, dass diese widerrechtliche Besetzung beendet
wird.
Aber es ist nicht nur ein überzogener Patriotismus, der
die Argentiner aller Gesellschafts-Klassen in diesem Thema eint. Als ich im
Dezember 2003 nach Buenos Aires kam, drückte mir ein Freund die Zeitung
El Dia aus La Plata vom 6. Dezember 2003 in die Hand, die einen
Bericht brachte, den ich auch heute nach mehr als einem Jahr noch
aktuell finde.
Wer zu der Kriegszeit in Argentinien war, wird sich
vielleicht daran erinnern, dass dort plötzlich die Warnung zirkulierte, es
sei mit einem Atomangriff der Engländer auf die Stadt Córdoba zu
rechnen. Dort wurden eiligst Verdunkelungs-Maßnahmen getroffen,
ähnlich denen, die man im Deutschland des 2. Weltkriegs in allen
Städten teilweise erfolgreich durchgeführt hatte. Córdoba lieg
im Landesinnern und ist mit rund einer Million Einwohnern eine der
bedeutendsten Industriezentren und Universitäts-Städte. Um
Córdoba gruppiert sich ein Großteil der Automobil-Industrie sowie
ein Teil der den Streitkräften gehörenden Forschungs- und
Fertigungs-Betriebe.
Nicht-Argentiner hielten die argentinischen Vorkehrungen
für hysterisch übertrieben und meinten, die kämen sich wohl mit
solchen Dingen bedeutend vor. In Europa wurde die argentinische Angst vor einem
Atomangriff erst gar nicht bekannt. War alles wirklich nur Hysterie? Lassen wir
den genannten Artikel für sich sprechen.
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Aus El Dia, Tageszeitung aus La Plata, der Hauptstadt der Provinz
Buenos Aires, 6. Dezember 2003, Seite 3
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Verstimmung mit London nach der
Atomwaffen-Enthüllung.
Es werden Erklärungen über die englische
Bewaffnung während des Falkland-Krieges verlangt.
Die nationale Regierung Argentiniens forderte von
Großbritannien präzise und komplette Informationen
über die Nachricht, dass englische Kriegsschiffe mit atomaren Waffen an
Bord am Krieg um die Falkland-Inseln 1982 teilgenommen haben. Der Sprecher
ließ wissen, dass man diese Frage vor internationale Gremien bringen
werde.
Die argentinische Regierung verlangt von der
britischen Regierung eine genaue und komplette Auskunft über die bekannt
gewordenen Tatsachen und fordert eine Zusicherung in glaubwürdiger Form,
dass an keiner Stelle im Südatlantik, weder in gesunkenen Schiffen, noch
auf dem Meeresgrund, in irgend einer Form oder irgend einem Zustand atomare
Waffen oder Sprengköpfe vorhanden sind, ließ der
Regierungssprecher in einem Communiqué verlauten.
Die Aufforderung an die britische Regierung wurde gestern
nachmittag vom Vizekanzler Jorge Taiana an die zweite Sekretärin der
britischen Botschaft in Buenos Aires, Catherine Rogle, übergeben, die in
Abwesenheit des auf Reisen befindlichen Botschafters Robert Christopher das
Dokument entgegennahm.
Eine überhörte Reklamation
Die nationale Regierung brachte zum Ausdruck, dass die
gestern verbreitete und von der englischen Regierung bestätigte
Enthüllung sehr schwerwiegend ist und dass sie zutiefst
bedauert, dass das Vereinigte Königreich die zu gegebener Zeit von
Argentinien formulierten Anzeigen über diese Situation ignoriert
habe.
Diese Tatsache hätte für die Bewohner, die
Bodenschätze und die Umwelt der betroffenen Region katastrophale
Konsequenzen haben können. Daher ist es unannehmbar, sie mit logistischen
Gründen bei einer Operation zu rechtfertigen, die zur Erhaltung einer
Kolonialherrschaft im Südatlantik bestimmt war, fügte der
Sprecher hinzu.
Weiterhin wurde die Absicht bekannt, diese Angelegenheit vor
den zuständigen internationalen Gremien vorzutragen, und man erinnerte an
die vielen und wiederholten Resolutionen und Deklarationen vor den
UN-Gremien und der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten).
Diese Reaktion des (argentinischen) Präsidenten
Kirchner wurde bekannt trotz der gestern von der englischen Regierung
abgegebenen Erklärung, die atomar bewaffneten britischen Kriegsschiffe
seien weder in argentinische Gewässer noch in die der Falkland-Inseln
eingedrungen und hätten auch keine Absicht zum Gebrauch (dieser Waffen)
gehabt.
Der argentinische Protest und das englische Dementi bezogen
sich ohne dies spezifisch auszudrücken auf das englische
Kriegsschiff Sheffield, welches am 4. Mai 1982 von der argentinischen Luftwaffe
versenkt wurde.
