Teheran hält in der Zwischenzeit daran
fest, dass es laufende Pläne zur Eröffnung einer Ölbörse in
Konkurrenz zum New Yorker NYMEX und zur International Petroleum Exchange IPE in
London habe. Die Iraner wollen ihre Ölbörse in Euro und nicht in
US-Dollar betreiben. (Anm.PHI: Wir rechnen erst im Herbst damit) Wiederholt
habensie erklärt, sie wollten ihre Euro-Ölbörse im Juni
eröffnen, wieder taucht da dieser Monat auf. Im Hinblick auf diese
bevorstehende iranische Ölbörse ging ein Trommelfeuer von Meldungen
durch die westliche Presse, des Inhalts, dass diese Börse nie
funktionieren werde. Als Konstante wiederholte sich in all diesen Artikeln,
dass die Iraner nicht in der Lage seien, all die Handelsregeln und Bestimmungen
einzuführen, die sich im Westen etablierthaben, deshalb werde die
iranische Ölbörse nie funktionieren. Dies stellt das, was die Iraner
tun wollen, falsch dar – wahrscheinlich absichtlich. Wenn man ihren
eigenen Stellungnahmen Glauben schenkt, haben die Iraner gar nicht die Absicht,
eine «Kopie» einer westlichen Börse einzurichten. Was sie
planen, ist eine muslimische Börse.Der islamische Bankverkehr arbeitet mit
dem «Hawala»-Zahlungssystem. Mit diesem System funktioniert die
Bezahlung oft schneller und billiger als mit westlichen Überweisungen. Das
System ist unmöglich zu regulieren. Das «Problem» liegt im
viel höheren Bedarf an Bargeld. Grosse Teile der Abrechnungs- oder
Saldierungsverfahren von Zahlungen erfolgen innerhalb der muslimischen Welt in
«harten» Währungen wie Gold oder Golddinar. Alle
Aufzeichnungen über Transaktionen werden nach Abschluss eines Wechsels
oder einer Zahlung sofort vernichtet. Es gibt keine Regeln, wonach Absender
oder Empfänger identifizierbar sein müssten. In der Praxis
funktioniert das folgendermassen: Ein Mann von den Philippinen, ein Muslim, der
in den Golf-Emiraten arbeitet, wird bezahlt. Er geht dann zum Bazar, oder
arabisch «souk», und findet einen Geldwechsler. Er übergibt
ihm einen grossen Teil dessen, was er gerade verdient hat und erhält
dafür einen Kreditbrief und einige Tage später geht seine Frau , die
auf den südlichen Philippinen lebt mit diesem Kreditbrief, in ein kleines
muslimisches Büro oder einen Laden und erhält dort das Geld. Der
«physikalische Beweis» dieser Transaktion wird anschliessend
völlig gelöscht. Es ist, als ob die Bezahlung nie stattgefunden
hätte. In vielerlei Hinsicht funktioniert das muslimische Hawala-System
ähnlich wie das System, das man im Mittelalter in Europa verwendete.. Auf
den grossen Märkten des mittelalterlichen Europas trugen die Leute, die
von überall herkamen, Kreditbriefe aber wenig Bargeld auf sich. Nachdem
sie die Kreditbriefe präsentiert hatten, konnten sie auf der Messe ein
Konto eröffnen. Sie verkauften, kauften, borgten und verliehen Unmengen
auf diesen europäischen Märkten. War der Markt vorüber, wurden
alle Geschäfte «bereinigt», und nur dort, wo eine Differenz
bestand, wurde diese mit Bargeld ausgeglichen. Anschliessend wurden die
Aufzeichnungen weitgehend zerstört. Die Kaufleute, die dieses System
leiteten, führten ihrerseits eine zweite Art «Clearing» unter
sich durch und auch hier wurde nur dann Bargeld ausgetauscht, wenn eine
Nettodifferenz offenblieb. Danach zerstörten auch sie ihre eigenen
Aufzeichnungen. Es gab keinen Grund mehr für Aufzeichnungen, alle
Zahlungen waren abgewickelt, und es gab keine Guthaben oder Schulden mehr.
Dieses nahezu unsichtbare System machte Könige, Fürsten und Adlige
schier verrückt, genauso wie den grössten Landbesitzer dieser Epoche,
die katholische Kirche. Sie wussten, was vor sich ging, aber sie konnten es
nicht sehen. Da war ein staubiger junger Schwede durchaus in einer besseren
Position. Er konnte zu Fuss oder zu Pferd von Stockholm auf einen dieser
Märkte gelangen, nur mit einem Stück Papier in der Tasche, und
konnte, einmal dort angekommen, mit grossen Mengen handeln. Dann konnte er den
Heimweg nach Stockholm antreten – mit einem anderen Stück Papier in
der Tasche. Nach Hause zurückgekehrt, präsentierte er dieses
Stück Papier einem lokalen Kaufmann, und prompt händigte ihm dieser
eine mit schwedischen Münzen gefüllte Börse aus. Anschliessend
verschwand der «Beweis» ganz einfach. Dieses globale muslimische
Zahlungssystem treibt die westlichen Geheimdienste zum Wahnsinn, weil es
undurchsichtig ist. Es bestehen nahezu keine Aufzeichnungen. Diejenigen
Aufzeichnungen, die zu irgendeiner Zeit existieren, werden fortlaufend
zerstört, sobald die Transaktion abgeschlossen ist. Westliche
Steuerbehörden sind genauso ausser sich. Wie kann man ohne weit
zurückreichende «Papierspur» herausfinden, wer wieviel
Einkommen hat, um den Einzelnen dafür zu besteuern? Es gibt natürlich
Betrugsmöglichkeiten bei allen Beteiligten, aber wer will sich vor einem
Scharia-Gericht die Hand abhacken lassen, weil er einen gefälschten
Kreditbrief vorgelegt hat. Ausserdem genügt eine einfache telefonische
Rückfrage um sich die Echtheit eines Kreditbriefs oder Einzahlungsscheins
bestätigen zu lassen.
Dieses System will der Iran etablieren
Die iranische Euro-Ölbörse wird zum
Teil auf dieser Basis arbeiten. Muslime, die in allen Formen des Handels und
Geldwechsels ausgezeichnet sind, werden natürlich mit westlichen Banken
zusammenarbeiten und werden in Verbindung mit westlichen Zahlungssystemen den
Euro benutzen, so gut wie andere westliche Währungen. Doch das muslimische
Hawala-Zahlungssystem wird dort auch eingesetzt werden, falls irgendein
westlicher Kaufmann es nutzen möchte. Das System ist ideal für
«kriminelle» Aktivitäten, aber es ist genauso perfekt für
ehrenhafte Kaufleute, die Privatsphäre wünschen. Es ist
unzugänglich für westliche Steuersysteme und andere Mächte.
(Quelle: The Privateer, April 2006, Nr. 551. Es ist von PHI nicht
überprüfbar, ob der Iran tatsächlich solche Absichten hat; ist
aber durchaus glaubwürdig. Die Abrechnung im Drogenhandel und
Menschenhandel, funktioniert, sowie die Bezahlung von Terroristen funktioniert,
so wie die Geldsendungen ausländischer Schwarzarbeiter in die Heimat
funktionieren auch in dieser Weise. ) |