Ein im Jahr 1991 von der IAEA (Internationale
Atomenergie-Agentur) in Wien herausgegebener Bericht stellte fest, dass dieses
Schiff noch immer mitsamt seiner kompletten atomaren Bewaffnung auf dem Grund
des Atlantiks liegt.
Der (argentinische) Verteidigungsminister José
Pampuro gab an, dass er nach dem formellen Erhalt der Nachricht aus
Großbritannien zusammen mit dem Präsidenten Nestor Kirchner und dem
Kabinettschef Alberto Fernandez am Donnerstag bis spät in die Nacht hinein
über die Sache beraten habe.
Englische Erklärung
Stunden danach ließ die englische Regierung über
ihre Botschaft in Buenos Aires erklären, dass kein Schiff mit
atomarer Bewaffnung in die Gewässer Argentiniens oder der Falkland-Inseln
eingedrungen sei. Auf Grund der Bauart der Waffen hätte
nicht einmal ein direkter Treffer auf einem der diese Waffen transportierenden
Schiffe eine atomare Explosion hervorrufen können, hieß es
weiter in der Verlautbarung, in welcher auch versichert wurde: In keinem
Augenblick während des Konflikts war geplant, Atomwaffen
einzusetzen.
Großbritannien erklärte auch, dass nach der
Rückkehr in das Vereinigte Königreich alle Waffen überprüft
und für intakt befunden wurden und kein Atomsprengkopf
verloren ging und die versenkten englischen Schiffe nicht mit Atomwaffen
ausgerüstet gewesen seien.
Die argentinische Luftwaffe hatte während dieses
Krieges außer der Sheffield noch das Versorgungsschiff Atlantic Conveyor
und die Zerstörer H.M.S. Antrim und H.M.S. Coventry sowie (unter anderen)
die Fregatten Brillant, Argonaut, Antilope, Arden und Plymouth versenkt.
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Soweit der Zeitungsbericht. Ich finde darin weder
Hurra-Patriotismus noch Wichtigtuerei. Dagegen bleiben deutlich zwei
Fragenkomplexe im Raum stehen:
1. Die IAEA (Internationale Atomenergie-Agentur) in Wien
spricht von einer kompletten atomaren Ausrüstung an Bord der gesunkenen
Sheffield. Die Engländer streiten dies ab. Wer hat recht und wer
lügt?
2. Die Engländer haben nur dementiert, dass ihre atomar
bewaffneten Schiffe in argentinische oder Falkland-Gewässer eingedrungen
seien. Sie dementierten nicht, dass es mehrere englische Kriegsschiffe mit
atomarer Bewaffnung im Krieg gegen Argentinien gab. Angeblich wollte man die
Atomwaffen in keinem Moment einsetzen. Warum hat man sie dann
spazieren geführt? Müssen englische atomare Sprengköpfe
gelegentlich Gassi geführt werden wie ein Hund? Oder hatte die
Drohung des Atombomben-Einsatzes gegen die argentinische Provinzhauptstadt
Córdoba doch einen konkreten Hintergrund? Stand die Welt dank des
Spieltriebs der eisernen Lady Thatcher kurz vor einem
Atomkrieg? Wären das diese windgepeitschten, kahlen, schafbeweideten und
angeblich strategisch wertlosen Falkland-Inseln wert gewesen? Den Argentinern
wirft man Hysterie vor, wer war aber tatsächlich hysterisch? Und warum hat
unsere so freiheitliche Presse uns dies alles so gründlich
verschwiegen?
Ein Parallele drängt sich mir auf: Als zu Gorbatschows
Zeiten ein Halbverrückter Deutscher namens Matthias Rust mit seinem
kleinen Sportflugzeug das gesamte Radar-Abwehrnetz des Warschauer Paktes
austrickste und unentdeckt auf dem Roten Platz in Moskau landete, horchte die
Welt auf. Rust hätte eine Atombombe an Bord haben und die Welthauptstadt
des Bauern- und Arbeiterparadieses in die Luft jagen können. Noch heute
zittern russische Militärs vor diesem Gedanken mit mehr Begründung
als die amerikanischen Geheimdienste vor Arabern mit Teppichmessern.
Die Argentiner waren im Besitz von französischen
Exocet-Raketen gewesen, allerdings ohne die Ziel- und Lenkvorrichtungen, die
solche Raketen sicher ins Ziel leiten. Argentinische Ingenieure haben sich
diese Vorrichtungen selber gebaut und argentinische Piloten steuerten
die englischen Kriegsschiffe im Tiefflug über dem Südatlantik an,
unterhalb des Erfassungswinkels der englischen Radarschirme. Ob Matthias Rust
von den Argentinern gelernt hatte, wie man eine Weltmacht austrickst?
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